Offener Brief

an den
UN-Hochkommissar für Billig- und Gerechtigkeit
Exzellenz Germanistenfuzzi
Käsdorf
Am Pfaffenacker (oder Pilgrimhaus, oder wo er sonst gerade steckt)

Betr.: Auspeitschung

Exzellenz!

In der Regel halte ich mich ja zurück und komme nicht alle naslang um irgendwas ein, aber hin und wieder, wenn es zu dicke kommt, muß es sein, und heute ist so ein hin und wieder. Die Beschwerde, die ich vorzubringen habe, hat den Deutschlandfunk, Köln, im Schatten des Domes, zum Gegenstand, und ich anempfehle ihn Exzellenz zur gefälligen Auspeitschung, wann immer es Exzellenz genehm ist.

Begründung: am Dienstag, dem 20. September des Jahres des Herrn 2011 fuhr ich in der Frühe mit meinem Automobil zum nächstgelegenen Park&Ride-Bahnhof, um meiner Erwerbstätigkeit nachzukommen, als aus dem eingeschalteten Radio der Satz drang:

Griechenland ist sich seinen Verpflichtungen gegenüber der europäischen Gemeinschaft bewußt.

Möglicherweise sogar voll bewußt oder vollauf bewußt, das weiß ich nicht mehr.

Griechenland! Ein Land, das man dieser Tage nicht laut genug loben kann. Im Gegensatz zum Deutschlandfunk, der sich seiner Verpflichtungen gegenüber meinen Trommelfellen leider überhaupt nicht bewußt ist. Warum, Exzellenz, so frage ich mich, und erlauben Sie mir, die Frage an Sie weiterzugeben, auch wenn sie, wie ich zugebe, rhetorisch gemeint ist, warum schafft sich der Deutschlandfunk nicht einfach eine Tafel an, legt sie unter das Mikrophon und schiebt ein hochfrequent schwingendes Kreidestück darüber, wenn er seinen Hörern die Sensation einer Gänsehaut verschaffen will? Oder läßt den Moderator mit den Fingernägeln von tafeloben nach tafelunten fahren? Oder schneidet mit einem Messer auf der Studiofensterscheibe herum? Das wäre doch wahrscheinlich billiger als ein Kommentator oder Reporter oder Informatiker, oder wie die Leute beim Deutschlandfunk heißen, die vom Deutschlandfunk nach Athen geschickt werden, um von dort “zu informieren” (Abmoderation). Die kriegen doch wahrscheinlich Geld dafür. Wir reden hier nicht von Radio SAW, Exzellenz, wir reden vom Deutschlandfunk, und der ist gebührenfinanziert. Mit meiner Hände Erwerbsarbeit!

Was ich ihm auch gar nicht mißgönne. Soll er sich ruhig weiter gebührenfinanzieren; ich will keine GEZ-Diskussion vom Zaun brechen. Ich will nur, daß er ausgepeitscht wird.

Exzellenz haben Bedenken. Könnte der Lapsus, so fragen Exzellenz, ich nehme es vorweg, nicht ein unabsichtlicher gewesen sein? Er könnte, gewiß, und Exzellenz’ Bedenken gereichen Exzellenz zur Ehre. Aber haben Exzellenz bedacht, daß der Satz gegen zwanzig nach sechs Uhr morgens fiel, wenn Stoßverkehr, Berufsverkehr und Rush Hour zusammenkommen und sich die Hand zum Bund gegen die Erwerbstätigkeit reichen? Wieviele Auffahrunfälle und Schlimmeres mögen auf das Konto des Deutschlandfunks gehen?

Kein unabsichtlicher Scherz war’s außerdem, als der Informatiker eine in Aussicht stehende Telefonschaltung zwischen irgendwelchen Troiken zum Thema Griechenland als ‘Schalte’ bezeichnete. Und zwar nicht zum erstenmal. Das erstemal war’s gestern abend, und zwar wo?

Das stimmt. Im Deutschlandfunk.

Ich unterstelle daher Absicht. Es klingt ja beim erstenmal hübsch hemdsärmelig und nicht unneckisch, so wie weiland Lord Sinclair oder Danny Wilde, beim zweitenmal aber schon nicht mehr, und ist auch, genau besehen, ungut. Wenn ich – wahllos hergegriffenes Beispiel – eine Peitschung als Peitsche bezeichnen wollte, würde ich damit nicht zu Mißverständnissen einladen? Ähnlich wär’s mit Tötung/Töte, denn das Wort ‘Töte’ ist ja bereits für die Meuchelpuffe reserviert, und kann daher den Akt der Meuchelpuffung nicht auch noch bezeichnen.

Bedenken, Exzellenz? – Wir reden nicht von einem obskuren Fernsehsender vom Lerchenberg, Exzellenz, sondern von gebührenfinanziertem Erwachsenenfunk. Nächstens wird dessen rundfunkstaatsvertraglich bestallter Haushaltsabgabenprüfer in meinem Vorgarten stehen und zu wissen heischen, ob ich ein Haushalt bin oder ein Erwerbsbetrieb, und wenn ja, wieviele von der Sorte. Was soll ich mit dem machen? Fragen, ob er eine Einlade hat? Ihm sagen, ich hätte keine Prüfe bestellt? Ihm nahelegen, aus meiner Pflanze rauszugehen?

Ich verdüstere mich! Wenn Exzellenz es einrichten kann, wäre ich dankbar dafür, bei ehester Gelegenheit auch den Rundfunktstaatsvertrag – stellvertretend für alle Beteiligten – der Auspeitsche zuzuführen.

Es wäre eine Aufwaschung.

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