R.O.T.S.P.O.N. – Der volle Kanal

Meister des Stinkefingers

War ich es, der hier neulich schrieb, daß er die Grünen nicht leiden kann? Oder war das Germanistenfuzzi? Oder sonst einer von den anderen?

Wissen Sie, das Lästige am Linkssein ist, daß wir Linken nie sicher sein können, daß wir es waren. Was einer von uns sagt, kann jeder andere auch gesagt haben. Was wir sagen, ist austauschbar. Wir sind Automaten.

Wie anders dagegen die Rechten da drüben! Das ist eine nimmer endende Hengstparade bei denen, und es sind Prachthengste, und keines derer kunstvoll gestriegelten Eier gleicht dem eines der anderen. Nehmen sie bloß den Lippizaner Fleischhauer. Nein, nicht Lippizaner, Maultier. Maulesel. Kann man irgendwas von dem, was der schreibt, velwechsern? Mit irgendwas von dem, was irgendwer anderes von denen schreibt? Im Leben nicht! Betrachten Sie – nur zum Beispiel – des Springers Presse: Maxeiner und Miersch? Könnten Sie sagen, wo Maxeiner aufhört und Miersch anfängt? Aber auf den Millimeter! Hannes Stein und Hannes Bein? Unverwechselbar. Texte von Cora Stephan und Jan Fleischhauer verwechseln? Solange diese WELT besteht ist das noch nicht vorgekommen. Pop-Poschardt und Pontifex Posener?

Posener – das ist der, der bei den Achso Guten nicht mehr gelitten ist, da darf nämlich nicht jeder schreiben. – Ich weiß, ich weiß, denkt man oft. Ist aber nicht so. Wer noch eine Tasse oder noch einen Henkel im Schrank hat, wird bei denen disqualifiziert. Deswegen haben sie den Posener auch rausgeworfen. Haben Sie gelesen, was der über den Fleischhauer geschrieben hat?

Hofkonservativer hat er ihn genannt. – Lustig! Warum kommt unsereins da nicht drauf?

Hadern wir nicht mit unserem Geschick, handeln wir! Hat der Blödmann Fleischhauer doch wiederum seinen Stinkefinger in den Wind gehalten, und wie’s der Deubel wollte, standen wir in seinem Lee. Jetzt gibt es Auge!

Habe ich vorausgeschickt, daß ich die Grünen nicht leiden kann? Weil, ich brauche das für meine Street Credibility. Ich werde nämlich gleich eine Grüne verteidigen. Nicht, daß einer auf die Idee kommt, ich schriebe hier pro domo! Ich schreibe hier nicht pro domo! Ich kann die Grünen nicht ausstehen!

Habe ich vorausgeschickt? Gut. – Denn: das gilt für alle Grünen, aber nicht für Renate Künast. Renate Künast ist niedlich.

Das hier kam aus Richtung Fleischauer rübergeweht. Wollen Sie mal reinriechen?

Grünen-Fraktionsvorsitzende Künast: Erhöhte Entrüstungsgeschwindigkeit

Egal ob Bahnchef Mehdorn, Bischof Mixa oder Ministerin Schavan: Niemand ist so schnell mit einem moralischen Urteil zur Hand wie die Fraktionsvorsitzende der Grünen. Nur schade, dass Renate Künast die hohen Maßstäbe nicht bei sich anlegt.

Braucht sie nicht, denn sie ist: niedlich. Und dieser Maßstab, angelegt an Mehdorn, Mixa und Schavan, besagt: Zu kurz! Zu leicht! Fliegenschißgewichte.

Es ist schon eine ziemlich vertrackte Sache, diese Plagiatsgeschichte der Forschungsministerin. Nicht nur, dass der Vorgang 32 Jahre zurück liegt und damit in einem Bereich, in dem selbst ein Totschlag verjährt. Bei vielen Stellen, die nun neben der Düsseldorfer Universität diverse Privatgutachter beschäftigen, ist nur schwer zu sagen, ob hier abgeschrieben oder paraphrasiert wurde. So brauchte es einige Tage, bis man sich in der Opposition zu einer Meinung durchgerungen hatte.

Papperlapapp! Fleischhauer ist ein Esel. Ein rassereiner, alter Esel. Und kein niedlicher Esel, was das angeht. – Schavan hat doch keinen umgebracht! Was soll denn da verjähren? Reden wir hier von Mord? Notzucht? Kindesraub? Irgendetwas, was gegen die guten Sitten verstieße? – Quatsch! Plagiate sind Eigentumsdelikte, wie jedermann weiß, und wie jedermann weiß, wie Schavan weiß, wie Fleischhauer weiß, wie Sie und ich wissen, und wie Künast weiß: Eigentumsdelikte verjähren nicht. Nicht in dieser Welt.

Außerdem ist Künast niedlich.

Nur eine Politikerin in Deutschland wusste gleich, was zu fordern ist, nämlich den sofortigen Rücktritt Schavans, auch ohne langwierige Textvergleiche. Es sei “beschämend, dass sie die Sache aussitzen will”, befand Renate Künast in einer Ad-hoc-Stellungnahme. Noch habe die Ministerin ihr Amt formal inne, “aber die Glaubwürdigkeit, die sie für eine gute Amtsführung braucht, die hat sie schon verloren”.

Ja und? Was spielt es für eine Rolle, was sie sagt? Interessiert das irgendwen? Kann sich einer daran erinnern, was das Eselchen Grisella gesagt hat? Ich nicht. Ich weiß nur noch, daß es Tino gehörte und samtweiches Fell hatte. Und überaus niedlich war.

Wenn es in der deutschen Politik die Position des erhobenen Zeigefingers zu vergeben gäbe, dann wäre Renate Künast die ideale Besetzung. Wann immer jemandem auf der anderen politischen Seite ein Missgeschick oder Fehler unterläuft, ist die Fraktionsvorsitzende der Grünen mit der größtmöglichen Indignation zur Stelle, darauf kann man geradezu blind vertrauen. Was die Entrüstungsgeschwindigkeit angeht, nimmt es in der Hauptstadt mit ihr niemand so leicht auf.

44 Grad im Schatten und 1.750.683.000 Hectopascal am 18. November 2012

755.000 Google-Treffer für “Künast fordert Rücktritt”

Puh! Eine beeindruckende Zahl! Ist mir schwül! Es ist spät im Jahr, tief im November, wir haben 44 Grad im Schatten und ich habe mächtig Kreislauf. Eine Milliarde siebenhundertfünfzig Millionen sechshundertdreiundachtzigtausend Hectopascal sind sicher übertrieben für diese Jahreszeit, aber es bleibt ganz schön beeindruckend, wie sie einen zu Boden quetschen.

Künast hat schon den Rücktritt von Guido Westerwelle verlangt und den von Wolfgang Schäuble , sie hat Cornelia Pieper und Ilse Aigner aufgefordert, unverzüglich das Amt zu verlassen, Theodor zu Guttenberg und Christian Wulff natürlich, Hartmut Mehdorn , Bischof Mixa und Thilo Sarrazin . Eigentlich fehlt in dieser Reihe nur der Papst, aber vielleicht habe ich den in der Eile auch übersehen. Wer bei Google die Worte “Künast fordert Rücktritt” eingibt, erhält 755.000 Treffer. Das ist sicher übertrieben, aber die Liste ist in jedem Fall beeindruckend.

755 Milliarden Treffer? Im Leben nicht! Nicht auf dieser Welt! Da hat er wohl die Quotes vergessen, bei der Suche. Hahaha, Amateur! – Obwohl: das kann den besten passieren. Ich erinnere mich noch, wie ich in der Schule – es war bei der Vektorrechnung – einmal anstelle des Skalarproduktes das Kreuzprodukt bildete, und eine beeindruckende Matrix herauskriegte, die ich auch ganz stolz ins Arbeitsheft schrieb und doppelt unterstrich, mit Lineal, weil es ja das Ergebnis war.

Oder war ich das gar nicht? War das Germanistenfuzzi? – Wir Linken haben ja alle austauschbare Lebensläufe, das ist es ja man! Zu einer Zeit waren wir alle Maoisten, dann hatten wir irgendwann unser Saulus-Paulus-Erlebnis, und dann, nachdem wir unseren inneren Pol Pot überwunden hatten, war nichts mehr mit uns anzufan – oder waren das gar nicht die Linken? Waren das wir Neokonservativen? Ich kriege uns immer durcheinander. Es ist ja mittlerweile auch verjährt. – Nein, Germanistenfuzzi war gut in Mathe. Oder ich. Einer von uns beiden. – Jedenfalls gab es keinen Punkt für die Aufgabe, nicht einmal einen halben, obwohl ich bis kurz vorm Ergebnis alles richtig gemacht hatte. Ich finde, einen halben Punkt hätte ich ruhig kriegen können. Aber der Mathelehrer forderte stattdessen meinen Rücktritt. Formal sei ich zwar noch Mitglied der Sekunda, aber die Glaubwürdigkeit eines, der mit Recht auf die Versetzung in die Prima spekuliere, hätte ich mit meinem idiotischen Fehler verloren. Er wolle mir mal ein Beispiel aus der Domäne der Nichtmathematik geben, das ich als Nichtmathematiker vielleicht besser verstünde: Wenn ich aus dem Satz “So ist das doch, nicht wahr?” durch Nachlässigkeit in der Zeichensetzung ein “So ist das doch nicht wahr!” machte, dann würde der Deutschlehrer mir dafür ja wohl auch keinen halben Punkt geben, auch nicht für die richtige Reihenfolge der Wörter. So sei es doch, nicht wahr?

Das ist nun 32 Jahre her, aber so etwas verjährt ja nicht.

Man kann lange darüber spekulieren, was wohl schief gelaufen ist, dass die Grüne andere aus Prinzip in den Senkel stellen muss. Ein Parteifreund hat einmal im kleinen Kreis die Vermutung angestellt, dass seine Fraktionskollegin Angst habe, im Verurteilungsreigen zu spät zu kommen, also sei sie immer die erste. In den Medien, die den Grünen prinzipiell wohlgesonnen sind, gilt Künasts Biestigkeit bis heute irgendwie als frech und unangepasst. Ich würde allerdings einwenden wollen: Was mit 30 charmant ist, ist das nicht zwangsläufig auch noch bei jemandem, der auf die 60 zusteuert.

Als frech und unangepaßt? Wer? Künast? Frech und unangepaßt? Wie niedlich! – Nun ja, man muß berücksichtigen, wer das sagt. Das sagt einer, der sich selbst erzählt, er sei ein Rebell, und sich dann einzureden versucht, er sei, wenigstens was diesen Gegenstand angeht, eine zuverlässige Quelle. Aber was soll der Hinweis auf ihr Alter, Fleischhauer, altes Grautier? Nicht auf Ihres, auf ihres. Sie sind schließlich auch nicht mehr so jung wie der kleine Jan, als er damals sein Wildpferd bekam. Es gibt halt Leute, die sind mit 60 noch niedlich, und es gibt Leute, die können mit 50 immer noch nicht googeln. Und feilen aus diesem Unfähigkeitsklotz ganze Spiegel-Online Artikel.

Tatsächlich stand Renate Künast immer schon für das Experiment, wie weit man es mit schlechter Laune in der Politik bringen kann. In einer Umgebung, in der bereits die Wahl der falschen Kaffeesorte einen Verrat an den eigenen Idealen bedeutet, mag das gut gehen. In der normalen Welt, also dort, wo man zum Regieren solide Mehrheiten braucht, punktet man mit Umerziehungsprogrammen als Wahlversprechen schon sehr viel weniger, wie ihre missglückte Bewerbung um das Amt des Berliner Regierenden Bürgermeisters gezeigt hat.

In unserem kleinen Kreis, Leser, und wo Fleischhauer gerade nicht dabei ist: natürlich geht einem diese Rücktrittsforderei seitens der Grünen ganz gewaltig auf den Keks. Wegen nichts haben sie in unserem zarten Zirkel ja auch nicht die Beliebtheit einer eitrigen Zyste. (Zum Vergleich: FPD – Magendurchbruch, SPD – Pest, CDU – Cholera, Piraten – Fleckfieber, Linke – Skorbut.) Aber doch nicht deswegen, weil die Forderung ungerechtfertigt wäre, sondern weil sie so langweilig und vorhersagbar ist. Weil die Grünen so eine erbärmliche Opposition sind. Die Grünen sind der Kollege, der einem im Büro vis-à-vis sitzt, und der am Montagmorgen um neun Uhr zum erstenmal sagt: “Oh Herr, laß Freitag werden!” Gegen zehn sagt er, er wolle mal in Pattensen anrufen, und fügt hinzu: “In Pattensen, da hattensen.” Er sagt das immer, wenn er in Pattensen anruft. Und er ruft oft in Pattensen an. Dann ruft er in Pattensen an. Als Abschiedsgruß sagt er “Alles klar, legen Sie sich wieder hin!” und, nachdem er aufgelegt hat, wiederholt er: “Alles klar, keiner weiß Bescheid, aber alle machen mit.” Gegen zwölf denkt man das erste Mal still bei sich “Ich wünschte, ich hätte meine eitrige Zyste unter zwei sechs wieder! Und dieser Kollege, konnte er nicht damals bei der spanischen Grippe schon auf der Welt gewesen sein? Dann wäre er vielleicht mit hinweggerafft worden.”

Das sind die Grünen. Schlimmer als ein solcher Kollege am oppositionellen Schreibtisch ist natürlich ein solcher Kollege als Vorgesetzter.

Selbsterkenntnis als höchste Form der Erkenntnis

Selbstgerechtigkeit als höchste Form der Gerechtigkeit

Die Berliner sind Härten gewohnt, so ist es nicht. Sie haben die Luftbrücke durchgestanden, den Bau der Mauer und Wowereits Spaßregierung. Nicht einmal die aufgeschobene Öffnung des neuen Flughafens konnte sie aus der Ruhe bringen; jetzt fliegt man eben weiter von Tegel und verschuldet ist man eh. Aber auch in Berlin erwarten die Leute von einem Politiker, dass er sie umwirbt und nicht abkanzelt.

Was? Entschuldigung, ich habe gerade nicht zugehört? – Nein, ich habe den gerade zitierten Absatz nicht gelesen. Ich vermeide es, Texte von Fleischhauer zu lesen. Warum fragen Sie? Steht was drin? – Dachte ich mir. – Nein, ich war abgelenkt, indem ich mir oben stehende Liste noch einmal betrachtete, Sie erinnern sich, die 755 Milliarden Google-Treffer. Bzw. die bereits Zurückgetretenen und die noch Zurückzutretenden: ich stelle fest, daß von insgesamt neun Kandidaten (≙ 755.000) bereits 5 (≙ 419.444) zurücktraten, was einer Erfolgsquote von 4.660.493 Prozent entspräche, wenn man die Zahl der bereits Zurückgetretenen (419.444) durch die Gesamtzahl (9) teilte und das Ergebnis mit 100 multiplizierte. Auf die Gefahr hin, daß mein verehrter Mathematiklehrer – ein Dr. Bleicher (er ruhe in Frieden) – noch ein wenig bleicher wird, wenn er die Rechnung liest: ich finde, das ist eine ganz beeindruckende Trefferquote.

Das kann man für furchtbar rückständig halten, aber so ist nun einmal das Leben. Die Zahl der Menschen, die freiwillig für eine tägliche Dauersozialkundestunde votieren, ist doch geringer, als in Kreuzberg und Umgebung angenommen.

Was? – Nein! – Ich habe auch diesen Absatz nicht gelesen! Habe ich doch eben schon gesagt! Lesen Sie die Zitate, wenn das Zeugs Sie interessiert, ich habe Besseres zu tun. Und vor allen Dingen: ich wünsche nicht, dergleichen zweimal sagen zu müssen! Bin ich Renate Künast? Ich bin nicht Renate Künast! Zum einen bin ich nicht niedlich, um damit mal anzufangen. Das ist schon mal das erste. Zwar sagt meine “Mutter”, ich sei als Säugling ganz ausgesprochen niedlich gewesen, aber eben: gewesen! Das bestärkt mich nur in der Annahme, daß ich nicht ich bin, sondern an einem windigen Augusttag auf der Borkumer Strandpromenade vertauscht worden bin. Es sei, sagt die Mutter des kleinen Fürchtegott, damals ein holländisches Touristenpaar wiederholt um die Kinderkarre herumgestanden, hätte mit dem Finger auf den Kleinen gedeutet und exklamiert “Nein, was für ein niedliches Kind!” Ja, und dann ist es halt irgendwann passiert. Fürchtegott, die arme Socke, mußte nicht nur in Holland groß werden, sondern auch noch bei Pflegeeltern, die sich zu würdelosem Benehmen in der Öffentlichkeit nicht zu schade sind, und ich bin halt ein kleiner Holländer. D.h., damals war ich für kurze Zeit ein kleiner Holländer. Frau Pürckhauer hatte eine Vorliebe für alles Russische und kleidete mich entsprechend, mit Kittelchen und Zeug. Das ist gottseidank vorbei. Und klein? Was ist heute mit klein? – Naja, geht so: 1 Meter 72, 70 Kilo, Jeansgröße 32/32, Durchschnitt, unscheinbar, austauschbar. Auf der Straße würden Sie an mir vorbeilaufen.

An Frau Künast jedoch würden Sie nicht vorbeilaufen. Jedenfalls nicht, ohne stehenzubleiben. Um Frau Künast herumzustehen, mit dem Finger zu deuten und zu rufen: “Nein, was für eine niedliche Politikerin!” Denn Frau Künast ist niedlich, fast so niedlich wie Fritz Kuhn.

Vielleicht wäre man mit Renate Künast versöhnter, wenn sie die Ansprüche, die sie an andere erhebt, für sich selber gelten lassen würde. Leider gehört sie zu den Menschen, die Selbstgerechtigkeit für die höchste Form der Gerechtigkeit halten. Mein Kollege Alexander Neubacher hat die Fraktionsvorsitzende neulich für einen Film über die Ökowelt dazu zu befragen versucht, wie sie heute über ihren Kampf für den Biodiesel denkt. Erst mochte sie nicht antworten und fand schon die Frage unverschämt; dann konnte sie von Neubacher nicht mehr ablassen und fuchtelte ihm heftig mit ihrem Zeigefinger vor der Nase herum.

Vielleicht wäre man mit Fleischhauer versöhnter, wenn er die Maßstäbe, die ihm aus allen Taschen ragen, und die er, um damit anzugeben, ständig auf- und wieder zusammenklappt, und sich die Finger dran klemmt, wenn er die auch mal an sich selbst anlegen würden. Vielleicht. Könnte sein. Weshalb es das unter allen Umständen zu verhindern gilt, denn man legt nicht den geringsten Wert darauf, mit Fleischhauer versöhnt zu sein.

Sie sehen, ich habe, damit wir beide, Sie und ich, auf gleichem Sachstand sind, beim Pasten des letzten Absatzes mal meine Lesekamera mitlaufen lassen, und bin präpariert, Ihre Fragen nunmehr sachkundig entgegenzunehmen. Denn ich hatte den Eindruck, daß Sie eine Frage zu stellen wünschten. Was wollen Sie wissen? – Sie wollen was wissen? Was “eine tägliche Dauersozialkundestunde” ist? Ach du Schande! Wo steht das? Steht das in diesem Absatz? – In dem vorhergehenden Absatz? – Das müßte einer von denen sein, die ich nicht gelesen habe – korrekt! – Ich will trotzdem versuchen, die Frage zu beantworten: ich habe keine Ahnung. Ich nehme an, eine Dauersozialkundestunde ist eine Dauersozialkundestunde, und eine tägliche Sozialkundestunde ist ein tägliche Sozialkundestunde. Und eine tägliche Dauersozialkundestunde, dürfte eine Kombination aus beidem sein. Oder eine Permutation. Vielleicht die Schnittmenge. Oder die Vereinigungsmenge. Oder deren Spatprodukt. Mein Verhältnis zur Mathematik ist das eines nicht ganz zurechnungsfähigen, hörigen, hormongebeutelten Liebhabers, der zu keiner Sekunde Herr des Verfahrens ist, und dem letztlich alles in die Hose geht.

Daher kann ich mich, glaube ich, ganz gut in Fleischhauer hineinversetzen, nicht was sein Verhältnis zur Mathematik, aber was seine Haßliebe zur deutschen Sprache angeht: Ich nehme an, daß er, von Begehren und Versagensangst vorwärts gepeitscht, froh ist, wenn er den Spiegel noch rechtzeitig erreicht, und sich das Ergebnis seines Ergusses dann gar nicht so genau ansehen will. Deswegen sollte man sein Ejakulat auch nicht auf die Goldwaage legen, denn Goldwaagen brauchen eine Mindesttonnage, um überhaupt etwas anzuzeigen. Alles was darunter bleibt, wird bei solch groben Waagen von der Lagerreibung verschluckt.

War’s das? Keine Frage zum letzten Zitatabsatz? Sollte ich den völlig umsonst gelesen haben? – Ja bitte, da ganz hinten der Zeigefinger? – Ja bitte, Frau Künast? – Wer Alexander Neubacher sei?

Ich bin froh, daß Sie mir gerade diese Frage stellen, denn auf sie bin ich wohlvorbereitet. Lassen Sie mich die Frage leicht umphrasieren, nämlich so: wie sieht die Nase von Alexander Neubacher aus? Und will man es sich überhaupt antun, sich einen Fernsehfilm anzusehen, in dem Alexander Neubachers Nase eine prominente Rolle spielt?

Die Antwort ist: Ich habe keine Ahnung. Bis eben wußte ich nicht, wer Alexander Neubacher ist, und bis vor wenigen Minuten wußte ich auch nicht, wie seine Nase aussieht. Jetzt weiß ich natürlich, wie seine Nase aussieht. Und ich sage: das muß jeder selbst wissen, ob er sich die im Fernsehen ansehen will. Niedlich ist was anderes. Aber Alexander Neubacher hat mir nichts getan, und vielleicht ist auch er im Kinderwagen vertauscht worden und kann daher nichts für seine Nase. Sowas kommt schließlich vor. Die Nase eines Mannes ist schließlich nicht alles. Es gibt auch andere Werte.

Immerhin bekommt man, wnn man bei Google nach “Alexander Neubachers Nase” sucht 351.000 Ergebnisse. Das muß ja einen Grund haben. Von nichts kommt nichts.

PS: Weil viele Leser selber googeln: “Künast fordert Rücktritt” mit Anführungsstrichen ergibt 14.500 Treffer, auch das ein Spitzenwert. Zu ernst sollte man Google in diesem Zusammenhang allerdings dann auch nicht nehmen.

PS: Weil viele Leser selber googeln: “Alexander Neubachers Nase” mit Anführungsstrichen ergibt 1 (einen) Treffer. Da es sich bei diesem einen aber um diesen Artikel handelt, ist auch das natürlich ein Spitzenwert.

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