“Deutschland ist nicht der Reparaturbetrieb Europas”

sagt einer, der es nicht wissen muß, und auch garantiert nicht weiß, nämlich der Generalsekretär der CSU, Andreas Scheuer.

Denn warum eigentlich wohl nicht? Reparaturbetriebe verdienen sich doch einen goldenen Hintern, wenn ich mal hochrechne, was der Reparaturbetrieb meines Pandas für das Auswechseln eines popeligen Querlenkers in Rechnung stellt: so ein kleines Auto! So ein kleiner Querlenker! Und so eine große Rechnung!

“Ich will doch nicht Ihren Betrieb kaufen,” sage ich zum Meister, als der die schönen Scheine in der Schublade versenkt. “Aber ich,” versetzt der ungerührt. Er wolle einen weiteren Betrieb dazukaufen. Und ob er etwa aussehe wie einer, der seine Betriebe selber bezahlt? Ob ich vielleicht glaubte, daß die deutschen Banken ihre Staatsanleihen mit eigenem Geld aufgekauft hätten? Wenn ich das glaubte, hätte er hinten einen schönen, schweren Engländer für mich, mit dem könnte ich mir feste auf den großen Zeh hauen, um auszuprobieren, ob ich wach sei oder träumte.

So läuft es doch in Deutschland auch. Sollte das in Bayern etwa anders sein? Ist Ingolstadt in Bayern? Ich habe nämlich mal erlebt, wie sich ein Kollege, ein Audifahrer – einmal so blöd sein! – bei einem Audi-Reparaturbetrieb über die hohen Reparaturkosten verwundert zeigte, und der Meister sagte, gleich doppelt ungerührt, dann müsse er sich eben keinen Audi kaufen, wenn er die teuren Reparaturen nicht wolle. Sprach’s und reparierte einen anderen, der weniger rumzickte.

Und so ist es doch: bezahlen tun die Kunden. Wenn sagen wir Portugal die hohen Reparaturkosten für seine Europamitgliedschaft scheut, dann soll doch Portugal, bitteschön, seine Europamitgliedschaft woanders kaufen, und nicht grade beim Premiumhersteller. Wenn Europa fertig repariert ist, das läßt sich absehen, sind die Europäer pleite, aber der Besitzer der Werkstatt weiß nicht, wohin mit dem Geld. Noch Fragen?

Jedoch, Scheuer will nicht. Deutschland sei auch nicht, so läßt er verbreiten – wobei man zu seiner Entlastung sagen muß, daß er für’s Verbreiten von Unsinn bezahlt wird, als Generalsekretär, der CSU zumal -, Deutschland, so läßt er verbreiten, sei auch nicht der Servicepoint der Autoglas-Branche oder der Onkel Scheibendoktor Europas. – Nicht einmal das! Scheuer will ganz offensichtlich kein Geld verdienen. – Deutschland sei vielmehr die Gang, die im Auftrag – nicht einmal der einzelnen Filialisten, pah! Erdnußhändler, aber im Auftrag von Herrschaften, die hier nicht genannt sein möchten, gleichwohl aber Wert darauf legen, daß ihre Aufträge pünktlich ausgeführt werden, durch den Kiez zieht und die Scheiben von Autos mit gewissen Nationalitätskennzeichen einschlägt.

Ach so? Ach so! – Ja, das kann man natürlich machen, etwas außerhalb der Legalität zwar, aber andererseits auch nicht komplett unsympathisch, denn Deutschland wäre dann so etwas wie ein zeitgenössischer Jackie Coogan, und kriegte automatisch dessen Niedlichkeitsbonus, aber, Scheuer, nochmal: das hat doch nur Sinn, wenn man den Kunden anschließend die Reparatur anbietet. Ohne Charlie Chaplin war Coogan nichts weiter als ein netter kleiner Junge, der den Leuten die Fenster einschmiß, erst im Verein mit Chaplin und dessen Kraxe voller Fensterscheiben wurde er zum Geschäftsmodell.

“Es geht bei der Debatte um Armutszuwanderung nach Deutschland nicht um politisch rechts oder links,” sagt Scheuer, aber das behaupte ich ja auch nicht; ein Geschäftsmann, der seinen Kunden das Geld aus der Tasche zieht, ist zunächst einmal weder rechts noch links, sondern gut beraten, denn wenn er es nicht tut, ist er nicht lange Geschäftsmann, “sondern um gerecht oder ungerecht.” – Äh, nein, auch nicht, es geht darum, ob wir wollen, daß die Kunden ins Geschäft kommen, oder ob wir wollen, daß sie zuhause bleiben. Es gibt da so eine Geschichte von Jaroslav Hašek, über einen Wirt, der es unterläßt, sein Etablissement zu beleuchten, um zu verhindern, daß Laufkundschaft, vom Licht herbeigelockt, ihm sein Bier wegtrinkt. Auch er eine sehr sympathische Figur, fraglos, wie fast alle Trinker auf dem Papier, aber was hätte das mit gerecht oder ungerecht zu tun?

“Die CSU hat Europa nicht verstanden. Und offenkundig will sie es auch nicht,” sagt der neue Staatssekretär im Auswärtigen Amt, ein gewisser Joseph Roth, nein, Eugen Roth, auch nicht, Claudia? Philip? Christina? Thomas? Michael? – Michael Roth; die neuen Namen muß man alle erst einmal kennenlernen, Roths gibt es ja einen ganzen Haufen. “Es geht bei der Debatte um Armutszuwanderung nach Deutschland nicht um Roth oder Schwartz!” – Ist ja schon gut, Herr Scheuer.

Offenkundig, Herr Staatssekretär, offenkundig, aber ich fürchte, der Herr Scheuer hat nicht nur Europa nicht verstanden. Der hat auch keine Ahnung von solidem Wirtschaften.

Und von Deutschland schon gar nicht.

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