Konsequenzen

Nach dem blutigen Anschlag auf Christen in Alexandria drohen deutsche Politiker mit Konsequenzen.

Halef Omar lebt seit 47 Jahren in Deutschland, seit zwanzig Jahren in Radebeul bei Dresden und seit dem Jahr 2001, seit ihm Fleiß, Strebsamkeit und das Glück des tüchtigen Installateurs den Erwerb eines Eigenheims möglich gemacht haben, in der dortigen Tante-Droll-Straße. Die Nachbarn schätzen ihn; wenn irgendwo am frühen Sonntagnachmittag oder am späten Freitagabend die Heizung streikt, läßt Herr Omar sich nicht lange bitten, sondern steht nach kurzer Zeit im Blaumann vor der Tür, im Keller, auf dem Dachboden, oder wo immer der Brenner montiert ist, faßt demselben ins Maul, prüft die Zähne und den Sitz des Halfters; und meist dauert es nicht lange, und der Gaul rennt wieder, wie er soll.

Wo ist das Problem?

Niemand weiß, was Herr Omar nachts macht. Nach 23 Uhr hat noch niemand seine Hilfe in Anspruch nehmen müssen; meist merkt man ja erst am Morgen, daß die Küche kalt geblieben ist, und ab sechs Uhr steht Herr Omar wie gewohnt klaglos zur Verfügung und bringt die Heizung zur Raison.

Aber was macht er nachts? Zwischen 23 Uhr und 6 Uhr morgens? Kann einem das jemand sagen?

Tatsache ist, daß der Anschlag auf die koptischen Christen in Ägypten nachts verübt wurde.
Niemand kann mit Sicherheit sagen, daß Herr Omar nicht der Selbstmordattentäter gewesen ist. Jedenfalls konnte man das nicht sagen, solange keiner der Nachbarn Herrn Omar am Neujahrstag zu Gesicht bekommen hatte. Das geschah erst am Mittag, als bei dem Forstgehilfen Heliogabalus Morpheus Edeward Franke das Wasser in der Toilette nicht mehr ablief, und Herr Omar, der zwar gerade zu Mittag essen wollte, aber, von Herrn Franke gedrängt, dessen Schwiegereltern sich zum Neujahrskaffe angekündigt hatten, trotzdem bereit war, seine Motorspirale leihweise zur Verfügung zu stellen, auch wenn das bedeutete, daß Familie Omar (Frau Hanneh und Sohn Kara) eine halbe Stunde mit dem Essen und fünf Minuten darauf warten mußte, daß Herrn Omars Hände wieder einigermaßen präsentabel aussahen.

Abgesehen davon, daß Herr Franke nur ein Zeuge ist, allerdings ein unbescholtener; trotzdem, drei wären besser, abgesehen davon – und davon, daß die Entfernung zwischen Alexandria und Radebeul heutzutage nicht mehr die Rolle spielt, die sie zu Karl Mays Zeiten mal gespielt hat – abgesehen davon heißt das ja nicht, daß Herr Omar nicht in die Vorbereitung eines solchen Anschlags verwickelt gewesen sein oder dieselbe gar hätte steuern können.

Konsequenterweise verlangt die deutsche Politik nun von Herrn Omar “eine deutliche Verurteilung des Anschlags in Ägypten”. Herrn Beck von den Grünen reicht diese nicht einmal aus: “Eine Verurteilung solcher Anschläge ist zu wenig. Herr Omar muß dem Ungeist religiöser Intoleranz wirksam entgegentreten.”

Zur Rede gestellt, wies Herr Omar am Sonntagvormittag, als er die defekte Umlaufpumpe im Haus des Ehepaars Plöhn austauschte, zur Rede gestellt, wies Herr Omar darauf hin, daß er zum Christentum konvertiert sei, woraufhin Frau Plöhn enttäuscht und ziemlich schnippisch fragte, warum er denn dann nicht in der Kirche sei? Weil er ihre defekte Umlaufpumpe austauschen müsse, antwortete Herr Omar, und Herr Plöhn nahm seine Frau später, als es bereits wieder warm wurde, beiseite und meinte, vielleicht sei es gar nicht so gut, Herrn Omar ausgerechnet in eine Kirche zu schicken, sie verstehe schon.

Nach Ansicht der CSU hat Herr Omar nicht deutlich genug auf den Anschlag in Ägypten reagiert. “Ich erwarte, daß er seinen Abscheu noch klarer formuliert, so wie das weltweit geschehen ist”, sagte der Unionsfraktions-Vize Johannes Singhammer. Der Aufruf Herrn Omars zu mehr religiöser Toleranz sei deswegen besonders wichtig, weil Muslime in Deutschland ihren Glauben frei ausüben könnten, anders als Kopten den ihren in Ägypten.

Herr Omar wies noch einmal darau hin, daß er Christ sei, woraufhin Herr Singhammer sagte, ok, das möge ja sein, trotzdem könne es bei Herrn Omars Namen nicht schaden, seinem Abscheu noch einmal und vielleicht ein bißchen kräftiger als zuvor, Ausdruck zu geben, denn im Kampf für Religionsfreiheit spiele die Öffentlichkeit eine entscheidende Rolle.

Auch der CSU-Außen- und Sicherheitspolitiker Hans-Peter Uhl forderte eine eindeutige Distanzierung Herrn Omars. “Wenn die Muslime selbst protestieren, bewirkt das viel mehr, als wenn wir das tun.” sagte Uhl, woraufhin Herr Omar einen 29er Maulschlüssel in Uhls Whirlpool fallen ließ, in der Hoffnung, daß der dort heftigen Schaden an der Emaille anrichten möge, aber Uhls Whirlpool war aus Acryl. Er sei kein Muslim, teilte er Herrn Uhl mit. Er sehe ihm aber ganz so aus, antwortete der skeptisch. Fernziel müsse ein aufgeklärter “Euro-Islam” sein, der Religions- und Glaubensfreiheit selbstverständlich anerkenne, und in dem die Euro-Muslime ein bißchen westeuropäischer und jedenfalls nicht so arabisch aussähen, sagte Uhl, und reichte Herrn Omar den Schlüssel wieder an.

CDU-Vize Annette Schavan rief Herrn Omar dazu auf, sich von Gewalt gegen andere Religionen zu distanzieren. “Muslimische Autoritäten in Kairo, in Radebeul und anderswo müssen eindeutig Stellung beziehen gegen jede Form von Gewalt im Namen ihrer Religion,” sagte die Bundesbildungsministerin.

Er sei, hub Herr Omar an zu sagen, wobei sich seine Finger fest um den 29er Maulschlüssel schlossen, so daß sich die Fingerknöchel weiß aus dem Ölschmier hervorhoben, er sei keine muslimische Autorität! Er wünsche auch keine zu sein. Er wünsche seine Arbeit zu tun, er sei einmal Muslim gewesen, das ja. Das habe mit seiner Herkunft aus dem wilden Kurdistan zu tun, denn dort seien die Leute Muslime und ließen ihre Kinder Muslime werden, ohne sich viel dabei zu denken. Das sei dort so üblich. Das aber mache einen, der dort geboren wurde, nicht gewalttätig. Selbst ihn nicht, obwohl er ohne weiteres bereit sei, gewalttätig zu werden – er schlug gewaltig mit dem Maul des Schlüssels in die flache Linke – wenn man ihn nicht bald wieder in Frieden arbeiten lasse.

Frau Schavan schüttelte mißbilligend den Kopf. “Es gibt keinen Frieden der Völker ohne den Frieden der Gewerke,” sagte sie, und rief die Installateure der Welt dazu auf, auf Herrn Omar einzuwirken, den Schraubenschlüssel niederzulegen.

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