“Wollen wir das wirklich?”

Der Käsdorfer “Bund gegen das Ausschütten des Kindes mit dem Bade” hat angehörs der martialischen Töne in der Diskussion um das angeblich gescheiterte Drohnenprojekt “Eurohawk” davor gewahnt, das Kind mit dem Bade auszuschütten. “Ich wahne davor!” sagte der Chefwarner des Bundes, Germanistenfuzzi, dem Käsdorfer Metropolitan (KM), “ich marne Besinnung an. Wollen wir das wirklich? Ist es in unserem Sinne? Kann das in unserem Sinne sein? Können wir es wollen?”

Er wisse, fuhr Germanistenfuzzi fort, daß man warnen mit ‘r’ schreibe, aber er sei gerade im Begriff einen “Bund für Rechtschreibreform, die den Namen verdient” ins Leben zu rufen, und er nehme die Forderung, in Zukunft ‘wahnen’ mit ‘h’ zu schreiben, einfach schon einmal als erfüllt an und vorweg: es sei sehr viel mahnender und drängender, wenn man wahnen mit ‘h’ schreibe. “Nicht mahnen: marnen. Marnen mit ‘r’. Da kommt der Aspekt der Beharrlichkeit besser rüber: das Marderhaft-Nagetierige, Nagend-Nervensägige, Bohrend-Nachbohrende, den Gemarnten nicht so leicht davonkommen lassen Wollende. Immer will er leicht davonkommen, der Gemarnte. Das kann nicht im Sinne des Marners sein. Ich wahne davor.”

Aber das ist nicht unser Thema.

“Nein. Unser Thema ist der Eurohawk, beziehungsweise der Verteidigungsminister de Maizière, respektive das Kind im Bad. Wollen wir das wirklich? Das Ausschütten, meine ich. Des Kindes? Mitsamt dem Bade?”

Ja, aber was meint er denn eigentlich?

“Ich meine: nein. Wir wollen es nicht. Wir können es nicht wollen. Es kann nicht in unserem Interesse sein, einen für den zivilen Luftraum zugelassenen Verteidigungsminister so mirnichts dirnichts zu entlassen. Denn was wäre denn die Alternative? Wäre sie nicht ein Verteidigungsminister, der was von dem versteht, was er da tut? Könnte das in unserem Sinne sein?”

“Moment: sagen Sie noch nicht ja! Überstürzen Sie nichts! Denken Sie nach! Gönnen Sie sich die Muße, das Kind aus der Wanne zu heben, es trocken zu frottieren, und danach erst das Bad auszuschütten. – Die Alternative zu den weggeworfenen Milliarden wären nicht etwa eingesparte Milliarden, sondern Waffen. Funktionstüchtige Waffen. Und meine Frage ist: können wir das wollen?”

“Ich will die Antwort nicht vorwegnehmen, denn ich will niemanden belehren oder bevormunden, alles, was ich tue, ist fragen, nämlich: Wollen wir das? Und wenn Sie sich die Mühe machen wollen, den Computer umzudrehen, dann finden Sie sie auf der Rückseite die Antwort: Nein, das wollen wir natürlich nicht!”

“Wir hatten schon mal diesen 1a-Zivilisten im Amt, der nichts weiter tat, als im Whirlpool planschen, bzw., als er noch nicht im Whirlpool planschte, da richtete er bloß Unheil an. Nahm an Kriegen teil und dachte sich Kriegsgründe aus. Alles das kostete Geld, und wenn er damals 500 Millionen weniger gehabt hätte, hätte er sich für 500 Millionen weniger Kriegsgründe ausdenken können, oder für 500 Millionen Euro weniger Kriege führen. Und was haben wir gemacht? Wir haben ihn gewähren lassen! Wir haben abgewartet und gesagt: ‘Mal sehen’, und ‘Bloß nicht das Kind nicht mit dem Bade ausschütten’ und was man so sagt, in solchen Situationen. Gemacht haben wir nichts. Aber wie er dann im Bade saß und bloß noch Geld kostete, aber kein Unheil mehr anrichtete, da konnte es uns nicht schnell genug gehen! Da haben wir ihn in die Wüste geschickt, den Whirlpool mit der Gräfin auf dem Rücken. Kann das denn wohl wahr sein?”

“Ich will die Antwort nicht vorwegnehmen und wahne vor eiligen Urteilen. Voreiligen Urteilen. Ich sage bloß: das kann ja wohl nicht wahr sein!”

“Darum marne ich die Opposition, die SPD, die Grünen, die Linke und alle, die notorisch nicht wissen, was gut für uns ist, und die nun seinen Kopf auf dem Silbertablett sehen und mit schweren Bergstiefeln auf seinem Grab tanzen wollen: sollten wir einen Mann wie de Maizière denn voreilig in die Wüste jagen? Könnte er nicht das sein, was wir schon immer gesucht haben: nämlich für die Bundeswehr das, was Vattenfall für Krümmel war? Die SPD für die Sozialdemokratie? Die FDP für die FDP und Merkel für die CDU? Ich will das nicht infrage stellen, ich frage mich nur: Wenn es einen ehrenrührigeren Vergleich gibt, warum fällt er mir dann nicht ein?”

“Dieser Scharping, seit wir ihn in die Wüste geschickt haben, tut er gar nichts mehr. Der ideale Verteidigungsminister! Aber optimal ist er nicht. Wer gar nichts tut, wirklich nichts, läßt sich nicht noch einmal als Minister vereidigen. Das ist nicht optimal. Ich will nicht sagen, daß es suboptimal wäre, aber optimal wäre besser.”

“Dieser de Maizière hingegen, er könnte das Optimum sein. Er hält exakt die Balance zwischen dem, dessen Staatssekretäre nicht auf ihn hören, dem, der seine Staatssekretäre machen läßt, was sie wollen, dem, der nicht weiß, was seine Staatssekretäre machen und dem, der nicht weiß, daß er Staatssekretäre hat. Guttenberg ließ immer zuerst die Staatssekretäre erschießen, wenn irgendwas war. Der kannte seine Staatssekretäre zwar auch nicht, aber er lernte sie beim Bodycount dann ja kennen. Aber auf Guttenberg war kein Verlaß. Was der heute mit dem Arsch umriß, das baute er womöglich morgen mit seinen zwei rechten Daumen irgendwoanders wieder auf. Struck ist selbst tot, was nicht das Schlechteste ist für einen Feldherrn! Der ja wissen sollte, was er seinen Leuten abverlangt. Aber auch bei ihm ist die Frage: Würde er seinen Eid ablegen? Würde man verstehen, was er gesagt hat? Hat er nicht schon zu Lebzeiten genuschelt? Jung hat nie mitgekriegt, daß irgendwas war. Im Zweifel war er gerade in Lourdes und kriegte dort nichts mit. Ich glaube, er hat nicht einmal mitgekriegt, daß er Verteidigungsminister war. Solchen Leuten fallen die Dinge gemeinhin in den Schoß. Denen ist nicht zu trauen! Eine von Jung angeschaffte Drohne würde wahrscheinlich einfach losfliegen, und gar nicht mitkriegen, daß sie keine Zulassung hat.”

“Ja, Scharping mit Whirlpool und mit Gräfin wäre ideal. Ich will nicht sagen, daß de Maizière das Optimum wäre, ich will nur fragen: wäre er nicht optimal? Ist er nicht der Mann, ungezählte Milliarden in den Sand zu setzen, ohne daß damit einem Menschen ein Leides getan wird? Und ist das nicht das, was wir wollen sollten?”

“Und verehren wir in de Maizière nicht den Mann, der das Tucholskysche Verdikt, Soldaten seien Mörder – das nie etwas genutzt hat, seien wir ehrlich, denn das ist zwar keine Beleidigung für einen Soldaten, aber es ermöglicht ihm, dagegen zu klagen. Indem er lamentiert, er sei ja schließlich nicht aus niederen Beweggründen Mörder geworden, sondern einfach bloß so -, der dieses Verdikt auf ein höheres, unangreifbares rhetorisches Plateau gehoben hat, indem er nämlich festhielt: Soldaten seien Heulsusen? Wogegen kein Klagen hilft, denn eine Heulsuse zu sein setzt keine niederen Beweggründe oder Heimtücke voraus. Wohingegen Heimtücke und niedere Beweggründe noch für keinen Soldaten jemals ein Stolperstein gewesen sind.”

Er denke da insbesondere an einen Presse- und Propagandafeldwebel, mit dem er noch eine offene Rechnung zu begleichen habe. Aus der Zeit, als Nike noch die Göttin der landgestützten Kurzstreckenraketen gewesen, und sein Freund Fürchtegott und er von Gymnasiums wegen zum Besuch einer Feuerleitstelleneinheit abkommandiert gewesen seien. Da habe der Feldwebel oder eine seiner Aufklärungsdrohnen, die um ihn herumgehockt und gemeinsam mit ihm die wehrfähige Jugend zu den konventionell bestückten Knallköpfen hätten locken sollen, auf Fürchtegotts Vorschlag hin – er wisse nicht mehr genau, was der vorgeschlagen habe, jedenfalls wäre der Effekt gewesen, daß die Rakete nur ein großes Loch in die Erde gemacht haben würde, anstatt, ihrer Bestimmung nach, über der Erde möglichst große Verwüstung anzurichten -, da habe der Feldwebel geantwortet, daß ein großes Loch in der Erde ja wohl rausgeschmissenes Geld wäre, und seines Freundes Einwand, daß ein großes Loch in der Erde ja wohl sehr viel besser wäre, als oberirdische Verwüstungen, das Geld für die Rakete wäre schließlich so oder so weg, da habe der Feldwebel bloß gelacht. Und zwar habe er – “ob aus niederen Beweggründen oder aus Heimtücke, das will ich dahingestellt sein lassen” – dreckig gelacht.

“Jetzt ist es mal an uns, dreckig zu lachen. Aus niederen Beweggründen, wie ich gerne zugeben will. Aber ich stehe auch nicht an, anzuerkennen, daß die Bundeswehr in Sachen rausgeschmissenes Geld eine beeindruckende Schlagkraft an den Tag legt. Sie kann es. Sie ist besser als wir Friedenshanseln, die wir uns immer nur verweigert haben. Effektiver ist sie. Effizienter.”

“Ich sage nicht, daß damit alle unsere Wünsche erfüllt wären, ich frage nur, was sonst könnten wir uns denn wohl noch wünschen? Als so eine Bundeswehr?”

“Wir sollten ihren Chef nicht mit dem Bade ausschütten.”

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