Linksruck

Da man uns hin und wieder nachsagt, links zu sein, zu links zu sein oder nicht links genug, überhaupt nicht links, unpolitisch zu sein oder dem Politischen allzuviel Gewicht zuzumessen, oder zuwenig, und uns darum tadelt oder belobigt, und da uns das einerseits von Herzen egal, andererseits aber betrüblich ist, und wir uns fragen, warum wir es überhaupt jemandem recht machen wollen sollten, wenn wir es ja doch nicht allen recht machen können, wir uns aber wiederum Mühe geben wollen, die Wünsche unserer Leserschaft zu erfüllen, was uns natürlich nicht gelingen kann, weswegen es uns am liebsten wäre, der Leser scherte sich mit seinen Wünschen zum Kuckuck, käme aber regelmäßig vorbei, um zu lesen, oder, sei’s drum, Kommentare zu hinterlassen, wenn er schon nicht liest – nicht wahr, Spambart! -

- jedenfalls haben wir uns aus diesem Grunde entschlossen, die Botschaft von Tropfen am Eimer schärfer herauszumeißeln.

Leider haben wir die ursprüngliche Botschaft vergessen. Wir hatten mal eine, aber wir entsinnen uns ihrer nicht mehr. Sie ist verlorengegangen. Wir hätten wissen sollen, daß man eine Botschaft, die einem wichtig ist, die für die eigene Identität nicht ohne Bedeutung ist, die die Quintessenz des eigenen Wollens und Wirkens in der Welt sein soll, welche bleibt, auch wenn man selbst dahinmuß, daß man eine solche Botschaft nicht einem Germanistenfuzzi zur Aufbewahrung überlassen darf.

Nun ist sie weg. Wir wissen nicht einmal, ob er sie irgendwo hat liegen lassen, ob die Hunde sie unterm Buchsbaum verbuddelt haben, ob sie unfindbar in den Müllschichten seines Felicia liegt, oder er sie vielleicht einer Felicitas zugesteckt hat, in der Absicht, sich vor ihr dickezutun. Und wenn wir sie suchen wollten – wir wüßten nicht einmal, wonach wir suchen müßten.

Kurzer Rede Sinn: die Agentur Sbrinz hat angeboten, die fehlende Botschaft über das Layout wieder reinzuholen. Deshalb werden die Artikel auf Tropfen am Eimer in Zukunft deutlich weiter links stehen als bisher. Die Links – die ja schon Links sind – werden deutlich röter sein, als sie in der Vergangenheit blau waren. Inhaltlich wird sich allerdings nichts ändern. Wenn es nach den Autoren geht, wird es sich nach wie vor um Texte handeln, die sich der klassischen rhetorischen Figur der Geschwätzigkeit bedienen und dabei des Inhalts entraten. Ja, wenn es nach den Autoren ginge! Geht es aber nicht. Hier geht es nach der Mütze des Chefs, aber der Chef geht diesbezüglich mit seinen Autoren d’accord.

Die Texte sind jetzt so links, links davon ist nur noch der Rand. Früher hauste dort das Frühlingswürmchen, das grünlichgolden neben uns spielte, und wir sind betrübt, es als Kollateralschaden betrauern zu müssen. Wir hatten geglaubt, es sei unsterblich, aber wie sich herausgestellt hat, ist es vielleicht doch — ach, nicht unsterblich gewesen! Da stehen wir nun, und rund um uns her ist alles Allmacht, alles Wunder, aber der Sohn des Mais ist wieder verfliegender Staub geworden, oder was sonst der Ewige wollte.

Der Schwerpunkt der Seiten wird in Zukunft also deutlich links von der Mitte liegen, wenn auch der rechte Rand etwas breiter geworden ist. Aber was hat dieser Rand schon groß zum Gelingen des Ganzen beizutragen, außer dem Archiv – alles Wind! – und der Autorenrolle – lauter Fliegengewichte! Worum wir uns auch in Zukunft nicht scheren wollen, ist die Mitte, weder unsere eigene, noch die politische, noch die diversen Ortsteile, Stadtbezirke, Verwaltungseinheiten und Kram; und was es in Zukunft auch nicht geben wird, ist Latte Macchiato und Kram. Wir servieren Überkommenes und Hergebrachtes.

Links zu Amazon, getdigital und Co. können mitgebracht und verzehrt werden, werden vom Haus aber nicht zur Verfügung gestellt. Auch keine Kinderaufbewahrungsangebote wie Facebook und Kram. Denn wie alle Welt weiß, hat der Richter vom Stuhl am Landgericht Hamburg mit Urteil vom 12. September 1998 – 312 0 58/98 – „Haftung für vom Leser besuchte Seiten“ entschieden, daß man durch das Insbloglassen von Lesern die Inhalte der von besagten Lesern sonst noch gelesenen Seiten – sei’s vorher, sei’s hinterher, sei’s zwischendurch – mit zu verantworten hat. Das wäre!

Seien Sie also bitte ein bißchen wählerisch in ihrem Surf- und Klickverhalten, und machen Sie uns weder Schande noch Scherereien. Danke für’s Hereinschauen!

Quastel

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