1. She works in a mysterious way her wonders to perform

    19. Mai 2012 | Germanistenfuzzi

    Neuer parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Bundestagsfraktion soll der Hausmeister, Herr Fritsche, werden. Das sagte Frau Merkel, die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, am Vormittag in Camp David.

    Der bisherige parlamentarische Geschäftsführer, Peter Altmeier, muß Umweltminister werden. Der hat zwar bisher mit Umwelt nicht viel Kontakt gehabt, aber das hatte Merkel auch nicht, als seinerzeit sie Umweltministerin wurde. “Am Dienstag,” hatte Merkel Altmeier befohlen, bevor sie nach Camp David flog, “am Dienstag melden Sie sich bei mir und können Umwelt.”

    Zwar hat theoretisch Volker Kauder, der Fraktionsvorsitzende, das Vorschlagsrecht für die Position des parlamentarischen Geschäftsführers, aber nach dem, was Norbert Röttgen passiert ist, halten sich alle in der CDU mit Widerspruch gegen Angela Merkel zurück, besonders Kauder, in dessen Emailpostfach heute morgen das Foto einer seidenen Drosselschnur gefunden wurde. Ein roter Pfeil, der auf die Schlinge zeigt und die gekritzelten Worte “Da rein!”, sowie die Anonymität des Absenders lassen Kauder, zurecht oder zuunrecht, davon ausgehen, daß die Mail eine Warnung sein soll. Zumal, da, als er aus der Haustür trat, der Kadaver eines Hundes auf dem Fußabtreter lag und jemand einen Farbanschlag auf seinen Dienstwagen verübt hatte.

    Zwar hat sich inzwischen herausgestellt, das es nur eine tote Maus war, an der die Katze das Interesse verloren hatte, und der vermeintliche Farbanschlag ein Taubenklecks, der allerdings die Beifahrertür von oben bis unten beschmaddert hatte, und die Mail eine Anleitung zum Krawattenbinden für Krawattenmuffel, mit der der Kaufhof seinen langjährigen Online-Kunden etwas Gutes tun und sie fester an sich binden wollte, aber es zeigt, wie weit man in der CDU mittlerweile mit den Nerven runter ist. Kauder also widerspricht Merkel nicht, auch wenn diese zur Zeit weit von Berlin weilt, denn in der CDU feiert der Glaube, daß Merkel auch aus der Ferne Wunder wirken kann, und auf geheimnisvolle Weise alles erfährt, was in der CDU geschieht, ängstliche Urständ.

    “Ich glaube, daß Herr Fritsche eine gute Wahl ist,” sagte Kauder daher vorsichtshalber, “in Rechnung gestellt, daß er länger im Reichstag ist, als die meisten von uns, daß er Wege kennt, die wir nicht kennen, Asservatenkammern, von denen wir nicht einmal ahnen, mit lauter Sachen, die man bestimmt einmal gut gebrauchen kann, und daß er mit den Lieferanten auf Duzfuß steht.”

    “Das sollte eigentlich alles klappen.”

    “Gut ist auch, daß er nicht in der CDU ist. Das ist in diesen Zeiten ein großer Vorteil.”

    Damit spielt Kauder auf den frühen politischen Tod an, der viele CDU-Männer bereits ereilt hat, und dessen Ursache nocht nicht bekannt ist. Kauder scheint aber einen Zusammenhang mit der Parteimitgliedschaft zu sehen oder jedenfalls nicht auszuschließen. Der 63jährige parteilose Fritsche verfügt, so glaubt Kauder, diesbezüglich möglicherweise über die robustere Gesundheit und größere Reserven als ein junger CDU-Politiker.

    “Die Art und Weise, wie Herr Fritsche in der Vergangenheit seine Hausmeisterpflichten gestemmt hat – das Einsammeln des Milchgeldes hat immer tadellos geklappt -, läßt erwarten, daß er die Geschäfte der Fraktion nicht minder tadellos führen wird. Ich kann mir nicht vorstellen, daß da irgendwas vorkommen sollte, daß etwa die Kasse nicht stimmt, oder die Bücher nicht in Ordnung sind. Das glaube ich nicht.”

    “Außerdem will Frau Merkel es so. Also.”

    In der Tat muß Frau Merkels Wahl keine schlechte sein. Hausmeister verstehen es, wie wir wissen, eine bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft zu beaufsichtigen, zusammenzuhalten und zu verhindern, daß einzelne ausscheren und machen, was sie wollen. Das kann der Fraktionsdisziplin nur zugute kommen. Aber wer wird neuer Hausmeister?

    “Neuer Hausmeister wird Krücke Mißfelder.”

    Können Sie den denn entbehren? Wird der nicht gebraucht?

    “Ja. Nein. Wir sind knapp mit Leuten, aber einige sind schon über.”

    Aber kann der das denn? Nicht jeder von uns ist schließlich der geborene Hausmeister.

    “O ja! Er wird seine Sache gut machen. Wildgeparkte Rollatoren auf der Besuchertribüne? Das wird es unter Krücke nicht mehr geben. Da läßt der knallhart schon mal die Luft aus den Reifen.”

    “Und wenn sie keine Luftreifen haben, sind sie schwuppdiwupp zusammengefaltet und in der Asservatenkammer verschwunden.”

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  2. Dauerkrise

    17. Mai 2012 | Gero

    Die Grünen haben den Rauswurf Norbert Röttgens aus der Eurozone im ARD-Fernsehen als “Neuen Höhepunkt der Dauerkrise von Schwarz-Gelb” bezeichnet, denn die ARD-Tagesschau hatte sie darum gebeten, etwas Kluges zu dem Rauswurf zu sagen, damit man etwas habe, das man senden könne und das ARD-Publikum nicht anschweigen müsse.

    Um dem Fernsehen zu willfahren und in Zukunft wieder gefragt zu werden, hatte der Grüne Cem Özdemir folgende Grafik vorbereitet und im ARD-Brennpunkt in die ARD-Kamera gehalten:

    Das Schaubild zeigt den Verlauf der Krise (gelb) von 2009 (links) bis heute (rechts) aus Sicht der Grünen (grün). Auf der y-Achse (senkrecht) ist die Höhe der Höhepunkte eingetragen, wobei oben hoch (schwere Krise) meint und unten niedrig (leichte Krise). Die Beschriftung wurde in schwarz vorgenommen, als Font hat man Arial gewählt. Beim Koordinatensystem handelt es sich um ein zweidimensionales kartesisches.

    Wie man dem Schaubild entnimmt, handelt es sich bei der Krise von Schwarzgelb um die schwere Sorte mit lauter Höhepunkten (Dauerkrise).

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  3. Ältere Frauen wollen regieren!

    16. Mai 2012 | Spambart der Schreckliche

    Vatertagsangebot

    CDU-Mitgliedschaft: Für Männer kostenlos!

    Keine Kreditkarte erforderlich!

    Triff dich mit einer reifen Bundeskanzlerin und sei schon heute abend parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion!

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  4. R.O.T.S.P.O.N. – Der volle Kanal

    13. Mai 2012 | Johann Fürchtegott Pürckhauer

    Kaum haben wir ihn die Montagspest genannt (R.O.T.S.P.O.N., 2. Jg., Bd. 3, S. 785), versucht der Gegner eine Finte und fällt uns in den Arm, indem er sich dem schwarzen Block anschließt, Existenzialistenrolli anzieht, Doofmannbrille aufsetzt und ab sofort Donnerstags erscheint. Wieviel Angst muß einer haben, daß er eher solch eine Brille aufsetzt, als weiterhin montags zu erscheinen, wo er hingehört und wo man ihn findet? Was ist das überhaupt für ein Tag, Donnerstag! Thors Tag? Das ist schon lange nicht mehr Thors Tag! Der Donnerstag ist einer der jämmerlichsten Gesellen unter den Wochentagen, ja, ich stehe nicht an zu sagen, der Donnerstag, das sei der Jan Fleischhauer unter den Tagen.

    Der Zug war aber insofern nicht unklug, als donnerstags keiner von uns Zeit hat. Abends ist Stammtisch, und soll vielleicht einer darauf verzichten, bloß weil er seine Polemik noch nicht fertig hat? Da schreibt man doch lieber keine und sagt sich, soll Fleischhauer doch gegen die Piraten wüten, wenn ihm das Spaß macht, wen kratzt es schon, was einer gegen die Piraten schreibt? Soll er gegen die Piraten schreiben, dann hat er was zu tun, ist abgelenkt, und wir Erwachsenen können unserem Tagewerk nachgehen.

    Nun aber hat er das Waffenstillstandsabkommen gebrochen, hat eine Kolumne geschrieben, die laut Titel 100 000 Zeilen Haß hätte enthalten müssen, und wenn man nachzählte, waren es nicht mal 100, und viele davon bloß halb, und was er Haß nennt – na, da haßte meine Großmutter die Fliege an der Wand heftiger und mit mehr Ingrimm, und verfolgte sie mit mehr Erfindungsreichtun, mit Klatsche, Pantoffel und Zeitung und was sonst eben zur Hand war. Und Germanistenfuzzi befahl mir, obwohl es Donnerstag war, eine Polemik zu schreiben.

    Dabei hatte ich noch Glück, denn donnerstags pflegt Germanistenfuzzi zu laufen, jedenfalls wenn nicht Oktober, November, Dezember, Januar, Februar, März, April oder schlechtes Wetter ist, und wenn er dann am Stammtisch sitzt, hat er noch soviel balgeigene Endorphine im Balg, daß man ihm einen zähen Büffel für ein zartes Kalb andrehen kann, und einen Donnerstag für einen Freitag.

    “Fürchtegott,” sprach Germanistenfuzzi jedenfalls zu mir, als wir uns am Donnerstagabend trafen, “Fürchtegott, schön, daß du kommst. Du kommst mir eben recht. Du schreibst mir eine Polemik wider Fleischhauer, wie gehabt, bis 23 Uhr. Wie spät ist es jetzt? Was, schon Freitag? Na gut, bis spätestens Samstag. Widerspruch zwecklos. Vergiß nicht, daß du mir noch den Kaugummi schuldest von damals.”

    Und hier ist sie. 1 Stück Polemik halb und halb:

    Wer noch immer nicht weiß, warum es sich lohnt, ab und zu die FDP zu wählen,

    der sollte mich fragen: Es lohnt sich immer dann, die FDP zu wählen, wenn die Stimme mit angemessener Wahrscheinlichkeit verloren ist. Mit Betonung auf angemessen. Anstatt sich der Wahl zu enthalten oder den Stimmzettel ungültig zu machen, kann man dann die FDP wählen. Es hat den Vorteil, daß man ab der ersten Prognose am Wahlabend, von 4,8%, Fehlerquote 0,4%, mitzittern kann, wie die anderen Wähler: Bleibt sie unter fünf Prozent oder kommt sie drüber? Ein Thrill, den der Nichtwähler niemals hat.

    Natürlich, dazu muß sie, die FDP, wenigstens über vier Prozent kriegen. Bei 1 oder 2 Prozent macht die Sache keinen Spaß. Das ist es, was ich angemessene Wahrscheinlichkeit nenne.

    Was auch sehr schön ist, ist: mit Erststimme FDP wählen. Ich mache das immer, wenn der Kandidat wenigstens einigermaßen gewaschen und manierlich aussieht. Dann kriegt er meine Stimme. Ist er laut und unverschämt, so wie die Bettler vorm Kaufhof, die sich hinknien und ein unterwürfiges Gesicht ziehen und womöglich noch Dürerhände vors Kinn halten, daß man sie am Kragen in die Senkrechte ziehen möchte und sie schütteln und rufen: Bettele, wenn du betteln muß, du Ebenbild Gottes, aber schau deinem Gönner in die Augen, von gleich zu gleich, und zwinkere nicht! – so einer kriegt von mir kein Geld, und so ein Kandidat kriegt von mir auch keine Erststimme.

    Da gebe ich meine Erststimme dann doch lieber Helga Zepp-LaRouche.

    Aber ich habe den Haßredner unterbrochen:

    Wer noch immer nicht weiß, warum es sich lohnt, ab und zu die FDP zu wählen, musste am Montag nur in die “Süddeutsche Zeitung” schauen. Acht Prozent für die Freidemokraten in Schleswig-Holstein – und in München setzte Schnappatmung ein.

    Und anschließend wußte man, warum es sich lohnt, hin und wieder FDP zu wählen? Wenn in München Schnappatmung einsetzt, dann weiß man, warum es sich lohnt, hin und wieder FDP zu wählen? Oder weil in München Schnappatmung einsetzt, wenn man FDP wählt, lohnt es sich, hin und wieder FDP zu wählen?

    Warum? Was habe ich denn davon, wenn in München Schnappatmung einsetzt? Was ist überhaupt Schnappatmung?

    Schnappatmung ist ein Begriff aus der Medizin. Er bezeichnet eine schwere lebensbedrohliche Atemstörung, die oft dem Atemstillstand vorausgeht. Die Schnappatmung ist gekennzeichnet durch einzelne schnappende Atemzüge, zwischen denen lange Pausen liegen. In der Laienreanimation wird manchmal die Schnappatmung noch nicht als bedrohlicher Zustand erkannt.

    Sagt Wikipedia. Und was sagt Fleischhauer?

    Eine Attrappe sei die Partei, schrieb der Leitartikler und “Erich-Fromm”-Preisträger Heribert Prantl zum Wahlausgang im Norden,

    dann setzte er die Atemhilfmuskulatur mit ein, öffnete den Mund zum besseren Atemholen und lief blaß und blau (zyanotisch) an. Seine Atemfrequenz reduzierte sich auf 10/min, der Atem ging stoßhaft. Beim Einatmen durch den Mund beugte er den Kopf nach hinten, beim Ausatmen durch Mund und Nase sank der Kopf wieder nach vorne. Die Zunge fiel häufig zurück, das Atemzugvolumen wurde zu gering. Bald setzte, wegen des abfallenden Sauerstoffspiegels im Blut, Eintrübung ein.

    Und das alles nur, weil Fleischhauer hatte sagen wollen, Prantl habe vernehmlich nach Luft geschnappt, was dem Angeber aber nicht angeberisch genug klang. Dann lief ihm die Schappatmung über den Weg, und nun ist Prantl tot. Die Beerdigung ist am kommenden Dienstag.

    Zuvor aber tat Prantl was?

    “100 Zeilen Hass” hieß die berühmte Mobbing-Kolumne von Maxim Biller; die “SZ” hat das Format aus aktuellem Anlass wiederbelebt.

    Moment mal! Prantl hätte die Haßzeilen geschrieben? Nicht Fleischhauer? Zeigen Sie mal! – Tatsache. – Sie, das sind aber auch keine 100 000 Zeilen. Das sind noch nicht mal 100! Und das ist auch kein Haß, das ist eine relativ genaue Schilderung der FDP (Gummiente), auch wenn ich persönlich, der ich als Dreijähriger ein Gummiente hatte und diese sehr liebte, von der Gestalt der FDP nicht so sehr an den Schwimmvogel, als vielmehr vom Odeur an das Stinktier erinnert werde, dessen sich Ahörnchen und Behörnchen immer erwehren müssen. Ein aufblasbares, scheintotes Stinktier, meinetwegen auch das. – Jedenfalls ist Jan Fleischhauer ein Lügner. Oder vielleicht kein Lügner, aber jedenfalls ein hemmungsloser Übertreiber. Oder vielleicht kein hemmungsloser Übertreiber, aber jedenfalls ein Übertreiber. Voller Hemmungen. Verklemmt. Unangenehm. Die aufgeblasene, egomane Attrappe eines Schreiberlings, der mächtig Wind macht, wenn er ausholt, um den Gegner aufzuspießen, und dann immer knapp danebenpiekt:

    Die größte Wut entsteht oft aus enttäuschter Erwartung.

    Schreibt Fleischhauer. Und was schreibt Wikipedia?

    Diese Behauptung ist nicht hinreichend mit Belegen (bspw. Einzelnachweisen) ausgestattet. Hilf bitte Fleischhauer, indem du den Quatsch korrigierst und gute Belege für das Gegenteil einfügst.

    Mach ich doch gerne:

    Enttäuschte Erwartung? Dummes Zeug! Wenn ich bei Spiegel Online einen Artikel finde, dann erwarte ich, daß er auf deutsch geschrieben ist, den einen oder anderen geraden Satz enthält und hinreichend mit Belegen (bspw. Einzelnachweisen) ausgestattet ist. Wenn diese Erwartung enttäuscht wird, und das wird sie, dann gebe ich doch deswegen bei Prantl keinen Leitartikel in Auftrag! Nein, große Wut entsteht vielmehr aus enttäuschter Liebe! Fragen Sie irgendeinen, der als Dreijähriger eine aufblasbare Gummiente hatte und diese sehr liebte, und der dann eines Tages diese Jugendliebe bei einem tête-à-tête mit mit dem ebenfalls dreijährigen Germanistenfuzzi antreffen mußte! Oben auf der Büsumer Strandpromenade, wo er sie vor aller Augen bestieg und ihr den Schnabel rhythmisch auf den Boden dötschte. Das schmerzt! Das erzeugt Wut. Aber die FDP? Welcher Jüngling liebt schon die FDP?

    Natürlich kennt gerade das Bürgertum, das Bildungsbürgertum, das literarisch beflissene zumal, den Topos des Jünglings, der sich in die Dirne verliebt. Aber ist das wirklich Liebe? Diese Erlösungsphantasie? Ist das nicht eine verquere Art von Besitzdenken? Privatisierungsflausen? – Wohlja!

    Aber davon abgesehen: Prantl ist kein Jüngling mehr. Und den Jüngling, der sich in eine so abgehalfterte Lebedame, wie die FDP eine ist, verknallt, welche morgens eine geschlagene Stunde im Bad verbringen muß, weil sie sich unverputzt nicht mehr unter Leute traut, und das zurecht, und die, wenn sie wieder hervorkommt, trotz aller Mühen bloß ausschaut wie Rainer Brüderle, den Jüngling will ich sehen! Das heißt, den Jüngling will ich lieber nicht sehen. Doch, den will ich sehen.

    Wie man sieht, hatte man am Stammsitz des anständigen Deutschlands fest mit dem Ableben der Liberalen gerechnet.

    Wie man sieht? Wie man nicht sieht. Woran sollte man das sehen? Prantl hatte geschrieben, daß die Hure FDP bereits verendet sei, und zwar irgendwann unter Westerwelle, nicht aber, daß er mit ihrem Ableben in Schleswig-Holstein gerechnet hätte und nun wegen dessen Ausgebleibenseins irritiert wäre. Wie man zwar auch nicht sieht, aber mit gleichem Recht aus der Luft greifen und in die Welt hinaus posaunen kann, ist es Fleischhauer vollkommen egal, was er schreibt. Zurecht. Es ist ja auch egal. Er will ja bloß eine Gelegenheit, seinen Dummschmus vom “Stammsitz des anständigen Deutschlands” anzubringen, einem Deutschland, von dem er stolz ist, ihm nicht anzugehören. Dabei wissen gerade wir anständigen Deutschen, daß es so etwas wie ein anständiges Deutschland überhaupt nicht gibt, und wahrscheinlich auch nicht geben kann, solange Karl-Theodor nicht zurück ist. Und unser Stammsitz, das weiß jeder, ist nicht München, sondern ein kleiner Ort in Oberfranken.

    Nun musste man nicht nur mit ihrer wundersame Auferstehung fertig werden, sondern auch noch mit der Tatsache, dass diese ausgerechnet von einem solchen Windbeutel wie Wolfgang Kubicki bewerkstelligt wurde, einem Mann, der nach eigenem Bekenntnis zur Entspannung gerne “Steiner, das Eiserne Kreuz” schaut

    Man beachte dieses Detail. Es ist nicht einfach so dahererzählt, es ist ihm wichtig. Einst, es war in Betzingen, bei der Jungen Union, und Fleischhauer an jenem Abend mal kein Freund der Freiheit sondern Freund des Konservativseins, denn er hängt sein Mäntelchen gern in die Abluft des Stalles, in dem er gerade zu Gast ist, da sollte Fleischhauer den jungen Leuten erklären, was der Vorteil des Konservativseins sei, denn die jungen Leute waren selber konservativ und hatten also von nichts eine Ahnung, vom Tuten nicht, vom Blasen nicht, und von den Wonnen des Konservativseins auch nicht. Darum mußte Fleischhauer sie ihne aufzählen, und er wie folgt: man dürfe als Konservativer in gemischter Gesellschaft Darmwinde lassen und sein Wasser ins Handwaschbecken abschlagen.

    Was? Das hätte er so nicht gesagt? – Wie hat er es denn gesagt? – Man dürfe schnelle Autos lieben und den Frauen unter die Motorhaube gucken?

    Das ist doch dasselbe. Das Rohe, das Gemeine, Landsknechtische, es hat es ihm angetan. Das neben den Spucknapf rotzt

    und sich auch sonst wenig schert, was man in den besseren Vierteln von ihm hält.

    Seh’n Sie? Die besseren Viertel, muß man wissen – zu denen gehört ein Kubicki nicht, und sei er gleich Rechtsanwalt, Abgeordneter, Fraktionsvorsitzender, Volkswirt, Geschäftsmann, Aktionär, Kommanditist und Scheiß, der es sich leisten kann, nur zum Spaß und für ein Taschengeld, auf das er nicht angewiesen wäre, prominente Hurenbuben zu verteidigen. Das verschafft einem Mann keine Reputation. Die besseren Viertel – da kann man nicht hinziehen. Die besseren Viertel sind virtuell, es gibt sie nur in Fleischhauers wirrer Vorstellung. Dort wohnen die Mitglieder eines elitären Zirkels, dem man nicht beitreten kann, in den man vielmehr berufen wird. In einem geheimen und erniedrigenden Aufnahmeritual muß man sich dessen erst einmal als würdig erweisen, indem man sich unterwirft und gelobt, zum Wasserlassen künftig die Toilette aufzusuchen und sich anschließend die Hände zu waschen.

    Oder, um in der Diktion der “Süddeutschen” zu bleiben: einem Intriganten, Quertreiber und Egomanen, der für ein fetziges Morgeninterview seine Großmutter verkaufen würde, wenn er noch eine hätte.

    Hieran ist nun so gut wie alles falsch. Es ist die Dame FDP in Schleswig-Holstein nicht auferstanden, sondern der Windbeutel Kubicki hat sie zurück auf die Straße geschickt, damit sie anschaffen geht. Das hat sie auch getan, aber die Preise, die sie heutzutage realisiert, haben sich, auch in der Provinz, mehr als halbiert gegenüber dem, was sie vor ein paar Jahren unter dem Loddel Westerwelle geholt hat. Daran ist nichts Wundersames. Und Kubicki, um auch das richtig zu stellen, würde nicht nur seine Großmutter verkaufen, wenn er das nicht schon längst getan hätte, sondern er würde darauf bestehen, daß der Staat, der ihm sonst nicht abwesend genug sein kann, den Großmutterhandel mit halbiertem Mehrwertsteuersatz fördere. Begründung: sonst würden die Leute ihre Großmütter in Polen kaufen.

    Man darf in Deutschland alles Mögliche wählen, ohne dass dies größere Nachfragen auslöst – grün, rot, orange, zur Not auch mal schwarz. Selbst die Linkspartei mit ihrem Traum vom bankenfreien Sozialismus, wo jeder beim Staat sein Konto hat, findet in den deutschen Leitmedien noch ihre Verteidiger. Nur ein Bekenntnis zur FDP setzt einen verlässlich dem Verdacht aus, nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben, beziehungsweise selber ein Vertreter jener Intriganten- und Egomanengesellschaft zu sein, wie sie angeblich die Freidemokratie bevölkert. Ich weiß, wovon ich rede: Seit ich meine Sympathien für die Freunde der Freiheit erkennen ließ, werde ich regelmäßig aufgefordert, mich in Therapie zu begeben.

    Da muß ich ihn, als Beiträger eines deutschen Leitmediums, mal in Schutz nehmen: Eine Therapie käme viel zu spät. Die hätte er vor Jahren gebraucht.

    Soviel muß wahr sein. Was aber nicht wahr ist, ist die Behauptung:

    Ich weiß, wovon ich rede

    Er weiß selbstverständlich nicht, wovon er redet. Es ist hierzulande nicht verboten, FDP zu wählen. Es ist hierzulande auch nicht zwar erlaubt, aber. Man setzt sich damit auch keinem Verdacht aus, und man wird auch nicht zum Irrenarzt geschickt. Und wenn doch, Fleischhauer, sagen Sie es mir; das gibt sofort einen auf die Mütze – heh, Prantl, haben Sie Fleischhauer einem Seelenklempner anempfohlen? Lassen Sie das! Nehmen Sie ein bißchen Rücksicht. Der Mann ist schließlich auch nur ein Mensch! All die Patienten, all das Elend! – Fleischhauer kann wählen, was er will, Punkt. Was er in der Intimität seiner Wahlkabine macht, geht keinen was an.

    Was anderes wäre es, wenn einer mit einem blaugelben Schal, Schirmmütze, Vuvuzela und Bierfahne ins Wahllokal käme, rülpste, in der Kabine laut und unter fingierten Kotzlauten die Namen der anderen Parteien vorläse, sich in den Schritt faßte, an der Urne einen Eckfahnentango zum besten gäbe, und mit obszöner Geste den Wahlzettel in den Schlitz stopfte. Ein solcher setzte sich nicht nur dem Verdacht aus, nicht alle Tassen im Schrank zu haben, ein solcher setzte sich vielmehr dem Verdacht aus,

    selber ein Vertreter jener Intriganten- und Egomanengesellschaft zu sein, wie sie angeblich die Freidemokratie bevölkert.

    Meinetwegen. Ich würde es allerdings so nicht gesagt haben, ich würde statt dessen gesagt haben: wenn des Abends hier an der Bundesstraße, wo alle paarhundert Meter eines dieser Campingmobile steht, mit so einer Funzel im Cockpit, diese Sorte Campingmobil, und daneben parkt ein PKW, dann fährt man diskret vorbei und schielt nicht nach der Nummer, sondern seufzt allenfalls bei sich, je nun, die Welt sei groß, die Welt sei bunt, und wir seien allzumal Sünder.

    Wenn aber wo ein auffällig gelbes, mit blauer Schrift beklebtes, sogenanntes Guidomobil zwischen den anderen auftaucht, mit blauem Doppelbett und gelben Kissen, mit Funzel im Cockpit, mit blauer “18″ auf gelbem Fransenschirm, und daneben parkte einer, auf dessen Dach ein Schild, von Strahlern angeleuchtet, dem Vorüberfahrenden mitteilte: Hier parkt Jan Fleischhauer, der berühmte SPON-Kolumnist, der selbsternannte Freund der Freiheit,, und auf der anderen Seite stünde: der hiermit seiner Sympathie für die Inhaberin dieses blaugelben Mobils Ausdruck zu geben wünscht. – gesetzt den Fall, man käme an einem solchen Stilleben vorbei: was würde man denken?

    Nun, zunächst einmal würde man denken: Verboten ist auch das nicht. Wir sind hier nicht in Schweden, wo man dem Freier einer Prostituierten aus seinem Mißgeschmack einen Strick drehen könnte. Was einer im Innern solch eines Campingmobils treibt, wen geht es etwas an? Die Welt ist groß, die Welt ist bunt. Die Welt ist manchmal sogar schön. Aber daß es nicht verboten ist, heißt ja noch lange nicht, daß es nicht abgeschmackt wäre.

    Irgendsoetwas in der Art würde man denken. Was man aber bestimmt nicht denken würde, wäre, daß der Fahrer des PKW nur zufällig in der Gegend ist, und nur zufällig neben dem Guidomobil parkt, weil nämlich nicht weit davon ein Windrad steht, das er zu warten hat.

    In welchem Fall er selbstverständlich alle Tassen im Schrank haben könnte. Aber das würde man nicht denken. Man würde schon denken, daß er im Guidomobil drin sei. Und das nicht, um dort SPON-Abos zu verkaufen.

    Die Verachtung geht inzwischen so weit, dass sich die Verächter nicht einmal mehr Mühe geben, näher zu begründen, was genau am deutschen Liberalismus so schlimm ist, dass man ihn sich in den Orkus der Parteiengeschichte wünscht.

    Und das zurecht.

    Denn was soll man das groß begründen? Zu welchem Ende? Ebensogut könnte man seinem Maulwurf erklären, warum er den Rasen in Ruhe lassen soll. Das tun Sie ja auch nicht. – Ja bitte? – Was Sie sagen! Sie erklären Ihrem Maulwurf, warum er Ihren Rasen in Ruhe lassen soll? – Man faßt es nicht! Ja, und, sagen Sie, versteht das Tier das denn? – Tatsächlich? – Je nun, Sie müssen bedenken: es ist halt ein Maulwurf. Mit dem kann man reden. Aber mit der unvernünftigen Kreatur?

    Haben Sie gesehen, was die hier schreibt:

    Um als politischer Outcast zu gelten, reicht es offenbar, dass man die Tarifautonomie bewahren möchte und die Hälfte seines Einkommens lieber selber behält, anstatt es Leuten wie Andrea Nahles, Sigmar Gabriel oder Jürgen Trittin anzuvertrauen, damit die es dann für einen ausgeben.

    Unvernunft! Um als politischer Outcast zu gelten, reicht es völlig hin, sich selbst als politischen Outcast zu bezeichnen, sich das Outcast-Schleifchen an die Brust zu heften, sich im SPIEGEL zu betrachten, mit dem Finger zu zeigen und zu sagen: Outcast! Wanted Man! Ab in die Badlands. Hast FDP gewählt, wie Millionen andere Gesetzlose auch. 133 alleine in Büsum, keine Woche her, und noch mal 13 in Büsumer Deichhausen. Mutig und unerschrocken! Du böser, böser Desperado Du! Du Du Du Du! Ach du meine Nase!

    Wer nach den Gründen für den beispiellosen Absturz der FDP sucht, findet ihn auch in diesem medialen Verurteilungskonsens.

    Ich würde das so nicht ausgedrückt haben wollen. Ich würde gesagt haben: Wer nach den Gründen für den beispiellosen Absturz der FDP sucht, sollte ihn unbedingt dort suchen, wo er ihn finden möchte. Die Alternative wäre, daß er ihn unversehens in der eigenen Hose fände. Was aber sucht der Mensch, wenn er vergißt, daß er eigentlich die Gründe für den beispiellosen Absturz der FDP hatte suchen wollen? Dann sucht er die Zustimmung des Umfeldes:

    Die meisten Menschen suchen die Zustimmung ihres Umfelds, nicht die Ablehnung, das schließt politische Fragen ein.

    Was aber macht das Umfeld zum bürgerlichen Umfeld? Der Bekenntnismut kann es nicht sein, denn:

    Gerade im bürgerlichen Umfeld ist es mit dem Bekenntnismut nicht weit her, das ideologische Rückgrat ist hier naturgemäß eher unterentwickelt.

    Naturgemäß? Gemäß welcher Natur? – Erinnern Sie sich noch, daß jener sagte, er wisse, wovon er rede? Und ich Ihnen sagte, er habe davon im Gegenteil keinen blassen Schimmer? – Ich hatte recht.

    Das macht das Gespräch mit liberal gesonnenen Leuten angenehm, weil sie einem nicht ständig ihre Überzeugungen um die Ohren hauen.

    Sagt einer, der seit Jahren nichts anderes tut, als den Leuten sein bißchen Überzeugung um die Ohren zu hauen.

    Brechen wir hier mal ab, und ziehen wir Bilanz:

    • Das Gespräch mit liberal gesonnenen Leuten ist angenehm, weil sie einem nicht ständig ihre Überzeugungen um die Ohren hauen.
    • Wenn aber einer einem einerseits seine Überzeugung habituell und per Kolumne ums Gehör haut,
    • zu welcher Überzeugung gehört, liberal gesonnen zu sein,
    • dann kann da etwas nicht stimmen.
    • Entweder das eine nicht,
    • oder das andere nicht.
    • Warum sollte da, nebbich, überhaupt etwas von dem Gesagten stimmen?

    Ist denn eigentlich – ich habe in den letzten zwanzig Jahren nicht aufgepaßt, weil es mir zu dumm wurde und auch zu langweilig – ist es denn eigentlich mittlerweile entschieden, wer die Hosen anhat, die Henne oder das Ei? Besteht Konsens darüber, ob es die Sache ist, die dem Begriff die Geringschätzung zuzieht, oder dieser dieselbe jener? Mit anderen Worten: die Freiheit könnte ja eine große Sache sein. Eine begeisternde Sache. Eine Sache, die zu tun hätte mit gesprengten Kerkermauern, verjagten Junkern und baumelnden Baronen. Abgedankten Alleinherrschern. Bauernland in Bauernhand. Raucherlaubnis am Tresen. Hanfanbau auf dem Balkon. Parken in zweiter Reihe. Eine Sache, die auch einen Pürckhauer aufs Faß springen ließe, die Faust recken und schreien: In tyrannos! Lieber stehend gestorben, als vor dem Kaufhof gekniet! Das Gesetz, es hat zum Schneckengang verdorben, was Adlerflug hätte werden sollen. Das Gesetz, es hat noch keinen großen Mann gebildet, aber die Freiheit, sie brütet Kolosse und Extremitäten aus!

    So wie ja auch die Liebe eine kolossale Sache ist. Und die Eifersucht! Sähe man die Freiheit hinten aus dem Guidomobil klettern, wahrhaftig, das täte weh. Der zeitweilige Verlust einer Gummiente an einen dreisten dreijährigen Nebenbuhler wäre nichts dagegen. Große Wut entstünde.

    Aber die Gefahr besteht nicht. Die Große Freiheit wird niemals aus dem Guidomobil klettern, weil sie niemals darinnen war. Sie paßte gar nicht hinein, zu kolossal ist sie dafür. Da hinein paßt nur die Kleine Freiheit, die Freiheit, statt 53% Spitzensteuer nur 50% zu zahlen. Diese Sorte Freiheit. Die feile, die für Geld zu habende. Die, deren Röcken ein Fleischhauer hinterherquielt.

    Es bleibe unausgemacht, ob es der Ruf der Dirne ist, von dem die Reputation des Freiers in die Gosse gezogen wird, oder nicht vielmehr derjenige jener durch diejenige dieses. Es ist im Falle der FDP und den ihr die Stange hinhaltenden auch gehupft wie gesprungen. Sie ziehen sich selbander hinab. Wer das schaukelnde Guidomobil am Straßenrand entdeckt und die daneben protzenden Rüdenurinale sieht, dem echappiert jede Restempathie. Der denkt nicht an die Freuden freier Liebe mehr, der denkt an Schmierinfektion.

    Womit wir wieder bei Kubicki wären, dem Helden des vergangenen Wochenendes. Der Mann ist in einem Stadium der Gelassenheit angekommen, das man unverschämt finden kann oder im Gegenteil erfrischend unkonventionell. In jedem Fall aber verschafft diese Unabhängigkeit den Freidemokraten eine Coolness, wie sie keiner der in Berlin verbliebenen Parteifreunde derzeit zustande bringt.

    Womit wir wieder bei unserem Muttersöhnchen wären und seiner Bewunderung für die großen Jungs. Die traun sich was!

    Wer traut sich schon, am Tag nach dem Wahlsieg die Einladung zum Gruppenbild mit der Entschuldigung auszuschlagen, er müsse seinen Rausch ausschlafen? Das muss einem erst einmal einfallen.

    Sicher. Aber ließen sich mit solchen Auftritten große Sprünge machen?

    Sicher, große Sprünge lassen sich mit solchen Auftritten nicht machen.

    Mein ich doch auch. Aber für den Anfang würde es der FDP ja vielleicht reichen, wenn die Stammkundschaft wieder anhielte. Mit dem Photo der knackigen Frau Weisband auf der Schiebetür des Piratenmobils jedoch ist dieser Erfolg sehr ungewiß.

    Aber für den Anfang würde den Freidemokraten ja der Wiedereinzug in den Bundestag reichen. Mit der braven Anbiederei eines Philipp Rösler ist der Erfolg nicht nur sehr ungewiss, sondern der Weg dahin auch noch furchtbar erniedrigend.

    Da hat er recht! Erniedrigend. Auf, FDP, in die Senkrechte! Friß Staub, wenn du Staub fressen mußt, – korrigiere: friß Staub! Aber friß Staub wie ein Mann, aufrecht, mit einem Glas in der Hand, und einem lockeren Spruch auf den Lippen!

    Wenn man schon untergeht, dann sollte man das nach Möglichkeit mit einem Glas in der Hand tun und einem guten Spruch auf den Lippen.

    Na, das ist doch mal ein Wort. Da stellen wir uns gern daneben und helfen zuschauen. Rotspon stiftet Germanistenfuzzi. Wünschen Sie auch Sprüche? Sprechen Sie uns an!

    Gegeben zu Käsdorf im Jahre des Herrn 2012, am 13. Tage des Maien.

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  5. Neuer Maya-Kalender bzw. alter Maya-Kalender belegt, daß der Weltuntergang bereits letztes Jahr stattgefunden hat

    11. Mai 2012 | Quastel

    Der neue alte Maya-Kalender, der jetzt in Guatemala gefunden worden ist, und der als der neueste älteste Maya-Kalender gilt, solange kein neuerer älterer Maya-Kalender gefunden wird, dieser Maya-Kalender berechnet den kommenden bzw. zurückliegenden, damals aber erst noch bevorstehenden Weltuntergang eindeutig für den 21. Dezember 2011. Der bislang gültige Weltuntergang vom 21.12.2012 verliert damit seine Gültigkeit.

    Den Kalender fanden Forscher an den Wänden und der Decke eines Raumes, den sie bei der Ausgrabungsstätte Xultun in Guatemala freilegten. Er stammt aus dem frühen 9. Jahrhundert. Xultun war eine gut 30 Quadratkilometer umfassende Universitätsstadt, in der zur Blütezeit wohl Zehntausende Maya und noch einmal so viele Studenten wohnten. Wozu genau der Raum damals gedient hat, ob es das Dienstzimmer eines der Universitätslehrer oder der Gemeinschaftsraum einer studentischen Verbindung war, läßt sich nur schwer bestimmen. Anscheinend hat der Raum in einer späteren Periode Landsknechten als Quartier gedient, und haben dieselben Wirtinnenverse über die komplizierten Berechnungen gemalt, bevor in einer noch späteren Periode ein Getränkemarkt dort Einzug hielt, denn die östliche Wand enthält eindeutig eine Preisliste für diverse berauschende Getränke. Es können dies aber natürlich auch die Studenten gemacht haben. Oder der Lehrkörper.

    Das größte Rätsel aber bleibt, wie die Forscher überhaupt auf diesen Raum gestoßen sind, nachdem sie doch, wie wir alle, am 21.12. des letzten Jahres den Löffel abgegeben, den Tornister abgeschnallt und die Stiefel ausgezogen haben. Ob das nicht unerklärlich sei, wurde der Vorsitzende der Gesellschaft zur Mehrung und Förderung des Unerklärlichen (GMFU), Germanistenfuzzi, gefragt, und zwar vom Schreiber dieser Zeilen, und zwar gestern abend, als der große Vorsitzende mit zween seiner Hunde eben heftig pustend, respektive hechelnd, vom Waldlauf zurückkam.

    “Zweiffellos,” pustete dieser, oder vielmehr höchstwahrscheinlich, beziehungsweise möglicherweise, spätestens dann jedenfalls, wenn er bereit sei, die Angelegenheit auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Das sei er aber nicht. Er gehe jetzt nämlich duschen und anschließend ins Pilgrimhaus, um seinen Flüssigkeitshaushalt zu konsolidieren. Weltuntergänge sollten sich in der Zwischenzeit an seine Sekretärin Tausendschönchen wenden und sich einen Termin geben lassen.

    Frau Tausendschönchen, vom Schreiber dieser Zeilen begrüßt, als sie den Hunden Wasser hinstellte, wußte Rat. Es sei ihr der Weltuntergang vom 21.12.2011 noch gut in Erinnerung. Es habe damals unter Leitung von Frau Tausendschönchen eine Expedition auf den Germanistenfuzzischen Dachboden stattgefunden, mit dem Ziel, den Karton mit dem Weihnachtsbaumschmuck auszugraben, bei welcher Tätigkeit man unversehens auf den bislang ältesten erhaltenen Taschenkalender Germanistenfuzzis gestoßen sei. Der sei über und über mit wirren Schriftzeichen bedeckt gewesen, in denen sie ohne weiteres Daten von Verabredungen sowie symbolisch verschlüsselte Angaben über deren Teilnehmerinnen erkannt habe. Vom dem von ihr wegen der ungebührlichen Vielzahl der verwendeten Symbole zur Rede gestellten Germanistenfuzzi habe sie aber nur zu hören bekommen, daß es sich dabei um Notizen einer Studienreise nach Guatemala aus dem Jahr 1988 – der klassischen Periode – handele, und die Symbole wolle er in einer Kammer in Xultun von der Decke abgemalt haben.

    Gefragt, ob er sie für zu blöd halte, zu wissen, daß er niemals in seinem Leben in Guatemala gewesen sei, habe sie keine befriedigende Antwort erhalten. Deshalb, und um ihre Sicht der Dinge auch einem Germanistenfuzzi ganz klar zu machen, habe sie damals zum Mittel des Weltuntergangs gegriffen.

    Für den Fall weiterer Kalenderfunde stellte Frau Tausendschönchen weitere Weltuntergänge in Aussicht.

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  6. Granit

    08. Mai 2012 | Maître Écart par l'odeur alléché

    Marie Antoinette Merkel, die Witwe des französischen Sonnenkönigs Sarkozy, ist nicht bereit sich von dem Jakobiner Hollande auf dem Schinderkarren zum Schafott rollen zu lassen. Regierungssprecher Seibert sagte am Nachmittag vor Pressevertretern, diesbezüglich beiße Hollande bei Frau Merkel “auf Granit“.

    Wo genau Hollande Merkel, die ihn “mit offenen Armen empfangen” wollte, gebissen hat, bzw. versucht hat zu beißen, sagte Seibert nicht. Er machte auch keine Aussage dazu, was der (versuchte) Biß Hollande gekostet hat, ob es mit einer Plombe abgegangen ist, oder ob einer der sozialistischen Reißzähne hat dran glauben müssen.

    Merkels Kopf, so fügte Seibert hinzu, sei nicht nachverhandelbar. 25 von 27 europäischen Regierungen hätten den Vertrag, nachdem derselbe auf Merkels Schultern bleiben darf, bereits unterschrieben, und würden, wenn sie es sich nun etwa anders überlegen wollten, vor den Luxemburgischen Gerichtshof gezerrt, das wäre ja noch schöner. Den beiden säumigen Unterzeichnern, England und Tschechien, sollten bei Gelegenheit von Merkel die Köpfe abgerissen werden, dann werde man ja sehen, so Seibert, wer am Schluß den Kopf oben habe. Das wäre ja gelacht.

    In einem Interview mit dem Käsdorfer Metropolitan (KM) äußerte sich die im Falle des Falles zuständige Guillotine indes skeptisch zu der Frage, ob sie sich Merkels Nacken zutraue: “Da isch bin skeptisch,” sagte die Guillotine, “wenn die Nacken wirklisch ist aus granite, dann wird es pas sans – wie sagt man, brèche? – abge’en ohne Scharte.”

    Bei ihr oder bei Merkel?

    “Die beiden von uns. Aber mir wird es, glaube isch, tun we’er als ihr.”

    Warum das?

    “Das ist bei uns Strafverfolgungsbe’örden so. Fragen Sie irgendeine papa, irgendeine maman. Wenn man züchtigt den fils, es schmerzt den fils, gewiß, aber es schmerzt den papa plutôt. Es blutet der paupau des fils, aber es blutet dem papa die coeur. Das coeur? – Die Herz.”

    “So ist es auch bei uns, bei uns ‘ackebeilschen. Die Übelmacher – wie sagt man? les malfaiteurs – die Übeltuer verlieren den Kopf, aber die Fallbeil es schlägt eine Wunde, eine Scharte, die jamais ganz ver’eilt. – ‘aben Sie einmal gebissen auf eine Kirschkern?”

    Oui. Oui, oui.

    “Und möschten Sie ein zweitesmal beißen auf eine Kirschkern?”

    Non merci!

    “Se’en Sie! Madame Merkel ist so eine Kirschkern. So eine Sack – sagt man Sack zu eine Dame? – mit Kirschkern darin. Eine ‘übsche Sack, mit ‘übsche Stoff, aber innen mit harte Kern. Granite.”

    “Sie werden sagen, moi qui ne craint ni la mort ni le diable, der isch ‘abe gebissen in zehntausend Nacken, isch sollte nischt ‘aben peur vor Madame.”

    “Aber isch ‘abe peur.”

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  7. Offener Brief

    04. Mai 2012 | Germanistenfuzzi

    an Rainer Brüderle
    FDP Fraktion, Bundestag

    He Brüderle!

    Wo bleibt mein Brief?

    Sie wissen genau, von welchem Brief ich rede. Der Brief, den ihr Herr Gutachter “eine zulässige Information über die Arbeit der FDP-Abgeordneten” genannt hat. Den grenzwertigen Aktionsbrief (T. Oppermann). Den, von dem ihr Parteikollege Christian Lindner erklärt hat, er sei damit “nicht befaßt” gewesen, glaube aber, “alles sei rechtens”. Von dem Brief rede ich. Wo bleibt der? Wenn der Wisch nicht nur in den Wahlkampfgebieten verteilt worden ist, sondern auch in anderen Bundesländern, dann verlange ich, daß er auch in Käsdorf verteilt wird. – Was? – Wie? – Die Puppe?

    Ach, jetzt soll es also die Puppe gewesen sein?!

    Als Information für meine Leser, sofern sie nicht Rainer Brüderle sind: Neben meinem Briefkasten ist seit einigen Tagen ein Holzgerüst aufgebaut, und zwar aus diesen Pfosten, wie man sie für Sichtschutzzäune braucht. Ich hatte sie am Montag – Brückentag, ich hatte frei, Sie ja wahrscheinlich auch – bei McGardener oder wie der Laden heißt, gekauft, die Pfosten, um einen Zaun zwischen Geros und meinen Garten zu ziehen; ich habe keine Lust, mir den ganzen Tag mitansehen zu müssen, wie der Kerl in der Sonne sitzt und nichts tut. Das muß ich nicht haben. Muß ich ja aber auch nicht. Dagegen kann man ja was machen. Ich bin bloß noch nicht dazu gekommen. Jedenfalls lagen die Pfosten – so Vierkantdinger, 7×7 – auf der Garageneinfahrt. Da sollten sie jedenfalls liegen, solange, bis ich dazu komme.

    Aber jetzt steht einer davon neben meinem Briefkasten, und ein zweiter, halb durchgesägt, als Querholz oben drauf, und eine Eckaussteifung ist noch dabei, und vorne am Kragarm eine Öse, so ein Schraubhaken oder eine Ringschraube, und durch diese Öse ist ein Seil gezogen, schräg runtergespannt bis zum Fuß des – ja, wie soll man das Ding nennen? Galgen? – schräg runtergespannt bis zum Fuß des Galgens, ist dort ein paarmal ums Holz geschlungen, und am anderen Ende, unter der Öse, hängt eine Puppe. Die Puppe ist aus Stoffresten und Lumpen und mit irgendwas gestopft, und vom Gesicht her erinnert sie an Rainer Brüderle, außer, daß ihr die Zunge weit aus dem Hals heraushängt und die Augen zum Himmel verdreht sind, was bei Rainer Brüderle nicht der Fall ist. Auf dem Briefkasten aber pappt ein Schild:

    Bitte keine Wahlkampfwerbung der FDP einwerfen!
    Das ist ein Befehl!

    Ja, so ist das. Ich kann dazu nur sagen: das sind zwar meine Zaunpfähle, aber ich war mit dieser Aktion nicht befaßt. Obschon ich natürlich glaube, daß allens rechtens ist.

    So, ja. Und diese Puppe soll nun dafür gesorgt haben, daß der Brief nicht in meinen Briefkasten geworfen wurde? Das, Brüderle, glauben Sie doch selber nicht! Ihr Brief war ja gar keine Wahlwerbung, sondern Information, geben Sie es zu! Also hätte er auch ruhig eingeworfen werden können. Und ganz davon ab: wann hätte eine Notiz auf einem Briefkasten, des Inhalts, daß der Besitzer desselben von Postwurfpest nicht behelligt zu werden wünscht, je irgendeine Wirkung gehabt? Am 23.11.1978, am späten Nachmittag, zwischen 17 Uhr 38 und 17 Uhr 41 einhalb? – Ok, das kann sein. Das will ich für möglich halten. Ich war zwar nicht dabei und habe es auch nicht mitgekriegt, aber das klingt plausibel.

    Aber ansonsten: nie.

    Also, Brüderle, lassen Sie den Brief rüberwachsen. Ich wünsche, informiert zu werden. Ich habe ein Recht darauf, informiert zu werden. Und ich will informiert werden!

    Das ist ein Befehl.

    Germanistenfuzzi

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  8. Occupied

    30. April 2012 | Germanistenfuzzi

    “Heraus zum roten 1. Mai!”

    hat sich hier Kollege Gero gedacht, und anstatt sich auf die faule Haut des verlängerten Wochenendes zu legen, nutzt er das schöne Wetter, um auch fern von Wlan, Tastatur und Bildschirm im Kampf gegen die Kräfte des Bösen nicht nachzulassen.

    Furchtlos blickt er nach rechts, von wannen er den Angriff des Finanzkapitalismus erwartet.

    Wer aber standhalten wolle im Kampf gegen die entfesselten Märkte, so scheint es ihm durch den Kopf zu gehen, wer nicht befangen bleiben wolle im leeren Erschrecken, der müsse früh aufstehen und sich recht warm anziehen.

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  9. Urheberrechtsschutz

    30. April 2012 | Germanistenfuzzi

    Um zu zeigen, daß sie auch davon was versteht, hat Bundeskanzlerin Merkel sich in den Debattenzirkus um Urheberrecht und Leistungsschutzdingens eingebracht …

    Ja bitte? Höre ich einen Einwand? Wie lautet der Einwand? – Es müsse richtig heißen: “Um zu zeigen, daß sie auch davon nichts versteht”? – Ein berechtigter Einwand. Aber insinuierte diese Formulierung nicht Ehrlichkeit auf Seiten Frau Merkels? Sich selbst gegenüber? Nicht wahr! – Ich verwerfe den Einwand:

    … um zu zeigen, daß sie auch davon was versteht, hat Frau Bundeskanzlerin Merkel sich in den Urheberrechtszirkus begeben, und hat, verkleidet als Pic der Clown, in nachtblauer Arena schöne große Seifenblasen in die Welt entlassen. Zum Beispiel diese hier:

    Derzeit würden aus einer “Waffenungleichheit” plötzlich Abstimmungen über irgendwelche Themen erzwungen, nur weil die einen die Technik besser beherrschten als andere. “Und das kann in einer Demokratie nicht sein”, betonte die Kanzlerin.

    Zitiert nach der Nachrichtenagentur Reuters, die für den Abdruck der Seifenblasen zuständig ist.

    Merkel betonte noch einmal, daß es in einer Demokratie nicht darauf ankomme, was einer gelernt habe, sondern darauf, was ihm gehöre. Wenn einer die Eigentumsrechte an einem Produktionsmittel habe, sagen wir: an einer Zeitung, dann habe er auch das Recht, Themen zu setzen und Abstimmungen zu erzwingen. Das sei Demokratie. Sich im Netz auszukennen, seine Möglichkeiten zu sehen, seine Fallgruben zu meiden und insgesamt einen Ticken heller und schneller zu sein als der durchschnittliche Schnarchsack, sei hingegen Demagogie.

    “Überhaupt,” fügte Merkel hinzu, “ist mir der Faktor Bildung viel zu hoch bewertet. Eigentum ist viel wichtiger.”

    Wenn man sich das einmal genau überlegt, muß man zugeben: Sie versteht was von der Sache.

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  10. Neues aus der Legislative

    28. April 2012 | Stilton Sbrinz

    Im Streit um das Deppengesetz (Betreuungsgeldgesetz oder Gesetz zur Einführung eines Betreuungsgeldes) hat CSU Generalsekretär Dobrindt dazu aufgerufen, mehr Vertrauen in die Eltern zu setzen.

    Die Unterstellung, sog. “bildungsferne Eltern” könnten versucht sein, ihren Nachwuchs aus den Kindertagesstätten fern zu halten, damit ihrem Betreuungsgeld kein Leides geschehe, sei aus drei Gründen ärgerlich:

    1. solle man nicht immer “bildungsfern” sagen, das klinge so davonstoßend, sondern “bildungsnah”. Denn Nähe signalisiere ja immer einen gewissen Abstand. Ohne Abstand keine Nähe. Wenn etwa einer in Bayern wohnt, sagt man ja auch nicht, er wohne “bayernnah”, denn er wohnt ja nicht bayernnah, weil er ja innen drin wohnt. Wie einer, der in der Badewanne sitzt, der sitzt ja auch nicht “badewahnnennah”. Und wenn einer außerhalb Bayerns wohnt, dann braucht er gar nicht groß bayernfern zu wohnen, es reicht völlig aus, wenn er in – wo kann man denn beispielsweise mal wohnen, bzw. nicht wohnen? – Ulm! Wenn einer in Ulm wohnt.
    2. hätten sich die Bildungsnahen ja nur eine gesunde Skepsis gegen die Bildung bewahrt, da solle man nicht schlecht von reden. Wenn einer in der Nähe des Starnberger Sees wohne, zeige das doch auch nur eine gesunde Skepsis gegen das Wasser. Sonst würde er ja im Starnberger See wohnen.
    3. hielten die Bildungsnahen ihren Nachwuchs nicht etwa deswegen aus den Kitas fern, weil sie um ihr Betreuungsgeld fürchteten, das auch, aber viel mehr fürchteten sie um das Seelenheil ihrer Kinder, die in solchen Kitas eventuell mit Kindern von bildungsfernen Eltern aufs gleiche Töpfchen gehen müßten.

    Nicht nur menschenfeindlich aber sei es, sondern zynisch und menschenverachtend, die Unterschichtsangehörigen alle über den selben Läusekamm zu scheren, und zu behaupten, Vater Unterschicht oder Mutter Unterschicht denke nur mit dem Portemonnaie, und würde für 150 Silberlinge im Monat das Wohl des Kindes an die Römer verkaufen.

    Ehrenrührig sei das.

    Wenn es freilich so käme, so wäre das in niemandes Interesse, aber anzunehmen, aber daß es so kommen müsse, das sei ideologische Verblendung. In deren Folge man manches nicht sehe oder nicht richtig sehe. Wie zum Beispiel, daß die Unterschichtsincentivierung ja auch positive Effekte haben könne, nein, habe. So sei es doch nicht nur vorstellbar, sondern liege auf der flachen Hand, daß die häusliche Gewalt gegen Kinder in den Problemfamilien abnehmen werde. Wir alle kennten die Horrorgeschichten von Kindern, die wegen Schreiens während eines Europameisterschaftsspiels vom Unterschichtsvater zu Tode geschüttelt werden. Wenn der Unterschichtsvater aber wüßte, er hat nicht nur seine Tochter, sondern 150 Euro in der Hand (pro Monat!), dann würde er sie wesentlich vorsichtiger schütteln, oder ihr vielleicht nur den Mund mit Heftpflaster zukleben.

    Das sei doch ein großer Fortschritt.

    Gewiß müsse man berücksichtigen, daß die Unterschichtsleute ein anderes Wertesystem hätten als wir, andere Sachen äßen, andere Dinge täten, den ganzen Tag Flatscreen guckten und überhaupt ganz anders seien als wir, sonst wären sie ja nicht Unterschicht und wir nicht nicht. Aber so viel anders als wir, daß sie mit 150 Euro nicht liebevoll und sorgsam umgehen würden, seien sie ja wohl nicht.

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