Wenn Frauen zu sehr Auto fahren wollen: die heimliche Sucht, das Steuer in der Hand zu haben

Saudi-Arabien ist das einzige Land auf der Welt, in dem Frauen nicht Auto fahren dürfen, und Deutschland ist das einzige Land auf der Welt, in dem Männer nicht sagen dürfen, daß sie das für eine ausgesprochen gute Sache halten.

Deutschland, ein Land – was ich red’: das Land, in dem über zweitausend Jahre hin und länger ein freier Mann und ein freies Wort praktisch Synonyme waren, in dem ein jeder Mann freiweg sagen konnte, was er glaubte, was er dachte und was sein Dafürhalten war, sofern er sein bißchen körperliche Unversehrtheit nicht über Gebühr vergötterte und absolut setzte, und eines der ersten Länder, in dem Frauen einen Führerinnenschein machen durften, wenn Männe das befürwortete, dieses Land beschloß im Schicksalsjahr 1968, die Hippe aus der Tasche zu holen und sich das Gemächte abzuschneiden. Da war es passiert.

Seitdem gibt es in Deutschland die Zensur. Niemand darf mehr etwas sagen, was nicht der zuvor vom Reichsschrifttumskämmerer Prantl vorgegebenen Linie deutschen Denkens, deutschen Glaubens und deutschen Dafürhaltens entspricht. So ist es bei Strafe der Entmannung und/oder des Auslachens, was, wie jeder pubertierende Jüngling zu bestätigen weiß, dasselbe ist, verboten, zu denken, zu behaupten oder dafür zu halten, die Sterne seien Gottes Gänseblümchen, der Mond sei aus Käse, und der Mann im Mond habe das Maikäferbeinchen geklaut. Man darf noch nicht einmal sagen, daß Eierstöcke das Autofahren beeinträchtigen.

In Saudi-Arabien darf mann das sagen. Dabei ist das, wenn man alles glauben darf, was in der Süddeutschen Zeitung steht, kein besonders freiheitlich gesinntes Land. Aber das ist Deutschland schließlich auch nicht mehr, wie jeder Autotor, der gern mit dem Arsch auf dem Bodenblech sitzt, wo nicht gleich auf der Achse des Guten, zu bestätigen weiß. In Saudi-Arabien darf man sogar sagen, daß Autofahren die Eierstöcke beeinträchtigt. Hat ein Scheich gesagt. So weit sollte man allerdings nicht gehen. Das ist eventuell unfair. Die Frauen machen das ja schließlich nicht mit Absicht, daß sie Eierstöcke haben. Sie können doch nichts dafür. Außerdem dachte ich immer, es sei das Blech, dem es schade, wenn Frauen zuviel Auto fahren. Aber vielleicht irre ich mich, und es schadet dem Blech eher, wenn es von Scheichs geredet wird. Aber natürlich sollte es in einem freiheitlich gesinnten Internet erlaubt sein, das Blech in die Wikipedia hineinzuschreiben. Oder in die “wikiMANNia”. Oder in die “wikiSUMSEMANNia”.

Immerhin sind sich Saudi-Arabien und Deutschland darin einig, daß Frauen nicht Auto fahren können, wenn auch mit kleinen Unterschieden in der Begründung: in Saudi-Arabien können sie nicht fahren, weil die Männer es ihnen verboten haben, und in Deutschland nicht, weil sie Frauen sind. Wo genau der Zusammenhang sich versteckt und ob es ihn überhaupt gibt, ist trotz der Bemühungen von Allan und Barbara Paese und trotz der populärwissenschaftlichen Aufbereitung durch Mario Barth immer noch ein bißchen dunkel. Aber man soll auch nicht immer alles bis in die hintersten Winkel ausleuchten wollen, besonders dann nicht, wenn die Zensur mitleuchtet und einem sofort eins auf die Finger gibt, wenn man was Interessantes findet. Man muß nicht immer alles wissenschaftlich erforschen wollen. Es waren Wissenschaftler, die am Ende des 19. Jahrhunderts vorausgesagt haben, daß New York bei stetig weiterwachsendem Verkehr unter Pferdemist begraben werden würde, und es waren Wissenschaftler, die Ende des 19. Jahrhunderts empfahlen, saudischen Frauen das Kamelreiten zu verbieten, weil es deren Eierstöcken schade.

Alles überholt! Keine saudische Frau will heute mehr ein Kamel reiten. Warum nicht? – Ich will es nicht laut sagen, denn ich will mich nicht strafbar machen. Darum lassen Sie es mich, wie man das so macht, wenn man am Zensor vorbeidribbelt, in die Form einer harmlosen Frage kleiden: Haben Kamele etwa einen Fußraum? In den man sein Kaugummipapier schmeißen könnte? Und seine zerknüddelten Tempos? Eben! Nicht einmal das Internet ist, obwohl auch das vorhergesagt worden ist, unter der schieren Last seiner eigenen Dummheit zerbrochen. Daran können auch unsere bescheidenen Bemühungen, unsere eigenen Strohhalme, Halm um Halm, auf den Höcker dieser zarten Stute zu packen, bislang nichts ändern. – Wissenschaftler, pah!

Man muß auch mal den Mut zur Begründungslücke haben, und einen Fakt einfach so stehen lassen können.

Und sich daran freuen, daß er steht.

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