Bahn: „Image immer noch zu positiv“

Eine Imagestudie, die Die Bahn zum 10jährigen Jahrestag des ICE-Unglücks bei Eschede in Auftrag gegeben hat, kommt zu dem Ergebnis, daß das Image der Bahn in den Augen der Öffentlichkeit immer noch viel zu positiv ist.

Ein Incident wie der bei Eschede könne, so die Studie, die dem Käsdorfer Metropolitan (KM) vorliegt, und deren Echtheit von Network.Deutschland bestätigt wurde, jederzeit wieder eintreten, es sei denn, man unternähme etwas dagegen, was aber wahrscheinlich mit Kosten verbunden wäre. Ob diese Kosten sich jemals rentierten, wisse man nicht, man könne aber gerne mal eine Studie dazu anfertigen, die allerdings auch mit Kosten verbunden sein würde.

Jedenfalls, der Eintritt von Incidents sei nun einmal typisch für Incidents und diesen sozusagen arteigentümlich. Daher stoße jede Vorbeugemaßnahme an die Grenzen des Machbaren, und solle doch der Mensch bitteschön nicht hoffärtig werden in seinem Sinn, sondern den ihm an- und zugemessenen Platz erkennen und in Demut akzeptieren, was im übrigen auch für den Platz im überfüllten Regionalexpress mit ausgefallener Klimaanlage gelte.

Incident Mangement

Wichtig sei in jedem Fall ein ausgewachsenes Incident-Management. Defizite im Incident-Management seien geeignet, das Image der Bahn zu schädigen, weshalb es angeraten erscheine, das Image von vornherein gezielt und kontolliert zu verschlechtern, damit im Falle eines Incidents die Fallhöhe gering und der Schaden begrenzt bleibe. Die Alternative – Maßnahmen gegen die erwähnten Defizite zu ergreifen – empfehle sich nicht, weil sie vermutlich mit Kosten verbunden sein dürfte, von denen man nicht wisse, ob sie sich jemals rentierten. Aber, wie gesagt, man lebe vom Anfertigen von Studien und mache gerne eine weitere.

Das Incident-Management im Falle Eschede bezeichnet die Studie als im Großen und Ganzen gelungen. So sei das Image der Bahn von durchschnittlich ‚lausig‘ vor dem Incident auf durchschnittlich ‚grottig‘ nach dem Incident gesunken, was die Bahn für zukünftige Incidents besser aufgestellt erscheinen lasse. Positiv, d.h. negativ, also positiv, sei auch die Verpflichtung Hartmut Mehdorns für den Bahnvorstand gewesen, dessen gelungenes Wording in der Kommunikation mit den Angehörigen der Opfer des Incidents – „Wegelagerei“ – viel dazu beigetragen habe, der Öffentlichkeit ein realistisches Bild dessen zu vermitteln, was sie von der Bahn bei zukünftigen Incidents zu erwarten habe.

Begrüßenswerte Rufschädigung

Richtig bleibe auch, daß die Bahn es bis heute konsequent vermieden habe, fahrlässig für etwas Verantwortung zu übernehmen, was zwar auf ihren Geleisen stattgefunden aber sonst weiter nichts mit der Bahn zu tun gehabt habe. Den von Öffentlichkeit und Medien immer wieder erhobenen Vorwurf mangelnden Fingerspitzengefühls und mangelnden Verständnisses für die Opfer nennt die Studie nicht nachvollziehbar, da das Betriebsergebnis durch Fingerspitzengefühl und Verständnis nicht verbessert werden könne. Wohl aber könne der Mangel an beidem das Bild der Bahn in der Öffentlichkeit verschlechtern, was derzeit noch als begrüßenswert gelten müsse.

Auch nach 10 Jahren werde von interessierten Kreisen bedauert, daß es von Seiten der Bahn kein Wort des Bedauerns für den Scope des Incidents gegeben habe. Die Tatsache, daß ein solches Wort für immerhin denkbar und nicht für von vornherein vollkommen ausgeschlossen und wo-kommen-wir-denn-hin, wenn-da-jeder-kommen-wollte angesehen werde, sei bedauerlich und lasse auf eine immer noch zu positive Wahrnehmung der Bahn schließen. Gutes Image aber sei schlecht für das angestrebte schlechte Image, schlechtes Image aber wäre besser fürs Geschäft, indem es den Angehörigen des Scopes Flausen bezüglich der Realisierbarkeit von Schadenersatzforderungen und Schmerzensgeldansprüchen gründlich austriebe und so vermeidbare Prozeßkosten vermeiden hülfe.

Privatisierung

Der Ausblick für die privatisierte Bahn der Zukunft ist der Studie zufolge so lala. Einerseits werde es keinen wirklichen Wettbewerb auf der Schiene geben, geben können, wie denn auch? Anders als in der Luft, zu Wasser und auf der Straße sei ja immer bloß ein Gleis da, weswegen die Privatisierung auch mit Wettbewerb überhaupt gar nichts zu tun habe, das sei ja Quatsch. Von daher werde man auch in Zukunft keine große Rücksicht auf die Kunden nehmen müssen.

Andererseits sei ein Incident wie der von Eschede immer auch mit Vernichtung des Eigentums von Eigentümern verbunden, und diese hätten einen Anspruch darauf, daß mit ihrem Eigentum sorgsam umgegangen werde. Man rate nicht zu Sentimentalitäten, solange mit Sentimentalitäten kein Geld zu verdienen sei, aber der Bahnchef der Zukunft werde darauf vorbereitet sein müssen, im Falle einer Katastrophe wie der von Eschede ein Wort des Bedauerns für den Verlust der Shareholder zu finden.

Ob das mit Bahnchef Mehdorn zu machen sei, stehe dahin. Dessen unbestrittener Meriten ungeachtet, tue die Bahn auf lange Sicht gut daran, die Ruinierung ihres Rufes unabhängig vom Vorstandsvorsitzenden zu betreiben, z.B. mit dem bewährten Mittel angeblich ausgefallener Klimaanlagen.

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