Kampf der Ideen

Nach Ansicht Chinas muß sich der „Konfuzius-Friedenspreis“ im „Kampf um die Ideen“ erst noch bewähren. „Er soll seine Chance haben,“ sagte China dem Käsdorfer Metropolitan (KM) im Hintergrundgespräch. „Fakt ist aber: der Galgen hat seine Bewährung im Kampf mit den Ideen bereits unter Beweis gestellt.“

Es sei keineswegs so, daß nur der Friedenspreis den Kampf der Ideen in ein Ringen um die (besseren) Ideen veredeln könne, es sei dies auch Aufgabe des Galgens, und zwar die vornehmere, die vornehmste seiner Aufgaben. Es gehe dem Galgen nicht darum, den Kampf gegen die Ideen in einen Kampf gegen die Ideenträger zu verkürzen, und die Träger der Ideen einen Kopf kürzer zu machen. Die Träger seien nach Anwendung des Galgens oft sogar ein Ideechen länger.

Aber es gehe dem Galgen, wie dem Preis, wie der Evolution, natürlich um Auslese, um die Auslese der – nicht unbedingt besseren und besten, sondern – der angemesseneren und angemessensten Ideen. Der Ideen, die sich den schwierigen Umgebungsbedingungen am besten angepaßt hätten. Und zu den schwierigeren und schwierigsten Umgebungsbedingungen für eine Idee gehöre ganz sicherlich der Galgen. Eine Idee, die den Galgen nicht überlebe, die schon an einem popeligen Holzgalgen nicht vorbeikomme, sei im Überlebenskampf nun einmal die unterlegene, so einfach sei das. Sie sei not fit for survival, mit Darwins Terminologie zu sprechen.

Viele gute Ideen kämen überhaupt nicht in die Nähe des Galgens. Es sei der Abstand zum Galgen sogar ein quasi Qualitätsmaßstab für die Idee, denn eine bessere Idee als die, einen großen Bogen um den Galgen zu machen, könne eine Idee gar nicht haben. Auf der anderen Seite dürfe man sich aber auch nicht dazu hinreißen lassen, Ideen, die immer wieder mit dem Galgen in Konflikt gerieten, von vornherein für schwach und überlebensunwert zu halten. Es sei dies ein Fehler, den man am besten vermeide, indem man ihn nicht begehe. Denn es könne gerade die Vielzahl der Opfer, die der Kampf einer Idee gegen den Galgen fordere, die Idee läutern, stählen und groß machen. So daß am Ende selbst der Galgen den Hut ziehe, eine Verbeugung andeute und zur Idee sage: „Hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut, sieht man Ihnen nicht an.“

Die Größe der Idee zeige sich aber dann darin, daß sie den Anteil des Galgens an ihrem Zustandekommen zu würdigen wisse. Auch die Idee der Ächtung des Galgens sei schließlich ohne Galgen nicht denkbar. „Dlum sei del Galgen auch bedankt, el hat sie euch abvellangt,“ paraphrasierte China lächelnd, und um den KM zu ehren, den deutschen Dichter Beltolt Blecht.

Auf jeden Fall werde es im Sinne Kufuzius‘ sein und dessen Lehre entsprechen, wenn man sich in China in Zukunft gegenüber den Ideen nicht unabhängig von, sondern in Relation zu deren konkreten Trägern sittlich verhalte, und also so verfahre, daß man die eine Hälfte mit dem Preis auszeichne und die andere Hälfte aufknüpfe.

Das wäre nicht die schlechteste Idee.

Die Kommentarfunktion für diesen Post wurde deaktiviert.

Navigation