Der Gastkommentar

2. Februar 2010
Bitte, um es gleich zu sagen:
Wir sind hier für Offenheit.
Franz-Josef Degenhardt

Bitte, um es gleich zu sagen: Ich schätze Franz-Josef Degenhardt. Und ich halte seinen Herrn aus Bonn, ohne falschen Bart, obwohl er eine unangenehme Type ist, für eine vergleichsweise ehrliche Haut. Verglichen jedenfalls mit den Kollegen aller Magazine von gutbürgerlich bis Gosse und von seriös bis Stern, die hier in den letzten drei Tagen das Wort “Datenhehlerei” strapazierten, und in ihren Kommentaren und Nachrichten und Kommentar-Nachricht-Emulsionen soviel “Rechtsstaat” abgesondert haben, wie sonst im Jahr nicht: die ganzen Container sind voll mit ihren Pampers. Und Catsan ist auch keines mehr da.

Habt ihr alle Marmelade im Bart, oder was? – Ts! Miezekatzen!

Und da ich ihn schätze, habe ich mir vorgesetzt, meinen Kommentar mit diesen seinen Worten beginnen zu lassen:

Bitte, um es gleich zu sagen: Ich habe kein Geld auf Schweizer Konten. Ich habe keinen Anlaß, für die 1500 Idioten, die auf der CD geoutet sein sollen, prophylaktisch Amnestie zu fordern, weil ich selbst dabei sein könnte.

Damit das klar ist.

Mein Geld ist auf den Caymans, wo es hingehört.

Man sollte doch denken, daß die Reihenfolge – ähnlich wie bei Hose und Schuhen – eingängig ist, und auch unseren Eliten einleuchtet: erst wird das Amnestiegesetz gekauft, dann die Kohle ins Ausland geschafft. Die Hoteliers sind schließlich auch nicht hergegangen und haben 12 von 19% Mehrwertsteuer einfach einbehalten und geglaubt, damit durchzukommen.

Aber nein. Was machen diese Vollkoffer? – Ich will euch was sagen: Jeder, der zu geizig ist, die deutsche Politik zu kaufen, die nun wirklich nicht teuer ist, der wird zurecht an die Steuerfahndung verkauft, jawohl.

Jaa, ich weiß. Ich weiß. Die Eliten haben es auch nicht leicht, haben sie nicht. Sie werden als Kinder den Jesuiten ins Kolleg geprügelt, und wer diese schleimige Tortur mit zusammengebissenen Zähnen überstanden hat, der läuft für den Rest seines Lebens mit dem Gefühl herum, daß diese Gesellschaft ihm noch was schulde.

Mag ja sogar sein. Aber diese Gesellschaft schuldet ihren Eliten nicht, sich ihr Gejammer anzuhören, wenn sie auf die schmutzigen Pfoten gehauen kriegen. Was glaubt ihr denn wohl, was wir auf den Caymans für Schutzgelder zahlen müssen! Habt ihr einen von uns je jammern hören? Habt ihr nicht! Und warum nicht? – Weil wir wissen, daß Sicherheit ihren Preis hat. Habt ihr geglaubt, mit den lumpigen Chefredakteurssalärskröten sei alles abgegolten, und ihr bräuchtet keinen mehr zu zahlen, der die Kanone für Euch trägt? Dann laßt Euch das noch mal durch den Kopf gehen.

Und ich will euch noch was sagen: Wer Gated Communities haben will, der zahlt dafür. Der zahlt den Beton für die Mauern, der zahlt für die Glasscherben oben auf den Mauern, und der zahlt für die Typen in den schwarzen Klamotten. Doppelt: einmal dafür, daß sie den armen Schluckern, die eurem Beton zu nahe kommen, die Zähne eintreten und sie auf den Müll werfen, und dafür, daß sie euch nicht im Schlaf die Kehle durchschneiden. Wer klug ist, zahlt ihnen auch die Sonnenbrille und den Kaugummi.

Man kann natürlich auch hoffen, diese Kosten sparen zu können, indem daß nämlich die Chefredakteure mit Appellen an das Rechtsempfinden der Typen in schwarz so en passant mit für Sicherheit sorgen. Kann man machen. Kann sogar sein, daß diese Hoffnung, die ja notorisch als letzte stirbt, euch um Jahre überlebt.

Wer aber klug ist, zahlt an der richtigen Stelle. Denn was haben sich diese Milchlinge als Strategie ausgedacht? Eine Moralpredigt von “Rechtsstaat” und von “Darf nicht!” und von “Gestohlenem Gut”. Eine Predigt, die, wenn sie von Big Mama Käßmann so an Neujahr gehalten worden wäre, bei eben diesen, denselben Backhühnern den Pips ausgelöst haben würde, und sie in langen Editorials hätte nachweisen lassen, daß Big Mama Käßmann das Realitätsgen fehle, während sie selbst schon vor lauter Realpolitikschromosomen Knoten in den Hoden haben.

Realitätssinn? Fehlanzeige!

Ihr wollt predigen, Kollegen? Ei so predigt recht! Und ihr wollt den Schaden klein halten, Eliten? Ei so tut, was ich euch heiße!

Es gibt nur eines, was zu tun ist, wenn die Milch am Boden fließt, und was die Kollegen euch hätten predigen sollen: hocherhobenen Hauptes bei der Steuerfahndung auflaufen mit den Worten “Bitte, um es gleich zu sagen: Ich habe Steuern hinterzogen”. Den Schergen fixieren und ihm ins Gesicht sagen:

Dir ins Gesicht, Scherge!

Ich habe Steuerschulden in einer Höhe, die alles, was du in deinem Leben verdienen wirst, inklusive Schwarzarbeit und Lottogroschen, weit unter sich läßt. Und was hast du?

Nun, da ich mich freiwillig gestellt habe, hast du nicht einmal mehr die Genugtuung, daß ich einfahren werde. Und deine moralische Überlegenheit kannst du knicken, denn auch du bescheißest bei den Tankquittungen. Laß es dir von Mama Käßmann sagen: “Wir” sind gierig. Nicht ich: wir. Und das heißt vor allen Dingen: du.

Geh weg und laß dich anonym bestatten, ich mag so kleine Leute wie dich nicht sehen müssen.

Sie erinnern mich an meine Chefredakteure.

Stilton Sbrinz ist Chefkommentator des Käsdorfer Metropolitan (KM).
Sbrinz schwört auf Risikostreuung. Sein Vermögen, insgesamt 4,59 €, hat er zu einem Drittel auf den Caymans versteckt und zu einem Drittel unter der Matratze.
Mit dem Rest hält er 51% der Anteile des KM.

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