Sachsen: Giftspinne krabbelt im Supermarkt aus Bananenkiste

Ok, kann ich verstehen, daß die Spinne nicht ewig in dem Kasten bleiben will. Würde ich auch nicht wollen.

Was ich nicht verstehe, ist: Was wollte Frauke Petry in dem Bananenkarton?

Eilmeldung

Türkisches Parlament erlaubt das Schreddern oppositioneller Abgeordneter

In Kürze mehr auf Tropfen am Eimer.

Immerhin!

Deutsches Reichsgesetzblatt Band 1871, Nr. 24, S. 147

Der Präsident der Republik Erdoğan, Recep Tayyip Erdoğan, hat sich ein wenig besänftigt gezeigt – obschon immer noch ungehalten -, als ihm zugetragen wurde, daß die Regierung der Demokratischen Volksrepublik Merkel erwägt und eventuell vorhat, den Einsatz der bewaffneten Streitkräfte im Innern Merkels künftig zu erleichtern. Zwar leuchtet ihm, wie aus seiner Umgebung berichtet wird, nicht ein, wieso man bloß “erwägt” und “eventuell” “vorhat” was man stattdessen auch einfach machen könnte, seine Entourage hat denn auch alle Hände voll zu tun, ihm zu erläutern, daß in Volksrepubliken der Gottkönig nicht einfach so tun kann, was er will, sondern zuvor immer das Einverständnis des Volkes einholen muß. Beziehungsweise im Bedarfsfall auch ohne das Einverständnis des Volkes handeln muß – was soll er schließlich machen, sich zum Affen? -, aber zuvor halt die Meinung des Volkes eingeholt habend. Und das Volk gegebenenfalls bescheidend, daß es alternativlos sei.

Beziehungsweise er. Oder sie. Auch Merkel müsse das. Man müsse daher ein wenig Geduld aufbringen, ehe Merkel die bewaffneten Streitkräfte gegen das ZDF und den unverschämten Mann Böhmermann einsetzen könne.

Beim Wort “Geduld” soll Präsident Erdoğan laut geknurrt haben, weshalb die Entourage sich beeilte, mehrfach laut und durcheinander immer wieder “Immerhin!”, “Immerhin!” zu sagen, und zu versuchen, sich des Knotenstocks zu bemächtigen, mit dem Erdoğan die Entourage durchzuhauen pflegt, wenn er meint, daß es sein müsse, oder wenn ihm besonders staatsmännisch ist. Das Wort “Geduld” gibt es im Erdoğanschen nicht mehr, seit Erdoğan es verboten hat, ebensowenig das Wort “Verfassung”, und alle Versuche, dem Präsidenten nahezubringen, daß es in der Demokratischen Republik Merkel ein Grundgesetz gebe, dem nicht nur die Untertanen, sondern sogar Merkel zu opfern hätten, alle diese Versuche endeten bislang im Knotenstock. Das sei doch nichts anderes als eine Verfassung, hatte Erdoğan dann getobt, den Knotenstock genommen, “Verfassung!” gebrüllt, “Verfassung!”, “Verfassung!”, “Verfassung!” (Erdoğan selbst darf “Verfassung” sagen, brüllt es aber meist), mehrere Untertanenrückgrate ihrer Bestimmung zugeführt, dieselben mit Fußtritten aus dem Palais Erdoğan gejagt, ihnen “Ich geb Euch Verfassung!” hinterhergebrüllt und ihnen die Reste des Knotenstocks nachgeworfen.

Die schlechte Laune, die das Wort “Verfassung” bei Präsident Erdoğan auslöst, kommt nicht von ungefähr, sondern von der Bedeutung des Wortes “Verfassung”: Das Wort legt nahe, daß es sich bei der dadurch bezeichneten Sache um eine Verfassung handelt, also die Begrenzung der Macht des Gottkönigs über seine Untertanen und den Schutz derselben vor diesem. Wer aber kümmert sich um den Schutz des Gottkönigs vor vorlauten Untertanen? – Eben, eben!

Das ist das eine, das andere, nicht mindere, ist der Anschluß der Juncker-Union unter ihrem Gottkommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker an die Republik Erdoğan: die Union verlang allen Ernstes, daß die 28 Unionsmitglieder die sog. Kopenhagener oder Wienerbröd-Kriterien erfüllen, bevor sie sich als Beitrittskandidaten aufführen dürfen. 28 Verfassungen, die von 28 unverschämten Untertanereien mißbraucht werden, um ihre rechtmäßigen Herrscher mit ihrer Schutzbedürftigkeit zu terrorisieren, das sind noch mindestens 28 zerschlagene Knotenstöcke. Natürlich ist es möglich, die Gewaltenteilung und Unabhängigkeit der Justiz zu gewährleisten, indem man die unabhängigen Verfassungsgerichte davor bewahrt, Dummheiten zu begehen, die, einmal begangen, auf lange Sicht die Unabhängigkeit der Verfassungsgerichte nur gefährden können. Erdoğan hat es ja vorgemacht, daß es geht. Er hat den Verfassungsrichtern die Instrumente zeigen lassen, hat leichtsinnige Polizisten durch grünberockte Kasperlepuppen ersetzt und unverschämte Staatsanwälte nach England verkauft. Es geht also, aber es dauert natürlich, bei 28 “Verfassungen!”, und “Geduld!” hat Erdoğan nicht. Vielleicht geht es schneller, wenn es nur noch 27 Unionisten sind, weil das Vereinigte Königreich Cameron die Brocken hinschmeißt und geht. Ist auch besser, wenn es geht, denn es hat nun die Staatsanwälte an der Backe, die nicht einsehen wollen, daß die Würde eines Herrschers unantastbar sein muß, daß sie zu achten und zu schützen Verpflichtung aller staatlichen Gewalt sein muß, daß der Herrscher das schutzbedürftigste Wesen von allen ist. Darum heißt der Sonnenkönig Sonnenkönig, weil er der Verletzlichste unter der Sonne ist.

Schön. Über kurz oder lang wird es also den Einsatz von Truppen im Innern nicht mehr nur in der Republik Erdoğan sondern auch bei uns geben, “Immerhin!” Immerhin, ja. Man wird Hochverrath und Landesverrath wieder mit th begehen können und im Gegenzug in Festungshaft genommen werden. Jedenfalls Herrschaften. Elemente kommen ins Zuchthaus. Es wird wieder Kaiserwetter geben. Nur Geduld.

“Geduld!!”

Weed

Offener Brief

an die Gentechniker
bei Monsanto, BASF, Syngenta, Bayer, Dow, DuPont-Pioneer, etc., etc., im folgenden kurz Monsanto

Liebe Gentechniker,

was dagegen, wenn ich Gents sage? Ist weniger technisch und geht leichter von der Zunge – ja, wenn nicht, kann ich auch Gentlemen sagen. Aber die Damen sind natürlich mitgemeint:

Gentlemen!

Könnten Sie sich vorstellen, sich – statt immer nur öden Genmais zu homunceln – mal einer neuen Herausforderung zu stellen? Auch wenn Ihnen Monsanto nicht wird erlauben wollen, etwas für die Menschheit zu tun, solange es noch etwas gibt, was Sie für Monsantos Börsennotierung noch nicht getan haben – Sie sind doch Wissenschaftler? Ich meine, Sie sind doch Wissenschaftler! Sie müßten doch die entsprechenden Ethosse haben. Oder Ethea, Sie sind ja schließlich Wissenschaftler. Von mir aus auch nur mal so zwischendurch und der Abwechslung halber. – Na? – Wie wär’s?

Ich denke da an Gengiersch, und ich komme drauf, weil ich vorgestern den Komposthaufen umgesetzt habe. Und da mußte ich erleben, wie sich der linke Haufen – der mit der fertigen Erde – dem Giersch als feile Dirne an den Hals geworfen hatte – na, nicht an den Hals. Was sind das für bleiche Dinger, die der Giersch da untenrum mit sich führt? Das kann man schon gar nicht mehr dezent beschreiben, was der Giersch mit dem Kompost beziehungsweise der Kompost mit dem Giersch oder beide miteinander – oder vielleicht waren es auch mehrere Giersche. Neulich mußte ich im Fernsehen mitanhören – weil Schönchen auf dem Sofa lag und einem Herrn Pflaume lauschen wollte, weswegen ich den Fernseher auch nicht ausmachen durfte, obwohl sie schlief und gar nichts mitkriegte, denn als ich mich beim Frühstück mit ihr über den neun Quadratkilometer großen Hallimasch austauschen wollte, da wußte sie von keinem neun Quadratkilometer großen Hallimasch – im Fernsehen nämlich hatten sie behauptet, daß es in Oregon einen Hallimasch gebe, der sich über neun Quadratkilometer ausgedehnt hat. Zwar hat mein Komposthaufen keine neun Quadratkilometer, und mein Garten hat auch keine neun Quadratkilometer, und mein Garten und Quastels Garten zusammen haben auch keine neun Quadratkilometer – obwohl mir das eigentlich ganz recht wäre. Dann hätte jeder von uns einen zwei mal zwei Kilometer großen Garten, und Quastels Giersch hätte einen entsprechend weiten Weg zu meinem Komposthaufen.

Oder ich.

Naja, ich will ja nur sagen, daß ich keine Ahnung habe, wie groß so ein Giersch ist, und wo er aufhört und der nächste Giersch anfängt. Ich will es auch gar nicht wissen. Ob das nun ein Giersch war oder viele Giersche, denen mein Kompost sich da hingegeben hat, ist mir egal. Ich bin nicht prüde, ich bin nicht neidisch, ich will auch niemanden für seine Vorlieben tadeln, ich will aber auch niemanden eigenfingrig aus meinem eigenen Kompost herauspfriemeln müssen. Das ist ja wohl nicht zuviel verlangt!

Oder ist das zuviel verlangt? Würden Sie das eventuell hinkriegen? – Ich denke an einen Giersch voller Ennui und Unlust und Weltekel, einen Giersch, der so gar keinen Geschmack an Geilheit mehr findet, keinen Fortpflanzungsfuror kennt und dem Hedonismus abholdest ist. Einen vergeistigten Giersch. Einen Giersch, den es verlangt, Gott zu schauen. Einen mönchischen, eremitischen, asketischen Giersch. Einen Berg-Athos-Giersch. Einen Giersch-Einsiedel. Verlaust und ungepflegt, wenn es sein muß, aber bitte keinen Rasputin! Ich führe ein anständiges Haus, habe einen gesitteten Garten und einen bis neulich noch keuschen Komposthaufen.

Alternativ käme auch ein Giersch infrage, dem man ein paar Mauerblümchen-Sequenzen eingeklempnert hat, also ein Giersch, der sich zurückzieht, wenn man ihn nicht freundlich genug ankuckt. Und wenn man ihn freundlich ankuckt, dann erst recht. Und wenn das alles zu kompliziert ist, wäre mir auch mit einem Giersch geholfen, dessen Blüten und blütennahen Blätter man getrocknet in der Pfeife rauchen kann.

Was Sie mir aber bitte nicht schicken wollen, sind Prospekte für Glyphosat. Glyphosat, pht! – Des hohnlacht der Giersch.

Und nun, Gentlemen, frisch ans Werk!

Germanistenfuzzi

Life without parole

The first thing I remembered knowing
Was a lonesome whistle blowing
Merle Haggard

Irgendein Uni-Fest an irgendeiner Uni zu irgendeiner völlig zurecht vergangenen Zeit:

An irgendeinem Stand haben irgendwelche “Linken” – also irgendwelche Studenten (heute wären es “Studierende”, aber dafür wären sie auch nicht mehr “links”) – in parodistischer Absicht einen in jener zurecht vergangenen Zeit recht verbreiteten Kirmeskappes – ein “Liebesbarometer” – aufgestellt, und so umfunktioniert, daß man mit seiner Hilfe sein korrektes – also revolutionäres – Bewußtsein messen lassen kann. Noch gab es keine Algorithmen, die dergleichen aus irgendwelchen biometrischen oder sonstigen Daten herbeirechneten; der Anspruch dieser Automaten war bescheiden: man mußte seine Patschhändchen aufs Blech legen und irgendwelche Münzen einwerfen, und dann log der Apparat frisch drauflos. Auch jenes Bewußtseinsbarometer log; das heißt: lügen tat nur die Anzeigesäule, die willkürlich bis irgendwohin oder irgendwo anders hin kletterte und dann stehen blieb. Die Skala selbst, die auf das Konto der Studenten ging, sprach die lautere Wahrheit, jedenfalls über das, was in deren Rumsmurmeln so alles drüber und drunter ging. Denn wo beim Liebesbarometer der Skaleneintrag “Mamas Liebling” lautete, da stand beim “linken” Bewußtseinsbarometer “Country-Fan”.

Wahrhaftig: “Country-Fan”. Ich glaube, drüber – oder drunter – ging nur noch “Faschist”. Wahrlich: ganz, ganz oben auf der Skala meines persönlichen Zornbarometers steht: “Was ich den 68ern, welche Verdienste sie auch immer für sich reklamieren mögen oder dürfen, und welche ihnen andererseits um die Ohren gehauen gehören – was ich ihnen wirklich, wirklich übelnehme, das ist die Verachtung Johnny Cashs.”

Zugegeben: 44 Jahre später ist das nicht mehr so. Die 68er, sie sind geläutert. Johnny Cash ist lang schon rehabilitiert. Man kann die Vorliebe für Country und die für Kommunismus miteinander kombinieren (Harry Rowohlt sei – nicht nur dafür – Dank). Und warum wohl auch nicht? Leute – und es sind dies nicht die schlechtesten – sind geboren worden in einem Jahr, in dem nicht nur Hank Williams und Joseph Stalin starben, sondern alle beide. Sowas prägt. Wenn das nicht prägt, was soll dann prägen? – Aber: hat man dafür 48 Jahre älter werden müssen!? Und was für Jahre!

Und dann, kaum ist es so weit, und man darf endlich, stirbt einem Merle Haggard.

Aber bevor ich sentimental werde, und wo ich mich gerade so schön aufgeregt habe: die geläuterten 68er – geh’n Sie mir weg mit den geläuterten 68ern! Die sind ja noch viel schlimmer! Wahrhaftig, ich könnte Namen nennen! Ich werde auch Namen nennen, zumindest behalte ich es mir vor, Namen zu nennen; allerdings nicht in diesem Nachruf. Das wäre pietätlos. Dies ist ein Nachruf. Zwar werde ich auch in diesem Nachruf Namen nennen, außer den schon genannten, aber das werden Namen sein wie: George Martin, Naná Vasconcelos, Keith Emerson, Boulez, Harnoncourt, Hein Kröher, Paul Bley, Paul Kantner und der Dings, der Bowie. Was eint diese? Es ist die Ernte des Schnitters. Die reiche Ernte eines noch jungen Jahres. Und das sind noch gar nicht mal alle, das sind nur die, die mir vom Plattenteller weggestorben sind, da sind die, die mir nie auf den Plattenteller gekommen sind – und auch nicht kämen: ein Herr Delpech, ein Herr Frey und ein Herr Dings, na, Bowie -, noch gar nicht dabei. Da sind die nicht dabei, die mir aus dem Bücherregal starben, die Eco und Lee und Gustafsson und Kertész, und die, die aus dem Fernseher geholt wurden, sind auch nicht dabei. Zu schweigen von den namenlosen Seniorenheimern, die sich der Gevatter hier wöchentlich holen, beziehungsweise bringen läßt: denen singt niemand nach. Niemand steht am Gitter. Gibt auch keine Gitter. Steht aber auch niemand in der Tür. Gibt aber Türen. Man schweigt den Tod aus dem Haus. – Das Pietätvollste ist noch die Limousine auf dem Wendehammer, die wird wenigstens regelmäßig gewaschen. Drinnen dagegen – na gut, gewaschen werden die Toten auch. Dann kommt Pietät Grimrieper und nimmt sie mit.

Dann wird als erstes das Namensschild von der Zimmertür entfernt. Sie nehmen es dort mit der Namenlosigkeit sehr genau. Der – gleichfalls – namenlose Todeskandidat, den Merle Haggard durch den Todestrakt führen läßt, seinem Schicksal entgegen, der lebt – welch paradoxe Folge der Todesstrafe! – sozusagen heute noch.

Wir anderen haben bloß lebenslänglich.

Und was die Frage angeht: “Soll das jetzt eigentlich in diesem Tempo weitergehen?” – die ist wohl mit “Das wird es wohl noch eine Weile tun” zu beantworten. Das heißt: Das Tempo ist eigentlich immer dasselbe. Es sind die Namen – bei Namen von Weggefährten und Zeitgenossen nimmt man die Einschläge nur schärfer wahr. Es sind das ja keine glatten Durchschüsse. Ein Geschoß, in das der Name eines Freundes graviert ist, reißt einem ein viel größeres Loch in den Pelz. Noch leben so viele, daß die Frequenz durchaus noch zunehmen kann. Manchmal wundere ich mich, wie viele es noch sind, und denke: “O je, die werden alle vor dir sterben, wenn du Pech hast.” Dann wieder wundere ich mich, wer schon alles gestorben ist, ohne daß ich es mitgekriegt hätte, weil ich mal wieder nicht aufgepaßt habe. Dann ärgere mich, weil ich mal wieder nicht aufgepaßt habe. Irgendwann wird meine Aufmerksamkeit schließlich ganz von selbst abnehmen, wenn Grimrieper sie erst alle mitgenommen haben wird, und ich von den Nachrückern keinen mehr kenne und mich auch für deren keinen interessiere, weil ich mich ohnehin für nichts mehr interessiere. Dann wird es immer noch früh genug sein für Unaufmerksamkeit.

Aber vielleicht hat man ja auch Glück und wird vorzeitig entlassen, wie so viele unserer Seniorenheimer. Zurück in eine Welt, in der man noch mit 21 volljährig wird. In der die Zechenbahnen noch Gleisbetten haben und nicht zu Fahrradwegen verkommen sind, in der sich echter Ruß auf gelbe Knorpelkirschen legt, und empörte Lokomotiven Kaulquappen fischende Kinder mit Pfiffen aus den Wassergräben zu jagen suchen. – Dort kann man Nachmittage verbringen, Mut proben, Schienen horchen, Schotter greifen, Böschungsbrand schnuppern, Brückengeländer schmecken. Und Ängste tauschen: Was das denn sei, der Tod? Und wie Sterben geht?

Nun bin ich doch wieder sentimental geworden. – Also schnell nochmal zurück zu den falschen 68ern, daß einem wieder anders wird. Wie Oscar Wilde gesagt haben würde: “Es gibt nur eins auf der Welt, das schlimmer ist, als ein 68er zu sein, und das ist, kein 68er zu sein.” – Nicht schlecht gebrüllt, Oscar, aber falsch: es gibt noch etwas, daß schlimmer ist, und etwas, das noch schlimmer ist. Sagen wir doch so: Es gibt etwas, das schlimmer ist, als ein Falscher Fuffziger zu sein.

Belassen wir es dabei. – Auf meinem inneren Bewußtseinsbarometer jedenfalls stehen die falschen 68er ganz unten. Oder ganz oben – ich hab vergessen, welches das gute Ende ist. Ich habe auch vergessen, was beim Liebesbarometer oben und was unten war. Irgendwo stand “Schwerenöter”. Ist das gut? Ist das schlecht? Hab ich das nicht vollkommen zurecht vergessen? Ist es nicht früh genug, mich daran zu erinnern, wenn ich dement sein werde? Wie so viele unserer Seniorenheimer?

Gleichviel: am anderen Ende meines Barometers, am guten Ende, steht der geläuterte “Okie from Muskogee”, der wahre 68er, der erfolgreich mitgeholfen hat, dafür zu sorgen, daß jenes Jahr kein ganz und gar verlorenes wurde.

Offener Brief

an die Gesundheitsredaktion des Focus
irgendwo tief verankert

Betrifft: Ihr komischer Artikel da

Sehr geehrter Herr Focus,

wenn ich Atheist wäre, würde dieser mein Brief an Sie etwa wie folgt aussehen:

an die Gesundheitsredaktion des Focus
irgendwo tief verankert

Betreff: Ihr komischer Artikel über die tief im Hirn verankerten Gemeinsamkeiten von Atheisten und Psychopathen

Sehr geehrter Herr Focus,

Sie haben nicht ordentlich recherchiert. Wir haben nichts mit Ihnen gemeinsam.

Darum lesen wir auch Ihre Zeitung nicht.

Mit freundlichem Gruß
Quastel

Aber leider: ich bin kein Atheist. Ich habe lediglich eine leichte Hirnstammaffektion. Für’s Lesen Ihrer Zeitung reicht das nicht.

Sonst alles gesund?
Quastel

P.S. Empfehlen Sie mich der Frau Gemahlin Ihrer Auflage. Sagen Sie ihr, die Körbchengröße Höhe sei oft überbewertet. Gott achte mit gleichem Interesse auf Festigkeit und Wohlgestalt.

Armutsbericht reloaded

Einmal, es ist lange her, da gab es Armut auf der Welt.

Dann aber, im Laufe der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, das ist das letzte Jahrhundert des vorigen Jahrtausends, so lange ist das schon her, verschwand die Armut. Die Armutsfee hat sie geholt, und sie hat den Armen im Tausch dafür eine Goldmünze unter das Kopfkissen gelegt. Das heißt denen, die ein Kopfkissen hatten. Die anderen gingen leer aus. Aber ist das vielleicht die Schuld der Armutsfee? Anderen ließ sie die Armut, nahm ihnen dafür aber alle Zähne. Ist das etwa die Schuld von Guido Kleinhubbert?

Fest steht: Armut gibt es heute nicht mehr. Wenn es sie gibt, dann deswegen, weil sie herbeidefiniert wurde. Herbeidefiniert wird sie vom Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, und in den Wohlfahrtsarm fällt diesem außer Krethi und Plethi, Hinz und Kunz, diesem und jenem, allerlei Volk, praktisch jedem, der sich etwas auf seinen “Wirtschaftsverstand” einbildet, sämtlichen Neoliberalen sowieso, sowie denen, die sich auf ihren unbestechlichen Blick mächtig was zugute halten, ihre Furchtlosigkeit beim Löcken wider den Stachel, ihre Verachtung des juste milieu und ihrem “Mut” beim “Aussprechen” “unbequemer” “Wahrheiten” – namentlich zu nennen wären Martenstein und ähnliche Hähne in vergleichbaren Körben -, in den paritätischen Arm fäll dem Verband nun, da Rösler nicht mehr ist, auf den Armutsbericht aufzupassen, praktisch nur noch Kleinhubbert:

Abgesehen davon, ist der alljährliche Blues-Song sowieso ein schiefes Lied.

Schiefes Lied? Ist das ein schiefes Bild, und gemeint ist eigentlich schiefes Bild? Oder war ein mißtönend Liedlein gemeint? Ein Sägengeknarr, ein Rabengekrächz? – Ich habe vergessen, mitzuteilen, daß Kleinhubbert es für mitteilenswert hält, daß der Geschäftsführer der Paritätischen – ein Herr Schneider – einer Blueskapelle als Sänger vorsteht. Ich hielt das nicht für mitteilenswert. Aber jetzt fehlt mir die Info natürlich, ohne die unverständlich bleiben muß, warum Kleinhubbert hier die Metaphern verrutschen. Also, der alljährliche Armuts-Blues, gefallen tut er Kleinhubbert nicht, denn:

Für Schneider und seine Fans sind nämlich alle Menschen “arm”, die von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens leben müssten. Das ist zumindest heikel, denn selbst wenn in unserem Land nur millionen- und milliardenschwere Ferrari-Fahrer gemeldet wären, gäbe es hier Armut. Irgendwer fällt immer unter die Grenze.

Nämlich Werner. Werner hat kein Einkommen, außer dem, was wir ihm zustecken. Er lebt davon, daß er das Geld fürs Bier münzweise auf den Tresen legt und so tut, als kenne er deren Wert nicht. Bis Louis die Faxen dicke hat und sagt, er soll es gut sein lassen. Mal schenkt ihm einer eine Bommelmütze, mal einer ein Paar Gummistiefel. Zu essen kriegt er. Er hat, was er braucht. Wenn wir anderen alle millionenschwere und milliardenschwere Ferrarifahrer wären, würde Werner natürlich unter die Grenze fallen. Aber wäre er deswegen arm?

Antwort: Er wäre nicht arm, er ist arm. Denn erstens folgt ja aus der Tatsache, daß, wenn etwas so wäre, wie es nicht ist, etwas anderes aber anders wäre, als es ist, nicht, daß es nicht so ist, wie es nicht wäre, wenn es anders wäre. Mit anderen Worten: Was soll der Scheiß-Konjunktiv?

Schummeln soll er!

Und zweitens folgt aus der – ja ja, sie ist willkürlich gezogen, die Grenze, bei 60%. Man hätte sie bei 59% oder 61% ziehen können. Geschenkt! – willkürlich bei 60% gezogenen Grenze nicht, daß alle, die unter diese Grenze fallen, bei 59,95% mit Fallen aufhören würden. Das nämlich wäre Konjunktiv. Und Konjunktiv ist nicht! Das wäre vielleicht so, wenn es so wäre, aber das ist nicht so.

Um es an einem Beispiel zu erklären: Wenn in unserem Land nur geistige Koryphäen und Kapazitäten, nur Intelligenzbestien und Blaustrümpfe, lauter Hochbegabte und Genies, ein Einstein am anderen wohnen würden, keiner mit einem Intelligenzquotienten unter 135. Was ich sage: 136! Lauter Leute mit Intelligenzquotienten über 135 – würde das etwa bedeuten, das es in unserem Land keine geistige Armut mehr gäbe? Keine Voll-, Halb- und Viertelpfosten? – Könnte es das überhaupt heißen?

Denn es gäbe dann ja immer noch die Spiegel Online Redaktion?

Eine Redaktion, in der sich lauter unterschiedlich begabte Geister tummeln würden. Mal in der Nähe von 60% des Durchschnitts, mal etwas weiter weg. Mal etwas drüber, aber nicht viel. So welche wären längst woanders. Meist eher etwas darunter. Manche ein ganzes Stück weiter darunter. Manche auch ganz ordentlich weit.

Tja, und dann wäre da noch Klein Hubbert.

“Damit ist zu diesem Vorgang alles gesagt”

Sagt Volker Kauder. Und wenn Volker Kauder etwas sagt, dann wird Tropfen am Eimer das Gegenteil tun. Wenn Volker Kauder etwa sagt, alles sei gesagt, wird Tropfen am Eimer sich fragen, ob das wirklich alles ist, was es dazu zu sagen gäbe? Und Tropfen am Eimer wird zu dem Schluß kommen: O nein!

Und es wird eine Menge dazu zu sagen geben. Fangen wir an:

Das erste, was man dazu sagen kann, ist, daß Volker Kauder als Fraktionsvorsitzender natürlich eine vollkommen unzuverlässige Quelle ist. Fraktionsvorsitzende sind sozusagen die institutionalisierte Lügenpresse ihrer Fraktion. Oder, wie es auf Fraktionsdeutsch heißt: Fraktionsvorsitzende. In England nennt man sie Whips, Peitschen. Einpeitscher. Einpeitscher sind nicht eben unparteiisch, sondern parteiisch, und Parteieinpeitscher sind doppelt parteiisch. Parteiische Parteieinpeitscher sind der Wahrheit notorisch ungewogen.

Und das zweite, was sich noch dazu sagen läßt, das ist: Welcher Vorgang? Zu welchem wäre Vorgang alles gesagt? Beziehungsweise noch lange nicht alles?

Dazu, und das ist das dritte, was sich dazu sagen läßt, daß die Menschen@%#&§!beauftragte der CDU, eine Blondine namens Steinbach, über Twitter ein Photo verschickt hat, auf dem – laut Unterzeile: “Freundliche Biodeutsche begrüßen eine Blondine in ihrer Mitte” – ein Gruppe freundlicher Menschen ein blondes Kind in ihrer Mitte herzlich willkommen heißt. Angeblich ist das Photo rassistisch, was es natürlich nicht ist, aber wer sind die Twitternutzer, daß sie sich über Petitessen das Köpfchen zerbrächen? Petitessen wie den Unterschied zwischen Photo und Photograph? Oder den Unterschied zwischen Photo und dem, der das Photo in die Welt entläßt? Twitternutzer halten das Photo für rassistisch, und weil sie es für rassistisch halten, retweeten sie es. Um dazu zu schreiben, daß es rassistisch sei.

Das Photo ist nicht rassistisch, aber es ist eine Fälschung. Man sieht es sofort. An einem einzigen Merkmal kann man’s erkennen. Man muß den “Biodeutschen” auf dem Bild nur kurz ins Gesicht sehen, um sofort zu erkennen: Das können keine Biodeutschen sein. Dazu sind ihre Gesichter viel zu freundlich, ja herzlich.

Das müssen Paßdeutsche sein. Paßdeutsche dürfen freundlich sein, sogar herzlich. Freundliche Biodeutsche aber gibt es nicht. Freundliche Biodeutsche sind veganer Kutteltopf mit Speck. Biodeutsche sind Miesepeter. Was die an Herzlichkeit haben, kann man in Euro und Cent ausdrücken. Oder – was ihnen lieber ist – in Mark und Pfennig. Das stopfen sie, wenn einer von ihnen ins deutsche Biogras gebissen hat, in den Umschlag mit dem Kondolenzschreiben. Wobei sie darauf achten, sich das, was sie in den Umschlag gestopft haben, in Form von Butterkuchen wiederzuholen. Und wenn bei ihrer eigenen Beerdigung das, was ihre Hinterbiebenen an Butterkuchen raustun, nicht in Form von Herzlichkeit wieder reinkommt, dann ist was los. Dann steht der Sarg hochkant im Grab.

Der biodeutscheste aller Biodeutschen ist der Recke Siegfried, nein, Quatsch, ist Thilo Sarrazin. Schon am Namen kann man’s schmecken. Thilo Sarrazin würde niemals eine Blondine in seiner Mitte willkommen heißen, außer vielleicht Erika Bachstein. Solange die Blondine nicht größer ist als drei gestapelte Käselaiber, und Augen hat wie ein drei Tage altes Gallowaykälbchen, solange also die Blondine jeden normalen Menschen vor Brutpflegeinstinkt sabbern und Welpenschutzhormone ausschütten macht, solange löst die Blondine bei Thilo Sarrazin gesteigerte Miesepetrigkeit aus, sowie die Weigerung, Respekt vor Gemüsehändlern zu haben, beziehungsweise vor Leuten, die weniger miesepetrig sind als er. Und ständig kleine Blondinen produzieren.

Was ja auch wirklich ein Problem ist. Kleine Blondinen werden irgendwann mal groß. Und dann werden sie Menschen@%#&§!beauftragte der CDU. So wie Erika Bachmann. Erwachsene Blondinen aber mag niemand. Es sind Witzfiguren. Die Zeiten, in denen blonde Haare den Brautpreis in die Höhe trieben, hat es wahrscheinlich nie gegeben. Es handelt sich um ein rassistisches Gerücht. Niemand würde auch nur ein Kamel für Frau Mannstein geben. Solche Gerüchte werden vielleicht auf Twitter verbreitet, möglich, aber sie sind rassistisch. Sie sind frauen- und blondinenfeindlich. Kein Wunder, daß Steinbeiß darauf dünnhäutig reagiert. Schließlich ist sie Menschen@%#&§!beauftragte der CDU. Sie kennt sich mit Menschen@%#&§%$ aus. Sollte sie jedenfalls. Vielleicht auch nicht. Schließlich ist mein Nachbar auch Gesundheitsbeauftragter hier im Blog, und der zündet eine Zigarette an der nächsten an.

Blasenstein hat das Photo vielleicht nur deshalb gepostet, weil sie als Blondine auch mal irgendwo so herzlich empfangen werden wollen würde, wie das Kind auf dem Bild. Was man ja verstehen könnte.

Aber um von Biodeutschen so herzlich empfangen zu werden, wie das blonde Kind von den Paßdeutschen auf dem Photo – geht nicht, bei Biodeutschen.

Aber um von Biodeutschen wenigsten annähernd so herzlich empfangen zu werden, wie – geht auch nicht.

Um wenigstens nicht gar so biodeutsch empfangen zu werden, wie die Bus-People in Clausnitz von der wack’ren Schaar edler Recken, kühner Kämpen und muth’ger Maulhelden, die dort vor Frauen und Kindern ihren Mann standen, wie der herrliche Hagen von Tronje einst vor dem Sechsjährigen der Blondine Kriemhild, müßte sie wahrscheinlich erst mal ihren Job aufgeben. Biodeutsche halten nichts von Menschen@%#&§%$. Deutschenrechtsbeauftragte der CDU, besser noch: Biodeutschenrechtsbeauftragte der CDU, das wäre ein ander Ding. Biodeutschenrechte stehen für die Biodeutschen über den Menschen@%#&§%$. Biodeutschenrechte haben gegenüber den Menschen@%#&§%$ den Vorteil, daß sie nicht durch Geburt erworben werden, sondern verdient. Und zwar durch Abstammung. Nicht durch Geburt. Geboren wird jeder. Abstammung aber ist eine Leistung. Abstammung muß man sich leisten können.

Und Leistung sollte belohnt werden.

Wenn diese komische Petry meine Frau wäre, würde ich ihr noch heute Nacht einen Schneidezahn aushauen (G. Oettinger)

Niemand hat die Abwicht, an der Grentfe ein Blutbad antfurichten

Niemand will daf. Aber wo fteht ef im Gewetf:

Wenn der Grentfverletfer nicht hören will und wich anphickt, den Grentftfaun tfu überklettern, ift ef die Wache jedef eintfelnen Grentfpolitfiften, den illegalen Grentfübertritt tfu verhindern, notfallf auch unter Einwatf einef Blutbadef.
Gegen Perwonen, die wich dem äuferen Eindruck nach im Kindefalter befinden, dürfen Blutbäder nicht angewandt werden.

Daf ift bedauerlich, aber Gewetf. Wir Alternative für Deutphland wetfen die Gewetfeftreue über allef. Nein, nicht über allef, nicht über Deutphland tfum Beifpiel. Deutphland über allef. Deutphland auch über Gewetfeftreue. Gewetfeftreue aber über die political correctneff. Wenn ef dem Gewetf gefällt, Blutbäder unter Gephäftfuntüchtigen tfu unterwagen, dann muf man alf Deutpher dem Gewetf willfahren, welbft dann, wenn ef alf politically correct gilt. Daf ift dann bedauerlich, aber daf ergibt wich auf dem Grundwatf der Gewetfeftreue.

Darum wäre ef beffer, die Grentfverletfer erft gar nicht bif tfur Grentfe kommen tfu laffen. Dann wind ef tfar keine Grentfverletfer im Winne def Gewetfef, aber pheif drauf! Wir wollten dafür worgen, daf wie gar nicht erft an Land gelaffen werden, die Grentfverletfer. In einem Phlauchboot auf dem Mittelmeer tfu witfen, wollte alf Grentfverletfung gelten, die ef notfallf mit Gewalt tfu verhindern gilt. Der griechiphe DLRG wollte alf ultima ratio von der Phuffwaffe Gebrauch machen. Ein Phlauchboot ist im Gegenwatf tfu Beatrikf fon Ftorch ein verftändigef Wewen. Ein Phlauchboot kann im Gegenwatf tfu Beatrikf fon Ftorch den Phuff hören. Und kann abdrehen. Und wenn ef den Phuff gehört hat, wird ef auch abdrehen. Dann gibt ef auch kein Blutbad. Und wenn ef getroffen wird, dann gibt ef immer noch kein Blutbad, dann gibt ef ein Wafferbad. Ein Wafferbad ift nicht ungewetflich. Ein Wafferbad mag politically incorrect sein, aber pheif drauf!

Denn niemand hier hat die Abwicht, ein Blutbad antfurichten.

Nicht einmal ich.

Vorschlag zur Güte

Und wenn wir es so machen?

Wenn denn schon partout jemand vom Mindestlohn ausgenommen werden muß, damit die CDU mit der Schmach fertig wird, ihn nicht verhindert zu haben, dann nehmen wir doch CDU-Mitglieder vom Mindestlohn aus.

Das müßte doch konsensfähig sein.

Davon wäre erstens niemand betroffen, und wenn zweitens doch, dann hätte der ja, was er haben wollte, und wenn drittens nicht, dann hätten immerhin wir die Gewißheit, daß es keinen Unrechten getroffen hätte. Sollte es Widerstand in der Fraktion geben, böte sich als Kompromiß an, in einer Art Großer Koalition auch SPD-Mitglieder auszunehmen. Damit wären auch diejenigen angemessen gewürdigt, die die Notwendigkeit des Mindestlohns überhaupt erst herbeiregiert haben.

Leider ist zu befürchten, daß dies dem Koalitionsfrieden förderlich wäre. Aber das sollten wir in Kauf nehmen.