To a Haggis

Pudel, sagt Germanistenfuzzi, Pudel seien selbst bei hundefreundlichen Leuten, den vernünftigen also, nicht die beliebtesten. Der Pudel als Marke sei immer noch, und das seit langem, extrem unhip, und krebse imagemäßig irgendwo zwischen Tosca, Reformhaus, Doornkaat und Overstolz.

Aha.

Ich frage mich, was mich das angeht. Außerdem stimmt es nicht. Hundefreunde sind nicht automatisch vernünftig; man muß sich den zugehörigen Hund schon genau ansehen. Feinde von Paddy z.B. können hochinteressante Leute sein, mit denen man sich allerhand zu erzählen hätte.

Müssen aber keine hochinteressanten Leute sein, das will ich zugeben.

Und beim brand ranking geht es doch im wesentlichen darum, die Zeitungen vollzukriegen, oder? Ich meine, der praktische Nährwert der Tatsache, daß Günther Oettinger bekannter ist als ich, ist doch eher klein. Ich wüßte nicht, daß Cora oder Caro oder Kira, oder ####, Kennie oder Kaja oder die eine da, Katy, daß die schon mal gesagt hätten, ich sollte mich verbröseln, sie wollten sich Bilder von Günther Oettinger angucken, und dabei würde ich bloß stören. Und wenn ich bei einem Schönheitswettbewerb gegen Günther Oettinger antreten müßte, und Paris Hilton wäre die Schiedsrichterin, habe ich keine Zweifel, wer von uns beiden den Apfel kriegen würde.

Noch besser wäre es natürlich, wenn Paris Hilton mir als Siegprämie keinen Apfel, sondern einen mit Blut und Speck gefüllten Schweinemagen überreichen würde.

In Schottland, hat Germanistenfuzzi erzählt, gebe es ein Fest, bei dem in einem großen Saal ein mit Innereien und Grütze gefüllter Schafsmagen herumgetragen werde. Dazu werde ein Gedicht rezitiert, in dem der Schafsmagen als König der Puddinge verehrt werde, und im Laufe des Gedichtes ziehe der Rezitator dann ein Messer aus dem Strumpf und schneide den Magen auf, und es quöllen die Innereien und die Grütze hervor, und der Geruch erfülle den Raum, und das Gedicht gehe immer noch weiter, und der Rezitator laufe im Saal herum und halte allen Leuten den Magen unter die Nase und lasse sie schnuppern und ziehe ihn dann wieder weg, und ganz zum Schluß kriege jeder einen kleinen Klacks davon auf den Teller.

Ich glaube, ich würde verrückt werden.

Natürlich weiß ich, daß das unvernünftig ist. Es ist unvernünftig, mit Dauerstreß auf Ressourcenknappheit zu reagieren. Ich weiß, daß die Pudel, die es im Laufe der Evolution nicht gelernt haben, ungeeignetes Verhalten abzulegen, unfruchtbar geworden oder an Infektionskrankheiten gestorben sind, noch ehe sie von direkten Nahrungskonkurrenten getötet wurden oder verhungerten. Das weiß ich alles. Und daß man mit einer Eintrittskarte zur Midsummer Burns Night in Schottland einen Anspruch auf eine Portion Haggis erwirbt, und nicht bloß die vage Chance erhält, und daß die Nahrungskonkurrenz also nur eingebildet ist, das weiß ich auch. Aber Herrgottnochmal! Was soll man denn machen? Wenn sie den heftig duftenden Magen doch durch die Gegend tragen und ihn allen Nahrungskonkurrenten unter die Nase halten?! Da soll man doch wohl in ungeeignetes Verhalten zurückfallen.

Daß bei euch Flachschnauzern das Gefühl für die natürliche Nahrungsknappheit wohl nicht mehr so ausgeprägt ist wie bei uns Pudeln, das mag ja so sein, aber dafür könnt ihr grade mal gar nichts. Außerdem konkurriert ihr dafür umso heftiger um andere Ressourcen. Wenn man etwa Eintritt dafür nehmen würde, daß Paris Hilton herumgetragen und angedichtet und besungen würde als die Königin aller mit Grütze und Innereien gefüllten Beutel, und auf dem Höhepunkt würde man ihr Kleid zerreißen, und sie würde, schön nach Tosca duftend, allen unter die Nase gehalten und wieder weggezogen, dann würden auch etliche von euch verrückt werden.

Da könnte ich wohl Recht haben, hat Germanistenfuzzi gemeint, und hat geseufzt.

Hab ich natürlich auch. Und auch, wenn ihr nicht glauben wollt, was ich jetzt sage, daß nämlich einer dieser Hundefreunde, die man sich lieber genauer ansehen sollte, daß der Frank Zappa heißt, auch wenn ihr das nicht glaubt, dann habe ich trotzdem Recht. Denn dieser Zappa, sagt Germanistenfuzzi, habe behauptet, der Pudel sei, nach Mann und Frau, der dritte Fehler Gottes.

Der dritte Fehler Gottes? Der Pudel?! – Und was ist mit Paddy?

Was hat Paddy, was ich nicht habe, außer ungepflegten Krallen? Angeblich, so jener Zappa, laut Germanistenfuzzi, habe Gott einen Schnauzer schaffen wollen, im ersten Anlauf aber nur einen Pudel hingekriegt.

Nur einen Pudel? Und einen Schnauzer, habe ich das richtig verstanden? Als Krone der Schöpfung dann im nächsten Anlauf? – Aha. – Da ist ja klar, aus welcher Ecke das kommt. Da kann man ja schon riechen, aus welcher Ecke das kommt.

Was?

Doch das kann man riechen. Ich kann das riechen. Nach Fisch riecht das. Kommt dieser Zappa vielleicht auch aus Hamburg, wie Schwiegermama?

An diese Schöpfungstheorie glaube ich jedenfalls schon mal nicht. Sowieso bin ich Anhänger der Evolutionstheorie. Die Intelligenten Designer sagen zwar, die Wahrscheinlichkeit spreche gegen die Evolutionstheorie, denn es sei sehr unwahrscheinlich, daß durch spontane Mutationen im Laufe der vielen Jahre aus einem Wolf ein Königspudel mit englischer Schur werde, aber ich sage: wenn man das schon für unwahrscheinlich hält, wieviel unwahrscheinlicher muß es einem dann erscheinen, daß sich durch sponatane Genmutationen im Laufe der vielen Jahren aus dem Flat Faced Man über den Homo erectus ein mit schlecht geschorenem Schädelhaar auf einem nackten Klo hockender Guitarist wird? Setzen wir die Wahrscheinlichkeit eines spontanen Pudels mal mit 1 zu Abertausenden an, dann ist die Wahrscheinlichkeit eines Wesens, das in der Lage ist, an Intelligentes Design zu glauben, bestimmt höchstens 1 zu 1 paar Dutzend.

Eine lenkende Hand hinter alledem, erscheint den Intelligenten Designern wahrscheinlicher. Weil, sagen sie, die nicht reduzierbare Komplexität – z.B. eines Paddy – nicht durch Trial und Error entstanden sein kann.

Paddy, ausgerechnet. So komplex ist der ja nun nicht.

Der ist eher einfach gestrickt. Und reduzierbar ist er auch; wenn man ihm auch seine schmutzigen Krallen wegnähme, wäre er doch immer noch derselbe Flegel, der er ist. Und dafür soll die lenkende Hand Gottes verantwortlich sein? Es spricht doch alles dafür, daß es verantwortungslose, gottvergessene Mutationen waren, die dazu geführt haben, daß meine Gattin diesen peinlichen Schäferhundrüden für attraktiv und “was fürs Auge” hält.

Als ich mich einmal in einem halbverwesten Igel gewälzt habe, hat Germanistenfuzzi mir vorübergehendes Hausverbot erteilt, weil nämlich seine Nase aufgrund einer fehlgelaufenen Mutation das Igelaroma für unattraktiv hält. Ich meinerseits halte ja Germanistenfuzzis Nase – nein, nicht für unattraktiv, das will ich nicht sagen, aber – für eine Sackgasse der Evolution. Und das Auge meiner Frau halte ich auch für eine Sackgasse der Evolution, wenn sie denn Paddy für einen schönen Anblick hält. Eine lenkende Hand hinter dem allen, die würde ja wohl dafür gesorgt haben, daß Germanistenfuzzi sich mit mir zusammen im Igel wälzen würde, und daß meine Frau mit mir zusammen Paddy verhauen würde, anstatt ihm bei jeder sich bietenden Gelegenheit den #### unter die #### zu ####.

Wirklich out aber, sagt Germanistenfuzzi, seien wir Pudel nicht bei den Gutwilligen, wiewohl Fehlgeleiteten, wirklich out seien wir bei den Unvernünftigen, den ausgemachten Hundefeinden. Bei den Journalisten, bei denen, die den Tony Blair nicht oft genug als Pudel bezeichnen könnten, oder ihm ein Pudelimage nachsagen müßten.

Und er zeigte mir, was im Spiegel dazu gestanden hat, und was man, wenn man sich als Flachschnauzer für sowas interressiert, hundertfach finden kann, und ich muß sagen: jetzt mal ganz langsam. Geht es denen noch gut? Ich hätte irgendeine Ähnlichkeit mit dem da?

Habe ich vielleicht irgendwas getan oder gesagt oder geschrieben, was mich diesen abgrundtiefen Haß verdient haben läßt? Habe ich einem Journalisten ans Hosenbein gemacht? Habe ich einen gebissen und weiß es nicht mehr? Habe ich zu laut gebellt? Nach feuchtem Hund gerochen? In seine Narzissen defäkiert? Hab ich jemandem was zuleid getan, was diese Verachtung rechtfertigt, so bitt’ ich um Verzeihung, wenn nicht, dann soll die Haarbalgmilbe ihn befallen. Zwingerhusten soll ihn schütteln, der Fuchsbandwurm Herberge in ihm nehmen, Räude ihn entstellen und Hüftgelenksdysplasie soll ihm jeden Schritt zur Qual machen!

Und das gilt, wo ich einmal dabei und vorhin, als es drangewesen wäre, nicht dazu gekommen bin, auch für den Zappa. Das Gelbe Fieber soll ihn hinraffen. Nein, der gelbe Schnee. Ein gelber Hai? De geele soepterrine? Der gelbe Fluß? Yellow liver?

Irgendwas gelbes halt. Seinen ärgsten Feind würde man doch nicht mit Tony Blair vergleichen wollen! Nicht einmal Paddy.

Doch, Paddy schon.

Ich glaube, wenn Angela Merkel zwischen Paddy und Tony Blair entscheiden müßte, um dem garstigeren der beiden als Trophäe eine Blutwurst zu überreichen, dann würde sie hin- und hergerissen sein, wie Buridans Pudel zwischen zwei Schafsmägen, und würde schließlich verhungern. Das Hirn Angela Merkels ist nämlich auf eine solche Aufgabe nicht vorbereitet, aber der Fairness halber muß man sagen, daß kein Hirn der Welt auf eine solche Aufgabe vorbereitet wäre. Wäre da eines, und ihm wäre durch eine Reihe spontaner Mutationen auf die Sprünge geholfen worden, und es wäre darauf trainiert, zwischen zwei Fehlern Gottes zu entscheiden, so müßte es doch zuletzt scheitern wenn es gälte, zwischen zwei solchen Fehlern die Entscheidung zu treffen.

Nicht einmal ich kann mich entscheiden, wen ich für den gräßlicheren halte. Paddy wahrscheinlich, weil ich bei dem weiß, wie seine Fingernägel aussehen. Tony Blairs Fingernägel kenne ich nicht.
Das heißt aber auch, sie könnten noch schlimmer aussehen als Paddys.

Hoffentlich. Denn das fehlte noch, daß Paddy die Blutwurst kriegte.

Meiner Frau sag ich am besten gar nichts davon.
Am Ende hängt sie sich noch dieses Bild in den Spind.

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