Offener Brief

an Frank Walter Steinmeier, die Montagsdemonstranten und die Geldbotin von der Federal Reserve
c/o youtube, Berlin/Alexanderplatz, Toter Briefkasten

Hallo Herr Steinmeier,

was haben Sie vor? Wollen Sie mir etwa sympathisch werden? Nach all den Jahren? Montagsdemonstranten niederbrüllen?

Soll mir recht sein. – Daß Sie da eine lange Strecke Wegs vor sich haben, wird Ihnen klar sein. Aber wenn Sie bereit sind, immer dann, wenn und immer da, wo diese garstigen Gestalten ihre Pappen in die Luft halten, zur Stelle zu sein und sie niederzubrüllen, dann werden Sie zumindest auf gutem Wege sein. Ein niedergebrüllter Montagsdemonstrant ist ein guter Montagsdemonstrant. Nur ein niedergebrüllter Monstagsdemonstrant ist ein guter Montagsdemonstrant. Jedenfalls diese Sorte Montagsdemonstrant; die will niedergebrüllt sein.

Ich versichere Sie meines grundsätzlichen Wohlwollens und sage zu, Ihren Antrag mit dem Ziel eines positiven Bescheides – gleichwohl unbestechlich – prüfen zu wollen.

Die Kostprobe war schon recht artig.

Hallo Montagsdemonstranten,

wollt Ihr verhindern, daß Frank Walter Steinmeier mir sympathisch wird? – Nun, das liegt ganz bei Euch. Wenn Ihr Euch dazu verstehen wollt, zurück unter Euren Stein zu kriechen und Euch die nächsten tausend Jahre nicht mehr zu mucksen – und mit tausend Jahren meine ich nicht das notorische deutsche Dutzend, sondern echte tausend Jahre, gerechnet ab heute -, Ihr ihm also jede Chance nehmt, Euch an- und nieder- und gegen die Wand zu brüllen, dann sehe ich keinen Grund, an meiner Einstellung zu ihm etwas zu justieren. Wenn Ihr aber drauf besteht, weiterhin montags die Mottenkiste zu öffnen und Euer madiges Mahngeschrei anzustimmen und Eure modrigen Mantras herunterzumurren und ganz allgemein den Macken-Paul zu geben, dann, fürche ich, liegt es nur an ihm selbst.

Also hopp! Zurück! – Ich habe mich daran gewöhnt, ihn nicht leiden zu können. Ich lege keinen Wert darauf, meine Ansichten etwa zu überdenken, meine Einstellungen zu ändern oder meine Affekte infrage zu stellen.

Was Ihr sicherlich ganz besonders gut nachvollziehen könnt.

Hallo Janet,

der “Uhlenbaum” (Du weißt schon!) ist nicht mehr. Wir müssen einen neuen Übergabepunkt vereinbaren. Hohl war er ja schon immer – Kunststück, hätten wir ihn sonst ausgesucht? -, aber jetzt hat das Auehochwasser bei dem Dauerregen neulich die Wurzeln soweit ausgewaschen, daß er des Morgens mit der Nase im Wasser lag. Den Kassiber habe ich gerettet. Ich habe ihn für’s erste im Brückenpfeiler versteckt, jener Brücke, weißt Du, deren Planken im Winter schon weggefault waren. Du mußt von Westen(!) her kommend über den rechten(!) Träger balancieren (ein liegender Doppel-T-Träger, möchte wissen, wer sich das ausgedacht hat, aber es läuft sich darauf ganz komfortabel), bis zum Mittelpfeiler. Da ist in der dritten Reihe von oben ein Stein locker. Den hebelst Du vorsichtig raus (Taschenmesser; paß auf, daß er dir nicht ins Wasser fällt; ist mir auch passiert; zieh am besten Gummistiefel an), und dahinter liegt der Kassiber.

Als Codewort schlage ich “Atlantikbrücke” vor.

Und nun mach mal ein bißchen hinne; am dreißigsten Mai ist Weltuntergang, und am Tag darauf will ich in den Urlaub fahren. Ich brauch das Geld.

Germanistenfuzzi

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