Dada

Hallo zusammen! Ich bin’s. Long time no hear, was? Ça roule?

Haben Sie Germanistenfuzzi gesehen, mit Außenrotationskeil und integriertem Trainingsball? Irgendwo muß er sein. Ich habe ihm etwas mitgebracht, voilà:

Kriegt er nachher von mir. Er hat sich nämlich ungehalten gezeigt, über dumme Bemerkungen mit geringer Variationsbreite. Darum das T-Shirt. Und im Gegenzug schreibe ich ab sofort, was ich will.

Es ist nämlich so: Das letzte Mal, daß ich Ihnen schreiben wollte, da war’s in meiner Kolumne, und ich hatte den Text, ehe er germanistenfuzzischem Zensurstreben und oberlehrerhafter Besserwisserei zum Opfer fiel, so angefangen:

Apropos Prost: ich bin dieser Kolumne sowas von – ich will nicht überdrüssig sagen, aber – es ist auch nicht so, daß sie mich anwiderte, es ist nur so, daß das Sujet so, so – wie soll ich das ausdrücken, ohne daß Sie mir wieder unterstellen, ich wollte mich geringschätzig über ihn äußern. Das will ich, sicher, aber ich will nicht, daß ich es so platt tue, daß Sie es merken. Am liebsten wäre mir eine sachliche, neutrale Beschreibung, die von Unverschämtheiten nur so tröffe. – Er ist so ennuyant. Und das verleidet mir die Schreiberei auf Dauer. Sie müssen sich das so vorstellen, als platzten Sie nur so aus den Windeln vor Lust, einmal eine – sagen wir mal – Bildbetrachtung zu schreiben, oder eine Filmkritik, oder eine intelligente Satire, warum nicht? Aber alles, was man Ihnen zugesteht, ist, daß Sie beschreiben, was Ihr Hamster macht. Der macht immer dasselbe, ist ja klar, Hamster halt. Meist macht er Pipi in die Sägespäne, oder diese kleinen Würstchen. Ein Tweet würde reichen: #Hamster: Hat Pipi gemacht. Oder: #Fleischhauer: Mittlerer Köttel.

Alles wäre gesagt. Aber kann das einen ambitionierten Autor befriedigen?

Aber sie lassen micht nicht. Jeder auf diesem Blog kann schreiben, worüber er möchte, bloß ich bin auf Gedeih und Verderb an diesen Nager gekettet. Alle paar Wochen heißt es: @Fürchtegott: Käfig saubermachen! Es stinkt!

Es stimmt, es stinkt. Aber hat man selbst keine Nase? Has one not eyes to help one see? Has one not lungs to help one breathe? Has one not hands, organs, senses? And affections? Just like anyone else? Bloß weil man ein gottverdammter nom de plume ist? Sind wir das denn nicht alle?

Und über einem Streit mit Germanistenfuzzi, der meinte, es müsse ennuyeux heißen, nicht ennuyant, bin ich dann in den Streik getreten.

Das hat nun ein Ende. Ich lasse mich in kein Kolumnenkorsett mehr schnüren. Wenn ihm das nicht paßt, kann er ja sich ja überlegen, was er dagegen machen will, mit einer Hand. So eine Rotatorenmanschette ist ein empfindliches Ding. Ich an seiner Stelle würde nicht riskieren wollen, daß mir einer den Arm auf den Rücken dreht.

Und als Sujet meines ersten Nicht-Fleischhauertextes wähle ich mir den Terror der Islamischen Staatsbanditen, bzw. diejenige, die im wesentlichen schuld daran ist, indem sie ihn nicht verhindert oder wenigstens einsieht, daß sie schuld daran ist: die Grande Dame des Gesinnungspazifismus, Margot Käßmann. Bitte sehr:

Die Gesinnungspazifistin Käßmann (“Nichts ist gut in Afghanistan”) hat der deutschen Verantwortungspresse, die nur darauf lauert, daß Käßmann etwas Falsches sagt – also etwas sagt -, einen großen Gefallen getan hat, indem sie nämlich etwas gesagt hat. Schon einmal ist es ihr gelungen, der Presse, die bis dahin in verantwortungsloser Weise über alle möglichen Nichtigkeiten (Tote, Afghanen, tote Afghanen etc. pp.) in Afghanistan berichtet hatte, als gäbe es daran etwas zu kritteln, zur einer gemeinsamen und in der Folge unisono geäußerten Erkenntnis zu verhelfen, nämlich, daß doch in Afghanistan vielmehr alles ganz “supertoll” (C. Wulff) sei. Zumindest tendenziell. Oder virtuell. Also: kraft seiner Möglichkeit wirklich. Es könnte in Afghanistan alles ganz supertoll sein, wenn es denn so wäre. Aber es darf nicht ständig von Friedensbratzen dran rumgemäkelt werden.

Nun hat sie wieder etwas gesagt, und zwar im 3D-Spiegel, der mir – nudge, nudge – online nicht zugänglich ist. Ich kann also nicht nachprüfen, was sie gesagt hat, aber dem Presseecho nach ist es falsch gewesen. Es maulten und mäkelten daran herum: Wolfgang Huber, Malte Lehmig, Gideon Böss, eine gewisse Huffington Post, was immer das ist, ein Militärbischof aus Speyer, Peter Hahne, irgendein Pastor, Joschka Fischer, Thorsten Jungholt, Gabriel, Kauder, Jörg Thadeusz, Julia Klöckner, Papst Franziskus, freiewelt.net, Achse von Gutt, junge freiheit, Christ und Welt, Frau und Kind, Kind und Hund und die Junge Union Brandenburg. Alles in allem nicht soviel Krakeel wie damals bei Afghanistan, und eigentlich auch nicht genug für die sichere Annahme, daß sie etwas Richtiges gesagt haben muß. Was ist mit den anderen? Wissen die nicht, was sie gesagt hat? Scheuen die alle die 4 Euro 40 für den gedruckten Spiegel? Ja, sind denn alle so geizig wie ich? Warum machen sie es denn dann aber nicht so wie ich, und schreiben über etwas, das sie nicht gelesen haben? Ist das denn wohl so schwer?

Einen Meckerpriem habe ich hier noch, den habe ich mir aufbewahrt, nämlich den Spiegel ihmselber, die Onlineversion diesmal. An die kommt man – komme sogar ich, wink, wink – für lau, weil dort einer schreibt, für dessen Texte man nicht gut Geld nehmen kann, und dieser eine ist niemand anderes als mein alter Sparringspartner aus Kolumnentagen, Jan Fleischhauer.

Das irritiert. Mich zumindest. Wenn Fleischhauer etwas dagegen schreibt, ist die Wahrscheinlichkeit, daß stimmt, was Käßmann sagt, wirklich sehr groß. Und es ist einem das nicht angenehm, mir zumindest nicht. Man hat seinen Stolz, ich zumindest. Man hat es lieber, wenn man beiden widersprechen kann. Als fleißiger Leser Arno Schmidts weiß man nämlich, daß die Erde groß genug ist, “daß wir alle darauf Unrecht haben können!”

Alle außer mir, zumindest, um Schmidt gleich mal dahingehend zu korrigieren; der Mann hat ja schließlich auch ein Recht auf Unrecht. Aber vor die Korrektur haben die Götter die Recherche gesetzt – ich will daher nunmehr recherchieren und aggregieren und konsolidieren, und wenn ich genug recherchiert und aggregiert und konsolidiert habe, werde ich verkünden, was Sache ist. Wohlan: Achtung! Fertig! – Fertig.

Folgendes ist Sache:

Die Islamisten im Irak köpfen und steinigen – trotzdem empfiehlt Margot Käßmann den Deutschen einen bedingungslosen Pazifismus.

Das tut sie doch, nicht wahr? Oder tut sie das nicht? – Nein, das tut sie nicht. Sie wird nicht einmal danach gefragt. Sie wird gelöchert, wie es denn die evangelische Kirche mit der Religion, Quatsch, Religion, Unfug! mit der militärischen Intervention halte, aber sie antwortet nur für sich: sie sei Pazifistin, aber keine radikale Pazifistin. Das nächste Mal, daß der Begriff “pazifismus” in der nämlichen Spiegelausgabe auftaucht, ganauer: das nächste Mal, daß der Partikel “paz” im nämlichen Spiegel auftaucht, ist in einer Buchbesprechung des Briefwechsels zwischen Stefan Berg und Günter de Bruyn und hat mit Käßmann überhaupt nichts zu tun. Das Wörtchen “bedingungslos” taucht im ganzen Spiegel nicht ein einziges Mal auf.

Woher ich das weiß? – Öh, das kann ich mir denken. Ist es denn nicht so? Doch. – Soviel zur Wahrheitsliebe des Kolumnisten, dem ich ja schon einmal in visionärer Vorausschau unterstellt habe, er lüge nicht erst, wenn er den Mund aufmache, sondern bereits beim Zuhören. Ich werde darauf zurückkommen. Dies hier ist erst einmal ein Beispiel für seine Art, schreibbegleitend zu lügen. Da er nicht falsch Zeugnis reden soll, wird er eines Tages dafür Rechenschaft ablegen müssen, und es sei ihm durchaus zugestanden, daß er mit Blick auf diesen Tag schon heute Schiß in der Buxe hat. Das Thema scheint ihn umzutreiben; ich werde auch darauf noch zu sprechen kommen. Für das ‘trotzdem’ in dem Satz “trotzdem empfiehlt Margot Käßmann etc.” wird er, wenn es nach mir geht, zwei Jahre und drei Monate Fegefeuer extra bekommen.

So viel Unempfindlichkeit für moralische Dilemmata ist verblüffend. Sogar der Kirche ist das Verständnis für das Teuflische abhanden gekommen.

Auf die Waagschale des Guten kommt der korrekte Plural Dilemmata – den zu setzen ist bei SPON-Autoren eine freiwillige Leistung und berechtigt den Leser zu gar nichts -, sowie die Charakterisierung der Situation des Außenstehenden gegenüber den gotteslästerlichen Mordbübereien der IS als ein Dilemma; auch das ist korrekt. Auf die Waagschale des Bösen hingegen kommt, daß er nicht zu wissen scheint, was ein Dilemma ist: eine Situation, aus der es keinen Ausweg gibt, in der, was immer man tut, falsch sein wird. Fleischhauer scheint unter einem Dilemma etwas zu verstehen, aus dem es ganz selbstverständlich einen Ausweg gibt, nämlich den seinen; alle anderen dagegen führen direkt in die Hölle Internet, wo wir folgendes zu sehen bekommen:

Wir können dem Bösen bei seinem Werk zusehen. Wir müssen uns nur die Mühe machen, im Netz nach den Bildern zu suchen, mit denen die Soldaten des “Islamischen Staats” die Ernsthaftigkeit ihrer Überzeugung beglaubigen. Man sieht die abgeschlagenen Köpfe, mit denen sie die Plätze der Städte dekorieren, die sie auf ihrem Weg ins siebte Jahrhundert erobert haben. Man sieht die Frau, die ihre Steinigung erwartet, die Gefangenen, die um ihr Leben flehen, bevor sie auf Lastwagen verladen werden, um sie in der Wüste zu exekutieren, die Kreuzigung von Männern, die der Apostasie angeklagt wurden.

So viel Unempfindlichkeit für korrekten Satzbau ist verblüffend. Es muß entweder heißen “bevor man sie auf Lastwagen verlädt, um sie in der Wüste zu exekutieren,” oder “bevor sie auf Lastwagen verladen werden, auf denen man sie in die Wüste schaffen wird, um sie dort zu exekutieren”. Nicht nur der Kirche scheint das Verständnis für überflüssigen Klimbim abhanden gekommen zu sein – Hölle, Tod, Teufel u. dgl. -, sondern auch den deutschen Konservativen. Z.B. die Beherrschung von deutsches Sprak, auf die sie mal so stolz waren.

Wer hätte gedacht, dass sich in einer Weltgegend, die in den vergangenen Jahrzehnten eine Barbarei unfassbaren Ausmaßes erlebt hat, die Grausamkeit noch steigern lässt. Wo die Jünger des Kalifats einfallen, um ihr Reich zu errichten, ist jeder ein Feind, der ein Leben in der Moderne dem Mittelalter vorzieht: die Christen, die Juden, die Kurden, aber auch alle Muslime, die nach Meinung der neuen Herren nicht fromm genug sind.

Ich finde, da tut er den neuen Herren unrecht. Ich zweifle nicht, daß sie auch jeden anderen umbringen werden, der sich ihnen in den Weg stellt, sich nicht unterwirft, ihnen lästig wird, ihnen vor die Füße spuckt, sie einen Auswurf nennt und zur Hölle wünscht, oder einfach nur zur Hand ist, wenn sie jemanden brauchen, dem man zu Machtdemonstrationszwecken den Kopf abschneidet. Ich glaube nicht, daß sie vorher fragen, ob der Betreffende lieber in der Moderne oder im siebenten Jahrhundert leben möchte. Das glaube ich nicht. Wer ein Terrorregime etablieren und stabilisieren will, tut gut daran, ein bißchen zügig zu arbeiten, und nicht erst Fragebögen zu verteilen.

Man sollte die Bilder aus dem Irak im Kopf haben, wenn man die Empfehlungen liest, die Margot Käßmann, die ehemalige Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, zum Umgang mit Gewalt und Terror gibt.

Tut sie das denn? Hat sie das denn getan? – Nein, das hat sie nicht getan. Sie ist nicht einmal nach dem Umgang mit Gewalt und Terror gefragt worden. Man hat sie gelöchert, was denn gegen Waffenexporte in Natostaaten spreche, nachdem man selber konzediert hat, daß Waffenexporte nach Katar oder Saudi-Arabien vielleicht nicht unbedingt und nicht unter allen Umständen und schon gar nicht, wenn man gewisse dunkle Erfahrungen mit Waffen in unrechten Händen mit in die Rechnung nimmt, eine gute Idee sein müssen. Wenn man das Interview nach ‘Gewalt’ durchsucht, findet man zweimal ‘Waffengewalt’, zwei ‘Vergewaltigungen’, viermal ‘Gewaltfreiheit’, fünfmal, wenn man das Motto “Keine Gewalt” mitzählt, und einmal Gewalt, die es in jeder Form abzulehnen gelte. Das nächste Mal, das im nämlichen Spiegel von Gewalt die Rede ist, ist die stumpfe Gewalt, der die Frau Mollath ausgesetzt gewesen sein soll.

Von Terror ist nur einmal die Rede, wenn nämlich Frau Käßmann sagt, der Krieg der Alliierten habe die Befreiung vom Naziterror bewirkt, was er ja auch hat. Was aber nicht unbedingt gutzuheißen ist, denn eine Folge der Befreiung vom Naziterror ist ja u.a. die Existenz des Spiegels, und nicht nur des Spiegels, sondern auch des Klugscheißerpärchens, das versucht, Frau Käßmann im Interview alberne Äußerungen in den Mund zu legen, wie etwa: “Sie meinen, man hätte Adolf Hitler nur gut zureden müssen, dann wäre er schon friedlich geblieben und hätte keinen Krieg angezettelt.” (René Pfister und Christiane Hoffmann, nicht etwa Käßmann, nota bene)

Woher ich das weiß? – Das ist doch üblich, beim Spiegel.

Auf drei Seiten hat Käßmann im SPIEGEL-Interview ausgeführt,

Gelogen. Auf zwei Seiten. Die dritte Seite ist ein Foto mit ohne Text.

warum es keinen “gerechten Krieg” geben könne und der Einsatz von Waffen immer falsch sei.

Gelogen. Sie ist nicht einmal danach gefragt worden, ob es einen gerechten Krieg geben könne. Man hat sie gelöchert, ob der Krieg der Alliierten gegen Deutschland ein gerechter Krieg gewesen sei. Was würde ein Mann, was würde eine Frau auf eine solche Klugscheißerfrage antworten, wenn sie ihre sieben Zwetschgen einigermaßen beieinander hätte? Oder er? – Dem Krieg eine gute Intention und ein gutes Ergebnis bescheinigen, und ein paar Worte des Bedauerns für die unvermeidlichen Kollateralschäden finden. Und was tut Käßmann? – Eben dies. Und was ist daran verkehrt, außer daß man ihr einen Reifen hingehalten hat, und sie ist nicht gehüpft? – Nichts.

Dabei hat sie sich den Hinweis auf die übelste Nebenwirkung, die britische Verlegerlizenz für Rudolf Augstein, sogar noch verkniffen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sie sich zu dem Thema äußert, aber es ist das erste Mal, dass sie so weit geht, Deutschland zu empfehlen, sich Costa Rica als Vorbild zu nehmen.

Wo steht das? Im Spiegel Nr. 33 vom 11. August 2014? Und wo da? Seite 24 oben rechts? Neben der Spiegelreklame für das Studentenabo mit der amazon.de Geschenkkarte? Sekunde, ich werde das prüfen. Prüfen lassen. – Das steht da nicht. Was? Was da nicht steht? – da steht nicht: “ich empfehle Deutschland, sich Costa Rica als Vorbild zu nehmen.” da steht noch nicht einmal: “ich fände es gut, wenn Deutschland sich Costa Rica als Vorbild nehmen würde.” Und das wäre nicht dasselbe. Wenn ich hier hinschreiben würde: “ich empfehle Jan Fleischhauer, sich vom Teufel holen zu lassen”, dann ist das nicht dasselbe, als wenn ich schreiben würde: “ich fände es gut, wenn Jan Fleischhauer vom Teufel geholt würde.” Konditional. Letzterer Satz wäre immerhin nicht unvernünftig, ersterer schon. Der Teufel holt einen schließlich nicht auf Bestellung. Fleischhauer hat nur sehr indirekten Einfluß darauf, ob der Teufel ihn holen wird. Er tut dafür allerdings, was er kann.

Ein Drittes wäre es, wenn ich schreiben würde: “ich fände es gut, wenn der Teufel Fleischhauer holen könnte!” Irrealis. Denn das besagt: ich weiß, daß es nicht geht. Der Teufel kann Fleischhauer nicht holen, sei’s, weil es gar keinen Teufel gibt, sei’s, daß ihm unsere irdischen Händel Pfeifendeckel sind, und er prizipiell keinen holt, sei’s, daß er volle Auftragsbücher hat und zur Zeit keine Aufträge annimmt, sei’s, daß er anders priorisiert als ich. Man soll sich nicht täuschen: Fleischhauer ist, was das Vomteufelgeholtwerdenmüssen angeht, keine besonders große Hausnummer, eher Gazelle als Elefantenkuh, um es mit einem Bild aus dem Kamasutra zu verdeutlichen. Der Teufel wird darauf Rücksicht nehmen. – Aber schön wäre es halt doch!

So, was steht denn da aber nun, im Spiegel, auf Seite 24 oben rechts? – Da steht: “ich fände es gut, wenn die Bundesrepublik auf eine Armee verzichten könnte wie etwa Costa Rica.” Hervorhebung von mir: könnte. Irrealis. Nicht würde, nicht sollte, nicht müßte. Und es geht weiter: “Natürlich weiß ich, dass das eine Utopie ist.” – Aber schön wäre es halt doch, siehe oben.

So, und was macht die gleisnerische, lügnerische, übelwollende Boshaftigkeit eines Fleischhauer daraus:

Es ist das erste Mal, dass sie so weit geht, Deutschland zu empfehlen, sich Costa Rica als Vorbild zu nehmen. Costa Rica hat nicht nur viel Urwald, sondern auch keine Armee – aus deutscher Sicht zwei Gründe, dort so etwas wie das gelobte Land zu sehen.

Sehen Sie: das ist es, woran ich dachte, als ich sagte, Fleischhauer lüge bereits beim Lesen. Und nicht nur er, was das angeht. Im Prinzip könnte man wahllos irgendwelche Zeitungsfritzen mit ihm zusammen in einen Kartoffelsack stecken, und sie an Nikolaus dem Krampus mitgeben. Es wird schon keinen Unrechten treffen. Und wenn doch einmal, mag der sich damit trösten, daß er ein unvermeidlicher Kollateralschaden ist, für den wir sicher ein paar bedauernde Worte übrig haben werden. Hauptsache, die anderen sind wir los.

Bemerkenswert ist nicht die Unbedingtheit des Pazifismus, wie ihn Käßmann verkörpert, oder die fröhliche Unempfindlichkeit für die moralischen Dilemmata des Gewaltverzichts.

Ok, wir wissen es nun, daß er den Plural kennt. Das soll nicht unanerkannt bleiben in einer Zeit, in der die Leute mehrheitlich Antibiotika für den Singular von Antibiotikas halten. Aber es ist ein Unterschied zwischen einer Bredouille, in die man sich bringt, und einem Dilemmum, in dem man steckt. Aus ersterer kann man sich wieder rauswurschteln, aus letzterem nicht, es wäre denn keins. Es ist nämlich nicht so, daß man sich erst durch Gewaltverzicht in diverse Dilemmae brächte, sondern man steckt in einem Dillemmatum, wenn sowohl der Verzicht auf Gewalt wie deren Anwendung ein Fehler sind. >Satz fürs Lebm<: >Tu was Du willst, es wird Dich gereuen.< schrieb Arno Schmidt, Hackländer zitierend, der sich allerdings noch an ein Publikum wenden konnte, das mit dem Begriff 'Reue' etwas anzufangen wußte. Die fröhliche Unempfindlichkeit für die Natur eines Dilemmas, wie sie von Fleischhauer verkörpert wird, wäre ihm wahrscheinlich unverständlich geblieben.

Mag sein, daß es irgendwo unbedingten Pazifismus gibt, und daß derselbe von irgendwem verkörpert wird. Zwar bestreitet Käßmann im Interview, daß ihr Pazifismus ein unbedingter sei, und benennt explizit die Bedingungen, unter denen sie von ihm lassen würde: UNO-Mandat, Schonung der Zivilbevölkerung und ähnlich weltfremder Schmus, aber das muß Fleischhauer ja nicht wissen. Dazu müßte er das Interview ja gelesen haben. Und verstanden. Warum sollte er? - Warum aber Frau Käßmann den Pazifismus nicht 'vertreten' kann oder 'befürworten' kann, sondern ihn gleich inkorporieren muß, bleibt entweder das Geheimnis Fleischhauers oder aber wird von mir jetzt und hier der Welt preisgegeben: Fleischhauer hat es seit längerem mit dem Teufel. Bitte, bitte: ich sage das doch nur zu seiner Entlastung! Die andere Erklärung wäre nämlich die, daß er sich selbst bei einer intellektuellen Auseinandersetzung mit der Theologin, gerade bei der intellektuellen Auseinandersetzung mit der Theologin, innerlich nicht von der Vorstellung ihres Körpers und der Idee des Eindringens in denselben lösen kann. Darum läßt sein UBW stellvertretend für - stellvertretend für wen werde ich nicht sagen, aber stellvertretend - den Pazifismus (fängt auch mit 'P' an) in ihn eindringen. Habe ich nun Arno Schmidt gelesen oder nicht? Wir sind nicht Herr unserer Worte, sind wir nicht, wenn wir reden, und Fleischhauer schon gar nicht.

Aber ich will nicht darauf bestehen. Vielmehr bin ich der Überzeugung, daß Fleischhauer schon seit einiger Zeit überall den Teufel sieht, und die Existenz von Teufeln ist ja, im Gegensatz zu Schmidts umstrittener Etymtheorie, allgemein anerkannt. Ich nehme daher an, er hält Käßmann für vom Teufel besessen, und mag es bloß nicht so plan sagen. Aber lesen Sie mal:

Das eigentlich Erstaunliche ist, dass nicht einmal eine deutschlandweit bekannte Theologin noch eine Vorstellung vom Bösen zu haben scheint. Bei einer Vertreterin der Kirche sollte man eigentlich ein Verständnis für die Natur des Teuflischen erwarten können – das Denken in metaphysischen Kategorien war zwei Jahrtausende lang das Privileg dieser Institution.

Daß der Teufel schlau ist und sich tarnt, das weiß man auch. Hier schlägt er ganz offensichtlich die Befallene mit Blindheit.

Aber das Einzige, was davon übrig geblieben ist, ist die Verteufelung von allem, was schießt.

Was denn? Das ist alles? Mehr nicht? – Und was ist mit der Verteufelung des Kapitalismus? Der Unternehmer, die Gewinn machen? Der Leistungsbereitschaft? Der Leistungsträger? Des Mittelstands? Dem Ruf nach Steuersenkungen? Rainer Brüderle? – Werden die nicht mehr verteufelt? Seit wann? – Was ist denn das für eine verdammte Schlamperei! Daß die FDP auf der politischen Bühne keine Rolle mehr spielt, kann uns doch nicht, darf uns doch nicht davon abhalten, sie zu verteufeln! – Muß ich erst in den Schoß der Kirche zurückkehren um ihr ein bißchen Feuer unterm Kessel zu machen, hol’s der Teufel? Ist das etwa schon der Mühe zuviel? Das ist doch keine Mühe nicht, das ist doch eine Lust! Beim Behemoth, ein Mann wie Dirk Niebel, der verteufelt sich doch quasi von selbst. Das ist doch ein Bilderbuchdämon!

Watkins, are you a pacifist? – No, Sir, I’m not a pacifist, Sir, I’m a coward.

Monty Python

Man soll sich nicht täuschen: Käßmann steht mit ihrem Costa-Rica-Pazifismus in der Mitte der Gesellschaft; ihre Sehnsucht nach einem Land ohne Armee ist kein Protest, sondern Mainstream. 69 Jahre fortgesetzter Frieden können nicht nur satt und glücklich machen, sie können einen auch furchtbar provinziell werden lassen. Was unverständlich und fremd erscheint, wird ignoriert oder, wenn das nicht mehr geht, so lange hin und her gedreht, bis es wieder ins Erklärungsmuster passt.

Was ist das hier, ist das Dada? Das ist doch Dada, oder?

Meatpuncher, are you a Dadaist? – No Sir, I’m not a Dadaist, Sir, I’m a dumbass.”

Was soll das mit der Provinzialität? Was ist verkehrt an Provinzialität? Geht das mal wieder gegen uns Hannoveraner? – Und was soll das mit dem Frieden? Während des 100jährigen Kriegs wären wir demnach alle Kosmopoliten gewesen und hätten vor Weltläufigkeit kaum – äh – laufen können? Heh? Nichts gegen Hamburg, liebe Hamburger – obwohl es schon ziemlich im Wege liegt, wenn man mal an die Ostsee will; das müßt Ihr zugeben. Es müßte weiter nördlich liegen, irgendwo bei Sylt da oben -, nichts gegen Hamburg, wie gesagt, aber man sieht, daß auch das Nichtstun – das Nichtgründlichgenugtun auch – seine Kollateralschäden produziert. In Fall Hamburgs hat die unvollkommene Auslöschung der Stadt dafür gesorgt, daß sich in 69 Jahren fortgesetzten Friedens – weiß jemand, was das sein soll, fortgesetzter Frieden? Tatsächlich? Behalt’ er’s für sich! – daß sich in 69 Friedensjahren Presse dort festsetzen und ungehindert fortwuchern konnte. Man wird es einem Hannoveraner nachsehen, wenn er dafür ein paar Worte des Bedauerns findet. – Hoffentlich machen die Amerikaner ihren Job in Mossul etwas gewissenhafter.

Vielleicht war in den vergangenen Wochen deshalb so viel von Israel die Rede und so wenig von dem Irrsinn im Irak. Den Konflikt um Gaza glauben wir zu verstehen, sein Maß an Gewalt ist uns verständlich. Wenn die Hamas ihre Raketen nach Israel schickt, bilden wir uns ein, den Grund zu kennen.

Vielleicht. Vielleicht heißt: vielleicht auch nicht. Vielleicht war auch deswegen soviel von Israel die Rede, weil in Deutschland immer viel von Israel die Rede ist, ganz egal, wer wo auf der Welt gerade mal wieder was anstellt. Auch dann, wenn das dort zutage tretende Maß an Gewalt jeden Verstand überfordert. Versteht jemand die Bestialität der Entführung, Vergewaltigung, Ermordung und Verstümmelung von Frauen in Zentralamerika? – Ich verstehe sie nicht. Aber ich verstehe, daß die Gewalt in Mexiko keinen zionistischen Hintergrund hat und deswegen die deutsche Presse und ihr Publikum nicht zu interessieren braucht. Wir können uns ja nicht um alles kümmern.

Aber was soll man zu Männern sagen, die einer Frau die Hände auf dem Rücken binden, und dann so lange Steine auf sie werfen, bis sie nur noch ein blutiger Haufen ist?

Was man sagen soll? Als wer? Als Christ? Als Jude? Als Moslem? Oder als Mensch? – Als Christ würde ich sagen: die Männer, die dort Steine auf die Frau werfen, müssen alle ohne Sünde sein, dann geht das aus christlicher Sicht in Ordnung. Oder vielleicht reicht es auch, wenn der, der den ersten Stein wirft, also der Vorwerfer, wenn der ohne Sünde ist. Nachdem der geworfen hat, dürfen auch die anderen. Kann sein, ich bin kein Theologe. Ich bin auch kein Muslim und kein Jude. Was die zu dem Phänomen sagen, kann ich nur vermuten. Ich schätze, auch sie werden archaische, dreieinhalbtausend Jahre alte, mißverständliche, widersprüchliche, der Interpretation bedürftige Schriften haben, auf die sie sich mit gleichen Recht berufen können, wie ich auf meine. Wer nach Handlungsanleitungen für sein Leben sucht, weil er sich nicht selbst um die Erkenntnis von Gut und Böse bemühen will, sondern lieber alles durchgespeichelt und vorgekaut kriegt, wird dort bestens bedient. Er wird dort auch Anleitung zur Steinigung finden. Und wer drauf besteht, heilige Schriften und geoffenbarte Wahrheiten für unveräußerliche Menschenrechte zu halten, und das gar nicht mal zu unrecht, der wird wohl den ein oder anderen Kollateralschaden in Kauf nehmen müssen.

Als Mensch hingegen würde ich sagen, daß ihnen die Fresse mit schweren Eisenhämmern eingeschlagen gehört. Problem: dazu muß man sie erst mal kriegen. Sie werden das nicht wollen. So ein Zahndamm ist ein empfindliches Ding. Auch die fiesesten Gewalttäter werden den eigenen nicht schweren Eisenhämmern aussetzen wollen. Sie werden sich zu wehren suchen, und eh man sich’s versieht, hat es sich was mit dem Kriegen und es geht ans Gekriegtwerden. Aber man soll sich nicht täuschen: es geht in dem Spiegel-Interview überhaupt nicht um Steinigungen und was man mit den Barbaren anstellen könnte, sollte oder müßte. Der ganze Irrsinn im Irak wird mit keinem Wort erwähnt, anders als Hutu und Tutsi und ähnliche antike Angelegenheiten aus dem vorigen Jahrhundert. Als Ursache könnte man vermuten, daß das Interview bereits eine gute Weile vor der Veröffentlichung geführt worden ist, denn sonst hätten die beiden Klugscheißer es sich wohl kaum nehmen lassen, Käßmann dieselben – und mehr noch die Kreuzigungen – unter die Nase zu reiben. Es geht lediglich darum, Käßmann nachträglich damit in Zusammenhang zu bringen. – Was soll man nun zu einem Mann sagen, der einer Frau, nur um sie in schiefes Licht zu bringen, die Arme auf den Rücken dreht, sie auf die Bühne zerrt, ihr alle Übel dieser Welt vor die Füße kippt, und ihr Verbrechen vor den Latz knallt, die sie nicht begangen, nicht zu verantworten, nicht gerechtfertigt und nicht gutgeheißen hat, nur um sich vor seinem unreifen Publikum zu spreizen?

Guten Tag Herr Fleischhauer, sagen wir zu einem solchen Mann.

Hinter der deutschen Friedensliebe stand immer die Vorstellung, dass jeder Mensch auf den rechten Weg zurückgebracht werden könne, man müsse ihm nur gut zureden.

Hinter der deutschen Friedensliebe stand nichts dergleichen. Hinter der deutschen Friedensliebe stand, als sie das Licht der Welt erblickte, noch klein und zart war und kaum auf ihren stackeligen Beinchen stehen konnte, die ferne Erinnerung an gemütlichere Plätze als den Luftschutzkeller und sättigendere Speise als Lebensmittelkarten. Man mag die deutsche Friedensliebe gerne als Kollateralschaden des alliierten Bombenkrieges – ja, was? Bedauern oder begrüßen? – Bedauern, wenn man Fleischhauer ist, begrüßen, wenn man Nochbeigroschen ist. Wenn man die Friedensliebe der Deutschen gerne vermieden hätte, hätte man sie bloß den Krieg gewinnen lassen müssen.

Aber der Gewalttäter im eigentlichen Sinn will nicht verhandeln, um sich eine bessere Position zu verschaffen. Er ist allein an der Machtfülle interessiert, die ihm der Triumph über andere ermöglicht. Die Gewalt ist das Medium, durch das er zu sich selbst spricht, an ihren destruktiven Energien lädt er sich auf, und die Demütigung und Vernichtung ihrer Opfer ist das Mittel zu diesem Zweck. Das macht ihn so unbegreiflich für alle, die ihren Lebensunterhalt mit dem empathischen Zugang zum Mitmenschen verdienen. Für den Dialog, den sie ihm anbieten, hat er nur ein Achselzucken übrig. Im besten Fall ist das Angebot Zeitverschwendung, im schlechten stachelt es ihn auf.

Schluß damit, ich kann das dumme Zeug nicht mehr mit anhören. “Gewalttäter im eigentlichen Sinn” – glaubt man’s denn?

Ich will lieber noch einmal auf den Teufel zu sprechen kommen, ein Mann, der als Mann sehr viel interessanter ist als Fleischhauer, auch wenn es ihn gar nicht geben sollte, die Leibhaftigkeit Fleischhauers hingegen verbürgt ist. Bei meiner Recherche – Sie erinnern sich? Ich war kurz mal weg, um zu recherchieren, und als ich nach käßmann spiegel interview recherchierte, traf ich auf dieses Verhör, vom 22.7.2013, ein Jahr her. Anscheinend muß Frau Käßmann sich einmal im Jahr vom Spiegel vernehmen lassen. In die Zange genommen wurde sie seinerzeit von René Pfister, der auch das diesjährige Interview verbrach, und dem Rezensenten des diesjährigen Interviews, Jan Fleischhauer. Eine rechte Inzucht ist mir das, in dem Laden!

Und welche Frage stellen sie der Inkulpatin als erste?

Die rechte und die linke Hand des Teufels: Frau Käßmann, glauben Sie eigentlich noch an Himmel und Hölle?

Spinnen die?

Käßmann: Ja, manche wollen offenbar den strafenden Donnergott zurück. Und dazu eine Kirche, die verdammt und ihnen erklärt, wie sie zu leben haben.

DrudlHdT: Was ist daran so schlecht?

Die spinnen!

DrudlHdT: Die Idee der ewigen Verdammnis hat auch etwas Tröstliches. Es gibt einige Figuren der Weltgeschichte, von denen man gern wüsste, dass sie Höllenqualen leiden.

Das stimmt. Die spinnen zwar, aber da ist ihnen unbedingt recht zu geben. Die Idee einer ewigen Verdammnis, der man selbst nicht anheim fällt, wohl aber die anderen, die hat etwas sehr Tröstliches. Sie ist auch sehr modern. Pures 21. Jahrhundert. Daran können alle großen sozialen Bewegungen der Gegenwart anknüpfen. Sie wird auch den Islamischen Staatsbanditen einleuchten. Ich glaube sogar, es handelt sich dabei um eine Universalie. Vielleicht um die einzige Universalie, mal abgesehen von dem Glaubensgrundsatz: Deine Frauen sollst du hauen eh’ sie dir den Tag versauen. Der scheint noch ein bißchen universeller zu sein.

Was mir bei all dem fehlt, ist der Teufel. Es wird hier so getan, als sei es der liebe Gott, der straft und donnert und verdammt. Der Betreiber der Hölle, der Stakeholder des Bösen, wird hier nicht erwähnt. Vielleicht, weil man 2013 noch fürchten mußte, sich lächerlich zu machen. Aber am Schürzenzipfel der Islamischen Staatsterroristen kann man es ja mal probieren, einen Schritt weiterzugehen: ‘Vorstellung vom Bösen’, ‘die Natur des Teuflischen’ – da wird das Böse doch immerhin schon mal objektiviert, auch wenn der Böse – aufgrund welcher Vertragsklausel auch immer – nicht beim Namen genannt wird.

Ich erinnere mich, es während meines Zivildienstes mit einer jungen Frau zu tun gehabt zu haben, Margot war ihr Name, die ein überzähliges Exemplar des Chromosoms 21 hatte – wie man naiverweise damals glaubte -, und darum eine Tagespflegeeinrichtung besuchte. Die Anomalität bewirkte bei ihr ein besonders emotionales Sozialverhalten, das sich darin äußerte, daß männliche Zivildienstleistende gut daran taten, nicht allein mit ihr in einem Fahrstuhl zu fahren. Denn sie versuchte, diese – nicht die Fahrstühle – unter Liebkosungen in eine Ecke zu manövrieren, und der Zustand ihrer durch sie selbst derangierten Oberbekleidung beim Öffnen der Türen gab zu allerlei Mißdeutungen Anlaß. Das ließ sich vermeiden, nicht vermeiden ließ sich das gemeinsame Mittagessen, bei dem es zu ähnlichen Manifestationen gesteigerten Sozialverhaltens kam. Wies man sie zurecht – oder, wie sie es wohl verstand, zurück -, konnte das schlimme Folgen für die Nächstsitzenden haben, denen sie dann gerne die geballte Faust ins Gesicht schlug, ohne Rücksicht auf etwa vorhandene Brillen, zum Mund geführte Tassen oder im Mund steckende Gabeln. Da unter den Nächstsitzenden stark sehbehinderte Mitmenschen waren, die sich den Verlust eines Auges so ohne weiteres nicht hätten leisten können, sowie Leute mit empfindlichen Zahndämmen, Gebißträger zumal, mußte man das verhindern. Wie unter deutschen Pazifisten üblich, versuchten wir, sie durch gutes Zureden auf den rechten Weg zurückzubringen, mal mit Erfolg, mal ohne, denn wie der Gewalttäter im eigentlichen Sinn nicht verhandeln will, so auch die Gewalttäterin. Sie wollte etwas anderes und kriegte es nicht. Das machte sie so unbegreiflich für uns, die wir noch an Wissenschaft, Aufklärung und selbstverschuldete Unmündigkeit glaubten.

Wenn wir damals schon gewußt hätten, das sie vom Teufel besessen war, hätten wir sie in der Mittagspause verbrannt, und gut wär’s gewesen.

Ein Kommentar zu “Dada

  1. Ex-Vermieter sagte am 28. August 2014 um 19:43:

    Bis heute wusste ich nicht, das feinstes sezieren auch zerfetzen sein kann.
    Teiefe Verbeugung und vielen Dank!


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