Liberales Mitgefühl

Christian Lindner, früher Generalsekretär des kaltschnäuzigen Liberalismus, seit dem Rostocker Parteitag nunmehr Generalsekretär des mitfühlenden Liberalismus, fühlt sich als Generalsekretär des mitfühlenden Liberalismus nicht dadurch beschwert, daß die Abgehängten der immer ungleicher werdenden Gesellschaft durch die wachsende Ungleichheit noch und immer abgehängter werden, sondern durch die Tatsache, daß ihr Abgehängtsein “nicht von individueller Leistung, sondern von der Herkunft aus dem Elternhaus abhängt”. Lieber wäre es ihm, wenn mehr Kikkassiererinnenkinder Deutsche Bank Chefs wären und mehr Rechtsanwalts- und Zahnarztnachfahren um Stütze anstehen müßten.

Wenn er ein Vöglein wär’, sagte Lindner am Rande des FDP-Parteitages in Rostock dem Käsdorfer Metropolitan (KM), und auch zwei Flügel hätt’, könnt’ er fliegen und flög’. Und wenn seine Großmutter Räder hätte, wäre sie ein Omnibus, und er der Erbe eines florierenden Busunternehmens.

Da es in Deutschland aber so sei, daß einem die Herkunft das Fortkommen verhagele, habe er kein Busunternehmen geerbt, sondern Generalsekretär des damals noch kaltschnäuzigen Liberalismus werden müssen. Und dagegen hülfen auch keine sozialdemokratischen Rezepte, wie etwa Mindestlöhne. Wie sollte das denn gehen? Ein Mindestlohn würde aus keiner Großmutter einen Omnibus gemacht haben. Räder, Räder hätte sie gebraucht!

Da’s aber nicht sein könne, bleibe er halt Generalsekretär. Des mitfühlenden Liberalismus nunmehr. Anders als der kaltschnäuzige Liberalismus, der dafür Sorge trage, die Ungleichheit in der Gesellschaft noch und immer zu vergrößern und dem die Abgehängten und deren Herkunft am liberalen Hintern vorbeigehen, bedaure der mitfühlende Liberalismus es immerhin, nichts für die Abgehängten der Gesellschaft tun zu können. Die noch und immer größer werdende Ungleichheit zu stoppen würde an der Tatsache ja nichts ändern, daß das Abgehängtsein nicht von Leistung, sondern von Herkunft abhänge, und eine Änderung des Prinzips, daß die Herkunft dem Fortkommen jede Menge Beine stellen dürfe, die ändere doch nichts an der noch und immer ärger werdenden gesellschaftlichen Ungleichheit. Nichts zu machen. Ein Teufelskreis.

Gern aber werde der mitfühlende Liberalismus den Abgehängten aus dem Heckfenster zuwinken und deren Sorgen ernst nehmen, während der Bus immer schneller wird.

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