Allein gegen das Schweinesystem

Fritzchen, aka der kleine Fritz, Platzhalter an der Stelle, wo früher das Innenministerium war, und noch solange gebraucht, wie die uns ins Haus stehende große Koalition noch kein frisches Ministermaterial in die Regierung gespült hat, will nicht zurückstehen, wenn die großen Jungs im Verteidigungsministerium bewaffnete Drohnen bekommen, sondern will auch welche. Merkel will ihm aber keine geben, und das nicht etwa deswegen, weil bewaffnete Drohnen im Innenministerium nichts verloren hätten – das haben sie zwar nicht, aber, nicht wahr, wer hat nicht alles nichts im Innenministerium verloren? Wenn es danach ginge! – sondern deswegen, weil Fritzchen noch nicht 16 ist und noch nicht einmal einen Mopedführerschein hat. Bei de Maizière ist das was anderes, der ist schon 18 und hat Totenkopfschwimmer und Waffenschein.

Fritzchen will das natürlich nicht gelten lassen, weil, wie er sagt, Merkel keine Ahnung hat. Eine Drohne fliege, anders als ein Moped, ganz von alleine, da brauche man gar keinen Führerschein für. Das sei ja das Geile an Drohnen. Und einen Waffenschein brauche man als Innenminister dafür auch nicht, denn nicht der Innenminister sei bewaffnet, sondern die Drohne sei bewaffnet. Allenfalls könne man von der Drohne verlangen, daß sie einen Waffenschein habe, aber das sei ja wohl ein blöder Witz, da könne man ja sehen, wie panne die Merkel sei.

Der Grund für Fritzchens Unmut – aber was braucht ein Fünfzehnjähriger schon für einen ‘Grund’ dafür? -, sagen wir: der Anlaß für Fritzchens Ausraster ist – eigentlich sind es zwei Anlässe. Der eine ist, daß de Maizière gerade vorbaut, und zwar was den geplanten Ankauf von Drohnen für die Bundeswehr angeht. Er hat nämlich vor, Drohnen zu kaufen, und damit nachher nichts ist, Widerworte oder überflüssige Diskussionen über Ethik und anderen Besserwisserkram, fängt er jetzt schon mal mit den Schanzarbeiten an. Ab 2015 soll das passieren, und dann soll die Palisade stehen. Hier entlang soll sie in etwa verlaufen:

“Der Sache nach ist eine Drohne doch nichts anderes als ein Flugzeug ohne Pilot”, sagte der CDU-Politiker der “Welt” (Samstagausgabe) einem Vorabbericht zufolge. Flugzeuge dürften Waffen tragen. “Warum also sollen unbemannte Flugsysteme das nicht dürfen? Das erschließt sich mir nicht.”

2015 ist Fritzchen längst nicht mehr im Amt. Aber sagen Sie das mal einem Fünfzehnjährigen! Der hört nur, was er hören will, und was er hören will, das ist: ’2015? Werd ich 18! Führerschein! Waffenschein! Alles!’ Also will auch Fritzchen Drohnen. Und, Hand aufs Herz, wer würde mit 15 schon hinter dem älteren Bruder zurückstehen wollen, wenn es ans Klugscheißen geht? Das würden wir mit 15 auch nicht gewollt haben.

“Der Sache nach,” sagt Fritzchen, “ist eine bewaffnete Drohne doch nichts anderes als eine Kanone mit Flügeln. Kanonen dürfen Flügel haben. Waffen überhaupt. Siehe Bomben und Granaten. Shock and Awe. Unten die Zivilbevölkerung, oben das Flächenbombardement. Whoopie! – Warum also sollten sie keine Drohnen haben dürfen? Die Waffen? Es ist ja nicht für immer. Früher oder später trennen sich die beiden ja doch. Muß denn immer ein bemanntes Flugzeug dabei sein, wenn eine Trennung ansteht? Da sitzt doch ein Pilot drin. Soll der vielleicht abgeschossen werden? Der hat doch Frau und Kind! Damit ist doch niemandem gedient! Es sei denn, der Pilot wäre nicht der Vater des Kindes, hätte aber ein großes Vermögen zu vererben, finge an, etwas zu ahnen, die Mutter hätte einen Neuen, und dem Kind könnte es gleichgültiger nicht sein – in dem Fall, in dem Fall, wäre damit vielleicht jemandem gedient.”

“Aber betrachten wir doch Otto Normalfall: Sie müssen einen Fisch von seinem stinkenden Kopf trennen. Sagen wir: die Bundespolizei von ihrem obersten Schweinebullen. Wissen Sie, was der Kerl gesagt hat? Würdelos, unehrenhaft, beschämend! Hat er gesagt. Über mich. Weil ich ihn entlassen habe. Aber das ist noch längst nicht alles. Belege hat er gefälscht, und irgendwas in Afghanistan gemacht, oder unterlassen, und Fidel Castro hat er zum Geburtstag ein Telegramm geschickt. Oder Lukaschenko. Ist ja egal. Wo ist der Unterschied? Jedenfalls war er nicht mehr tragbar. Soll ich jetzt meine Abfangjäger losschicken, daß sie ihn einen Kopf kürzer machen? Und riskieren, daß mir einer abgeschossen wird und ich die Witwenrente zahlen muß? Das kann der deutsche Steuerzahler nicht im Ernst wollen.”

“Für solche Fälle braucht man eine Drohne.”

Er wisse da noch ein paar Kandidaten für gezielte Tötungen mit Bundesinnendrohnen: “Ku-Klux-Klan! Ku-Klux-Klan! Deutsche Polizisten. Hopsen als Bäcker verkleidet ums Feuer und halten sich für rassisch überlegen. Bullenschweine!” So eine Drohne könne mithopsen, könne ganz gezielt die Zipfelmütze vom Kopf der beteiligten Beamten ziehen und mit dem Rest kurzen Prozeß machen. Für den Vorsitz des BKA wolle sich kein Nachfolger finden lassen; auch das könne ganz schnell anders werden, wenn der sich zierende Kandidat wüßte, daß er gerade dabei ist, nicht nur seinen Innenminister zu enttäuschen, sondern insonderheit auch dessen bewaffnete Drohnen. Und die Liebhaber des Aktenschredderns beim Verfassumgsschutz, die müßten wissen, daß jederzeit eine Drohne bei ihnen im Zimmer stehen könne, auf die Aktenschnipsel zeigen und fragen: ‘Akten? Ja? Wichtige Akten? Kann ich dann bitte mal die zuvor angefertigten Sicherheitskopien sehen? Oder sollte es vielmehr so sein, daß ich hier jemandem ganz gehörig Beine machen muß?’

“Wir müssen wirklich aufpassen,” sagt Fritzchen weiter, “daß wir nicht Gefahr laufen, zum Bullenstaat zu werden, in dem die Bullen allen auf der Nase herumtanzen. Dabei trägt der Innenminister natürlich eine besondere Verantwortung, die ihm niemand abnehmen kann. Und deswegen trägt das Volk eine ein nicht minder hohe Verantwortung bei der Entscheidung: Gebe ich meinem Innenminister alles, was er von mir verlangen kann, damit er in der Lage ist, seinen Unmut zu zähmen? Oder stelle ich mich knauserig und tue Dinge, die ich bereuen werde, sobald er erst seine Drohnen hat?”

Natürlich ist es nicht schön, einen Fünfzehnjährigen vom Bullenstaat und von Bullenschweinen resp. von Schweinebullen reden zu hören. Kann er sich nicht mal für eine Art entscheiden? Wir reden ja auch nicht von Rinderebern oder Eberrindern. Das wäre ja auch lächerlich. Andererseits, wenn wir in unseren alten Tagebüchern blättern und lesen, was wir mit 15 so dahergeredet haben, dann wollen wir ihm das mal nicht übelnehmen. Jugend muß auch das Recht haben, mal über die Stränge zu schlagen. Haben wir doch mit fünfzehn tatsächlich von “Ordnungskräften”, vom “Auge des Gesetzes” sowie von “Freunden und Helfern” gesprochen.

“Ordnungskräfte?” faucht Fritzchen da, “Ordnungskräfte? – Das ist ja lächerlich!”

Wo er recht hat, hat er recht.

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