Wenn alle das täten

Der Tag wird kommen, und er dürfte nicht mehr weit sein,
wenn alles Sagen und Erklären sich zu Ende dreht
Georg Kreisler

Während allenthalben die Stimmung im Keller ist, die Indizes wackeln, die KPIs in Sack und Asche gehen, der Ausblick trüb verhangen ist, und niemand damit rechnet, daß sich so bald etwas zum Guten wendet, währenddessen hat Freund Hein gut zu tun, sind die Auftragsbücher von Gevatter Tod dick und feist, bewertet Moodys die Geschäftsaussichten für den Sensenmann als “malvenfarben bis rosig”, und räumt der Schnitter mit geschmeidig-eisigem Händchen ab, was abzuräumen geht.

Jetzt geriet ihm Georg Kreisler in die Knochenfinger:

Doch sollte sich einmal in meinem Leben
der Tod trotz alledem zu mir begeben
und sagen: »Lieber Freund, sei nicht beklommen,
die Stunde schlägt, du mußt jetzt mit mir kommen«,

dann sag ich: »No, es wird mir eine Freud sein,
Nur muß es wirklich ausgerechnet heut sein?«
Und ruft er dann: »Was zögerst du? Du mußt!«
Dann sag ich: »Nein, ich hab ka Lust.«

Ja, und dann sagte der Tod leider: “Mir doch egal!”

Wir jedoch sind noch einmal umgekehrt, um uns den Hut zu holen, den wir vor Jahren angeschafft haben, ihn bei Gelegenheiten wie dieser vor die Brust zu nehmen: Kudos!

Es wird dem Käsdorfer Donnerstagsstammtisch eine Ehre und ein Hauptspaß sein, am Donnerstag noch einmal alle Lieder zu singen, die er auswendig kann – vom Alpenglühn bis zu den zwei Tango tanzenden Tanten, den Ausländer, die Barbara, den Bluntschli, das Blumengießen, Dreh’ das Fernsehen ab, Mutter, Das Mädchen mit den drei blauen Augen, Du hast ja noch dein Grab, das Frühlingsmärchen, den General, den Fliegergeneral, Gelsenkirchen, den Guaten alten Franz, den Schönen Heinrich, Ich hab ka Lust, den Onkel Joschi, den Kämpfer, das Lied für Kärntner Männerchor, Max, den Musikkritiker, das Mütterlein, den Opernboogie, den Paule, Was für Ticker ist ein Politiker, Schützen wir, Treten Sie näher, Franz Josef, das Triangel, Unheilbar gesund, Vorletztes Lied, die Wanderniere, den Witz und Wenn alle das täten.

Sie werden sagen: Wenn alle das täten,
dann wär das ein schrecklicher Schlag.

Naja – schrecklicher Schlag! Es wäre vielleicht ein bißchen lauter als sonst. Das Pilgrimhaus etwas voller. Und die Nacht etwas kürzer. Aber wie Georg Kreisler uns lehrte:

Ja, wenn alle das täten, dann hätten halt alle
einen herrlichen Donnerstag.

5 Kommentare zu “Wenn alle das täten

  1. Friederich sagte am 23. November 2011 um 19:28:

    Wie jetzt? Der Stammtisch kann das »Taubenvergiften« nicht auswendig dahersingen?


  2. Germanistenfuzzi sagte am 23. November 2011 um 21:39:

    Taubenvergiften ist von Kreisler? Ich dachte, das wäre aus der Mundorgel.


  3. Friederich sagte am 23. November 2011 um 23:00:

    Wie auch immer die Sache mit den Tauben sich verhält: Zu vorgerückter Stunde ist die Recitation der Telephonbuch-Polka anzuraten. Wer daran nicht scheitert, kommt noch als Verkehrsteilnehmer in Betracht. Bis morgen ist ja noch etwas Zeit zum Pauken.


  4. Spambart der Schreckliche sagte am 2. Dezember 2011 um 16:50:

    Toll, das ist endlich mal ein interessanter Post, vielen Dank. Muss man erstmal verarbeiten. Generell finde ich die Seite leicht zu verstehen und bequem zu lesen.


  5. Germanistenfuzzi sagte am 3. Dezember 2011 um 08:14:

    Wenn du, Spambart, noch einmal, wiederhole, noch einmal dieses Blog “leicht zu lesen” und “bequem zu verstehen” nennst, wenn du weiterhin behaupten willst, dieses Blog eigne sich vortrefflich dazu, beim Bügeln gelesen zu werden, wirst du sehen, was passiert!

    Wahr di!


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