Empfehlung

Der Rewe-Markt in Käsdorf wird ab sofort keine promovierten Bewerber mehr einstellen, “jedenfalls nicht als Kassierer,” wie Marktleiter Potte-Saoû im Gespräch mit dem Käsdorfer Metropolitan (KM) präzisiert.

“Die Arbeit an der Kasse ist eine absolute Vertrauensstellung. Ich kann es mir nicht leisten, und die Kollegen bei Schlecker und kik können es sich auch nicht leisten und werden nachziehen, glaubt mir das, keiner von uns kann es sich leisten, jemanden als Kassierer oder Kassiererin einzustellen, von dem er von vornherein weiß, daß er zur Ehrlichkeit ein Verhältnis hat wie Don Giovanni zu Elvira, um es mal vornehm zu umschreiben. Ich begebe mich doch nicht freiwillig in die Rolle eines Don Ottavio, der zwar 1a Rache schwören kann und hinter dem Kassenschänder herschimpfen, dessen Geld aber erst mal weg ist.”

Im Management könne er aber nach wie vor Doktoren brauchen, “da kommt es nicht so drauf an.”

An der Front aber brauche er Leute, auf die Verlaß sei. “Ihr glaubt ja nicht, was man heute alles erlebt. Ihr glaubt es nicht. Aber erleben tut man’s, ob man’s glaubt oder nicht.”

“Haben wir da gestern einen, hat ‘ne Stange Marlboro, 1 Flasche Vodka, 1 Flasche irgendwas anderes, noch ‘ne Flasche Vodka und dann so zwei, drei Flaschen Weibergesöff, Prosecco oder so, mit so ‘nem Gebömmel oben am Korken, daß es nach was aussieht.”

Hinter der Kasse treffen wir den, wohlgemerkt. Die Sachen alle unter der Jacke, so ‘ne Tarnjacke, geht ordentlich was rein; hat wohl geglaubt, wir sehn ihn nicht. In der Cargohose noch zwei Dosen Erdnüsse. Im Wagen hat er zwei Schachteln Pizza und ein Six-Pack. Die hat er bezahlt.”

“Und was sagt der Typ, als wir ihn zur Rede stellen? – Er ‘hat den Kairos des Auf’s-Band-Legens verpaßt’. Er bittet uns, ‘die geklauten Waren zurückzunehmen’! Er sei ‘sicher hochmütig gewesen, zu glauben, das ihm die Quadratur des Kreises gelinge, mit 14,23 € Barschaft alle Requisiten für einen gemütlichen Abend zu zweit zu erstehen’. Zu keinem Zeitpunkt habe er ‘wissentlich oder willentlich Ladendiebstahl geplant, jedoch gravierende Fehler gemacht’. Er hat ‘erst hinter der Kasse die Gelegenheit gefunden, die Waren unter seiner Jacke zu begutachten, und entschieden, dauerhaft auf sie zu verzichten’. Im Laden hat er ‘an einigen Stellen aufgrund seiner Doppelbelastung als junger Familienvater mit niedrigem Einkommen, der gleichzeitig vor seiner Frau den dicken Maxe markieren will, zeitweilig den Überblick über Mein und Dein verloren’. Er stellt ‘nunmehr mit Bedauern fest, daß er mit dem Einkauf offensichtlich überlastet gewesen’ ist. Er ist ‘dankbar für jeden Hinweis’ – als wir ihm die Erdnüsse aus der Hose ziehen.”

“Jetzt kommt ihr. Was macht man mit so einem?”

Polizei rufen?

“Polizei lehnt er ab. Er ist ‘bereit, sich vor der deutschen Öffentlichkeit zu entschuldigen’, mehr aber auch nicht. Er ist ‘ein Mensch mit Schwächen und Fehlern’. Er hat ‘die Sachen unbewußt und ohne Täuschungsabsicht unter die Jacke geschoben’. Die Tatsache, daß er hier steht, zeigt, ‘zu welcher Sorgfalt man beim Einkauf gezwungen ist und künftig gezwungen sein wird’.”

Hatte er Komplizen?

“Angeblich nicht. Nun, was tätet ihr mit so einem?”

Wir würden ihn höherer Aufgaben für würdig erachten.

“Was ich sage! Genau das finde ich auch. – Am ersten fängt er bei uns im Controlling an.”

Hat er promoviert?

“Das will ich nicht hoffen! Ich muß aber sagen, daß ich danach gar nicht gefragt habe. – Ist aber nicht so wichtig, er soll ja nicht an der Kasse sitzen.”

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