Abendmahl

Dramatis personae:

Mama, Papa, Kevin, Chantal, Justin, Mandy, Opa Hannibal, Maximilian Alexander, mehrere Zoodirektoren, ein Dinnergong

Dinnergong:
Gong! Gong! Gong! Gong! Gong! Gong! – Gong! – Gong! – Gongongongongongongong!
Mama:
Chantal, laß den Gong heile! Es genügt, wenn du einmal gongst.
Chantal:
Einmal noch.
Dinnergong:
Gong! – Gongong!
Mama:
Ist der Tisch fertig? Sieh mal nach, wo Vati bleibt. Und leg den Klöppel diesmal bitte wieder dahin, wo er hingehört. Ich möchte nicht wieder wochenlang den Schwanzquast nehmen müssen, weil wir den Klöppel nicht finden können.
Kevin:
Gibt’s endlich was zu essen?
Chantal:
Kriegt Opa wieder einen tiefen Teller?
Mama:
Opa kriegt immer einen tiefen Teller, Kind. Kevin, hast du deine Pfoten gewaschen?
Kevin:
‘tür’ch!
Papa:
Mmh, wie das duftet!
Justin:
Papa, kannst du mich mal hochheben? Ich will auch mal Gong! machen.
Papa:
Aber natürlich, mein Kleiner!
Mama:
Nein Justin, Papa kann dich nicht hochheben. Du setzt dich jetzt hin, und Papa setzt sich hin, und ihr anderen setzt euch auch hin. Wo ist Mandy?
Kevin:
Die hört nichts, die hat Stöpsel im Ohr.
Papa:
Nach dem Essen. Was, Justin? Nach dem Essen hebt Papa dich hoch und dann kannst du Gong! machen.
Mama:
Nach dem Essen wird nicht gegongt! Mandy, nimm die Stöpsel aus den Ohren und komm an den Tisch!
Mandy:
Häh? – was soll ich?
Mama:
Hinsetzen sollst du dich. Wir wollen essen.
Mandy:
Aber Opa ist doch noch gar nicht da.
Chantal:
Hör, auf du Blödmann!
Mama:
Opa kommt sofort. Kevin, hör auf, deine Schwester am Schwanz zu ziehen!
Kevin:
Dann soll die dumme Ziege ihn nicht überall rumliegen lassen!
Mandy:
Aber solange kann ich doch die Stöpsel noch drin lassen.
Chantal:
Ich bin keine dumme Ziege!
Papa:
Mandy, du wirst tun, was deine Mutter dir sagt! Setz dich hin und nimm die Kopfhöhrer raus.
Kevin:
Du bist ja eine dumme Ziege!
Papa:
Kevin, laß deine Schwester in Ruhe! Und du, Chantal, nimm deinen Schwanz zwischen die Beine, wie sich das gehört. Du brauchst ihn nicht auf Kevins Stuhl zu legen.
Chantal:
Hab ich doch nicht mit Absicht gemacht. Hab ich doch gar nicht gemerkt, daß der da lag.
Mama:
Mandy, Pfoten auf den Tisch. Hier wird nicht unter dem Tisch gewhatsapped.
Papa:
Gib mir mal das Telefon. – Na los! – Wirds bald?
Mandy:
O menno! – Ich hab ja schon aufgehört.
Kevin:
Was gibt’s denn eigentlich?
Papa:
Was Gutes jedenfalls. So gut hat es lange nicht gerochen, mein Engel. Ich wollte sagen, es riecht so gut wie es immer riecht, wenn du kochst, Mama. – Wo ist Vater denn eigentlich?
Mama:
Wo wird dein Vater schon sein! – Er ist da, wo dein Vater immer ist, wenn wir zu Abend essen wollen.
Justin:
Ich habe meine Pfoten gewaschen, Papa, kuck mal, ganz sauber. Hast du deine Pfoten auch gewaschen?
Papa:
Äh, gewiß. – Ich denke schon. – Ich wasche mir die Pfoten immer, wenn es zu Tisch geht. – Daher nehme ich an, daß ich meine Pfoten auch heute gewaschen …
Mama:
Justin, sei nicht so vorlaut. Natürlich hat dein Papa seine Pfoten gewaschen. Jeder wäscht seine Pfoten vor dem Essen. Nur ganz ungezogene kleine Löwen waschen ihre Pfoten nicht.
Justin:
Warum?
Chantal:
Aus Hygiene. Und wenn man vom Klo kommt, dann muß man sie auch waschen.
Justin:
Warum?
Kevin:
Frag nicht so blöd, Kleiner.
Opa Hannibal:
Mahltfeit tfuwammen.
Alle:
Mahlzeit, Opa Hannibal.
Justin:
Opa wäscht nie seine Pfoten, wenn er vom Klo kommt.
Mama:
Sei still, Justin! Was dein Opa tut, hast du nicht zu kommentieren.
Mandy:
Und Kevin stellt immer bloß das Wasser an und betrachtet solange seine Mähne im Spiegel.
Kevin:
Alte Petze! Das stimmt doch gar nicht!
Mama:
Still, Kinder, wir wollen beten.
Opa Hannibal:
Komm Herr Jewuf, wei du unwer Gaft, und wegne, waf du unf befweret haft.
Alle:
Amen.
Mandy:
Und dann kuckt er ganz selbstverliebt und probiert, wie es aussieht, wenn er den Rachen aufreißt wie der MGM-Löwe.
Kevin:
Dunmme Pute! – du bist doch bloß neidisch, weil du am Hals so kahl bist.
Mandy:
Pah! – Maximilian Alexander hat viel mehr Mähne als du.
Kevin:
Ohh! – Maximilian Alexander! Der Salonlöwe, mit der Föhnmähne. Und den polierten Krallen.
Papa:
Dieser Kerl!
Mandy:
Selber Salonlöwe!
Mama:
Mandy, du weißt, daß dein Vater dir verboten hat, den Namen bei Tisch zu erwähnen!
Kevin:
Das ist kein Name, das ist ein Befund.
Mandy:
Aber er ist kein Salonlöwe!
Justin:
Was ist das, ein Salonlöwe?
Kevin:
Wer ist kein Salonlöwe?
Opa:
Lecker!
Chantal:
Das ist was ganz was Feines.
Opa:
Waf ift daf? Daf fwmeckt gut!
Justin:
Opa, bist du ein Salonlöwe?
Papa:
Das schmeckt wirklich gut, Mama!
Mama:
Das ist Zoodirektor, dänisch.
Justin:
Papa, bist du ein Salonlöwe?
Chantal:
Schon wieder dänisch? – Ich mag kein dänisch.
Papa:
Chantal, sei nicht frech!
Mama:
Justin, halt deinen Mund und iß’ deinen Zoodirektor.
Chantal:
Aber ich mag es nun mal nicht.
Kevin:
In Amerika waschen sie die Zoodirektoren vor der Zubereitung jetzt mit Chlor.
Papa:
Dann wirst du die Güte haben, dein Essen zu essen, obwohl es dir nicht schmeckt. Und wirst dich jedes weiteren Kommentars enthalten!
Mandy:
Bei Maxim… bei meinem Freund gibt es heute Zoodirektor italienisch.
Kevin:
Wegen der Hygiene.
Chantal:
Der hat’s gut!
Justin:
Was ist ein Zoodirektor?
Opa:
Wir hatten früher auch einmal Hyäne, ich weif ef noch.
Mama:
Aber Vati!
Kevin:
Wer? Wer hat’s gut?
Papa:
Nein, Mama, die Kinder müssen lernen, daß man am Essen nicht herummäkelt. Und wenn es Chantal schwerfällt, das einzusehen, dann wird sie auf ihr Zimmer gehen und dort darüber nachdenken.
Chantal:
Au ja!
Opa:
Alf Gertrud noch lebte. Wie fwmeckte nicht. – Aber daf hier ift lecker! – Ift da noch waf?
Papa:
Und zwar ohne Handy.
Justin:
Hat Opa auch Zoodirektor?
Chantal:
O menno!
Mama:
Chantal, setz dich wieder hin!
Mandy:
Zoodirektor püriert hat Opa.
Chantal:
Zoodirektor dänisch püriert.
Justin:
Warum kriegt Opa pürierten Zoodirektor?
Mandy:
Weil er keine Zähne mehr hat. Er kann keine Knochen mehr abknabbern.
Chantal:
Opa kriegt alles püriert.
Kevin:
So wie Maximilian Alexander.
Papa:
Kevin – raus!
Mandy:
Du bist so ein Doofmann, du Doofmann!
Kevin:
Warum?
Papa:
Du weiß genau, warum – raus!
Justin:
Kann ich auch was von dem pürierten Zoodirektor haben?
Mama:
Dein Vater hat verboten, den Namen bei Tisch zu erwähnen, das weißt du genau. – Justin, du hast deinen Teller noch nicht leer gegessen. Iß deinen Teller leer; wenn danach noch was von Opas Zoodirektor übrig ist, kannst du ihn fragen, ob er dir was abgibt.
Kevin:
Aber das hat er doch bloß Mandy verboten!
Papa:
Und jetzt verbietet er’s dir – raus!
Kevin:
Ich hab aber noch Hunger!
Mama:
Du kannst deinen Teller mitnehmen.
Chantal:
Meinen auch.
Papa:
Chantals Teller bleibt hier stehen!
Mama:
Du kannst dir noch ein Bein von der Platte nehmen.
Mandy:
Wieso kriegt der jetzt noch ein Bein, der Doofmann?
Justin:
Mama, ich kann nicht mehr.
Opa:
Früher, wenn da daf Effen mal nicht gereicht hat, dann wagten wir: Dann muf eben die Hauffrau auf den Tifw.
Mama:
Keine Sorge, Vater, es ist genug für alle da. Es waren drei Zoodirektoren für sieben Löwen, darunter eine halbe Portion von Welpe, ein verzogener Fratz, der nicht essen will, und ein zahnl… – ein Senior. Das sollte ja wohl reichen.
Mandy:
Ein Welpe, ein verzogenes Gör, ein zahnloser Mümmelgreis und mein Bruder Kevin, der anderthalb Zoodirektoren alleine ißt und noch ein Bein hinterhergeworfen bekommt – das reicht nicht unbedingt. Das wird zumindest knapp.
Justin:
Mama, ich bin müde. Darf ich spielen gehen?
Papa:
Was war das gerade, Mandy? Kann ich das noch einmal hören?
Chantal:
Was denn jetzt? Bist du müde oder willst du spielen?
Mama:
Wir bleiben am Tisch sitzen, Justin, bis alle mit dem Essen fertig sind und Opa das Gebet gesprochen hat.
Mandy:
Wieso?
Papa:
Das, was du gerade als letztes gesagt hat. Den ganzen Satz. Den möchte ich gerne noch einmal hören.
Mandy:
Ich habe bloß aufgezählt, wer alles von den Zoodirektoren satt werden muß.
Justin:
Aber Kevin ist ja auch schon gegangen.
Papa:
Und das wirst du bitte noch einmal tun, damit ich dir genau dabei zuhören kann.
Chantal:
Kevin ist nicht gegangen, den hat Papa rausgeschmissen.
Mama:
Vater, wenn du soweit bist, können wir die Tafel glaube ich …
Papa:
Moment noch! Mandy möchte uns noch etwas sagen.
Chantal:
Wenn du auch von Papa rausgeworfen werden willst, muß du nur das Zauberwort sagen. Kennst du das Zauberwort? Warte, ich sag es dir ins Ohr.
Mama:
Nun laß doch gut sein, Vati …
Papa:
Scht! Mandy? – Bitte!
Justin:
Ist das das Zauberwort?
Mandy:
Ja, also, daß von den drei Zoodirektoren sieben Löwen satt werden müssen, …
Papa:
Und bitte so laut, daß es auch dein Großvater versteht.
Justin:
Papa! – Ignatius Alexander, Papa!
Mandy:
… und daß sich unter diesen Löwen nicht nur ein Welpe, eine verzogene Göre, ein Patriarch mit Seniorenmagen, sondern auch mein Herr Bruder befinden, der alles, was die drei übriglassen, locker auffuttert, und mehr als das.
Chantal:
Nicht Ignatius, Maximilian!
Opa:
Waf? Waf hat wie gewagt?
Mama:
“Nicht Ignatius, Maximilian!”
Opa:
Nicht die, die andere.
Mandy:
Patriarch.
Justin:
Mag sie Milian? – Maksimilian? – Maximilian! Maximilian Alexander. – Papa: Maximilian Alexander!
Opa:
Waf? Waf ift damit?
Papa:
Patriarch mit Seniorenmagen. – Damit will sie sagen, daß du nicht mehr der Jüngste bist, Vater.
Mama:
Justin, hör auf, hier rumzukrähen. Und du, Chantal, hör auf, deinen Bruder aufzustacheln.
Opa:
Papperlapapp! – Mein Magen ift tadellof. Da geht immer noch allerhand rein. Mein Gebiff ift nicht mehr daf jüngfte. Ich bin ein tfahnlower Mümmelgreif. Allef muff ich püriert kriegen.
Papa:
Ja, Vater, das wissen wir ja …
Opa:
Aber mein Magen ift gut. Und wie kocht gut, wie! – Wer ift daf, deine Frau? – Und wer bift du?
Mama:
Nun wollen wir beten.
Opa:
Komm, Herr Jewuf …
Papa:
Ähm, Vater, …
Opa:
Waf willft du, du Rotflöffel? Waf unterbrichft du mich?
Papa:
Wir sind ja schon fertig mit Essen!
Opa:
Dann wag daf doch! Woher woll ich daf denn wiffen? – Danket dem Herrn, denn er ift freundlich, und weine Güte währet ewiglich!
Papa:
Amen.
Mama:
Amen.
Mandy:
Amen.
Chantal:
Amen.
Justin:
Maximilian Alexander!
Dinnergong:
Gong!

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