Kulturwandel

Nach dem Einstieg des Wüstenemirates Katar als neuer Großinquisitor Großinvestor der Deutschen Bank müssen sich die Angestellten der Bank auf einen Kulturwandel gefaßt machen, der sich gewaschen hat. – Gewaschen? Gewaschen Mit Wüstensand gescheuert. Kein Gehalt, keine Perspektive, katastrophale Wohn- und Arbeitsbedingungen und indiskutable hygienische Verhältnisse für die Angestellten sollen das Geldhaus fit machen für den internationalen Wettbewerb. Wenn einem die Eiswaffel Eiswinde des Investitionsbankings unter die Dschellaba faßten, beziehungsweise der Gluthauch der Globalisierung die Ghutra grille, dann, so Scheich Kultur bin Wandel, der neue Miteigentümer, dann sei es an der Zeit, sich auf die Gegebenheiten dieser Zeit einzustellen und seine Besitzstandswahrermentalität einer Generalrevision zu unterziehen, und überzogenes Anspruchsdenken dem Anspruchsdenken derer unterzuordnen, die Anspruch darauf hätten. Jedenfalls, wenn man ein Lohnsklave sei, und die anderen die Eigentümer sind. Der Kapitalismus, immer darauf aus, die größtmögliche Menge an Glück für die größtmögliche Menge von Menschen zu produzieren, dieser Kapitalismus müsse lernen, daß er sich nicht länger alles herausnehmen könne. Die Zeiten seien vorbei, in denen die Arbeit sich dorthin verkrümelt habe, wo sie für die größtmögliche Menge des Nichtstuns den größtmöglichen Lohn habe herauskitzeln können – genug!

Als erstes wurde das sogenannte Sponsorenprinzip in den Kulturbeutel gepackt, welches den Arbeitnehmer darauf verpflichtet, das Einverständnis des Arbeitgebers einzuholen, wenn er denselben etwa wechseln oder gar das Land verlassen möchte. In Zukunft wird er gefälligst fragen, ob die Deutsche Bank das denn auch möchte. Und wenn die das nicht möchte, dann wird es auch nicht geschehen, Punkt. Weswegen den Angestellten zuallererst mal der Paß entzogen wird. Dann kriegen sie einen Wisch auf Arabisch hingehalten, den sie unterschreiben müssen, und auf dem, so sagt man ihnen, stehe, was sie alles dürfen (nichts), und was sie dafür bekommen (auch nichts). Für weibliche Angestellte gelten ab sofort Ausgangssperre, Siebentagewoche, unbezahlte Überstunden in nicht genannter Zahl, und was das andere angeht – nicht wahr! – also: man wird ihnen nicht glauben. Zumal man, wenn sie sich beschweren, auch gegen sie ermitteln wird, und zwar wegen außerehelicher Beziehungen. Jawohl! Geld, Geld gibt es immer dann, wenn welches da ist und nicht anderweitig gebraucht wird. Wenn keines da ist, kann auch keines ausbezahlt werden, das ist Logik. Wenn welches da ist und trotzdem nicht ausbezahlt wird, dann wird der Angestellte sich wohl mit seiner Unterschrift auf besagtem Wisch damit einverstanden erklärt haben. Tscha!

In Katar habe diese Kultur insgesamt sehr segensreich gewirkt. Überall im Land stünden Fußballstadien herum. Nicht, daß in einem kleinen Land soviele Fußballstadien gebraucht würden. Eines und dazu eine handvoll Bolzplätze würden völlig ausreichen, die anderen würde kein Mensch vermissen, wenn sie nicht da wären. Aber auf der anderen Seite: die Deutsche Bank würde ja auch kein Mensch vermissen, wenn sie nicht da wäre.

Allgemein begrüßt wird der Kulturwandel bei der Deutschen Bank von unsereinem. Unsereiner ist der Meinung, daß es, was selten genug passiert, mal die Richtigen erwischt hat. Unsereiner bildet sich hin und wieder ganz gerne ein, daß es so etwas wie Gerechtigkeit geben können mögen dürfen sollte – bitte, bitte! -, und sei’s auch nur aus Daffke, weil das Schicksal sich einen Jux machen will. Unsereiner liebäugelt, ja flirtet mit dem Gedanken, aus eigenen Mitteln eine Gruppe Rentner, die noch in Zeiten großgeworden ist, in denen “jeder, der arbeiten wollte, auch Arbeit kriegte” (™), “harte Arbeit ihren gerechten Lohn erhielt” (™), “Leistung sich lohnte” (™), “jedermann seines Glückes Schmied” (™) und Realwirtschaft (Schmied, Steinmetz, Fischhändler, Troubadour) noch ein Geschäftsmodell war, von dem man existieren konnte – unsereiner träumt davon, solch einen Rentnerchor zu verpflichten, mit Windjacken und Sandalen, des Morgens in den Fluren der Deutschen Bank die im Zweierjoch herbeigeführten Broker und Banker mit dem von Herzen kommenden Gruß: “Na, wißt ihr jetzt, was Arbeit ist?” (™) in den Tag zu schicken. Niemand kann das so glaubwürdig formulieren, wie gerade diese Generation.

Ein bißchen ungerecht wäre das. Was Arbeit ist, wußten die meisten von ihnen auch vorher schon, denn gearbeitet hatten sie ja, tüchtig und feste. Jedenfalls viel. Mehr vielleicht, als gut für sie war. Ganz sicher mehr, als gut für unsereinen war. Was sie nicht wußten, das ist, wie es tut, wenn der eigene Arbeitgeber ein Lump ist man für die harte Arbeit mit einem Hungerlohn abgespeist wird. Wenn man sich noch nicht mal den Koks unterm Fingernagel leisten kann, den man braucht, um sich wenigstens für ein paar Stunden am Tag für den Scheich von Emir zu halten.

Jetzt wissen sie es. – Aber ach! Morgen früh, wenn unsereiner aufwacht, wird es doch wieder sein wie zuvor.

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