„Altenplager können nicht ständig das Grundgesetz unter dem Arm tragen“

Edler von Heuschreck, CEO des Finanzinvestors Silberschatz Invest, der im vergangenen Jahr das Käsdorfer Seniorenheim Am Pfaffenacker übernommen hat, hat sein Plagepersonal gegen Vorwürfe des Medizinischen Dienstes der gesetzlichen Krankenversicherung (MDS) in Schutz genommen. „Ich finde es nicht fair,“ sagte Edler von Heuschreck dem Käsdorfer Metropolitan (KM), „wenn man den Mitarbeitern, die zum Teil am Rande ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten, weil sie Doppelschichten machen müssen und ohne Rücksicht auf familiäre Belange für Frühschicht, Spätschicht, Nachtschicht und Wochenenddienst eingeteilt werden, die zum Teil an Burnout laborieren, weil sie schon mehrere Jahre bei uns sind, weil sie gemobbt werden oder weil sie so wenig verdienen, daß sie noch einen Zweitjob brauchen und noch weniger Zeit für die Kinder haben, wenn man solchen aufopferungswilligen Mitarbeitern, die das ja gerne tun und ohne Murren, denn sie wissen ja auch, was gut für die Alten ist – und gut für sie selber -, wenn man diesen Menschen unterstellt, sie ließen es an Einsatz oder an Sorgfalt fehlen, oder sie seien für die Betreuung nicht ausgebildet, dann finde ich das schofel.“

„Man muß doch auch mal berücksichtigen, wie jung die Dinger, die Leute, die Mitarbeiterinnen, meine ich, teilweise noch sind. Die haben andere Sachen im Kopf, als alte Leute. Die denken an ihre eigene Zukunft. An ihre eigenen Kinder, die sie noch in die Welt setzen wollen. Kinder, die sie selbst beinahe noch sind. Und wie sie an einen Partner kommen, mit dem zusammen sie aus der Scheiße hier rauskommen, wo sie, seien wir doch mal ehrlich, für einen Hungerlohn schuften. Hier kommen sie doch nie auf einen grünen Zweig, das ist mal amtlich. Und wenn da eine – meistens sind es ja Mädels -, wenn da eine mal Liebeskummer hat und so weiter, und dann klingelt es aus drei Zimmern gleichzeitig und so weiter, und die alte Frau Schröder klettert mal wieder aus dem Fenster, ja, mein Gott, da muß sich die alte Frau Schröder doch nicht wundern, wenn sie rasch mal fixiert wird. Wir dürfen uns da jedenfalls nicht wundern. Es ist ja auch nicht für ewig. Die Nachtschicht bindet sie ja dann wieder los.“

„Aber ich sage ja immer, ich gebe ja immer zu bedenken: stellen wir uns bloß mal vor, sage ich immer, wir hätten Vollbeschäftigung! Und die Frauen könnten sich aussuchen, wo sie arbeiten. Und wären nicht drauf angewiesen, hier bei uns zu arbeiten. Stellen wir uns das doch mal einen Moment vor. Dann könnten wir erleben, was wundliegen heißt! Wenn wir den Betreuungsschlüssel dritteln müßten, ach was sag ich, halbieren reicht schon! Ich hab damit das geringste Problem, ich zahle ein paar Euro mehr ans Plagepersonal, erhöhe die Preise massiv, nehme nur noch Premiumpatienten, und die Subprimeklientel bleibt zuhause und liegt sich auf eigene Faust wund. Hab ich keine Malessen mit. Aber ich möchte nicht sehen, was dann in der Presse steht.“

„Sehen möcht‘ ich’s nicht, aber denken kann ich’s mir.“

„Ich muß auch ehrlich sagen: verstehen tu ich die Mädels nicht. Ich würde für die Hungerkohle nicht um fünf aufstehen. Ich würde mich selbständig machen, ein Dutzend Osteuropäerinnenn anheuern und mir die komplette – sagen wir mal – Nachtschicht als Service anbieten, mit allem avec. Würd ich auch sofort nehmen, an meiner Stelle. Ich würde mir das anbieten, was mich die Nachtschicht im Moment kostet, abzüglich 10% und einem kleinen Zuschlag dafür, daß ich so ein guter Mensch bin, und dann würde ich mich machen lassen.“

„Eventuell würde ich davon sogar leben können.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


neun + = 14

Navigation