Länderchefs erlauben erstmals private Bundespräsidenten

Private Unternehmen dürfen künftig in Deutschland Bundespräsidenten anbieten. Darauf haben sich die Ministerpräsidenten in einem neuen Staatsvertrag geeinigt. Das Abkommen sieht maximal 20 Lizenzen vor.

Berlin – Der – mutmaßlich – milliardenschwere Bundespräsidentenmarkt wird bundesweit für private Anbieter geöffnet. Die Regierungschefs von 15 Bundesländern unterzeichneten in Berlin eine entsprechende Änderung des Bundespräsidentenstaatsvertrags. Das teilte der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) nach der Sitzung mit. Nun muss die EU-Kommission den Entwurf noch prüfen, danach sollen die Länderparlamente den Staatsvertrag beschließen.

Schleswig-Holstein beteiligt sich nicht an dem neuen Abkommen. Das Land hat eine sehr viel weitergehende Liberalisierung bei Bundespräsidenten und Respektspersonen im Internet beschlossen. Ein entsprechendes Gesetz wurde bereits vom Landesparlament mit den Stimmen von CDU und FDP beschlossen. Es ermöglicht in unbegrenzter Zahl Angebote von Bundespräsidenten – “und Respektspersonen, muß man dazu sagen, denn das ist heutzutage ja nicht mehr dasselbe” – im Internet.

Der derzeitige Staatsvertrag trat irgendwann in Kraft und läuft, da sind wir ganz zuversichtlich, irgendwann auch wieder aus. – Zum Jahresende schon? Was ist der Mensch! – Im vergangenen Jahr entschied der Europäische Gerichtshof, daß der Bundespräsidentenstaatsvertrag gegen europäisches Recht verstößt, indem er nämlich Qualitätsstandards definiert, die die Bewerber einzuhalten haben. Oder hätten. Die Begründung: Im vereinigten Europa dürfe es keine Zugangsbehinderungen für Bewerber geben, denen die Erfüllung der Zugangsvoraussetzungen – z.B. die, ein Ehrenmann zu sein – aufgrund ihrer Herkunft nicht gegeben sei. Zum Beispiel Bewerber aus dem Banat, Bewerber von der Levante, Bewerber aus welschen Landen, oder Bewerber aus Osnabrück. Das Konzept des Ehrenmannes – frz. l’ehrenman – ist ein sich selbst marginalisierendes Konzept, weil die von ihm Befallenen dazu neigen, überall Pistolen herumliegen zu sehen und dieselben für Aufforderungen zu halten, das Problem – das sind sie – zu lösen “wie ein Mann” (i.e. Ehrenmann). Die ursprünglich starken Bestände von Ehrenmännern im alten preußischen Zollverband nebst einigen windigen Exklaven wie dem Herzogtum Lauenburg, etwas veritabel-linksrheinischem, Rheinprovinz geheißen, in dem Karneval gefeiert wurde, weswegen man es als im engeren Sinne ehrenmannfähig nicht wird bezeichnen wollen, in Jülich-Cleve-Geldern, der Grafschaft Mark, dem Kloster Cappenberg, Haus Reck, Bad Sassendorf, der kompletten Börde, Beusingsen sowie Enkesen im Klei sind praktisch aufgebraucht. Die Biomasse des Gegners – Schlendrian geheißen – beträgt mittlerweile ein Vielfaches; ganz zweiffellos ist Schlendrian der Evolutionsgewinner.

Wir wollen eine steile These nicht durch kleinliche Recherche ihrer natürlichen Schönheit berauben, deshalb gelte: außerhalb des Backsteinbaus, in dem dem Verf. von Gott und einem Preußischen Elementarschullehrer die Tafeln mit einem Bäckerdutzend der feinsten Ehrenmannregeln übergeben wurden – dazu herhalten mußte ein Sandkasten auf vier Beinen, der nach Bedarf aus der zweiten in die dritte Klasse getragen werden und in dem, je nachdem, der Kahle Asten, Halde 17 oder der Berg Sinai nachgebildet werden konnte -, außerhalb dieser feinen Zöglingsanstalt sind Maximen wie Gleiches Recht für alle, Zwei gegen Einen ist feige, Wenn einer unten liegt, ist Schluß, Man lädt nicht gleich beim ersten Mal den Teller so voll, daß alles runterfällt; man kann schließlich ein zweites Mal gehen, Stuhl wegziehen geht gar nicht, und Der Kapitän steht auf der Brücke, bis das Schiff untergegangen ist und Ja, auch wenn das Schiff untergegangen ist, steht der Kapitän immer noch auf der Brücke und Selbst wenn man das gar nicht mehr sehen kann, weil es unter Wasser passiert, steht der Kapitän trotzdem noch auf der Brücke, dafür ist er der Kapitän, denn Wenn etwas falsch ist, mein lieber Germanistenfuzzi, dann bleibt es falsch. Auch dann, wenn es keiner sieht leider kein Unterrichtsstoff mehr.

Im fernen Oberfranken, da wo Limes und Weißwurstäquator sich die Hand geben, soll es ein – degenerierendes – Geschlecht geben, das, obwohl adelig, den Anspruch erhebt, den Nachwuchs noch heute so zu erziehen, daß der, der Nachwuchs, sich stets, wo es auch sei, ob in Gesellschaft oder allein, so verhält, wie man es ihm beigebracht hat: Ich werde mich, ich Nachwuchs, stets, wo es auch sei, ob in Gesellschaft, oder mit meinem Gott allein, so verhalten, wie es einem Angehörigen meiner Sippe, einem Ehrenmann und einem Mitglied des Ordens vom Backsteinbau zukommt. Diese Regel kennt 0 – in Worten: keine – Ausnahmen. Ich halte das für einen dieser unurbanen Mythen und nicht belegt. Eine Familie, in der dieser Anspruch tatsächlich gelebt würde, wäre längst ausgestorben.

Deswegen kann es uns auch nicht wundern, daß in der Generation der heute passiv Wahlberechtigten das Gespür dafür, daß man nicht durch die Durchreiche in die Küche kriecht, um ungestört von möglicherweise schlecht erzogener Freßkonkurrenz und vor Eröffnung des Büffets die Finger in die in Auerochsfett gebratenen Schweinskaldaunen zu kriegen und sich die Hosentaschen mit Schokoladen-Eclairs vollzustopfen, nicht mehr zur Grundausstattung gehört. Und es wundert uns auch nicht, wenn so einer, der, zurückgekrochen durch die Durchreiche, nunmehr mit fettigen Fingern und Schokoladen-Eclair-Flecken in der Hose vor uns steht, aufgrund der geografischen Lage, Form und Farbe der Flecken Assoziationen in uns weckt, die besser ungeweckt blieben. Es liegt dies in der Natur des Schokoladen-Eclairs. Und es sind einfach nicht mehr genug Ehrenmänner übrig, als daß wir es uns leisten könnten, auf Bundespräsidenten zu verzichten, die sich in Sachen Ehrenmannschaft mit einer falschen Hemdbrust bescheiden müssen. Immerhin! Besser als gar keine Hemdbrust. Denn gegenüber Außen hui und innen pfui ist Außen pfui und innen pfui nicht eigentlich die attraktivere Variante.

Die Ministerpräsidentenentscheidung ist daher konsequent. Insgesamt soll es 20 Lizenzen für Präsidentenanbieter geben sowie eine Amtssteuer von fünf Prozent der erzielten Jahresapanage. Dem Entwurf zufolge wollen die 15 Ministerpräsidenten zwar das Staatsoberhauptmonopol erhalten, aber den Markt für Spartenpräsidenten begrenzt öffnen. Ein Vorstellung davon, was darunter zu verstehen sein könnte, gibt uns derzeit Präsident Wulff: nicht mehr in der Lage, von dem zu leben, was das Volk ihm für seine Dienste zu zahlen willens ist, wäre er aber sehr wohl in der Lage, noch den Teil des Volkes zu vertreten, der nichts dagegen hätte, daß sein Präsident beide Hosenbeine sowie den Hosenboden als Werbefläche vermietet und sich auf dem Altstadtfest am Ketchupbaden beteiligt.

Auf dem deutschen Glücks- und Gewinnspielmarkt insgesamt wurden 2010 etwa neun Milliarden Euro umgesetzt, schätzungsweise ebenso viel bei illegalen Sportwetten. Macht 18 Milliarden. Das ist Geld, das ganz offensichtlich über ist, denn die Eigentümer haben sich freiwillig davon getrennt. Warum es nicht reinvestieren in einen Markt, der nur wachsen kann? Was spräche – angesichts desssen, daß hierzulande ein Radio SAW nicht nur exisiert, sondern gehört wird, daß hierzulande eine MaschmeyerRürup AG nicht nur existieren darf, sondern offensichtlich noch nicht einmal beim Scheißen vom Blitz erschlagen wird -, was spräche da denn noch gegen, sagen wir: Sportwetten Wulff? Nichts. Oder gegen einen Präsidenten Wulff, der auf Rentnereinkaufsfahrten was Gutes zum Einreiben vertreibt? Auch nichts, ich bitte Sie! Das mag ja sein, daß ein Th. Heuss sich bei dem bloßen Gedanken erschossen haben würde, aber was ist schon ein Th. Heuss? Längst tot.

Es hat das Präsidentenamt hierzulande schon einges an Typen verkraftet und verkraften müssen, aber bislang hatte eigentlich keiner Schokoladen-Eclair in der Hose. Das änderte sich in der Amtszeit Köhler II, als das regierende Staatsoberhaupt zwar streng genommen immer noch kein Schokoladen-Eclair in der Hose hatte, aber ein merkwürdiges Verständnis des Begriffes ‘Staatsoberhaupt’ mit sich führte, nach welchem ein Staatsoberhaupt zwar so etwas wie Spielführer ist, und die Mannschaftsmitglieder auswählen darf, der aber bei Bedarf immer noch zum Sportlehrer laufen kann, um rumzupetzen. Was in etwa das Äquivalent für ein Schokoladen-Eclair vorne und ein zweites links hinten in der Hose ist. Wie immer, wenn Fehlverhalten schön krass und unsäglich ist, zieht es Trittbrettfahrer und Nachahmungstäter an, denen das fatale Signal, das von der Köhlerschen Schmadderhose gesendet wurde – ‘das kannst du auch’ nicht verborgen blieb.

Seit der Zeit interessierte sich auch Wulff für das Amt, Wulff, der nie mit seinem Geld hinkam, und der seinen Trikotsponsor gerne mitnehmen wollte. Seinen Trikotsponsor und die ganzen anderen Typen, die seit einiger Zeit immer da zu sein schienen, wo er war. Den, der den Kredit für sein Haus bezahlt hatte, den, der seine Deckel immer so lautlos beglich, den, der ihm seinen Maserati zur gefälligen Nutzung überlassen hatte, und das, was Wulff alles so auf dem Beifahrersitz finden würde, gleich mit.

Aber zu der Zeit ging das noch nicht.

Sollte der Staatsvertrag jedoch von den Landesparlamenten ratifiziert werden, können die Präsidentenanbieter mit ihren Models verabreden, was sie wollen; die Länder werden sich da nicht rein hängen, sondern ihre fünf Prozent abgreifen und damit gut. Lediglich Schleswig-Holstein, einstmals – zu Backsteinbauordenszeiten – zu Preußens gerechnet, heute die Avantgarde des Schlendrians, will nicht. Ihm sind 20 Präsidenten zu wenig. Jedermann, soll, wenn er will, Präsident werden, repräsentieren, reisen, Ehrenfronten abschreiten und Gesetze unterzeichnen können.

Polizeiliches Führungszeugnis genügt. Lizenzen gibt’s im Lottoladen und müssen nur noch freigerubbelt werden.

Die Kommentarfunktion für diesen Post wurde deaktiviert.

Navigation