Integration alleine reicht nicht

Volkes Stimme
Und was machen wir jetzt?
Volkes Wille
Weiß nicht. Wann ist die Pressekonferenz?
VS
Um elf.
VW
Und jetzt ham wir?
VS
Gleich neun.
VW
Sag’s ihnen.
VS
Sag’s ihnen?! Du machst mir Spaß.
VW
Dann hat ja wenigstens einer von uns Spaß.
VS
Was glaubst du, was los ist, wenn ich ihnen nach monatelanger Diskussion um Integration hier und Integration da und Integration rauf und Integration runter …
VW
Links und rechts hast du noch nicht.
VS
… und Integration vor und Integration zurück …
VW
Rein und raus auch noch nicht.
VS
… und Integration hinten und Integration vorne, wenn ich da plötzlich daherkomme und ihnen mitteile, daß du überhaupt keine Integration willst.
VW
Nicht willst stimmt ja so nicht.
VS
Wie stimmt es denn?
VW
Die sollen sich schon integrieren, aber …

VS
Schlaf nicht ein! Das Aber ist genau der Knackpunkt. Was heißt hier und in diesem Zusammenhang Aber?
VW
Aber heißt, ich meine, was heißt denn eigentlich Integration, mal so gefragt? Ich höre hier immer Integration. Aus dem Fernsehn und in der Nachttopfpresse …
VS
Pißpottpresse immer noch.
VW
Oder so …
Da höre ich immer Integration. Glaubst du, daß vielleicht einer mal dazu sagt, was das denn eigentlich heißen soll?
VS
Integration heißt, daß die Ausländer hinterher integriert sind.
VW
Und die Muslime?
VS
Die auch.
VW
Und was ist dann anders, wenn sie integriert sind?
VS
Dann darfst du nicht mehr über sie meckern.
VW
Siehste? Siehste? Das hab ich mir ja gedacht! Nee nee nee nee, soo haben wir nicht gewettet, soo nicht.
VS
Willst du weiterhin über sie meckern? Sie sind dann doch so wie du.
VW
Wie wie ich?
VS
Integriert halt. Essen nicht mehr türkisch, sondern nur noch griechisch. So wie du.
VW
Ich geh nicht mehr zum Griechen.
VS
Wo gehst du jetzt hin?
VW
Ins Topkapi.
VS
Dann gehen sie halt eben auch ins Topkapi. Nun sei doch nicht so pingelig.
VW
Wieso pingelig? Da kriege ich vorher und hinterher einen Raki. Und soviel Salat, wie ich will.
VS
Prima.
Wußtest du übrigens, daß der Chef vom Topkapi Muslim ist?
VW
Ja und? Laß den Mann doch Muslim sein! Der tut doch keinem was.
VS
Der ist integriert, meinst du?
VW
Der ist total integriert. Wenn alle so wären wie der Ihsan vom Topkapi, und einem vorher und hinterher einen Raki spendiert …
VS
Und soviel Salat, wie man will.
VW
… und soviel Salat, wie man will, dann gäb es auch nicht soviele Probleme mit den Muslimen.
VS
Der Chef vom Poseidon ist ja Christ.
VW
Der ist Grieche, ist der.
VS
Ja. Und Christ.
VW
Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, daß man da den Ouzo immer vorher kriegt. Ich hab’s lieber, wenn man den Ouzo hinterher kriegt, so als Schlenderschluck.
VS
Immerhin teilt er unser christliches Menschenbild.
VW
Aber der Salat ist nicht so gut, wie der im Topkapi. Und die Leber war neulich hart.
VS
Nun, auch das christliche Menschenbild gibt es nicht umsonst.
VW
Was war denn noch gleich dieses christliche Menschenbild? Hört man ja in letzter Zeit oft von.
VS
Wieso kannst du dir sowas eigentlich nicht mal merken?
VW
Warum soll ich? Dafür hab ich doch dich.
VS
Daß ich mir Sachen für dich merke, damit du den Kopf frei hast und in den Tag hineinleben kannst – gut. Das seh ich ja noch ein. Aber das hier brauchst du dir ja nicht einmal zu merken, das kannst du doch in jeder Zeitung nachlesen!
VW
Was steht da denn drin?
VS
Da steht, daß die bei dir beliebte und von dir gewählte Kanzlerin A. Merkel gesagt hat, das christliche Menschenbild sei etwas, dem wir – damit meint sie dich – uns verbunden fühlen, und das uns – damit meint sie wieder dich – ausmacht. Und wer das nicht akzeptiert – damit meint sie die Muslime, “der hat bei uns nichts verloren.”
VW
Das steht da? Das find ich gut! “Hat bei uns nichts verloren” – genau. Raus mit ihnen!
VS
Ok. Wir werden also Bibelkurse einrichten, an denen du teilnimmst, und in denen du lernst, wie man feststellt, ob jemand das christliche Weltbild akzeptiert oder nicht.
VW
Wa?
VS
Naja, einer muß es machen.
VW
Aber wieso denn ich?
VS
Wer soll es denn sonst machen?
VW
Kannst du das nicht machen?
VS
Ich denke ja gar nicht dran. Ich hab genug damit zu tun, den Leuten zu erklären, was du willst. Da geh ich nicht auch noch her und tue das, was du willst. Bzw. nicht willst. Nicht tun willst.
VW
Aber ‘christliches Menschenbild’? Das ist doch bestimmt was ganz grottiges, oder?
VS
Was meinst du mit ‘grottig’?
VW
Na, lauter so Sachen, die man nicht tun soll. Oder tun darf. Wie die zwölf Gebote, oder die 10 Apostel, oder wie das heißt. Apropos Apostel: wenn es das Apostel noch gäbe, dann würde ich vielleicht immer noch ins Apostel gehen, und nicht ins Topkapi.
VS
Der Chef vom Apostel war auch Christ.
VW
Der war Grieche!
VS
Eben. Also Christ.
VW
Nee, das sind keine Christen. Hab ich letztes Jahr gesehen, wie wir im Urlaub in Kalavryta waren. Die haben da so ganz komische, im Kostüm welche. So Imame oder wie die heißen.
VS
Popen.
VW
Ja, genau. Auf ‘nem Esel hat der geritten.
VS
Bist du sicher, daß das im Urlaub war? Nicht im Fernsehen?
VW
Oder im Fernsehen. Jedenfalls sind das keine Christen.
VS
Ich sehe schon, ich sehe schon, da sind doch einige Defizite. Wir werden bei Adam und Eva anfangen müssen.
VW
Aber die Leber war gut im Apostel.
VS
Ich notiere dann also mal, Käsdorfer Volkshochschule, Wintersemester, Mensch und Gesellschaft, Heimatkunde, Das christliche Menschenbild, was dazugehört und woran ich es erkenne, Donnerstag 18 Uhr bis 19 Uhr 45, 14 Abende, 89 € 60.
VW
Vierzehn Abende?
VS
Je nun.
VW
90 Ocken?
VS
Neunundachtzig sechzig.
VW
Und immer zwei Stunden?
VS
Mit Rauchpause.
VW
Ich rauch nicht mehr.
VS
Aber der Dozent.
VW
Wer ist denn der?
VS
Pfarrer Beffchen.
VW
Pfarrer ist in Ordnung! Pfarrer oder Pastor. Aber nicht diese Popen!
VS
Imame.
VW
Genau! Popen, Imame, das ist doch alles eine Soße.
VS
Ich fasse also mal zusammen: Integrieren sollen sich die Ausländer, den Schlenderschluck soll es hinterher geben …
VW
Oder vorher und hinterher. Aber nicht bloß vorher.
VS
…, Imame und Popen sollen sie zuhause lassen, und bloß Pfarrer und Pastoren mitbringen. Soweit ok?
VW
Soweit ok. Aber die Pfarrer und Pastoren, die sollen das mit den Kindern sein lassen. Das ist nicht schön.
VS
Das   mit   den   Kindern   sein   lassen   …   nicht   schön   Punkt“. Sonst noch?
VW
Erstmal nicht. Doch – die gegrillte Leber soll nicht so hart sein. Das mag ich nicht. Das ist auch ganz einfach, die darf man immer erst hinterher salzen. Wußtest du das?
VS
Ja. “Hinterher   salzen   Punkt.” Schweineleber oder Rinderleber?
VW
Das ist mir eigentlich egal. Das kann auch Kalbsleber sein. Da bin ich tolerant.
VS
Tolerant  .” Willst du Fritten oder Reis dazu?
VW
Fritten und Reis.
VS
Und    Reis  .” Weißt du schon, was du trinken willst?
VW
Ich hätte gerne mal eins von diesen neonfarbenen Bieren mit Brausepulver und Zucker und ‘ner Rose drin. Aus so ‘ner Klarglasflasche.
VS
Tssss-ss-ss-ss-st! Weißt du, was mir an dir so auf den Keks geht? Da hättest du mal die Gelegenheit, so richtig schön konservativ zu sein, und zu sagen: Dieser Mumpitz kommt mir nicht ins Glas, und statt die Gelegenheit beim Schopf zu nehmen, sie bis zum Umfallen zu knutschen, und zu sagen, auf sie hättest du schon lange gewartet, statt dessen sagst du, laß uns heute abend zwischen 20 Uhr 15 und 22 Uhr 45 mal aufgeschlossen sein. Laß uns diesen Mumpitz mittrinken. Morgen früh sind wir dann wieder konservativ.
VW
Ich bin eigentlich immer aufgeschlossen. Nicht nur abends manchmal.
VS
So? Wo denn noch?
VW
Im Internet zum Beispiel. Du, da hab ich mal ‘nen Film gesehen, auf Youtube, aber der war dann hinterher weg: Kopftuchschlampen im Gemüseladen. Den würde ich gerne mal wieder sehen.
VS
Ähhm – bist du sicher, daß das auf Youtube war?
VW
Klar. Da siehst du, wie aufgeschlossen ich bin, Youtube, Twitter, Microsoft und wie die alle heißen. Mach ich alles mit.
VS
Ahja. Bis hin zum Online Gemüseladen. Was sagt denn deine Frau dazu?
VW
Die will andere Filme, Moment, wo hab ich den Zettel – schreib mal auf: Für mich einmal Kopftuchschlampen im Gemüsegarten – was ist, wieso schreibst du nicht mit?
VS
Bist du sicher, daß ich das an die Presse geben soll?
VW
Na klar, wieso denn nicht? Du wolltest wissen, was ich von den Ausländern will, damit sie hierbleiben dürfen, und das sag ich dir jetzt.
Für mich einmal Kopftuchschlampen im Gemüsebeet, und für meine Frau – jetzt hab ich den Zettel: Knacki der Knackarsch, und dann Der Knecht mit der Knute, Geknebelt im Knabenknast, und Kneter, Knauf und Knickebein, und Sie nannten ihn den Knörzerich und Ente knuppig.
VS
Was war das letzte?
VW
Ente knuppig – achso, daß ist kein Film. Das soll ich aus dem Jade Garten mitbringen. Meine Frau mag keine Leber. Und die Bedienung im Jade Garten die kann nicht knusprig sagen und sagt knuppig. Lustig.
VS
Lustig.
VW
Und hast du mitgeschrieben?
VS
Nein.
VW
Da mach mal hin.
VS
Ich hab kein gutes Gefühl dabei.
VW
Wobei?
VS
Bei diesen Fräuleins vom Gemüsemarkt. Soll ich nicht lieber Winnetou II für dich aufschreiben?
VW
Wieso?
VS
Den mochtest du doch immer gerne, wie sie da das Öl in den See leiten, und die Brandpfeile durch den Himmel schwirren und den ganzen See in Flammen setzen …
VW
Ja, der ist auch gut. Aber Kopftuchschlampen im Gemüselager ist auch gut. Also schreib schon auf.
VS
Winnetou   II“. Und für deine Frau der Film, welcher sollte das sein?
VW
Alle die ich eben gesagt habe.
VS
Und   das   Halbblut   Apanatschi“. Ok. Hab ich jetzt alles?
VW
Nein! Ganz wichtig: die müssen alle Deutsch können. Ente knuppig. Ich lach mich kaputt!
VS
Deutsch   …   kenntnisse   Punkt“. Ok, das wars dann jetzt aber, ich muß los. Ist schon 10. Wenn dir noch was einfällt, ruf mich auf dem Handy an.
Und tschüß.
VW
Und tschüß. – Heh, warte!
VS
Was willst du denn noch?
VW
Meckern will ich dürfen!

Ich unterschreibe keinen Integrationsvertrag, indem nicht klar und deutlich drinne steht, daß ich jederzeit und überall über alles meckern darf.

Wenn ich das nicht kriegen kann, dann sollen sie lieber unintegriert bleiben.

Es würde mir doch sehr fehlen.

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