Schweinkram

Aufgrund kriminalistischer Erfahrung“, heißt es, sei davon auszugehen, daß einer, der weiter nichts angestellt hat, auch jede Menge Dreck am Stecken mit sich trage. Mag das stimmen oder auch nicht – man fragt sich doch, wieso ausgerechnet die Staatsanwaltschaft Hannover sich diese Maxime aufs Wams hat sticken lassen. Wo will denn ihrereiner mit kriminalistischer Erfahrung in Berührung gekommen sein? Bei den Ermittlungen gegen Wulff? – Indes, getreu ihrem Motto “Die Wahrheit ist immer dort zu suchen, wo man sie finden will”, hat die besagte Staatsanwaltschaft, die Hemdbrust bereits heftig mit Ruhm beschmaddert, noch einmal nachgeschaut, ob sie bei der Hausdurchsuchung in Rehburg nicht doch etwas Verwertbares übersehen hatte, und siehe da, sie fand etwas.

Mag der Beschuldigte nun auch auf dem Standpunkt stehen, daß es sich bei einem SPD-Mitgliedsausweis nicht um illegales Material handele, aber macht das die Sache etwa appetitlicher? Mag er nicht illegal sein, so ist so ein Mitgliedsausweis doch auch nichts, was man auf dem Kaffeetisch liegen ließe, wenn Kinder zugegen sind. Juristisch gesehen mag er ein Dokument aus der Grauzone zwischen straffreier Geschmacklosigkeit und strafbewehrter Obszönität sein, moralisch gesehen ist er das nicht. Moralisch gesehen ist er Dokument der Eindeutigkeit, ein Zeugnis, ein eindeutiges Zeugnis von Ferkelgesinnung. Es ist festzuhalten und Ausweis der hohen Gesinnung der Mütter und Väter unseres Grundgesetzes, daß das Prinzip der Unschuldsvermutung für jedermann gilt, auch und gerade für die, denen man ihre Schweinereien nicht nachweisen kann, obwohl sie auf der Hand liegen, die Schweinereien. Aber eine Vermutung ist eine Vermutung, keine Tatsache, und die Tatsache, daß der Beschuldigte dem Vorwurf, einer Partei anzugehören, in der ein Gabriel, ein Steinmeier und ein Oppermann etwas zu sagen haben, bislang nichts entgegenzusetzen gewußt hat, spricht eine andere Sprache. Es ist dies nicht die Sprache der Unschuld.

Verständlich, daß Gabriel, Steinmeier und Oppermann nunmehr seine Entfernung aus der Partei betreiben. Aber was so gut gemeint daherkommt, eben dieser Rauswurf, betont paradoxerweise doch nur das, was er ungeschehen machen soll. Er bestätigt nicht die Unschuld, er bestätigt die sittliche Verwahrlosung. Er vermutet nicht, er sagt auf den Kopf zu. Er stellt nicht infrage, er stellt fest, und wir mit ihm: Der Beschuldigte ist Mitglied der SPD.

Was ein Ferkel!

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