Der Wirtschaftsflügel der Union warnt vor Optimismus

Es sei zwar verständlich, wenn die Bundeskanzlerin in diesen Tagen Optimismus verbreite, schreibt der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung von CDU und CSU, Linnemann, in einem Gastbeitrag für das “Handelsblatt”. Aber “verständlich” sei nicht immer gut. In der Wirtschaft und insbesondere im Mittelstand zeige sich immer wieder, daß “unverständlich” sehr viel besser sei. Wenn z.B. das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge im Volke weiter verbreitet und verankert wäre, wenn jeder Eckensteher tiefe Einsicht in das Funktionieren von Wirtschaft und Kapital, von Abgreife und Ausbeutung hätte, dann wäre die Gefahr groß, daß die Wirtschaft und daß der Mittelstand an keiner Ecke mehr vorbeigehen könnten, ohne sich ein paar riesengroße Watschn einzufangen.

Und die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung von CDU und CSU, und der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung von CDU und CSU, die könnten auch an keiner Ecke mehr vorbeigehen, ohne sich ein paar riesengroße Watschn einzufangen. Das sei doch nicht gut.

Darum wolle er hier und heute im Handelsblatt sein Unverständnis über die Kanzlerin und ihren Optimismus zu Protokoll und Druck geben. Die unbequeme Wahrheit – “unbequem” sei nämlich ebenfalls besser als “bequem”, alte Wirtschaftsweisenweisheit -, die unbequeme Wahrheit nämlich laute: das sei doch Scheiße, das mit den Flüchtlingen! Hätte nicht der deutsche Mittelstand bis in alle Ewigkeit weiterhin Waffen in den nahen Osten pumpen können und sich damit brunzdumm, stockdoof und durch und durch dusselig verdienen können, ohne daß die Idioten dort diese Waffen ihrer Bestimmung zuführten? Und hätte die deutsche Wirtschaft nicht weiterhin Steuerungsanlagen, Pumpen, Kontrollventile, Gas-Detektoren, Chemiewaschanlagen und Schwefelsäure nach Syrien liefern können, ohne daß die durch in den damit gebauten Chemiefabriken hergestelltes Gas bedrängte und damit bedrohte Bevölkerung sich erst in die Hosen und dann auf den Weg nach Deutschland mache, um dort in Mittelstand und Anlagenbau gute Jobs im Exportweltmeistergeschäft abzugreifen?

Nein?

Warum denn nicht?

Unverständlich, das!

Die unbequeme Wahrheit nämlich laute, daß sich nur ein kleiner Prozentsatz der Flüchtlinge auf diese Weise in den Arbeitsmarkt werde integrieren und der Verwertbarkeit zuführen lassen. Die – Zitat – “überragende Mehrheit” werde sich sehr lange bis dauerhaft der Verwertbarkeit durch Mittelstand und Wirtschaft entziehen, durch kreative Krankmeldungen (sog. Kriegstraumata), Vernachlässigung der körperlichen Leistungsfähigkeit (Einbeinigkeit, Splitter im Rücken, eingeschränkte Sehfähigkeit), Medikamentenmißbrauch (PTSD), mangelnder Wille zu Konzentration und Selbstdisziplin (PTBS), kulturelle Defizite (Erstsprache Arabisch), Integrationsunfähigkeit (Ausländer) und soziale Hängematte.

Schreibt der CDU-Politiker. Noch nie, noch nie habe Optimismus irgendetwas zur Lösung irgendwelcher Probleme beigetragen. Noch nie. Nicht in Deutschland. Nicht wenn die Mittelstandsvereinigung der Union davon Wind gekriegt und das Schlimmste verhütet habe. Immer habe Deutschland vor den allerschwersten Problemen gestanden und in die abgrundtiefsten Abgründe geschaut und sich der schwärzesten Depression hingegeben. Jedenfalls wenn es Wind davon gekriegt habe, daß die Mittelstandsvereinigung der Union in der Nähe war. Immer sei es dann der Pessimismus gewesen, der ihm aus der dicksten Plempe wieder herausgeholfen habe.

Soweit die unbequeme Wahrheit.

Die bequeme Wahrheit lautet allerdings: die Mittelstandsvereinigung der Union ist ein kleiner Säuselwind, der überall dort, wo der Sturmwind des Normativ-Faktischen die Wohnwagen in die Luft reißt, Eichenstämme abdreht, keinen Stein auf dem anderen läßt und keinen Bretterverhau anerkennt, affirmativ mit dem Fingerchen auf die sich blähenden Vorhänge des offenen Fensters zeigt.

Fast ist ihm dann so, als sei dies sein Werk gewesen.

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