Poggenburg

Definitionen
piel, pile = steil, gerade, aufrecht
Piel, Pile = Pfeil
Pogge = Frosch
Pöksken, Pögsken = Fröschlein
Poggenbölken, Poggenbölkes = Froschscheckel
Frosch = Fuorsk, Füörke, Pilepogge, Pedde, Pogge, Perro
Kröte = Luork, Patüse, Üöwertaske, Üse
Schwein = Kotte, Stöwer, Swien,
Wörterbuch des Münsterländer Platt; Aschendorff Verlag 2000; Autor Klaus-Werner Kahl

Der Poggenburger ist demnach ein plattgemachtes Amphibium zwischen Milchbrötchenhälften mit Ketchup und Analoggurke, eine eigenwillige Leckerei aus dem Sachsen-Anhaltischen. Mit viel Kümmel eventuell genießbar – na, sagen wir eßbar, ohne Kümmel eher nicht. Wird im Osten viel nachgefragt; normale Menschen sind schon von der bloßen Vorstellung notvegan geworden.

Poggenburg (dt. ‘Froschfeste’, engl. ‘Frogborough’, frz. ‘Château Grenouille’, russ. ‘Nizhniy Vrozhgorod’, türk. ‘kurbağa kale’), Vorname Mustafa, Mustafa ‘Pogge’ Poggenburg hingegen ist ein Politiker der AfD – na, sagen wir Mitglied der AfD. Ob er darüber hinaus noch etwas ist, z.B. Politiker, sei es aus Neigung, aus Berufung, oder von Erwerb, ist strittig. Auch nicht klar ist, ob er aus etwas anderem besteht als Gallert und biodeutscher DNA. Von Interesse ist er weiter nicht.

‘Poggenbürger’ nennt sich in Sachsen Anhalt die Jugendorganisation der AfD (siehe Bild). Nachdem die Jungen ihren Schwanz abgeworfen haben, gelten sie als vollwertige Mitglieder. Sie können dann nach Belieben herumhüpfen und quaken. Sie tun dies auch.

Poggenbürger – junge AfD-Mitglieder – noch haben sie ihre Schwänze

Gendersprak schweres Sprak!

Ist das wahr? Ist das wirklich wahr? Hat Andreas Nahle – Verzeihung: hat Andrea Nahles mit Bezug auf Merkel tatsächlich von “Götterinnendämmerung” gesprochen, wie Handelsblatt und Tagesspiegel und teilweise auch die Welt berichten? Oder ist das eine von der FAZ lancierte Erpelin?

Wenn sie das nicht gesagt haben sollte, dann: Schade! – Aber man soll ja immer erst einmal das Beste annehmen – also, wenn sie das tatsächlich gesagt haben sollte, dann möchte ich Andrea Nahles hiermit für den Goetherinnenpreis vorschlagen.

Kind als Keule im Kampf gegen Konkurrenten

Leitkultur à la Gabriel

Kann ich bitte Sebastian Edathy wiederhaben?

Noch ein frauenfeindliches Gedicht

missetäterin
missetäterin und torte


torte
torte und frau vom storch


missetäterin
missetäterin und frau vom storch


missetäterin und torte und frau vom storch und
ein bewunderer

Un poema misógino

für alice salomon
poeme
poeme und spinat


spinat
spinat und wachteln


poeme
poeme und wachteln


poeme und spinat und wachteln und
allerlei spinatwachtel*n im akademischen senat

10 kleine lebensbejahende Ausbreitungstypen

Typische selbstverneinende Europäische Platzhaltertype,
hier als Scherenschnitt abgebildet, um den Leser nicht
zu belästigen

Als jetzt neulich das Bild von diesem selbstverneinenden europiden Platzhaltertyp durch den Äther und die anverwandten Medien rauschte, diesem Halbsachsen und Ex-Dorfrichter, der immer so kahl und bedröppelt in die Gegend blickt, als habe die Katze in seiner Perücke gejungt, und dessen Gericht – Verzeihung: dessen Gesicht – ohne weiteres in der Lage wäre, im Alleingang mit der Mär von der Überlegenheit der weißen Rasse – Verzeihung: Rassisten – aufzuräumen, und zwar mit links, als, wie oben gesagt, dessen Bild durch die Presse mußte, und zwar wegen eines Tweets, dessen Vaterschaft er allerdings nicht anerkennt, der ihm aber wie aus dem – oben bereits mit Grausen erwähnten – Gesicht geschnitten ist, und der zweiffellos aus dessen Laufstall entkam, selbst wenn der Ministrant der Vater sein sollte – Verzeihung: der Praktikant – ich war wohl gerade etwas abgelenkt, weil mir gewisse Geschichten aus dem Dekameron einfallen. Und wenn einem gewisse Geschichten aus dem Dekameron einfallen, dann ist man ja immer etwas abgelenkt, besonders, wenn es sich um ein heimlich gelesenes Dekameron handelt, zu einer Zeit, da man selbst im Ministrantenalter war.

Hihihihihi. Selber schuld! Da hat er jetzt zum Spott auch noch das Geweih.

Aber nun zu dem, was mir einfiel, beziehungsweise was ich mich fragte, als das Bild das Web verschmuddelte: Wozu, fragte ich mich, läßt man sich dem rechten Flügel der Völkigen zurechnen, nämlich dem rechten Flügel von Björn Höckebein, dem Unglücksraben – Verzeihung: Unheilsraben -, wenn man dann zu deppert ist, sich an besagtem Raben ein Beispiel zu nehmen? Ist das die weiße Unüberlegtheit? Wie schwer muß es sein, von einem Mitmenschen, den man rassistisch beleidigen möchte, per “kleiner halblebensbejahender afrikanischer Ausbreitungstyp” zu reden, wie Höckebein das vor- und sich damit unangreifbar gemacht hat? Und wie ich mich noch so frage und mir sage, daß das doch wirklich nicht so schwer sein kann, fällt mir meine allererste Lektüre ein, lange vor dem Dekameron, nämlich das Buch “Ri-ra-rutsch, wir fahren mit der Kutsch’” – stark holzhaltig, noch von der Britischen Besatzungsbehörde lizensiert und mit Scherenschnittvignetten illustriert, was dafür sorgte, daß praktisch keine Weißen drin vorkamen, wovon mancher profitiert haben mag, ist doch der Scherenschnitt gewissen Quarkfiguren nicht nur moralisch, sondern auch ästhetisch überlegen -, und wer da in der Kutsch fuhr, bevor er unten durchrutschte, woraufhin dann alle futsch waren, das war denn auch der letzte von ursprünglich 10 kleinen lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstypen, und zwar in dem Zählreim “10 kleine lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstypen”. Und wie ich noch dabei bin, dieses Lied aus dem Internet zu ziehen, es im Höckebeinschen Sinn aufzubereiten und 10fach in die Welt hinauszutweeten, da denke ich mir, Moment, denke ich mir, willst Du wirklich 10 und seien es noch so kleine unschuldige afrikanische Kinder mir nichts dir nichts umkommen lassen? Hast du das als Kind nicht ausreichend getan, rauf und runter nämlich, unter Zuhilfenahme deiner damals noch recht kurzen Fingerchen und Zeh’n? Wäre es nicht vielmehr an der Zeit, sich die selbstverneinenden europiden Platzhaltertypen vorzunehmen, und wäre das nicht auch eher im Sinne jenes völkigen Selbstverneiners, dessen anderes großes Vorbild nächst Höckebein jener geisteskranke Abendlandretter von Utoya ist, der seinerzeit in weißer Überheblichkeit geglaubt hatte, im Alleingang mit den Europiden aufzuräumen das Zeug zu haben, und zwar mit rechts?

Dazu hatte er allerdings dann doch beide Hände gebraucht und war trotzdem nicht fertig geworden. Anders als mein erster Tweet, doch als der fertig war:

Zehn kleine selbstverneinende Platzhaltertypen
Die saßen einst beim Wein
Dem einen schnappt’ die Leber ab
Da waren’s nur noch neun.
Ein klein, zwei klein, drei klein,
Vier klein, fünf klein selbstverneinende Platzhaltertypen
Sechs klein, sieb’n klein, acht klein,
Neun klein, zehn klein selbstverneinende Platzhaltertypen

paßte er nicht in das Twitterrohr; nach “Neun klei” in der letzen Zeile war Schluß. Außerdem störte mich der doch recht holperige Rhythmus nicht weniger als der fehlende Reim. Der Inhalt geht schon in Ordnung. Es ist ja bei den politischen Parodien von Ten Little Injuns so, daß es in der ersten Strophe heißt: Der eine machte Goebbels (oder Ulbricht, die beiden tun sich da nichts) nach / Da war’n es nur noch neun. Das möchte ich gerne vermeiden. Jemanden einzulochen, weil er politisch Mächtigere verspottet, ist rationales Verhalten, auch wenn es abzulehnen ist. Die kleinen Indianer aber – die es in Deutschland nicht gab, weshalb der Deutsche sie in der Nachdichtung durch andere Ethnien ersetzte, die es zu seiner Zeit bei ihm zwar auch nicht gab, die er aber zu Zählreimzwecken brauchte, damit er sie dezimieren konnte -, wurden einfach nur so abgemurkst, ohne jeden vernünftigen Grund.

Ein Schicksal, das ich meinen europiden Platzhaltertypen auch gern angedeihen lassen würde. Nur so und ohne Grund. Und schon weiß ich mir Raths:

Neun kleine Höckebein’
Krakeelten durch die Nacht
Vorbei kam Nachtbuslinie 3
Da waren’s nur noch acht.
Ein klein, zwei klein, drei klein,
Vier klein, fünf klein Höckebein’,
Sechs klein, sieb’n klein, acht klein,
Neun klein, zehn klein Höckebein’.

Acht kleine Höckebein’
War’n stark zurückgeblieben
Das eine blieb so stark zurück -
Da waren’s nur noch sieben.
Ein klein…

Sieben kleine Höckebein’
Probierten Cybersex
Dem einen schwand das Rückenmark
Da waren’s nur noch sechs.
Ein klein…

Sechs kleine Höckebein’
Die litten stark an Dünnf-
iff (eins fiff gar die Seel’ mit raus)
Da waren’s nur noch fünf.
Ein klein…

Fünf kleine Höckebein’
Die gingen mal zum Bier
Da kam die NPD herein
Da waren’s nur noch vier.
Ein klein…

Vier kleine Höckebein’
Die spielten gerne »Rei-
se nach Jerusalem«, doch Stüh-
le hatten sie bloß drei.
Ein klein…

Drei kleine Höckebein’
Die machten ein Geschrei
Um Eier für ein Omelett
Dabei ging eins ent-zwei.
Ein klein…

Zwei kleine Höckebein’
Auf Pirsch aufs wilde Schwein
Gerieten in ‘ne Keilerei
Da gab es nur noch ein’n.
Ein klein…

Ein kleiner Höckebein
Der twitterte ‘nen Tweet
Da kam die Twitterpolizei
Und nahm den Tweeter mit.
Ein klein…

Nun ist mir doch noch ein politischer Vers dazwischengeraten, mach einer was! An Reim und Rhythmus habe ich aber nichts mehr auszusetzen.

Zehn Höckebeine allerdings, so klein sie auch sein mögen, sind nichts, was man einem eben erst von einer Magenverstimmung Genesenen zum Frühstück würde anbieten wollen, solange noch Haferschleim oder ein wenig Milchsuppe da sind. Selbst wenn es mit jedem Vers weniger werden, so sind es doch – über die Verse summiert – Stücker 55. Gut daß sie alle weg sind!

Die Welt von einzelnen Höckebeinen zu befreien ist vergleichsweise einfach, erfordert aber die Mitarbeit des Höckebeins. Es braucht dazu

  • Eine Tante
  • Likör
  • Heidelbeerkompott, Plättbrett und frisch gebügelte Wäsche (optional)
  • der Tante künstliches Gestricke
  • einen glatten Tisch
  • Geduld

Nähere Anleitung findet man ebenfalls in meiner Jugendlektüre:

Was indes der Tante künstliche Moral von der Geschicht angeht, so gibt es diese – vermittels des “Drum” behauptete – Ursache-Wirkung-Relation hinsichtlich Bosheit und nachfolgender Gerechtigkeit in dieser Welt leider nicht. Leider!

Nein, liebe Tante, liebe Tanten (ich schließe die meinigen gleich mit ein), ihr meint es gut, aber ihr irrt: die Rechtschaffenheit, sie triumphiert nicht, die Gemeinheit, sie sitzt in Land- und Bundestagen und fährt Diäten ein. Eure Predigten sind, was sie sind: Predigten, und Predigten bedürfen der Bekräftigung durch ein nachgestelltes “So möge es sein”:

Amen.

Fortschritt

Kurz vor der Marktreife autonom fahrender Autos, will Saudi-Arabien Frauen versuchsweise das Autofahren erlauben. Eine Anerkennung als menschliche Wesen ist damit vorerst allerdings nicht verbunden. Dieser stünde entgegen, daß eine dahingehende Äußerung des Propheten nicht überliefert ist, und man also nicht sicher sein kann, daß sie welche sind.

Allerdings stellte der saudische König in Aussicht, daß selbstfahrenden Autos nach ihrer Zulassung in Saudi-Arabien ein quasi-männlicher Status eingeräumt werden könnte. Frauen bräuchten dann nicht mehr zu heiraten, um sich bevormunden zu lassen, oder ihren Vater um Erlaubnis zu bitten, sondern könnten sich ein Auto zulegen, das an ihrer Stelle entscheidet, wo es lang geht. Eine solche Anerkennung würde darauf fußen, daß diesbezüglich keine ablehnende Äußerung des Propheten überliefert ist, man also nicht sicher sein kann, daß sie keine Männer sind.

In den USA arbeitet der Hersteller Tesla derweil an einer Software, mit der seine Autos weibliches Fahrverhalten an den Tag legen können sollen. Diese Software wird – nur ein Beispiel – gar nicht daran denken, nach Benutzung des Schminkspiegels in der Sonnenblende die Abdeckung wieder zurückzuschieben, schon gar nicht automatisch. Wozu? Wird doch eh wieder gebraucht!

Ob diese Autos in Saudi-Arabien die Zulassung bekommen werden, haben wir uns noch nicht ausgedacht.

Die Natur: ist sie nicht eine

Naturgemeinheit?

Jedenfalls könnte man auf die Idee kommen, wenn man sieht, wie gemein die Natur zu ihren Opfern, den Männern, sein kann, die doch nichts dafür können, da sie ja nur ihrer männlichen Natur gehorchen. Diesmal hat es einen Google-Techie geschrägt, der weiter nichts verbrochen hat, als auf seine Natur zu hören, und sich von ihr rechthaberische Kommentare über die Natur von Männlein und Weiblein in ein Blog hineindiktieren zu lassen. Die Natur, so der Techie, sei nun einmal so, und auf der anderen Seite sei sie so, and never the twain shall meet, bzw. Männer seien ihrer Natur nach eher disponiert, von Google auf die Straße gesetzt zu werden, weil die Natur es nun einmal nicht mitansehn könne, wenn ein Mann, der wisse, daß er recht habe, es nicht auch alle Welt wissen lasse, daß er recht habe, und wie!, und wenn er es die Welt dann wissen lasse, werfe Google ihn hinaus. Die Frauen hingegen kümmerten sich einen Scheiß darum, wer recht habe, und daß es die Männer seien, und gingen in der Zeit lieber Schuhe kaufen.

Wozu auch die aber nichts könnten, denn das sei halt denen ihre Natur. Nur sollte man sie dann nicht zu Google-Techies ausbilden wollen, denn Google-Techies …

Woraufhin Google ihn auf die Straße setzte, noch ehe er den Gedanken zuende geblogt hatte.

Wieder einmal fein raus sind die Frauen, die die Natur weniger rechthaberisch veranlagt hat, beziehungsweise geduldiger, gemütvoller, mehr auf Ausgleich, auf Leben und leben lassen bedacht. Wo zwei Männer nicht anders können, als im Gespräch wissenschaftlich herzuleiten und nachzuweisen, daß Frauen keine Seele haben, und im Dissensfall bereit sind, mobil zu machen, da begnügen sich zwei Frauen mit der rhetorischen Frage “Sünd Kerls ok Minsken?” Anschließend lassen sie das Thema ruhen und gehen Schuhe anprobieren.

In der Natur von Google wiederum liegt es, Techies hinauszuwerfen, wenn sie sich nicht männlich genug geben. Ein männlicher Techie schreibt lieber zehntausend Zeilen Code als eine Zeile Prosa, denn Code ist männlich, strukturiert und weltabgewandt wie wir Techies auch. Prosa hingegen ist oberflächlich, eitel, spreizt sich, ist auf Anerkennung aus und neigt dazu, andere Prosa schlecht zu machen. Muß ich mehr sagen? Dieser Techie aber, wieviele Zeilen Prosa schrieb er? Seitenweise, kaum noch in Zeilen auszudrücken. So etwas ist unnatürlich für einen Mann, und es wäre unnatürlich für Google, es ihm durchgehen zu lassen.

Tja, die Natur! Mal so, mal so, mal so! Man würde ihr nahelegen wollen, sich doch bitte mal zu entscheiden, wo es denn jetzt lang gehen soll, wüßte man nicht, daß das bei ihr überhaupt keinen Zweck hat: es entspricht einfach nicht ihrer Natur.

Wie schrieb schon Gottfried Benn: Natura – ein femininum, natürlich!

Ehe für alle

Warum nicht auch für Lindenknecht und Wagner?

Christian Lindenknecht, Gesicht und Gemächt der FDP, sowie Sahra Wagner, spitze Linkenkandidatin, wollen heiraten und den russ. Präs. Vlad. Put. zum Gevatter für ihre Kindlein bitten. Im Gegenzug wollen sie VladPut die Halbinsel Krim schenken, die ihnen gar nicht gehört. Die gehört ihm nämlich schon. Er ist der Eigentümer, oder Inhaber, oder der Besitzer. Ich kenne mich im Jus nicht so aus. Jedenfalls sitzt er drauf. Darüber außer sich vor Freude, wie nur je eine Omma es ist, wenn wo auf der Welt Blaues Blut im Brautbett einer Bürgerlichen beiliegt und die Blättchen anschließend die Wäsche begutachten, sind die Wähler der Alternative für Biodeutschland AfB und der Bund der Deutschen Exportwirtschaft mit Ambitionen auf Kraftwerksexporte auf die Krim (BdEmAKK).

Gefragt wieso denn eigentlich, wieso jetzt, und überhaupt? sprach Lindenknecht: Wann denn sonst? Wenn nicht im Wahlkampf?

Und überhaupt: die Linke werde so schnell nicht weggehen. Man werde sie als dauerhaftes Provisorium ansehen müssen, und ein dauerhaftes Provisorium könne man auch gleich heiraten. Was sei die Ehe schließlich anderes als ein Provisorium? Ein dauerhaftes Provisorium, wenn Segen darauf ruhe. Oder Fluch, je nachdem.

In diesem Falle, möchte man korrigieren, in diesem Fall sei die Ehe so etwas wie eine Querfront, falls “quer” die Sache überhaupt trifft. Falls man nicht bei einem Konkubinat von Freier Demokratie und Feinden der Demokratie von einer “Diagonalfront” oder von einer “Von-Links-nach-Schräg-Front” reden müßte, oder gar von einer “Von-hinten-durch-die-Brust-ins-Herz-Front”. Einer “Sprung-im-Carré-Front”, wenn man die Biodeutschen und die Exportwirtschaft noch mit ins Bett nimmt.

Wir wünschen dem Brautpaar und den Beiliegern alles Gute, Segen und Fluch nach Bedarf, jede Menge Krümmel im Hochzeitsbett, und mögen sie sich gegenseitig alle Wähler ausspannen!

Von Gutmenschen und Schlechtkerlen

Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf.
Tucholsky
Oder haltet sie von mir aus auch stumpf. Schließlich gibt es auch stumpfe Waffen. Die berühmten “stumpfen Gegenstände” zum Beispiel, von denen der Detektiv immer feststellt, daß die vorgefundene Leiche mit einem solchen in Berührung gekommen sein müsse. Oder Dum-Dum-Geschosse, die sollen ja verheerende Wirkung haben. Oder sind Geschosse – streggenommen und Tucholskys Maxime in Anschlag gebracht – keine Waffen? Müßte man diskriminieren zwischen Waffe hie und Munition da, und wäre fehlende Unterscheidung schon “Schluderei” im Tucholskyschen Sinn? Aber was wären dann Bomben und Granaten, Zwitter? Könnte man sagen: “Sprache ist eine Faßbombe, haltet sie voller Gedöns.”? Oder: “Sprache ist – verdammt da kommt sie, rennt was ihr könnt!” – ich erinnere nur an die Faßbomben eines gewissen Trump…pff.
Germanistenfuzzi, kurz vor der Berührung mit einem stumpfen Gegenstand

Als noch verkannt und sehr gering der Gutmensch über die Erde ging

Ich bitte um Verzeihung, ich fange noch einmal an, das ist viel zu poetisch und dem Gegenstand daher nicht angemessen:

Als unser Herrgott noch auf Erden wandelte und Wörter noch eine Bedeutung hatten, da war der sog. Gutmensch einer, der, wenn er an einem Spiegel vorbeikam, kurz innehielt, voller Gefallen hineinschaute, den Hut lupfte und sich dann wieder an sein Tagwerk machte, und sein Tagwerk bestand darin, anzuprangern. Anzuprangern und zu verhindern, daß man ihn seines Lebenssinns beraubte, indem man an der Welt etwa etwas änderte. Bewahre! Was hätte er dann anprangern sollen? Harmlos also, aber unerträglich. Suffragetten etwa – in Abgrenzung dazu – waren keine Gutmenschen, sondern eine wirkliche Gefahr: nicht zufrieden, ehe sie ihr Faß voll Prohibition in Gesetze abgefüllt hatten. Die Folge: Al Capone. Al Capone ist nichts weiter als gegorenes Suffragettentum. Der Gutmensch hingegen würde niemals zugegeben haben, daß man auf der Kirmes den Ausschank von Alkohol untersagt haben würde, denn er wollte sein neues Leibchen mit der Aufschrift “Weil du gefährdet bist, trinke ich keinen Alkohol” spazieren führen und tat das auch. Wodurch sich der Ausschank auf und während der Kirmes kräftig erhöhte, nicht nur weil die Alkoholgefährdeten, durch die demonstrierte Großmut gedemütigt, doppelt zur Flasche griffen, sondern weil auch wir Unbeteiligten die Gelegenheit nicht verstreichen lassen und den freiwerdenden Alkohol sicherzustellen versuchen wollten, in Konkurrenz zu unseresgleichen und den Alkoholgefährdeten, wodurch es zu Überkompensationen kam, denn so zahlreich waren die Leibchenträger garnicht. Der ursprüngliche homo benevolensis war zwar eine Pest, aber nie besonders virulent.

Heute ist er praktisch ausgestorben. Was heute Gutmensch genannt wird, ist in der Regel homo sapiens sapiens. Eine Bedeutung hat das Wort nicht mehr, da es auf so gut wie jedermann angewendet wird: auf Leute, die sich ins Sacktuch schneuzen, statt in die Finger, die sich nach dem Toilettengang die Hände waschen, Leute, die sich beim Reinkommen die Schuhe abtreten und Leute, die Rollatorfahrern im Bus Platz machen. Alexander Gauland, von sich auf andere schließend, nennt solche Leute “rechts”; Sie und ich würden solche Leute einfach nur “Leute” nennen, aber Sie und ich, wir sind nicht Alexander Gauland, und Alexander Gauland ist nicht wir. Wer oder was ist Alexander Gauland? Fest steht, er ist kein übriggebliebener Gutmensch. Alexander Gauland will nicht, daß die Dinge bleiben, wie sie sind, er will sie ändern. Das macht ihn gefährlich, das macht ihn zu einer Suffragette, einer männlichen Suffragette, einem Suffragett. Die Folge von Alexander Gauland wird ein Al Capone sein; er ist dessen Dünnbierversion.

Was bedeutet es nun, daß man jemanden, der darauf besteht, die Toilette zu benutzen anstatt ins Waschbecken zu pinkeln, sowohl “rechts” als auch “einen Gutmenschen” heißen kann? Ganz sicher doch, daß der semantische Gehalt des Wörtchens Gutmensch im Laufe der Lagerung aus dem Faß verdunstet und nun nicht mehr nachweisbar ist. Heute ist es ein Idiotismus, der die Beheimatung des Sprechers in einer – nicht unbedingt regional oder soziologisch dingfest zu machenden – Sprachvarietät verrät. Zu deutsch: wes Geistes Kind einer ist, welch Mördergrube er im Busen birgt, was sein Sinnen und Trachten von Jugend auf, das wird offenbar, indem er sich des Wörtchens “Gutmensch” bedient und es auf seinen Nächsten in Anschlag bringt. Was alle diese Menschen eint, ist, daß sie sich abgrenzen wollen. Sich ex positivo definieren – wir sind Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, Zöllner – das wollen sie sich nicht, ex negativo aber umso vehementer: wir sind keine Pharisäer! Umgotteswillen! – Nun, dann müssen wir es tun: wir wollen sie, damit wir die Menge nicht immer mühevoll herbeidefinieren müssen, wenn wir sie brauchen, von nun an die “Schlechtkerle” nennen. Es wird ihnen recht sein.

Wozu wir sie brauchen? – Um uns von ihnen abzugrenzen? – Das sei ferne! Wir grenzen uns von keinem ab. Soll sich die Rote Flora vom Schwarzen Block abgrenzen, wenn sie lustig ist, wir grenzen uns nicht vom Schwarzen Block ab. Wenn der Schwarze Block was von uns will, soll er sich gefälligst herbemühen. Das wird er nicht tun, aber selbst wenn er’s täte, würden wir es nicht tun. Und dasselbe gilt für die Schlechtkerle. Die Schlechtkerle sind der Schwarze Block im Schanzenviertel der Veröffentlichten Meinung. Wir grenzen uns auch von denen nicht ab, nachher meint noch einer, wir hätten es nötig. Es sind dies immerhin Leute, die so reden, als würde man in deren Waschbecken kein Gemüse mehr putzen wollen. Als würde man denen die Hand nicht geben mögen – nicht nicht geben wollen, aber nicht geben mögen. Nichts gegen Bauern, die sich hinter dem Pflug die Finger am Zwillich wischen, aber – Herrgott, wir danken Dir, daß wir nicht sind wie diese Kunstbauern da mit ihren sorgfältig befleckten Joggingbuxen, ihren ranzigen Unterhemden und ihrer Adilettensprache! Da erhöhen wir uns doch lieber selbst und geben die Feinpinkel.

Das ist das eine. Das andere: wir werden uns erlauben, hin und wieder den einen oder anderen der Schlechtkerle herauszugreifen und ihm zuzusetzen, soweit unsere Mittel das erlauben. Wie Germanistenfuzzi sagte, als er wieder bei Sinnen war:

Sprache ist ein Pusterohr. Wörter sind Pfeile. Oder Kirschkerne. Haltet sie spitz, bzw. seht zu, daß ihr immer genügend dabeihabt. Pfeile, meine ich. Das Blöde bei Pfeilen ist, sie sind im Prinzip noch gut, nachdem man sie benutzt hat. Man könnte sie wiederverwenden, aber man müßte sie dazu erst wieder einsammeln. Andererseits sind Pusterohre wartungsarm. Hin und wieder den Sabber ablassen, wie bei der Klarinette, schlimmer noch bei der Melodica, die hatte so einen Knopf unten, und ein Kläppchen, eklig, es sabberte aus dem Kläppchen, und es sabberte einem immer auf die Finger. Andere Blasinstrumente – außer Blockflöte, aber die hatte ja jeder – hab ich nicht kennengelernt, ich könnte mir vorstellen, daß eine Tuba zum Beispiel ordentlich Sabbersammelkapazität braucht. Blechblasinstrumente sind ja angeblich auch Waffen, darf ich an Jericho erinnern? Aber könnte man sagen, daß Sprache ein Blechblasinstrument sei? Gäbe das was her? – Wie auch immer, zurück zum Pusterohr: seht zu, daß sie sitzen. Die Pfeile sollten sitzen, die Opfer sollten stehen. Dann kommt man besser an ihren Hosenboden ran. Wobei der Franz bei Wilhelm Busch dem Bartelmann den Pfeil in die Nase schießt, nicht in den Hosenboden. Der den Hosenboden traktiert kriegt, ist der Dichter Bählamm, dem der Knabe Jörg mit einem selbstgebastelten Instrument – Zweig mit Nadel zum Pieken vorne dran, ich weiß gar nicht, wie man eine solche Waffe nennt, nennt man eine solche Wa…pffffff.

Ich bitte um Entschuldigung, aber an dieser Stelle schien es mir angezeigt, Germanistenfuzzis Bekanntschaft mit dem stumpfen Gegenstand aufzufrischen.