Regierung gründet eigene NGO

Mit der Non-Government-Organisation “Nervensägenwatch” will die Bundesregierung ein Gegengewicht zu der wachsenden Zahl von Nervensägen herstellen. “Nervensägenwatch” soll die Szene von Nichtregierungsorganisationen ins Visier nehmen, aufpassen, daß bei denen alles mit rechten Dingen zugeht, und für Transparenz sorgen.

“Watch, watch, watch,” sagt ein Sprecher des Verbraucherministeriums in die weit aufgesperrten Mikrophone der 4. Gewalt, die gekommen ist, um ihren Kontrollauftrag zu erfüllen, “watch, watch!”

“Watch!! – Ich kann es nicht mehr höören!”

Foodwatch, ja!? Foodwatch! – Was wollen die? Mir auf’s Butterbrot kucken? – Was glauben die, wer die sind? Was glauben die, was wir hier den ganzen Tag machen? – Wir sind die Kontrolleure! Nicht die!”

“Gut – gutgutgut, gut, ist gut: Thema Dioxin. Seh’ ich ein, brauchen wir uns gar nicht zu streiten, klarer Fall. Ist giftig. Hat im Futter nichts verloren. Punkt.”

“Aber! – Nun ist es einmal drin. Völlig neue Situation. Da muß man doch erstmal mit umgehen! Heißt das denn, daß wir das Futter auch nicht zur Zweitverwertung, nach … na, ist ja egal wohin, daß wir es nicht dahin liefern dürfen? Ich will nichts vorwegnehmen: vielleicht heißt es das. Aber das will doch in aller Ruhe überlegt sein. Sowas kann man doch nicht aus der Hüfte entscheiden!”

“Aber wenn Foodwatch schon straßauf, straßab verkündet, daß wir das nicht dürfen, ja, da kann doch ein Mensch gar nicht mehr in Ruhe nachdenken.”

“Was ich sagen will, ist, daß wir nicht in eine Situation kommen dürfen, in der wir vor lauter Kontrolle überhaupt nicht mehr dazu kommen, irgendetwas anzustellen. Nicht anzustellen, zu tun. Irgendwas zu tun, das Kontrolle erfordern und überhaupt erstmal nötig machen würde. Kontrolle will ja auch verdient sein.”

“Ich könnte mir schon vorstellen, mit Foodwatch auch zusammenzuarbeiten, warum nicht. Etwa in dem Fall, daß wir bei unseren Kontrollen – wir sind nämlich auch noch da, meine sehr verehrten Damen und Herren von der Presse, und Sie ja schließlich auch, das wollen wir ja mal nicht vergessen – daß wir bei unseren Kontrollen so einen Racker erwischt haben, der sich die Hände nicht wäscht, bevor er ins Hühnerfutter packt, und wir hätten ihn ausgeschimpft und ihm mit dem Finger gedroht, und wir würden dann beispielsweise Foodwatch bitten, in den nächsten Wochen mal ein bißchen mit auf ihn aufzupassen, ob das denn auch was genutzt hat, denn wir können ja nicht überall sein.”

“Das wäre doch eine sinnvolle Aufgabe für Foodwatch. Aber dieses Alarmgeschrei in Eigenregie und ohne sich mit uns abzustimmen – was hat das für einen Sinn, so gegeneinander zu arbeiten? Welche Synergieeffekte wären nicht vorstellbar, wenn man sich etwa zusammentäte!”

“Nun bitteschön, sie wollen nicht. Tja, da macht man nix. Man kann sie ja nicht zwingen, sind ja eine Non-Government-Organisation und nicht weisungsgebunden.”

“Aber dann gründen wir jetzt eben unsere eigene NGO. Ätschmann! Die wird auch weisungsungebunden sein und sich von niemandem reinreden lassen. Die kriegt alle zwei Tage eine Liste von uns, welche NGO wir gerne ein bißchen schärfer kontrolliert hätten, nicht wahr, Ferkel mit ungewaschenen Pfoten gibt es schließlich überall.”

“Wir erhoffen uns davon mehr Transparenz. So nach und nach werden wir einen Überblick darüber bekommen, welche NGOs sauber arbeiten, und welche gepanschte Ergebnisse liefern. Wehe denen! Die wird man dann sehr viel sorgfältiger kontrollieren können, als das bislang der Fall ist.”

“Ich könnte mir sogar vorstellen, daß in dem Fall ein Budget gefunden werden kann, aus dem man das Staffing finanziert.”

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