Freizügigkeit

Noch ein Name, den man hoffentlich noch zu Lebzeiten wieder vergessen wird: Markus Ferber. Ein Mann der von seiner Partei, der CSU, bereits im jugendlichen Alter von 29 Jahren nach Europa abgeschoben worden ist, da er den strengen Anforderungen an die Intelligenz bayrischer Kinder nicht genügte – Unverstand! Man hätte ihn fördern sollen, fördern und fordern! Wie soll er denn in Straßburg etwas für seinen Intelligenzquotienten tun, im Ausland, da, im europäischen? Intelligenz gibt es in nennenswerter Höhe schließlich nur in Deutschland. Ja, als Straßburg noch zu Deutschland gehörte, da war das was anderes.

Nun wohl. Er ist denn auch seither nicht klüger geworden.

Ich hatte ihn schon einmal vergessen, nachdem ich 2010 mit ihm aneinandergeraten war, als er Intelligenztests für Einwanderer verlangte und behauptete, die Kanadier machten das auch. Die Kanadier würden, so sagte er, von Zuwanderern einen höheren IQ verlangen, als von ihren eigenen Kindern, was a) syntaktisch hazardiös ist, denn es klingt, als würden die Kanadier von ihren eigenen Kindern einen gewissen Durchschnitts-IQ fordern, bei dessen Unterschreitung die Kinder im Columbia River ersäuft würden. Das kommt der Realität aber nicht sehr nahe. Der ganze Teil zum Beispiel mit dem Columbia River und dem Ersäufen ist falsch. Der Rest auch. B) ist der Satz semantisch nicht minder halsbrecherisch, behauptet er doch in der Quintessenz, daß die Kanadier von ihren Zuwanderern einen gewissen Durchschnitts-IQ verlangten, was sie aber auch nicht tun, und was c) selbst wenn es stimmen würde keine Auswirkungen haben dürfte, denn die Kanadier gelten auf dem nordamerikanischen Kontinent als im Vergleich etwa so intelligent, wie bei uns die Ostfriesen, was ich, eingedenk meiner ostfriesischen Vorfahren, leider leugnen muß, da es unzutreffend ist. Das mit den Ostfriesen und ihrer Intelligenz. Obwohl ich doch sonst ein großer Freund von Ethno-Bashing auf Stammesebene bin, auch wenn das Bashing zu meinen eigenen Lasten geht, doch. Aber so groß meine Freude an der Bosheit auch ist, meine Wahrheitsliebe ist größer. – Deshalb schlage ich folgenden Vergleich vor: die Kanadier gelten im Verhältnis zum Durchschnittsnordamerikaner als etwa so unterbelichtet, wie die CSU-Europagruppe im Verhältnis zu uns normalen Leuten. Vorsitzender der CSU-Europagruppe ist Markus Ferber.

Für einen dreißig Zentimeter hohen Ministeckzaun aber braucht einer kein Stabhochspringer zu sein, wenn er des Nachbarn Vorgarten zertrampeln möchte. Was die Zuwanderer aus Osteuropa ja bekanntlich wollen. Freizügigkeit nennen sie es, und Ferber will nicht, daß sie es dürfen. Vielmehr will er, daß sie es nur dann dürfen, wenn sie intelligenter sind als bayerische Kinder.

Nun macht Ferber wieder von sich raunen, indem er hereinkommt, sich in die rechte Ecke stellt, und lospoltert: Er sehe es gar nicht ein, so poltert es aus der rechten Ecke, und wenn man genau hinsieht, ist es Ferber, der da poltert, daß man sich hierzulande nicht in die rechte Ecke stellen dürfe, ohne dafür stante pede in die rechte Ecke gestellt zu werden! Freizügigkeit, hah! Freizügigkeit, hoh! Die gelte wohl nur für Armutsmigranten aus Südosteuropa, was? – Wohl! – Der CSU aber, ihm aber wolle man sie nicht zubilligen! – Nein! – Denn wenn man sie ihm zubilligen würde, dann könnte er sich ja wohl hinstellen in welche Ecke er immer wollte, die rechte, die linke, die mittlere, die obere oder die untere. Welche auch immer. Wenn er das aber tue, werde er sofort in die rechte Ecke gestellt. Das sehe er überhaupt nicht ein!

Tja, was soll man machen? Intelligente Menschen könne man überzeugen, heißt es, dumme müsse man überreden. Oder war es umgekehrt? Einen Menschen zu überreden erfordere hohe Intelligenz, Dummheit aber überzeuge durch Authentizität?

Ach, ich weiß es nicht. Muß ich aber auch nicht. Schließlich will ich nirgendwo einmarschieren. Nicht in Kanada und nicht in irgendeinem Sozialsystem. Ich war’s zufrieden, als man mich seinerzeit als “wenig tauglich, genaugenommen unbrauchbar” ausmusterte, weil ein Erlaß ergangen war, daß kein Rekrut intelligenter sein durfte als der Musterungsoffizier und keiner dümmer als der Hauspsychologe. Das war natürlich ein enger Korridor. Erstaunlich, wie viele es trotzdem geschafft haben. Wo der unbedingte Wille, ferner Länder Vorgärten zu zertrampeln, eben hinfällt. Freizügigkeit nennen sie’s. – Mir hingegen reicht das Glück im Winkel, zwischen Schafen und Nachbarn, und wenn ich dereinst dement werden sollte, brauch ich nur quer über den Wendehammer und bin im Seniorenheim. Andere haben es da schwerer. Kommen hochmotiviert und gutausgebildet aus der Fremde in die Fremde, nur um sich zwischen Schöpsen und Dreiachteldementen wiederzufinden, die von ihnen nicht einmal was wissen wollen.

Ferber hat ganz recht: die Intelligenten unter ihnen gehen nach Kanada.

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