Eine Fresse ist eine Fresse ist eine Fresse

Beim Fraktionseisbeinessen:
Pofalla: Habter jesehn, wie Merkeln die Sauerkrautfransen ausse Fresse baumeln?
Fraktion: Na höre mal, wie kannste zu Merkeln ihre Schnauze Fresse sagen!?
Pofalla: Na wenn die olle Kuh sich det jefalln läßt!
CDU-Humor

Fast wäre Pofalla, der Mann, dessen Fresse man nicht mehr sehen mag und der mit seiner Scheiße hier alle verrückt macht, in Vergessenheit geraten, ein Mann, der hier früher sogar mal sein eigenes Schlagwort hatte – Pofalla, wie billig – der dann aber Kanzleramtsminister wurde und aller Welt aus dem Sinn geriet, verständlicherweise, denn dieser Fresse trauert weißgott kein Mensch nach, zumal er mit seinem Scheiß alle Welt verrückt gemacht hatte, fast also wäre er in Vergessenheit geraten. Aber eine Fresse wie die seine sollte auf der andern Seite nicht vergessen werden, niemals, wem wäre damit gedient? Wenn sie nicht als abschreckendes Beispiel, als Prototyp der Fresse vom Kaliber „Wenn ich die schon sehe!“ herhielte, wofür wäre sie dann gut? Was wäre ihre Rechtfertigung auf Erden? Welches ihr Zweck, außer dem, den Betrachter ästhetisch zu behelligen?

Gottlob nun also fiel er der Vergessenheit nicht anheim, er, Pofalla, nicht und sie, die Fresse, auch nicht. Auch nicht der Scheiß, mit dem er alle Welt verrückt gemacht hatte, gemacht hat, immer noch macht und deo volente morgen wieder machen wird.

Der Scheiß, mit dem er aktuell die Leute in der CDU verrückt macht: er habe, so die CDU, der man es aber nicht glauben muß, da sie zu den Parteien gehört, die lügen, sobald sie das feile Maul aufmachen, die weiterlügen, wenn sie es schließen, die bereits lügen, wenn es noch geschlossen ist, und die sogar dann lügen, wenn es geschlossen bleibt, was aber nicht vorkommt, dafür sorgt schon der Kanzleramtsminister und ehemalige Generalsekretär, Pofalla sein gräßlicher Name, ein Mann wie ein lange nicht geleerter Spucknapf, wie ein überreifer Kürbis, der, wenn man ihn zu hart anfaßt, in stinkenden Schleim mutiert, welcher der Seife trotzt – nach dem Zeugnis der CDU, was immer dieses wert ist, hat Pofalla den Bogen, den nur ein Pofalla spannen kann, denn es bedarf dazu Zwölfmännerstärke, überspannt.

Indem er Wolfgang Bosbach, ein CDU-Mitglied wie Pofalla, das man aber, anders als Pofalla, nicht auf dem Schirm hatte, denn anders als Pofallas Fresse, die ein Steppentier wie homo sapiens sapiens nicht vergißt, sondern auf der Großhirnrinde speichert zwecks schneller Wiedererkennung und Flucht, ist Wolfgang Bosbachs Gesicht von gemütlicher Visagenhaftigkeit und automatisch aus dem Kurzzeitspeicher gelöscht, wenn das Nachbild von der Retina verschwunden ist, indem er Wolfgang Bosbach als Inhaber einer Fresse und dieselbe als eine bezeichnete, die er, Pofalla, nur zu sehen brauche!

Ohne näher darauf einzugehen, was denn dann sei. Wenn er sie sehe.

Ach ja. Und mit Wolfgang Bosbachs Scheiß, so Pofalla, der in seinem Leben noch niemanden mit Pofallas Scheiß in Ruhe gelassen hat, möge er, Bosbach, Pofalla in Ruhe lassen!

Die Zeitungen, die normalerweise nicht ins Kanzleramt gehen, weil sie nicht blöd sind, und weil sie sich das, was aus dem Kanzleramt zu berichten wäre, ebensogut aus den Fingern saugen können, ohne daß das notwendigerweise gehässiger oder weniger gehässig oder näher an der Wahrheit oder verlogener oder berichtenswerter oder minder berichtenswert wäre, als das, was es von dort zu berichten gäbe, und ohne daß es jemand merkte, was aber niemand wissen will, warum auch? Denn warum sollte man dann von dort berichten? Die Zeitungen sind voll von Pofallas Verfehlungen.

Tsk! Als wenn irgendwas berichtenswertes passiert wäre! Eins der Ekelpakete der nicht eben an Ekelpaketmangel laborierenden Christdemokraten hat eine der farb- und konturlosen Nullen der Partei für seinesgleichen ästimiert und entsprechend bezeichnet. Ja, und? Das ist bei den Christdemokraten der Ton, der heimatliche Gefühle erzeugt, weil er frühkindliche Erfahrungen evoziert und die sorglose Sonnigkeit sattseliger Sonntagsschulsottisen à la ‚Wer aber zu seinem Bruder sagt: Wenn ich deine Fresse schon sehe! Laß mich gefälligst mit deinem Scheiß in Ruhe! der ist des höllischen Feuers schuldig. Jedenfalls soll er nicht alle Welt mit seinem Scheiß verrückt machen. Hat der denn keinen Friseur, dem er das erzählen kann?‘ mit heraufschwemmt. So wird dort halt geredet! CDU halt! Das ist der Grund, warum mein Vater mir verbot, mit Kindern zu spielen, deren Eltern in der CDU waren, ihr nahe standen, sie wählten, oder sie schon einmal gewählt hatten. Ja, ich durfte nicht einmal beim Hausmeister Kakao kaufen, weil der bei einer Wahlveranstaltung auf dem Marktplatz nach einer Rede von Helmut Kohl zustimmend auf zwei Fingern gepfiffen hatte.

Ich hätte, um der Wahreit die Ehre zu geben, auch dann nicht beim Hausmeister Kakao kaufen dürfen, wenn der Hausmeister bei einer Rede von Helmut Schmidt zustimmend auf zwei Fingern gepfiffen hätte, was er im übrigen hat. Der Hausmeister ging zu jeder Wahlveranstaltung und pfiff anschließend auf zwei Fingern. Zustimmend. Das ist aber nicht der Punkt. Der Punkt ist, daß mein Vater die Fresse des Hausmeisters nicht ertrug.

So wie ich Pofallas Fresse nicht ertrage.

Indes: hat der Mann nicht seine Meriten? Hat er nicht die Möglichkeit, von Pofallas Fresse per Fresse zu reden, erst – wo nicht geschaffen, so doch aus dem Monolithen dessen, Was Man Nicht Tut herausgemeißelt und zur gefälligen Verwendung aufbereitet? Wer würde im Sommer, wer würde noch letzte Woche, wer noch am Donnerstag für möglich gehalten haben, daß er am Sonntag, daß er am Montag frei von der lieben Leber weg über die Fressen von CDU-Mitgliedern schwadronieren würde, und zwar ohne sich dabei in schlechterer Gesellschaft zu wähnen, als der von Pofalla? Daß er sich der Freiheit erfreuen würde, eine Fresse eine Fresse auch zu nennen? Sich mal so richtig gehen, mal ohne hinzukucken einfach laufen zu lassen?

Der Mann hat eine Tür aufgestoßen, Dämme eingerissen, Sperrwerke demontiert, die Mittelleitplanke entfernt. Er hat der Freiheit der Rede eine neue Dimension erschlossen. Er hat ihr, der Freiheit, erst ein Gesicht gegeben! Eine Fresse, pardon. Die Fresse Pofallas. Wer sie sieht, denkt: Mußte das jetzt sein? War das wirklich nötig? Tat das not? So ein Anblick, gräßlich und gemein! So gräßlich, so gemein, daß ein nicht allzu wählerischer Straßenköter lieber alles zusammenkniffe, was er hat, ehe er in solcher Gesellschaft das Bein höbe?

Doch der Einwand, der sich da hinten erhebt, daß das alles kein Grund sei für einen Exploit, kein Grund, sich mit Pofalla gleich zu machen, kein Grund dafür, nun selbst die Tür restlos aufzustoßen und mit ihr ins Haus zu fallen und auf die Gegenfahrnbahn zu geraten und sich mit der Flut treiben zu lassen und Merkel ihren Kanzleramtsminister seine Schnauze eine Fresse zu nennen. Es sei denn, man wolle, nach Kant, die eigene Schnauze ebenfalls Fresse genannt kriegen. Der Einwand soll sich nur gleich wieder hinlegen! Wenn ich das schon höre! Der soll mich mit seinem Scheiß in Ruhe lassen! Wenn ich dessen Schöngeistfresse schon von weitem sehe!

Wenn sich die olle Kuh det doch jefallen läßt!

2 Kommentare zu “Eine Fresse ist eine Fresse ist eine Fresse

  1. Spambart der Schreckliche sagte am 11. Oktober 2011 um 20:59:

    Mahlzeit! wo ist der Facebook Like Button? ;)


  2. Germanistenfuzzi sagte am 11. Oktober 2011 um 21:14:

    Kuckuck, Spambart!

    Und wo ist dein Link, Spambart?

    Küßchen!


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