range, f. und m. unflätiger mensch, wilder bengel, ungezogener bube.

1) mit dem fem. range bezeichnete man im östlichen Mitteldeutschland, namentlich Schlesien, aber auch in Niederdeutschland (vgl. Hoffmann niederd. Äsop s. 81) eine laufende sau (nach Weigand ‘in hinsicht auf das sich hin und her wenden des mutterschweins in seiner begattungszeit’, vgl. rangen): die trüffeln werden auch mit einer gefräsigen und junge habenden range gesucht. Frisch 2, 86a (aus den ‘schlesischen neuigkeiten’); was für lust ist wol auf dem lande? man sihet da abgetribene vihknochen, garstige rangen und zerlumpte hirten. Butschky kanzl. 437; Luther braucht das wort als kräftige schelte, eigens in verbindung mit sau: was solt ich solchen rangen und sewen schreiben? 3, 149b; lieber sage mir, wie es müglich sei, dasz die rangen (rabinen wolt ich sagen) und sewjüden, in jrer sewschulen, solche hohe wort verstehen solten?

[Bd. 14, Sp. 96]

8, 123b; aber der hohepriester, junker Caiphas, die saw und rang, ist blind. 279b; es sind bauchdiener und sewrangen. tischr. 266a; dann auch auszerhalb solcher zusammenstellung: die lesterlichen buben und gottesverechter, die groszen groben esel, tölpel, knebel, rülze, filze, rangen, klötze, plöche. werke 8, 208b; und so anderweit, zu einem seinem ursprunge nach verdunkelten schimpfworte geworden:
du hast dich lassen fangen
von teuflischen calvinischen rangen.
Soltau volksl. 440 (v. 1583);

Schottel 1382 und nach ihm Stieler 1522 gibt das wort als masc. mit der erklärung agrestis et impudens homo, ohne auf andere bedeutung von range zu rücksichtigen; nur Frisch a. a. o. ist der angegebene zusammenhang gegenwärtig: range, ein mensch der als ein schwein lebt, homo agrestis et impudens.

2) range, in milderem sinne, als unbändiger bube, schlingel, die fortsetzung jenes nicht mehr verstandenen schimpfwortes, von Mitteldeutschland auch ins niederdeutsche eingedrungen und auch als ranke (s. d.) gelegentlich auftretend: range, ein lang aufgeschossener junge oder mensch, groszer junge der stets auf den gassen herumschwärmt. brem. wb. 3, 432; range, hoch aufgeschossener junger mensch, groszer und meist auch böser bube Schambach 167b; das weibliche geschlecht des wortes ist mundartlich geblieben, in Düringen und Obersachsen eine range von einem jungen; deine range hat mir ein fenster eingeschmissen sagte ein mann zum vater eines wilden buben; ich wollte die range (einen zwölfjährigen reiterbuben) dem rumormeister übergeben, sie hat sich in mein zelt geschlichen und ich traf sie über meiner feldflasche. Freytag ahnen 5, 13; range auch auf mädchen gewendet: ist das eine aufführung für eine wohlgerathne tochter? .. du willst mir nicht folgen? ins zuchthaus mit solchen ungerathnen rangen, ins zuchthaus, und statt des mannes den spinnrocken in den arm! Gellert 3, 192; wie niederdeutsch, um Fallersleben range, fem., ein junges mädchen, das viel mit den jungen auf der strasze herumläuft. Fromm. 5, 289; die schriftsprache, wenn sie das wort auf buben bezog, brauchte es aber gern auch männlich: das fruchtete wenig bei dem rangen, der seine wege gieng und die ermahnungen seiner eltern in den wind schlug. Zingerle 2, 24; wenn ich so meine schmutzigen jungen in einem fort buchstabiren liesz, .. diejenigen, welche lesen gelernt hatten, die schule verlieszen, und frische rangen, die noch nichts wuszten, wieder hineinkamen. Immermann Münchh. 1, 80;
des rangen ungebundenheit
bleibt allemal ein polizeigebrechen.
Wieland 5, 187;

range, auf thiere bezogen, vgl. niederd. en grooten range, ein groszer mensch, groszes thier Schütze 3, 273, im folgenden in fällen, wo eine persönliche auffassung hervortritt:
die garstigen schmutzigen rangen (kinder der meerkatze).
Göthe 40, 203;

ja es gilt dem rangen,
dem wolf, der hier im dorfe ist.
Tieck 2, 340.

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