R.O.T.S.P.O.N. – Der volle Kanal

Der grüne Vampirismus

Die Alstergazette, 21. Februar, Sonderausgabe
Der Hamburger Horror: Wieder eine Partei verwundet
Die “Bluffer Lady”

Eben erhalten wir Nachricht, daß eine weitere Partei, mit dem Namen CDU, in den späten Abendstunden des gestrigen Tages neben einem wenig frequentierten Wahllokal auf der Uhlenhorster Seite des Stadtparks aufgefunden worden ist. Sie zeigt die nämlichen Anzeichen, die schon von den anderen Fällen bekannt sind: winzige runde Löchlein im Hals. Sie wirkte äußerst schwach und ausgemerkelt. Auch sie erzählte die mittlerweile bekannte Geschichte von der Bluffer Lady, die sie angelockt und mit ihr koalieren geheißen habe.

Jonathan Harkers Journal

In der Union träumen immer noch nicht wenige von Bündnissen mit den Grünen, dabei kennt ein solcher Zusammenschluss nur einen Verlierer – wie die Wahl in Hamburg zeigt. Wo die Umweltfreunde mitregieren, liegt der Partner anschließend geschwächt am Boden.

Dr. Sewards Tagebuch

Es ist wunderbar, wie eine sanft durchschlafene Nacht den Geist erfrischt. War ich gestern noch drauf und dran, van Helsings verrückte Ideen, daß es sich nämlich bei “ihm” um einen ganz normalen, kerngesunden Patienten handele, der lediglich zu tief mit dem Rotspon zurate gegangen ist, so liegt heute morgen deutlich vor mir, daß meine Angst, in “ihm” nicht nur den Patienten und Forschungsgegenstand zu verlieren, sondern auch den Lebenssinn, völlig unbegründet ist.

Habe in seinem Tagebuch gelesen, wirres Zeug. Der hat sie nicht alle. Der bleibt mir lange erhalten. Ich frage mich, was es sein könnte, das seinen Verstand so aus der Spur gehoben hat. Sicherlich gibt es hinter all dem eine rationale Erklärung. Sicherlich. Bestimmt. Vielleicht. Mag sein. Vielleicht auch nicht.

Vielleicht kann sein Tagebuch etwas Licht ausgießen. Ich habe keine Zweifel, daß er das alles selbst glaubt.

Jonathan Harkers Journal

Zu den großen, unvollendeten Projekten der Parteivorsitzenden Angela Merkel gehört die Modernisierung der CDU. Weiblicher, jünger, großstädtischer soll die Partei werden, mit einem Wort: irgendwie grüner. Da liegt es nur nahe, auch auf Regierungsebene zusammenzuführen, was scheinbar längst zueinander will. Noch traut sich die Kanzlerin nicht, selbst von einem Bündnis mit den Grünen zu reden; als “Hirngespinste” hat sie kürzlich entsprechende Überlegungen abgetan, so viel Rücksicht auf den aktuellen Koalitionspartner nimmt sie dann doch. Aber schon eine Ebene tiefer, in der zweiten Reihe der Partei, redet man munter über die Vorzüge einer schwarz-grünen Verbindung.

Dr. Sewards Tagebuch

Im Zentrum seiner Aufmerksamkeit steht ganz offensichtlich das Beilager, das Beilager der Großen Mutter (A. Merkel) mit dem oder den Unwürdigen. Auch wenn ihm die Selbstzensur das Wort “Beilager” nicht – noch nicht – durchgehen läßt (er verbrämt sie gern als “Bündnisse”, aber was anderes ist der Betrug der Mutter am Sohn, sei es mit dem Vater (FDP), sei es mit Fremden (Grüne, SPD), als ein Bündnis der Mutter mit “Anderen” gegen das “Ich” des Sohnes?), für den, der Ohren hat zu lesen, liegt das “Eigentlich Gemein(t)e” offen auf dem Bett.

Jonathan Harkers Journal

Sie sei ein offener Mensch und gehe auf die Leute zu, antwortete die rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner ganz unbefangen auf die Frage, wie sie über eine Koalition mit den Grünen in Mainz denke. “Schwarz-Grün ist nicht tot, weder in den Ländern noch im Bund”, heißt es von der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden und Forschungsministerin Annette Schavan, die eine besonders enge Vertraute der Kanzlerin ist. Die FDP gilt in diesen Kreisen nur noch als Klotz am Bein, dessen man sich gern schnell entledigen würde. Man weiß nur noch nicht genau, wie.

Dr. Sewards Tagebuch

“Unbefangen” geht die Mutter – und es geht immer um die Mutter, auch wenn hier eine Verschiebung auf Julia Klöckner stattfindet, ein Kniff, mit dem man einen Dr. Seward nicht täuscht, nicht an einem Vormittag nach mit gutem Gewissen durchschlafener Nacht – unbefangen geht die Mutter “auf die Leute zu”. Gemeint sind die Fremden. Befangen steht das männliche Kind neben sich, auf beiden Seiten herabgezogen von dem, was seine Augen doch sehen, und dem, was sein Selbstwertgefühl nicht zulassen kann, ohne sich aufzugeben. Und nicht nur sein Selbstwertgefühl: ansehen muß es auch, wie das Ideal des Ich, das positive sowohl wie das ambivalente wie auch das negative, wie der Vater, die FDP, sich gegenüber drei so fruchtbar lebensspendenden wie furchtbar lebensverneinenden Vollmatronen als Schwächling erweist, der deren Geilheit nur ein “Klotz am Schenkel” ist, ihre Wollust schmälernd, ihre Brunft behindernd, und praktisch zu nichts mehr als zum Mordopfer taugt.

Jonathan Harkers Journal

Good luck, liebe CDU!

Dr. Sewards Tagebuch

Dies der anrührende Abschiedsgruß des Betrogenen, des der Liebe der Mutter einzig Würdigen, des Verschmähten. Seine Würde wahrend und Größe zeigend, meidet er das verächtliche “wir können ja Freunde bleiben”, und wenn nicht bald etwas passiert, was mein Diktum, der habe sie nicht alle, rechtfertigt, steht er noch als Grundsympath da, während ich derjenige bin, der nicht nur das Siegel des Vertrauens zwischen Arzt und Patient, der die Schweigepflicht brach, sondern der fremde Tagebücher liest und, nicht genug damit, veröffentlicht.

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Besonderen Beifall findet die endgültige Umarmung von Grünen und Christdemokraten in den Meinungsetagen des linksliberalen Bürgertums, kaum ein politisches Projekt erfreut sich dort solcher Zustimmung. Die glühendsten Befürworter dieses Bündnisses trifft man dabei unter langjährigen Grün-Wählern, die mit Angela Merkel 2005 erstmals CDU gewählt haben und die deswegen bis heute ein schlechtes Gewissen quält. Eine schwarz-grünes Zusammenrücken wäre die nachträgliche Absolution des halbherzigen Lagerwechsels, der Beweis, dass die Union im Kern doch gut ist und man mit seiner Wahlentscheidung nicht die eigenen Ideale verraten hat.

Dr. Sewards Tagebuch

Hat ihn schon. Der Schmerz, der eben noch verständliche Schmerz, schlägt hier um in die Beschimpfung unbescholtener Dritter, der Schimpf, den er selbst erfährt durch die Hingabe der Mutter an die Unwürdigen, wird überhöht – wörtlich daran zu erkennen, daß die ‘Meinung’ des linksliberalen Bürgertums nicht im Souterrain oder parterre verortet wird, sondern ‘in der Etage’ von wo man – vermeintlich – auf ihn, das Opfer, herabsieht, daß nunmehr mutatis mutandis er auf es, das Bürgertum, herabblicken darf.

Dieses habe, so die Unterstellung, 2005 einen One-Night-Stand mit der Großen Mutter gehabt, und werde deswegen bis heute von einem schlechten Gewissen gequält. Um dieses schlechte Gewissen außer Kraft zu setzen, so die Unterstellung, stehe das linksliberale Bürgertum bei Fuß oder bei Fußende, in der Erwartung des Beilagers, das, so die Spekulation des Bürgertums in der Projektion des Patienten, die Große Mutter inflagranti als leicht zu habendes Flittchen kenntlich machen wird, somit nachträglich den One-Night-Stand erträglicher machen, der dann das Gewissen des Bürgertums nur mehr zur Hälfte belasten wird, denn die Flittchen dieser Welt, denkt das Bürgertum, denkt der Patient, die wollen es nicht anders haben, da ist es nicht so schlimm.

Frage: hat der sie noch alle?

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Eine ganz andere Frage ist, wie der Union eine solche Operation bekommen würde. Nach den bisherigen Erfahrungen kann man nur sagen: Good luck, liebe CDU! Das schwarz-grüne Vorzeigeprojekt in Hamburg ist gerade krachend gescheitert. Weil die Grünen mitten in der Legislatur einfach das Wirtstier verließen, wird die Stadt nun wieder links regiert. Dass die Umweltfreunde in der neuen Regierung nicht mehr vertreten sein werden, liegt am überraschend starken Abschneiden der SPD, aber auch sie konnten zulegen.

Dr. Sewards Tagebuch

Nun tritt er der Mutter doch noch nach. Mach’s gut, Mutter, du wirst schon sehen, was du davon hast, altes ungetreues Wirtstier. ‘Operation’ nennt er das Beilager und ‘Vorzeigeprojekt’. Ja, die Mutter hat sich Parasiten hingegeben, ein Risiko, welches man – mir als Arzt muß es erlaubt sein, darauf hinzuweisen, ohne mich selbst ehrenrührigem Verdachte preiszugegeben – ein Risiko, welches ehelicher Untreue nunmal schlechterdings innewohnt, besonders, wenn der Galan nicht sehr reinlich ist, wie man es beim linksliberalen Bürgertum vielleicht unterstellen darf – vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich bin kein Sozioepidemiologe, sondern Nervenarzt.

Aber sie hat sich nicht nur Parasiten hingegeben, nicht nur unwürdigen Parasiten hingegeben, sondern Parasiten, die mitten in der Legislaturperiode krachend von der Großen Mutter herabgestiegen sind – was den immer noch anhänglichen Sohn eigentlich freuen könnte, steht sie seinen Begattungsphantasien jetzt doch wieder exklusiv zu Gebote – solange wie’s dauern wird, schon recht.

Aber es freut ihn nicht. Denn die krachende Untreue der Unwürdigen bringt es mit sich, daß er jetzt wieder von Linken regiert wird. Und zwar mit absoluter Mehrheit, weshalb sie weder Wirtstier noch Parasiten brauchen, und im Bette für vier lange Jahre nichts für den Voyeur interessantes passieren wird.

Jonathan Harkers Journal

Tatsächlich haben schwarz-grüne Koalitionen immer nur einen Verlierer, wie ein Blick nach Köln und Kiel zeigt, wo eine solches, von allen Seiten gelobtes Bündnis schon vorher so endete, wie jetzt das in Hamburg. Wer sich mit den Vertretern der Ökopartei einlässt, sollte sich anschließend nicht wundern, wenn er kräftig Blut lässt.

Dr. Sewards Tagebuch

Blut läßt? Blut? – Also, wenn er Herpes kriegt. Gut. Verstehe ich. Muß er sich nicht wundern. Gewisse Pilzinfektionen – bene. Nein, nicht gut, schlecht, kommen aber vor. Ungewollte Schwangerschaften, kommen vor. Schlechtes Gewissen, Sackratten, Selbstekel, geschenkt. Syphilis, geschenkt. Schlimmeres, geschenkt. Aber wie kommt er auf Blut? Blut?

Hat er sie nicht alle?

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Diese Erfahrung mussten schon die Sozialdemokraten machen, die sich an der Seite der Grünen deutlich mehr veränderten als diese an der Seite der SPD.

Brief, Dr. Seward an Dr. van Helsing

Dr. van Helsing, ich muß sie dringend sprechen. Wir müssen reden. Unser Mann dreht ab. Der hat sie nicht alle. Das ist ein sehr komplexer Komplex, den er hat. Blut. Er sieht Blut. Er will Blut sehen …

Dr. van Helsings Memorandum

Dann begann meine schreckliche Arbeit, und ich fürchtete mich vor ihr. Wär’s nur eine gewesen, wär’s einfach gewesen, vergleichsweise. Aber drei! Zweimal erneut zur Tat ansetzen, nachdem ich mit dem Grauen der vorhergehenden durch sein würde! Wär es schrecklich genug, wenn es nur meine lieben Grünen gewesen wären, wie schrecklich mußte, was ich tun mußte, bei diesen beiden Fremden sein, SPD und CDU, die Hunderte von Jahren Untotheit durchlebt hatten und von jedem verronnenen Jahr gestärkt worden waren. Die, wenn sie gekonnt hätten, ihre nichtswürdiges Leben verteidigt haben würden …

O mein Freund Jan, es war dies die Arbeit eines Fleischhauers …

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