Stuttgart 2011

Nach Einschätzung des Generalsekretärs der FDP, Christian “Brutus” Lindner, wird es nicht einfach sein, die politische Leiche Guido Westerwelles, des selbsternannten Diktators auf Lebenszeit der FDP, verschwinden zu lassen. So gründlich verschwinden zu lassen, daß es sein werde, als habe es einen Westerwelle nie – einen wen? Einen Westerwelle? Wüßt ich nicht. Nie gehört. Sie meinen nicht vielleicht Erich Mende?

Ihn abzumurksen, so Lindner, Bahr und Rösler, könne wohl so schwer nicht sein. Man habe noch keinen abgemurkst, aber andere hätten schon welche abgemurkst. Westerwelle zum Beispiel hätte Gerhardt abgemurkst. Es gehe also. Und Westerwelle sei ja auch nicht – also er gehe ja nicht in die Richtung – er sei ja doch mehr der Typus Hänfling. So wie sie drei. Es gebe ja aber auch kein Gesetz, das einem vorschreibe, ein Adonis zu sein, wenn man jemand abmurksen wolle. Und die FDP habe es immer als ihren Auftrag angesehen, für die Freiheit des Bürgers einzutreten, die Freiheit des Bürgers, kein Adonis zu sein und trotzdem jemanden abzumurksen. Da sei sie ganz breit aufgestellt, die FDP, was das angehe. Nichts Monothematik, nichts Steuersenkung!

Schwieriger sei das mit der politischen Leiche. Denn auch die politische Leiche eines Windbeutels stelle dem Abmurkser die Frage: Wohin mit ihr?

Als der Frank Walter Steinmeier von der SPD – übrigens auch er kein Adonis, wiewohl doch eher – ja was? Manche sagten Besenschrank, manche Schaltkasten, manche Trafohäuschen – wiewohl doch also eher nicht vom Typus Hänfling – wie der seinerzeit den Kurt Beck abgemurkst habe – da habe man die politische Leiche nach Rheinland-Pfalz verfrachtet, wo sie bis heute die Staatskanzlei blockiere. Möge das auch eine elegante Methode gewesen zu sein, die politische Leiche vom Schauplatz zu entfernen, eine solche Lösung verbiete sich im Fall Westerwelle aus zweierlei Gründen: erstens wolle man das niemandem antun, und zweitens gebreche es der FDP an einer Staatskanzlei.

Und drittens – also dreierlei Gründe, genau genommen -, drittens also: zwar sei Mainz eine Gruft, aber keine Gruft in dem Sinne, daß es dem Kurt Beck etwa unmöglich wäre, in Neumondnächten den Grabstein zur Seite zu schieben, den Sargdeckel anzuheben, sich unter die Lebendigen zu mischen und Halsschlagadern zu suchen. Wenn man das im Falle Westerwelle nicht von vornherein ausschließe, indem man eine repräsentative Aufgabe für ihn finde, etwa bei einem Investmentfonds, um überschüssige Interessenten zu vergraulen, oder indem man einen Crocketstab durch sein – Herz? Sagt man so? Auch bei Westerwelle? – durch sein Herz treibt, wenn man das also nicht von vornherein ausschließe, dann könne man das mit dem Abmurksen auch gleich sein lassen. Dann lohne sich das ganze Abmurksen nicht.

Aber das sollte sich ja wohl machen lassen. Einer der ihren, Herr Rösler, hat ja sogar Medizin studiert, und erinnert sich wohl noch von der Famulatur her, auf welcher Seite das Herz sitzt. Wenn man hinter Westerwelle steht, den Dolch im Gewande, wird man allerdings umdenken müssen, weil dann rechts und links vertauscht sind. Wieso ist das eigentlich so? Weiß das jemand? Oben und unten sind ja schließlich auch nicht vertauscht, wenn man hinter einem steht. Rechts und links aber. Ist das nicht komisch?

Was haben die anderen beiden gemacht? Bankkaufmann und VWL? – Immerhin besser als Jura. Außerdem sollte ein Bankkaufmann wohl jemanden abmurksen können, sollte er ja wohl. Aber wird er nicht versuchen, die politische Leiche irgendwo in den Bilanzen zu verstecken, so wie alles übrige? Und kann das gutgehen?

Und der dritte? – Politikwissenschaft, ach du großer Gott! Und Philosophie im Nebenfach? Na Mahlzeit! – Vielleicht kann der Schmiere stehen. Oder daß man ihn für Räuberleiter brauchen kann.

Was war Brutus eigentlich, außer Sohn, Adoptivsohn und Schwiegersohn? Prätor, Quästor und was noch? Niederträchtiger Verräter, mutiger Tyrannenmörder, ein ehrenwerter Mann, der im besten Glauben handelt, ein vom Teufel benagter, schändlicher Verräter und ein positiver, hochmoralischer Charakter, der am Konflikt zwischen Sohnes- und Bürgerpflicht beinahe zerbricht, bevor er sich letztlich für die Freiheit entscheidet? Brav, brav! Sonst noch was? Hat in Athen was studiert? Philosowas? Philosophie?

Na das paßt ja. Übrigens, fällt mir grad ein, in Stuttgart haben sie doch diese Baustelle, mit Bohrlöchern und Grundwassermanagement und Hastdunichtgesehen. Meint ihr nicht, ihr drei, jetzt mal ganz direkt gefragt, daß sich da was finden ließe? Wenn man die politische Leiche in so einen Bewehrungskorb, der dann so in ein Bohrloch abgesenkt und dann mit Beton vergossen wird – ? Das käme doch nie raus, oder? Sowas ist doch für die Ewigkeit gebaut, heutzutage.

Das ist ja bei uns nicht wie im alten Rom.

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