Vielgescholt’nes Fritzchen

Mächtig Prügel bekonnt dieser Tage Fritzchen, aka “Der kleine Innenminister”. Er hat etwas gemacht, was er nicht hätte machen sollen, und das, was er hätte machen sollen, hat er nicht gemacht. Wie das so geht bei Dreizehnjährigen: es ist in ihre sturen Schädel einfach nicht reinzukriegen. Wie oft habe ich meinem Sohn gesagt, daß er die Schuhe nicht ausziehen soll, indem er hinten die Hacken heruntertritt, sondern daß er sich bücken soll und die Schuhe öffnen. Was die Kerls an Schuhen verbrauchen, sagenhaft! Aber hört er auch nur für 2 Cent? Ach was, er lacht mir ins Gesicht. Dann stiefelt er mit seinen Drecksbotten ins Wohnzimmer, was ich ihm auch verboten habe. Ich glaube manchmal, er kann gar nicht hören, er ist taub. Das macht die laute Musik in den Ohrhörern.

Zack, hat er ein paar hinter den Löffeln.

Daß ein Flegel wie Fritzchen jetzt hinter die Ohren bekommt, ist nur natürlich, das will schon der Name: Rotzlöffel. Eine ordentliche Tracht Prügel hat auch noch keinem Innenminister geschadet, so ein dreizehnjähriges Gesäß kann was ab. Schon in der Bibel steht: Wer seinen Innenminister liebt, der züchtigt ihn, und Jakobs Oma, also meine Mutter, sagt immer: Nur wer gehorchen kann, kann auch befehlen. Richtig so. Nur ein Innenminister, der weiß, wie das tut, kann auf einer Demo richtig hinlangen. Und das ist ja schließlich seines Amtes. Ein Innenminister ist ja wohl für’s Prügeln zuständig, wofür denn sonst.

Jedenfalls nicht für den Datenschutz. Der Datenschutz geht einen Innenminister nichts an. Dafür gibt es den Datenschutzbeauftragten, der macht das schon. Der Innenminister muß in der Lage sein, nur mit einem Handyortungssystem bewaffnet eine ganze Demo flächendeckend zu überwachen. Das muß man heute von einem Innenminister ganz einfach verlangen dürfen. Wir leben nicht mehr in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als die Polizisten noch Pickelhauben trugen. Damals hatte man vor den Polizisten noch Respekt, da brauchte man kein Handyortungssystem, da stand der Demonstrant noch stramm und meldete sich mit Namen und Dienstgrad, aber das ist ja vorbei.

Und wenn ein Innenminister noch zu jung ist, und das nicht kann, dann soll er sich eben auf den Hosenboden setzen und es lernen. Und wenn ihm eine Tracht Prügel dabei hilft, dann soll man die Rute nicht sparen. Daß Fritzchen nie hat Innenminister werden wollen ist keine Entschuldigung dafür, nie einer geworden zu sein. Viele Bengel in seinem Alter wollen nicht zu Schule gehen. Schüler sind sie trotzdem. Es sei denn, sie schwänzten dauernd. Dann muß man es eben mit einr Tracht Prügel versuchen. Man kann schließlich nicht eine ganze Generation von Dreizehnjährigen mit einem Handyortungssystem flächendeckend und von morgens bis abends überwachen.

Obwohl, bei Lichte besehen, wieso eigentlich nicht?

Jedenfalls, mein Punkt ist: Prügel für den Innenminister sind ganz in Ordnung. Immer feste druff! Und doch! – Es gibt ja diese modernen Pädagogen, die ganz auf positive statt auf negative Bestärkung setzen und glauben, man käme ohne Gewalt in der Erziehung aus. Die haben alle Unrecht. Aber man sollte sich doch das eine oder andere von dem, was sie sagen, durch den Kopf gehen lassen: zum Beispiel, daß es dem Innenminister erkennbar sein soll, wofür er bestraft wird. Strafmaßnahmen sollten konsistent sein, sprich: wenn einer heute fürs Latschen mit Drecksbotten ins Wohnzimmer eine Ohrfeige bekommt, soll er nicht morgen dafür geohrfeigt werden, strunpfsockend ins Wohnzimmer gelatscht zu kommen. Dafür soll man ihn loben, auch wenn es schwer fällt, einen Dreizehnjährigen zu loben. Selbst, wenn er die Schuhe nicht durch Heruntertreten der Hacken ausgezogen hätte. Was er natürlich hat, und dafür würde er sich eigentlich wieder eine einfangen – aber, worauf ich hinauswill: es sollte so etwas wie Rücksicht auf das natürliche Gerechtigkeitsempfinden des Heranwachsenden genommen werden. Dreizehnjährige wissen sehr genau, ob sie etwas falsch gemacht haben, und wenn, dann erwarten sie auch eine Strafe dafür.

Es ist aber zweifelhaft, ob Fritzchen wirklich erkennen kann, was er falsch gemacht hat. Nehmen wir einen der Sätze, die er, aus Amerika zurück, in die Mikrophone entsorgte: Das US-Spähprogramm PRISM durchsuche flächendeckend alle Kommunikation nach Begriffen wie ‘Terrorismus’, und habe auf diese Weise weltweit 45 terroristische Anschläge verhindert, fünf davon in Deutschland. Das ist natürlich grober Unfug. Jedermann weiß, daß Terroristen ihre Mails nicht mit dem Tag ‘Terrorismus’ taggen. Terroristen, die etwa eine geplante Befreiung gefangener Terroristen mit ‘Gefangenbefreiung’ taggen würden, anstatt mit ‘Big Raushole’, wären lausige Terroristen. Die meisten Terroristen verstehen sich selbst nicht einmal als Terroristen, sondern als Freiheitsfritzen oder Gottes Lieblinge oder weiß der Kuckuck was. So wie die meisten Diktatoren sich ja auch nicht als Diktatoren verstehen, sondern als geliebte Führer ihres Volkes oder Sonnenkönige oder demokratisch gewählte Herrschaften. Kennen Sie einen Folterknecht, der sich selbst als Folterknecht bezeichnet? Ich nicht. Die Folterknechte in meinem Bekanntenkreis nennen sich nicht Folterknechte, sondern Erweiterte Befragungstechniker. So ist halt der Mensch. Mein Jakob hält sich auch nicht für einen unreifen Dreizehnjährigen, sondern, wenn ich das richtig sehe, für King Louie, und auch Fritzchen wird in sich keinen Speichellecker sehen wollen, sondern den Ressortleiter Inneres. Mach einer was!

Frage also: konnte Fritzchen erkennen, daß er eine Schraube locker hat? Antwort: naja. Wir wissen ja nicht, wie groß der Anteil von Vollpfosten unter den Terroristen, Freiheitsfritzen und Lieblingen Gottes ist. Vielleicht sind tatsächlich 45 darunter, davon 5 in Deutschland, die ‘Terrorismus’ in die Betreffzeile ihrer Emails geschrieben haben. Kann ja sein. Und Ihren Einwand: wenn es denn wirklich so wäre, daß man durch Stichwortsuche in Mails Katastrophen abwenden könnte, warum denn dann Fritzchens Stellungnahme bitteschön nicht unter dem Stichwort ‘Grober Unfug’ gefunden und rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen wurde? – diesen Einwand möchte ich als kleinkariert bezeichnen. Als akademisch, meinetwegen. Es ist halt so, daß PRISM ein vorwiegend englischsprachiges Programm ist. Grober Unfug aber heißt auf Englisch ‘Bullshit’, und das ist eines der 27 Wörter, die im amerikanischen Fernsehen nicht vorkommen dürfen, und nach denen vom Geheimdienst nicht gesucht werden darf. Er würde auch nichts finden, denn in den Mails und SMS wird das Wort geschwärzt und in den Audiodateien weggebeept. Danach können Sie gar nicht suchen. Nach ‘Terror’ können Sie suchen, das ist schließlich nichts Unanständiges. Oder nach ‘Folter’. Das ist auch nichts Unanständiges. Unanständig ist das, was Fritzchen sagt.

Andererseits ist es prinzipiell gar nicht feststellbar, wieviel grober und wieviel noch viel gröberer Unfug – ‘Mammoth Shit’ – durch PRISM bereits verhindert worden ist. Wer weiß denn, wie Fritzchen daherreden würde, wenn es PRISM nicht gäbe, nachdem er schon so erzdumm daherredet, obwohl es PRISM gibt. Das ist das gleiche Problem wie bei Tarzan und den Elefanten: wir können niemals sagen, wieviele Elefanten sich im Kirschbaum verstecken, eben weil sie sich als Kirschen tarnen. Wer will denn sagen, wieviele Engel auf einer Nadelspitze maximal Platz haben: wieviele auch drauf sind, es ist immer noch Platz für einen weiteren. Das ist es ja man!

Und so gesehen, ist es zwar kompletter Unfug (‘Giganto-Megashit’), zu sagen, die Hochrüstung des Kalten Krieges habe sieben Weltkriege, 53 lokale Auseinandersetzungen, 1014 Scharmützel und 8463 Grenzverletzungen verhindert, aber es ist auch unwiderlegbar. Ich bitte Sie! Ein verhinderter Krieg ist wie ein Elefant im Kirschbaum, wie ein Fritzchen, das weiß, was es redet. Da ist es nur konsequent, wenn Fritzchen am nächsten Samstag in Dortmund-Lütgendortmund eine Basaltstele einweihen will, auf der die Namen sämtlicher deutschen Geheimdienstmitarbeiter eingraviert sein werden, die sich um die Verhinderung rassistisch motivierter Straftaten verdient gemacht haben, also alle. Gewiß, es sind da ein paar Morde passiert, das ist bedauerlich, aber es sind doch verschwindend wenige, verglichen mit denen, die nicht passiert sind.

Das meinte ich vorhin, als ich sagte, daß man einem Dreizehnjährigen auch mal ein bißchen Gerechtigkeit angedeihen lassen soll, wenn man ihn schilt. Das ist nicht immer leicht, und die Versuchung, dem Blödmann jeden Freitag eine anlasslose Tracht Prügel zu verabfolgen, als eine Art bedingungsloser Grundversorgung, ist oft stärker als manch guter Vorsatz. Glauben Sie einem liebevollen Vater!

Und doch!

Zumal Fritzchen ja nicht mit leeren Händen kommt. Ich höre, er hat wie ein wohlerzogener kleiner Mann die Schuhe ausgezogen, bevor er das amerikanische Justizministerium betrat, und er wird dem Kabinett detaillierte Berichte über den Füllstand sowie Geschmack und Konsistenz des Inhalts der Spucknäpfe von Joe Biden, Eric Holder und Lisa Monaco vorlegen, die anschließend von den zuständigen Behörden ausgewertet werden sollen.

Das ist doch nicht nichts.

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