Friedrich II. – Zur Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, sowie Klärung eines Mißverständnisses

Eine Meldung und ihre Geschichte

Kaum im Amt, hatte der Herr mit den drei Vornamen (bloß drei, man denke – post-guttenbergsche Bescheidenheit kehrt zurück nach Berlin) -, kaum im Amt, hatte der neue Innenminister sich gefragt, was er denn tun könne, um sich einen Namen zu machen.

Ich denke, er hat schon drei?

Noch einen Namen. Einen Kriegsnamen. Wie der junge Komantsche, der auszieht, sich den Skalp eines Gegners zu holen und den Medizinbeutel in das Blut eines getöten Grizzlys zu tunken, so auch Hans-Peter Friedrich. Kaum im Amt, dachte er, es wäre doch bestimmt nett und würde sich auf Fotos gut machen, wenn er eine Kette mit den Krallen des furchtbaren Räubers des Felsengebirges um den Hals tragen würde, und sich den Kriegsnamen ‘Fritzchen’ erwürbe.

Ein ausgewachsener Grizzly überragt ein aufrecht stehendes CSU-Mitglied noch um einen starken Meter, und der Innenminister, der vorhat, es nur mit dem Bowiemesser bewaffnet mit ihm aufzunehmen, tut gut daran, sich eine dieser praktischen kleinen Verbandstaschen mitzunehmen, die es bei Aldi manchmal gibt, und die man dann nach drei Jahren irgendwo findet und wegwirft, weil das Heftpflaster nicht mehr haftet.

Und die Schere nicht mehr schneidet.

Ja, aber das tut sie von Anfang an nicht. Das Pflaster klebt anfangs ja immerhin. – Ei was, sagte Friedrich bei sich, ei was, sollte ich, a Mannsbild, a bayerisches, a Hund, sollte ich mich vor einem aus der Großfamilie der lediglich Hundeartigen, und sei es ursus arctos horribilis, sollte ich mich vor dem etwa einseichen?

Aber beim Blättern in seiner Taschenwikipedia, die er als Bub geschenkt bekommen hatte, damit er als Naturbursch durch die Gegend ziehen und alles richtig bestimmen könnte, las er: “Aber daß der Grizzly zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen läßt.”

Immerhin: eine Tatsache. Wenn auch nicht belegt.

“Wie doof ist das denn!” kommentierte Friedrich. Da würde das wohl nichts werden mit der Grizzlykrallenkette. “Na gut,” fuhr er fort, “wenn ich den Grizzly nicht packen kann, packe ich halt den Islam (ursus arabicus ferox).”

Er schaute aus dem Fenster, vor dem gerade die Süddeutsche Zeitung vorbeilief. Er winkte ihr, holte sie zu sich herein, stellte sich in Positur und sagte laut und vernehmlich: “Daß der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen läßt.”

Die Süddeutsche, nicht faul, fing an zu recherchieren, wie sie es gewohnt ist. Wenn irgendwo wer einen Kaffee bestellt, und die Süddeutsche hört das, dann dauert es nicht lange und sie hat raus, wo der schon überall, und wer außer diesem dort auch schon mal einen Kaffee bestellt hat. So dauerte es auch diesmal nicht lange, und sie hatte raus, daß der Innenminister schon einmal, nach der Inauguration des Bundespräsidenten Wulff (canis lupus ossenbruggiensis), “so” reagiert hatte. Aber da war er noch Landesgruppenchef der CSU gewesen und nicht das kleine Fritzchen (fridericus rex).

Wie hatte er denn reagiert?

“So”. – Wulff hatte in seiner Rede gesagt, der Grizzly gehöre zu Deutschland. Und Landesgruppenchef Friedrich …

Grizzly?

Nicht Grizzly, Friedrich.

Nein, davor. – Sie hatten gesagt, Wulff hätte gesagt, der Grizzly gehöre zu Deutschland, und daraufhin ….

Nicht der Grizzly, der Islam. Und Landesgruppenchef Friedrich hatte darauf “so” reagiert. – Als die Süddeutsche das rausgekriegt hatte, kommentierte sie: “Als Landesgruppenchef mag das noch in Ordnung sein.” Als Innenminister hingegen allerdings müsse er dieses und jenes.

Als Süddeutsche Zeitung mag das richtiges Deutsch sein. Als sozialliberales Gewissen aus Bayern allerdings war es ihre Aufgabe, noch eine Weile weiter zu recherchieren, ob sie nichts Ehrenrühriges über Fritzen fände. Bald hatte sie heraus, daß die CSU schon einmal einen deutschen Innenminister gestellt hatte, der ebenfalls Friedrich hieß, zwar mit Vornamen, aber Friedrich ist ja schließlich auch ein Vorname. Der war auch schon CSU-Landesgruppenchef gewesen, und dessen Kriegsname war ‘Old Schwurhand’. Als junger Häuptling hatte er sich nämlich dadurch einen Namen gemacht, daß er jede Menge Blödsinn redete und den auch noch beeidete. Als Ausrede gab er dann immer an: “Nicht unter Eid! Nicht unter Eid – unterzuckert!”. Nämlich, er sei zur Zeit des Meineids unterzuckert gewesen und geistig nur vermindert leistungsfähig.

Schon hatte die Süddeutsche ihre Schlagzeile: “Innenminister redet Blödsinn”.

Grinsend stand Fritzchen dabei. Das hatte ja prima geklappt. Aber wie denn auch nicht, als Mannsbild, als bayerisches, als a Hund, der schon zur Firmung eine Taschenwikipedia geschenkt bekommen und fleißig darin gelesen hatte, würde er ja wohl noch wissen, wie man ein Revier markiert.

Und um eine Stange Wasser in die Ecke zu stellen, muß man als Bayer nicht einmal den Hosenlatz aufklappen; wozu hat die Lederhose so weite Hosenbeine?

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Noch hier? Kann ich noch was für Sie tun?

Ich warte noch. Sie hatten die Klärung eines Mißverständnisses versprochen.

Ja, aber ich hab es mir anders überlegt. Mir fiel dann diese Sache mit den lateinischen Namen für Viechzeug ein, und der ganze Post kriegte einen Drall, den ich nicht vorhergesehen hatte.

Und wenn Ihnen das nicht eingefallen wäre, wie hätten Sie das Mißverständnis dann aufgeklärt? – Und von was für einem Mißverständnis reden wir eigentlich?

Ach so – einfach! Es ist ganz einfach. – Es ist nämlich ganz einfach so: Die Tatsache, daß der Islam zu Europa gehört, ist eine Tatsache, die aus der Historie vielfältig belegt ist.

Ich widerspreche Ihnen nicht.

Kalifat Cordoba, die Alhambra, Cat Stevens und und und.

Ich sagte schon, ich habe Ihnen nicht zu widersprechen.

Gut. Die Tatsache, daß Bayern zu Europa gehört, ist hingegen stark strittig.

Was für ein Unsinn!

Kein Unsinn. Man erkennt das schon daran, daß Bayern einen Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten hat. Hat Europa einen Minister für Bayernangelegenheiten? – Eh bien.

Sie haben nicht letztens mal Ihre Blutzuckerwerte checken lassen, nein?

Nein. – Aber vielleicht darf ich meinen Gedanken zuende führen.

Bitte, führen Sie Ihren Gedanken zuende.

Vielmehr Fritzchens Gedanken. Fritzchens Dreisatz geht so:

  • Der Islam gehört zu Europa

  • Bayern gehört nicht zu Europa
  • Bayern gehört zu Deutschland
  • Jedenfalls solange es Bayern in den Kram paßt
  • Paßt scho
  • Ergo gehört der Islam nicht zu Deutschland


Das sind aber mehr als drei Sätze.

So? – Mag sein. Mein Blutzucker … – Aber Sie sehen, alles nur ein großes Mißverständnis.

Alles nur ein großes Mißverständnis?

Alles nur ein großes Mißverständnis.

Dann haben Sie vielen Dank für die Aufklärung.

Paßt scho.

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