Sehr geehrter Herr Grube, ist Herr Mehdorn eigentlich schon weg, und sind Sie jetzt zuständig für mich?

Weil, ich hätte da gerne einmal drei kleine Punkte angesprochen, und der erste ist die Durchsage im Lautsprecher, die einem seit einiger Zeit mitteilt, in welchem Bahnsteigsegment man den Fahrradwagen findet.

Nun ist mir das eigentlich Powidl, ob Sie uns das mitteilen lassen; dagegen spricht höchstens, daß die Typen mit den Hosen und den Helmen immer wissen, wo der Fahrradwagen ist, und man denen höchstens zu nahe tritt, wenn man es ihnen sagt; aber dafür spricht wahrscheinlich, daß es Mehdorn ärgert, und darum mag es so bleiben.

Der zweite Punkt ist dieses kuriose Plakat mit der 0180er Nummer, die ich anrufen soll, wenn mir im Bahnhofsumfeld Vandalismus auffällt. Ich glaube, es hat dort schon gehangen, als Mehdorn noch für den Vandalismus zuständig war, und vielleicht ist es ihrer Aufmerksamkeit nur noch nicht anempfohlen worden, in diesem Fall: gehorsamster Diener!

Aber meine Frage: sind Sie wirklich sicher, daß eine 0900er Nummer nicht die bessere Wahl gewesen wäre? Der Bürgersinn zeigende Fahrgast, der Fahrgast, der das Plakat überhaupt erst einmal liest, der sich im Falle eines Falles höchst unwahrscheinlicherweise gar der Nummer entsinnt, oder sich wenigstens Gleis und Bahnsteigsegment (Gleis 10, Abschnitt B) gemerkt hat, wo er bei Bedarf – sagen wir, wenn auf Glas 2 der VfL Wolfsburg anlandet und den Wolf in sich erwachen fühlt – die Nummer im Schaukasten findet, der Bürger möchte, daß sein Engagement ihn etwas kostet! Was ihn nichts kostet, ist ihm nichts wert.

Oder ist es vielleicht, auf der anderen Seite, doch eher so, daß Sie befürchteten, eine 0800er Nummer etwa – an die man ja auch hätte denken können, aber sehen Sie nur, wie sich dem Herrn am Gleis 10, Abschnitt B bei dem Gedanken die Mundwinkel verächtlich verziehen – ist es also vielleicht so, daß Sie befürchteten, eine kostenlose Nummer würde ihrerseits zum Mißbrauch einladen, und Anrufe der Art: ein Vandale habe das tadellos funktionierende Interregionetz geschreddert, Strecken stillgelegt, Fahrpläne ausgedünnt, Wartungsarbeiten vernachlässigt, Klimaanlagen abschalten lassen und mehrfach versucht, den ganzen Bettel an der Börse zu verhökern, geradezu provozieren?

Was natürlich gut möglich wäre, solche Spaßvögel gäbe es sicherlich. In diesem Fall: bitte seien Sie versichert, daß ich ihre 0180er Nummer nimmermehr mißbrauchen werde, habe die Ehre!

So muß ich Ihnen denn auf diesem Wege einen Vandalenakt – Punkt 3 – anzeigen, der sich jüngst am Bahnhof W. ereignet hat, allwo ein perfekt funktionierender Zugang zum Gleis 4 – vom Parkplatz seitwärts durch die Büsche, an den Schienen entlang, parallel zum einlaufenden Regionalexpress, nicht lange gefackelt, in den letzten Wagon (Fahrradwagen!) gehüpft, und ab dafür – völlig sinnloser Weise zerstört worden ist, indem mit schwerem Gerät und perfekter Logistik ausgerüstete Vandalen das Begleitgrün unfachmännisch ausgerupft und durch einen sogenannten Industriezaun mit Betonfundament ersetzt haben.

Fahrgäste, die über lange Jahre hin den Synchroneinlauf mit dem Zug zur Perfektion gebracht haben, sind nun gezwungen, eine halbe Stunde eher aufzustehen, um unter Flüchen und der Konkurrenz von Fahrrädern, Taxis und Privat-PKW nach einem Umweg von mehreren hundert Metern sich mit den anderen Pendlern um die schmale Ressource Bahnsteig zu käbbeln.

Ja bitte?

Sicherheit? Gehn Sie mir doch weg mit Sicherheit! Haben Sie sich den Bahnsteig an Gleis 4 mal angesehen? Wie schmal der ist? Wissen Sie, wieviele Pendler morgens um 10 vor sieben auf diesem schmalen Bahnsteig stehen? Wissen Sie, was es bedeutet, wenn die Rentnerbrigade „Eddy Merckx“ im schönen Monat Mai versucht, den Pendlerblock zu durchstoßen und in Geschwaderstärke zum Fahrradwagen vorzudringen? Erinnern Sie sich noch, wo der Fahrradwagen ist? – Ganz hinten.

Also erzählen Sie mir nichts von Sicherheit. Natürlich haben Sie recht, wenn Sie vermuten, daß ein Bürgersinn zeigender Fahrgast, einer, der seinen Privat-PKW auf dem Behelfsparkplatz stehen läßt, um den Nahverkehrsgedanken zu stärken und mit Leben zu füllen, daß dieser Bürger den Sitzplatz im überfüllten Regionalexpreß nicht geschenkt haben, sondern ihn sich verdienen möchte. Der Bürger möchte daß ihn die Sache etwas kostet. Je widriger die Umstände, unter denen er sich den Platz hat erkämpfen müssen, desto wertvoller wird ihm dieser Platz sein, wenn er ihn endlich hat.

Wird er auch! Aber auf Kosten der Sicherheit?

Der Zaun ist übrigens unempfindlich gegen Attacken mit Seitenschneidern, wie ich neulich anläßlich einer späten Rückkehr, es war schon dunkel und der Behelfsparkplatz natürlich nicht beleuchtet, und ich hatte mir bei OBI schnell noch einen Seitenschneider gekauft, feststellen konnte mir Fachleute versichert haben. Sie sehen, die Vandalen haben ganze Arbeit geleistet, und wußten ihr Werk vor ihresgleichen zu schützen.

Ich bitte nunmehr darum, den Zaun wieder entfernen zu lassen. Im Sinne von Rehabilitation und Integration wäre es sicherlich klug, die Vandalen selbst zu den Aufräumarbeiten heranzuziehen, wie es auch klug wäre, aber das nur nebenbei, den VfL Wolfsburg zu den Reinigungsarbeiten an Gleis 2 einzuladen, wenn der Wolf in ihm wieder eingeschlafen ist.

Außerdem haben sie das nötige Gerät zur Hand.

P.S. Mir würde es vollkommen reichen, wenn nur ein Zaunsegment entfernt würde, vorzugsweise am Behelfsparkplatz, etwa in Höhe des Schildes ‚Das Betreten der Bahnanlagen ist verboten!‘.

Küß‘ die Hand.

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