Väterchen Franz macht Schluß

Erst um acht begann der Film
Doch vor dem Kino standst du schon um drei
F.J. Degenhardt

Soll das jetzt eigentlich so weitergehen? Und wer, bitteschön, hat damit angefangen? Und wo, wenn man fragen darf, soll das einmal enden?

Nun hat auch, 79jährig, Franz Josef Degenhardt den Löffel abgegeben, der in seinem Fall ein schöner, handgeschnitzter, etwas abgearbeiteter Kochlöffel gewesen ist, dem man ansah, was er im Leben alles schon umgerührt, und daß er auch im zähesten Brei seinen Mann gestanden hatte.

Und ob er gleich in Töpfen rührte, aus denen meines Vaters Söhnchen nicht hätte kosten mögen (Krähen + Wermut + Pfefferminz + Dill, UZ-Pressefest, läppische Prosa), ob er gleich seltsame Attribute von Männlichkeit herumtrug und im Wohnzimmer verteilte (Vollbart, Pfeife, Stiefel, Whisky), ob er gleich einst die Zwischentöne verlor, dann den Verfasser dieses Nachrufs, und beide erst Jahre später wiederfand, so hat er doch mit dem Löffel das eine oder andere Teigpaketchen aus dem Trog gehoben und zu den artigsten Pastetchen verbacken.

Degenhardt ist auf der Modellbahnplatte des Verfassers für die Bahndämme zuständig, denen es dort, in einer industriestaubverhangenen Spätsonntagnachmittagssonne auf die Rasenmatte genagelt, obliegt, für fünf Vergangenheitsminuten das Symbol für Abenteuer und die Freiheit nackter Knabenbeine im Kaulquappengraben zu geben. Mit knappen Gesten klebt er die kleinstädtische Fallerheimat zusammen, läßt das Horsti-Schmandhoff-Viertel erstehen, komplett mit Lederhosen-Horsti, Schifferklavier und Stratmanns Haus, gibt bißchen Gas zu, Möselchen, Halstuch, Ledermantel und Tante Threse mit Gardine auf Fronleichnamsprozession.

Der Verfasser, der selten dazu neigt, katholisch werden zu wollen, auch nicht nach Lektüre von Flauberts Schlichtem Herzen, hat vor Tante Threses Pfarrer, dem alten, dem weisen, mehr Respekt als vor der kompletten Synode der EKD. Aber das will nichts heißen.

Wohl will es heißen, daß es dem Verfasser ein Bedürfnis ist, vor Degenhardt den Filz zu ziehen: Gott befohlen, Väterchen. Sehen Sie zu, daß Sie möglichst vielen ihrer Nebenbuhler, Neider und sonstiger Nickel als Gespenst erscheinen.

P.S.: Könnten Sie beim nächsten Mal vielleicht an einem Donnerstag sterben? Weil, da ist Stammtisch, und wir könnten dann über Herkunft und Verbleib der Vokabel Kumpanen sinnieren und gemeinsam das Lied von der Umleitung singen.

Ein Kommentar zu “Väterchen Franz macht Schluß

  1. Friederich sagte am 15. November 2011 um 12:19:

    Die Nachrufe dahier sind immer allerbeste Friedensware. Beinahe, aber eben nur fast, möchte man dann auch ein Linker sein, um dermaleinst in den Genuß eines solch schönen Nachrufs zu kommen. Wäre man allerdings Linker, liefe man Gefahr, ungefragt allzu früh von diesem Nachruf ereilt zu werden, was es dann wohl auch wieder nicht wert ist, denn schließlich will man einen aufgeräumten Schreibtisch hinterlassen.
    So bleibt denn nur, sich selbst zu bescheiden und auf das Dahingehen all der aufrechten Sozialisten zu freuen, die dann hier gebührende Erwähnung finden werden. Wer wird der Nächste sein? Wader? Fidel? La Reine Margot im chilenischen Exil?


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