Absurd schlicht

Thorsten Schäfer-Gümbel, ein Mann, den man einfach gern haben muß, allein wegen seines Namens, denn das Gesicht hat man zwei Minuten später vergessen – die FAZ druckt schon gar keine Bilder mehr von ihm ab, weil es sinnlos ist, und nimmt statt dessen ein Bild von irgendeiner Landebahn, wegen der prägnanteren Züge – jener Thorsten Schäfer-Gümbel hat den Vorschlag des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Dingenskirchen – ein Mann, dessen Namen ich immer erst nachschlagen muß, dessen Profil aber umso markanter ist, hat er doch kein Haar mehr auf dem Haupt, und nicht einmal ein h im Vornamen, Torsten heißt er aber auch – als Alberich wird er neuerdings veralbert – Albert – Albig, so heißt er – dieses Albigs Vorschlag hat Schäfer-Gümbel “schlicht absurd” genannt.

Und, hat er recht? Ist er dem Zwergenkönig nicht nur in zweier-, sondern locker in dreierlei Hinsicht überlegen?

Da sollte ich wohl zunächst einmal Oberons Vorschlag referieren, sollte ich wohl. Wohlan: Die SPD soll an der nächsten Deutschlandtour (Jedermannrennen) ohne Kapitän teilnehmen, als reines Team von Wasserträgern. Begründung: das könne die SPD sehr gut. Das sei sozusagen das einzige, was sie könne: die CDU in ihrem Windschatten fahren lassen. Und Merkel werde das Gelbe Trikot ohnehin nicht hergeben.

Da könnte man der Meinung sein, wo der Schwarzalbe recht habe, habe er recht, und Schäfer-Gümbel sei empfohlen, den Blick nach Hessen zu richten, wo ein paar Wasserträger von der SPD bei der Rundfahrt um den Henniger Turm 2008 der Kapitänin eine Jungfernbundesfahnenstange quer durchs Hinterrad geschoben hatten, mit der gar nicht mal von der Hand zu weisenden Begründung: das könne die SPD sogar noch besser. Seitdem kommt die SPD in Hessen ohne Kapitän aus und ganz gut klar. Wie überallanders übrigens auch; hie und da soll sie sogar mitregieren, man wüßte aber keinen ihrer Kapitäne beim Namen zu nennen, außer Kraft in NRW und Scholz in Hamburg, und das auch nur, weil der Kapitän der Bayern, Franz Beckenbauer, mal in einem youtube-Filmchen den Spruch “Kraft in den Teller – Scholz auf den Tisch” geprägt hat. In einer Reklame für Fleischklößchensuppe. Was ja keine schlechte Metapher für die SPD gewesen ist, seinerzeit. In Schleswig-Holstein soll die SPD noch einen Klops haben, aber den Namen vergesse ich immer wieder. Irgendwas Wagnerisches, Herzeloide oder Siegfried oder so.

Und natürlich Sigmar, den Oberklops. Der soll, nach dem Willen aller, die ihr Geld damit verdienen, darüber zu berichten, das Team SPD in den Concours führen, in den Parcours vielmehr, sorry. Bzw. pardon, bitte vielmals um Entschuldigung. Und das, nach dem Willen derer, die hintertreiben werden, daß es dazu kommt, der SPD mithin, im Gelben Trikot. Das paßt schon einmal gar nicht, insofern nämlich als es nicht paßt. Ein Leibchen paßt entweder Merkel oder Klops Sigmar, aber nicht beiden, zusammen nicht und auch nicht heute der und morgen dem.

Das erkannt zu haben ist das Verdienst jenes Mannes aus der Edda, von dem hier schon mehrfach die Rede war, und dessen Namen ich mir nicht merken kann. Was übrigens nichts damit zu tun hat, daß ich an der Schwelle zum Greisenalter stünde; ich hatte schon immer ein sehr schlechtes Namensgedächtnis. Was heißt schon immer – das klingt ja schon wieder nach Ewigkeit. Ich habe ein schlechtes Namensgedächtnis. Zahlen kann ich mir besser merken. Drei Komma eins vier eins fünf neun kann ich auf fünfzig Stellen hinterm Komma, hier bitte: 3,14159 265358 979323 846264 338327 950288 4 – äh – usw. Na, vielleicht waren es auch bloß 47. So genau habe ich mir das nicht gemerkt. Man wird ja auch nicht jünger.

Tebartz von Schäfer-Jüngling aber ist der Meinung, das sei kein Verdienst. Heißt es eigentlich das Verdienst oder der Verdienst? Und heißt es das schwankende Genus oder der schwankende Genuß? Schäfer-Günstling jedenfalls hält den Verzicht der SPD auf einen Kanzlerkandidaten für “schlicht absurd”: die SPD ohne Kanzlerkandidaten sei, so Schäfer-Dümmling, wie die Kieler Woche ohne Schiffe.

Das ist schlicht absurd. Oder muß es absurd schlicht heißen? Hätte er als Hesse nicht besser zu dem Bild gegriffen, eine SPD ohne Kanzlerkandidat sei wie ein Handkäs ohne Musik? Und wenn es schon nordisch sein sollte statt hessisch, wegen des Elbenkönigs, hätte sich dann für einen Binnenschiffer nicht das Bild vom Grünkohlessen angeboten? Das ist norddeutsch, hat aber nichts mit Hochseeschiffahrt zu tun, von der er anscheinend nichts versteht. Die SPD ohne Kanzlerkandidat wäre dann wie eine Schaffermahlzeit ohne Spargelkönigin, zum Beispiel. Damit wäre alles gesagt zum Thema Kanzlerkandidat: putzt zwar ungemein, ist aber für das Gelingen der Mahlzeit nicht substantiell. Denn es geht ja nicht darum, die Kieler Woche ganz ohne Schiffe auszurichten, sondern bloß darum, den Tanker Gabriel gar nicht erst in die Bucht zu schleppen. Der würde sich dort zwar auch putzig ausnehmen zwischen all den Segelschiffchen, aber er wäre nicht substantiell für den Ausgang der Regatta. Da er doch nur manövrierunfähig herumliegen würde und gegen Merkels Asbestos D. Plower, die bekanntlich nicht einmal eine Handbreit Wasser unter dem Kiel benötigt und ohne jeden Tiefgang auskommt (“könnte sogar durch ein feuchtes Weizenfeld fahren”), keine Chance hätte.

Wenn es aber partout maritim sein mußte, würde ich persönlich zu dem Bild gegriffen haben, die SPD ohne Kanzlerkandidat sei wie ein Heringsschwarm ohne Fahrrad. – Aber mal was ganz anderes: Gabriel habe, so Schäfer-Hümmling, der SPD zurückgegeben, was diese lange entbehrt habe – ein klares Profil. Sigmar Gabriel. Der SPD. Ein klares Profil. Jawoll. Schaf-Krümmling dixit. Ein bodenloser Unfug, zwar, aber man muß fairerweise berücksichtigen, wer das gesagt hat. Sur-Strömming, gewiß, ja, aber das meine ich nicht. Ich meine: wer das gesagt hat. Einem Mann, von dem die Rede geht, daß man sein Profil nach zwei Minuten vergessen habe, dem muß jeder wabernde Nebelschweif als markant profiliert erscheinen. Für den ist auch ein hin und herflitzender Heringsschwarm klar umrissen. Oder hat ein Sandsturm eine prägnante Silhouette.

Wir anderen reden vom klarem Profil einer Partei, wenn wir genau wissen, warum wir sie nicht wählen. Die Piraten zum Beispiel. Der Grund, die Piraten nicht zu wählen, liegt auf der Hand und lautet: warum sollte ich? Klare Sache, das. Bei der SPD ist das nicht so einfach. Bei ihr würde ich mich niemals zwischen den vielen Gründen, die es gibt, sie nicht zu wählen, entscheiden können. Es sind so viele, daß ich sie im entscheidenden Moment wahrscheinlich alle vergessen hätte. Doch, das könnte passieren. Ich stehe an der Schwelle zum Greisenalter bin nicht mehr der jüngste. Mein Gedächtnis ist nicht, was es einmal war. Ich kannte die Eulersche Zahl auf zig Stellen hinterm Komma auswendig. Heute weiß ich nicht einmal mehr, wozu. Da kann es mir genausogut passieren, daß ich vergesse, wen ich nicht wählen wollte. Und dann doch wieder bei der SPD lande.

Ein Kanzlerkandidat Gabriel wäre da ein gutes Gegenmittel.

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