Friedenspflicht

Gier gefährdet nach den Worten des Friedensbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, massiv Frieden, Umwelt und den Haushalt der kirchlichen Sozialeinrichtungen. “Mehr denn je müssen wir darüber nachdenken, wie wir uns begrenzen können, die Gier begrenzen in uns und unserem Finanz- und Wirtschaftssystem”, sagte der leitende Bremer Theologe am Sonntag in einer Predigt zum Volkstrauertag in der Dresdner Frauenkirche. “Das ist eine Überlebensfrage für die Menschheit und die Schöpfung.”

Ein erstes Ergebnis des Nachdenkens – man muß bedenken, daß in den evangelischen Kirchen habituell nachgedacht, innegehalten, sich zurückgenommen und das rechte Maß gesucht wird, weswegen es auch nicht verwundern kann, daß nach Jahrzehnten der Nachdenkerei jetzt auch mal erste Ergebnisse sichtbar werden – ein erstes Ergebnis des Nachdenkens ist die Ablehnung des Streikrechts für kirchlich Beschäftigte.

“Streik ist Krieg.”

Herr Brahms äußerte sich auch im Zusammenhang mit der bundesweiten Friedensdekade, die bis zum Buß- und Bettag unter dem Motto “Gier + Streik = Krieg” läuft. Hingegen sei der Frieden “eine Fertigkeit, ein Handwerk, ja eine Kunst”. Es sei die Fähigkeit, “sich auch zu begrenzen, sich zurückzunehmen in den Ansprüchen”.

Diese Fähigkeit wird natürlich nicht gefördert, wenn der Einzelne alle naslang nach besseren oder sich jedenfalls nicht verschlechternden Arbeitsbedingungen und nach besserer oder jedenfalls nicht geringer werdender Bezahlung giert.

“Frieden beginnt bei uns selbst.”

Denn Brahms sieht nicht nur Nationen und Institutionen in der Friedenspflicht, sondern jeden Einzelnen. Etwa, wenn es darauf ankomme, sich in einem Tarifkonflikt zurückzunehmen: “Nicht immer recht haben zu wollen, sich nicht immer durchsetzen müssen, wie es uns heute so oft von Verdi eingeredet wird.”

Frieden sei die Kunst, verwundbar zu bleiben und auf Menschen ganz anderer Herkunft und Überzeugung zuzugehen. Es sei die Kunst, schon aufgebaute Mauern wieder zu überwinden. “Wie schwer das ist, muß den kirchlichen Arbeitgebern und muß der Diakonie nicht gesagt werden.” Man wisse, wie schwer es alleinerziehenden Müttern falle, die Wahl zwischen Arbeitslosigkeit und Auslagerung in Scheinzeitarbeitsfirmen zu treffen, man habe es ja oft genug am Leib der eigenen Angestellten erleben müssen. “Aber es muß sein.”

“Wer den Frieden will, muß ihn vorbereiten”, intoniert Brahms. Er müsse gelernt und eingeübt werden, der Frieden – “in unseren Ehen und Familien, zwischen den Generationen, in Kindergärten und Schulen, in Universitäten, aber auch am kirchlichen Arbeitsplatz”. Gerade am kirchlichen Arbeitsplatz sei es wichtig, daß die Niedriglohngruppen auf die Verantwortungsträger mit deren oft ganz anderer Herkunft und deren oft ganz anderer Überzeugung und deren oft ganz anderen Gehaltsklassen zugingen. “Bevor wir Milliarden einsetzen für höhere Löhne, bessere Personalschlüssel, betriebliche Altersvorsorge und ähnliches, muß doch der Einsatz von Milliarden für eine Ursachenbekämpfung von höheren Personalkosten geschehen.”

Das gelte ebenso für die Politik. Beweis: der gleiche Satz noch einmal, ein paar Begriffe ausgetauscht – “Bevor wir Milliarden einsetzen für Waffen und Soldaten, muss doch der Einsatz von Milliarden zur Ursachenbekämpfung von Krieg und Gewalt geschehen.” – ist ohne weiteres auf den Weltfrieden anwendbar. Brahms fordert dazu auf, gegen eine ungerechte Weltwirtschaft, gegen Hunger und Armut sowie gegen die wachsende Spaltung zwischen Arm und Reich zu kämpfen. Indem man z.B. klein anfange, und die wachsende Einkommenskluft zwischen den Festangestellten und den Zeitarbeitskräften verringere, indem etwa die Festangestellten ihrer Gier entsagten.

“So sind wir Töchter und Söhne Gottes, die Frieden stiften.”

Und macht uns Mut: “Wir können etwas tun an je unserem Platz.”

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