Unrechtsstaat

Um nicht immer nur als Partei wahrgenommen zu werden, die verlangt, daß die Leute etwas bleiben lassen (Verbotspartei), wollen die Grünen in Thüringen zur Abwechslung mal als Partei auftreten, die verlangt, daß die Leute etwas tun (Gebotspartei). Darum verlangt sie, daß die Partei Die Linke ihr hundert mal schreibt: “Die DDR war ein Unrechtsstaat.” Wenn sie das nicht macht, wollen die Grünen rückfällig werden und der Linken verbieten, in Thüringen zu regieren.

Die Idee gefällt mir gut, die Idee gefällt mir sehr gut, und ich möchte sie aufgreifen. Ich verbiete hiermit der CDU, in Thüringen zu regieren, sie schriebe mir denn hundert mal: “Es war ein Fehler, Globke zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt zu machen.” Und die SPD soll schreiben: “Man hätte im Prinzip auch gegen die Kriegsanleihen stimmen können, damals, vor hundert Jahren. Nicht jeder, der gegen die Kriegsanleihen war, war deswegen schon ein vaterlandsloser Geselle. Betone: deswegen. Es waren schon auch vaterlandslose Gesellen dabei. Und dem Verdacht wollten wir uns nicht aussetzen. Das war von heute aus gesehen nicht unbedingt richtig. Aber wir haben dann ja gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt, das zeigt doch, daß wir die besten Absichten hatten. Es waren halt andere Zeiten damals! Das muß man doch bitte berücksichtigen! Man kann doch nicht immer nur auf der SPD herumhacken!”

Auch hundert mal, bitte. Ja, das ist mehr, als die CDU schreiben muß, aber die CDU hat auch mehr Stimmen bekommen. Die SPD soll froh sein, wenn sie überhaupt mitregieren darf, also vorwärts! Das thüringische Volk schreibt mir hundert Mal: “Wir sind uns dessen bewußt und heißen es durchaus nicht gut, daß es im Bauernkrieg zu sehr unschönen Szenen gekommen ist, auch hier bei uns in Thüringen. Und da ist Tübkes Panorama noch gar nicht mal mitgerechnet.” Ansonsten werde ich ihm verbieten, sich regieren zu lassen. Die Kirche soll schreiben: “Man hätte auch höflicher über die Juden schreiben können, als der Wartburgasylant es getan hat. Gewiß, das hätte man. – Ja. – Hat man aber nicht. – Belassen wir es dabei.” Bitte fünfhundert mal, sonst untersage ich das Reformationsjubiläum.

Die Grünen in Thüringen – die Grünen schreiben mir bitte einen Besinnungsaufsatz, nicht unter 1200 Wörter und nicht mehr als 1250, das Papier in der Mitte geknickt und nur die eine Hälfte beschrieben, ich brauche einen breiten Korrekturrand. Thema: “Ob, wenn der Schnabel denn schon aufgerissen sein muß, er derart weit aufgerissen sein muß, und ob ausgerechnet wir es sind, die ihn derart weit aufreißen müssen. Unter sorgfältiger Prüfung der Frage, ob das Elend auf der Welt nicht auch ohne das schon groß genug sei.”

Warum der Aufsatz? – Na, wer will denn etwas, was von den Grünen kommt, hundert Mal lesen? Einmal ist nicht nur genug, einmal ist oft schon einmal zuviel.

Ein Kommentar zu “Unrechtsstaat

  1. Ex-Vermieter sagte am 1. Oktober 2014 um 14:07:

    Wunderbar! Die Idee mit dem Besinnungsaufsatz gefällt mir noch besser als x mal schreiben.
    Der sollte auch Pflicht werden für alle, die sich wählen lassen wollen. Besonders für Grüne. Und SPD-ler. Und alle anderen. Warum ich für die kandidiere, obwohl sie seit [...] schamlos die Wähler belügen.


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