Wirtschaftswunder

Vor Zeiten waren ein Merkel und ein Müntefering, die sprachen jeden Tag: »Ach, wenn wir doch ein Wirtschaftswunder hätten!«, und kriegten immer keins.

Da trug sich zu, als der Müntefering einmal im Bade saß, daß ein Frosch aus dem Wasser ans Land kroch und zu ihm sprach: »Dein Wunsch wird erfüllt werden, ehe ein Jahr vergeht, wirst du eines Wirtschaftswunders gewahr werden, und was mehr ist, werden die Wähler eines Wirtschaftswunders gewahr werden, desgleichen dem Weltkreis ein Novum sein wird, und was noch mehr ist, werden die Wähler das Wunder dir zuschreiben, und nicht der CDU oder den Umständen oder den Heinzelmännchen oder wem sonst Wähler Wirtschaftswunder zuzuschreiben gewohnt sind.«

Was der Frosch gesagt hatte, das geschah, und der Müntefering brütete ein Wirtschaftswunder aus, das war so schön, daß der Merkel vor Freude sich nicht zu lassen wußte und ein großes Fest anstellte. Er ladete nicht bloß seine Verwandte, Freunde und Bekannte, sondern auch die weisen Wirtschaftsweisen dazu ein, damit sie dem Wunder hold und gewogen wären. Es waren ihrer dreizehn in seinem Reiche, weil er aber nur zwölf goldene Teller hatte, von welchen sie essen sollten, so mußte einer von ihnen daheim bleiben. Das Fest ward mit aller Pracht gefeiert, und als es zu Ende war, beschenkten die weisen Wirtschaftsweisen das Wirtschaftswunder mit ihren Wundergaben: der eine mit Wachstum, der andere mit Nachhaltigkeit, die dritte mit Binnennachfrage, und so mit allem, was auf der Welt zu wünschen ist.

Als elfe ihre Sprüche eben getan hatten, trat plötzlich der dreizehnte herein. Er wollte sich dafür rächen, daß er nicht eingeladen war, und ohne jemand zu grüßen oder nur anzusehen, rief er mit lauter Stimme: »Das Wirtschaftswunder soll sich in seinem fünfzehnten Jahr an einem Hedgefonds stechen und tot hinfallen.« Und ohne ein Wort weiter zu sprechen, kehrte er sich um und verließ den Saal. Alle waren erschrocken, da trat der zwölfte hervor, der seinen Wunsch noch übrig hatte, und weil er den bösen Spruch nicht aufheben, sondern nur ihn mildern konnte, so sagte es: »Es soll aber kein Tod sein, sondern eine hundertjährige tiefe Globalisierungsangststarre, in welche das Wirtschaftswunder fällt.« Mehr …

Rentner glauben anders

Rentner glauben nicht etwas Anderes als Schwiegertöchter, aber sie glauben anders.

Mit dieser provokanten These lässt der Vorarlberger Befreiungstheologe Andreas Hofer aufhorchen. Er ist aber nicht der einzige, der sich in den letzten Jahren Gedanken über eine spezifisch Seniorenspiritualität gemacht haben. Rentner, so scheint es, haben andere Ausdrucksformen und Praktiken für ihre Spiritualität, als sie derzeit von den Institutionen angeboten wird. Vieles erscheint Rentnern in den Kirchen als „zu harmonisierend“, als „bigott“, „langweilig“, „kraft- und lustlos“, letztlich zu „fromm“. Rentnerglaube wirkt karg und einsilbig, will die eigene Lebensrealität darin finden, liebt den Einsatz von Kraft und Aggression und die Abwesenheit von Schwiegertöchtern, ist archaischer, ritualisierter, phallischer.

Rentnerspiritualität ist Spiritualität mit Motorsäge und Flex, ist Spiritualität mit Aufsitzrasenmäher. Vorbilder sind ihnen Heilige mit Unterhemd und Lenkerradio oder ein Jesus, der kraftvoll, fordernd, zornig ist, der Feuer auf die Erde wirft und das Kaminholz schön zum Trocknen aufstapelt, der die Enkel vom Kindergarten holt, den Zaun regelmäßig streicht und im Garten mit Waschbeton alles ein bißchen nett macht.

In Zeiten, in denen die Verteilung der Rollen unter den Geschlechtern neu ausgekegelt werden, in denen für stabil gehaltene Familienverbände zerbröseln, die zentrale Figur der Schwiegertochter und damit auch der Brückenkopf der Kirche in den Familien an Einfluß verliert, in Zeiten wie den unseren, sucht die Kirche nach neuen Ansatzpunkten, nach Einfallstoren, von denen aus sie unter Geländegewinn wieder auf das Terrain der Familie einsickern könnte, und entdeckt dabei eine lange für uninteressant gehaltene, weil schom im Sack geglaubte Kundschaft: den Rentner. Steuertechnisch von nur mäßigem Interesse, scheint er doch eine vielversprechende Multiplikatorenrolle übernehmen zu können, wenn man ihm nur den richtigen Honig in den Bart kleckert.

Das tut man.

Zentrales strategisches Instrument ist die Rentnerfrühstücksgruppe, hie und da notdürftig als ‘Männerfrühstücksrunde’ getarnt, aber die Zeit – Mittwoch morgens um halb zehn – spricht eine deutliche, erwerbstätigenfeindliche Sprache.

Die theoretische Munition kommt von Hofer, einer Art Eisenhans mit Rosenkranz. Seine Thesen:

Rentner sind auch Menschen

Kein Rentner lebt vom Job allein! Viele Rentner definieren sich fast ausschließlich über die Schwarz- oder Gartenarbeit oder manchmal sehr äußerliche Leistungen. Die traditionellen Rollenbilder funktionieren heute nicht mehr unhinterfragt. Die oft rapiden persönlichen, beruflichen und gesellschaftlichen Veränderungen sind für die Rentner eine große Herausforderung. Immer mehr spüren, daß ihre Lebensorientierungen zu kurz greifen. Die Rentnerfrühstücksgruppe kann ihnen Erlebnis- und Erfahrungsräume anbieten, wo sie sich mit ihren überkommenen Rollen auseinandersetzen und neue Formen suchen können, ihren Ruhestand lebensfördernd und sinnerfüllt zu gestalten, und wo sie für anderthalb Stunden sicher vor der Schwiegertochter sind.

Die Realität spricht für Rentnerarbeit

  • Die durchschnittliche Lebenserwartung der Rentner ist um 7 Jahre kürzer als die der Schwiegertöchter.
  • Spitäler für chronisch Kranke sind von doppelt so vielen Rentnern besetzt.
  • 2/3 der Notfallpatienten sind Rentner usw.

Die Eigenschaften, die einem Rentner heute Aufstieg und Prestige versprechen, sind insgesamt eine hochgefährliche Lebensform. Von Psychologen werden Rentner beschrieben als eine Kerze, die von zwei Seiten brennt. Schwarz- und Gartenarbeit, Familie und Schwiegertochter fordern von ihnen immer mehr Energie. Deswegen brauchen sie Orte an denen sie sich wohl fühlen, erholen, auftanken und Kraft schöpfen. Kaputte Rentner machen die Welt kaputt. Wenn Rentner beginnen, achtsamer mit sich selber umzugehen, werden sie auch achtsamer mit anderen Menschen und achtsamer mit der Natur umgehen.

Rentner müssen sich emanzipieren

Die Rentner müssen sich weniger von den Schwiegertöchtern emanzipieren, sondern von sich selbst, von übertriebenem Rentner-Sein, von falschem Ruheständlerwahn. Sie müssen sich emanzipieren von einer Form des Rentner-Seins, die unter den Rahmenbedingungen der heutigen Leistungsgesellschaft auf sie selbst und auf andere zerstörend wirkt. Der Rentner, der es besonders richtig machen will, macht es bereits falsch.
Eine Portion fröhliche Verweigerung am richtigen Ort könnte für Rentner ein Überlebensmittel sein. Rentner brauchen Inseln im Alltag, wo die sozialen und beruflichen Rollen, die alltäglichen Zwänge und der Konkurrenzkampf vor der Tür bleiben. Sie brauchen Orte, wo die Platzhirsche die Geweihe an den Zaun hängen können und zur Ruhe kommen. Wo es einmal nicht um den schönsten Garten, die größte Prostata geht.

Die Frauenbewegung zwingt sie dazu

Die Frauenbewegung hat den Schwiegertöchtern viel gebracht: Rechte, die schon lange notwendig und gesellschaftliche Anerkennung, die schon lange fällig war. Die Kritik der Schwiegertöchter, wenn auch nicht immer in allem berechtigt, ist verständlich, denn die Schwiegertöchter waren immer schon die ersten Opfer fehlgeleiteter, unreifer Rentnerherrlichkeit. Deshalb sind aber Schwiegertöchter nicht von Natur aus reifer als Rentner. Die Kritik an Rentnern darf nicht auf eine Verleumdung des Ruhestands hinaus laufen.
Es ist Zeit, daß Rentner sich zusammen mit anderen Rentnern auf sich selbst besinnen, auf ihre ureigenen Pensionärsstärken. Dazu müssen sie aufhören, sich über Schwiegertöchter zu definieren. Das ist wie der kleine Junge, der ständig zur Mutter aufblickt und fragt, ob er es recht macht. Auch der große Junge, egal ob er gegen Schwiegertöchter ankämpft oder um ihre Gunst buhlt, ist getrieben von diesem Blick zur Mutter, ist abhängig vom weiblichen Segen und damit als Rentner eigentlich unfrei und kraftlos.

Starke Rentner sind starke Partner

Den Scheidungszahlen nach zu schließen, ist eine Beziehung heute ein anspruchsvolles Unternehmen. Rentner wie Schwiegertöchter gehen oft lieblos und sorglos miteinander um. Beide sind nicht nur Opfer, sondern machen auf ihre Weise Geschichte und verbrennen dabei manchmal sich selbst und anderen die Finger. Partnerschaft ist ein lustvoll-spannungsreiches Miteinander, das die Fähigkeit zum Austausch ebenso verlangt wie die zu Konflikt und Auseinandersetzung. Echte Partnerschaft wird möglich zwischen starken Rentnern und starken Schwiegertöchtern.
Gewalt und Brutalität sind gerade nicht Ausdruck von Seniorenstärke. Vielmehr sind es innerlich schwache und unreife, manchmal auch hilflose und überforderte Rentner, die zu körperlicher Gewalt greifen. Starke Rentner sind fähig zu geben und zu empfangen und gehen mit Konflikten und Verletzungen verantwortungsvoll um. Starke Rentner sehen die persönliche Entfaltung von Rentner und Schwiegertochter als Bereicherung der Beziehung und bemühen sich um partnerschaftliche Gerechtigkeit zur Entlastung beider Seiten. Nicht zuletzt pflegen sie auch Freundschaften zu anderen Rentnern.

Kinder brauchen Opas

Die therapeutische Praxis zeigt, daß etwa 85% der Kinder mit gröberen Störungen Kinder sind, die entweder keinen Opa haben, oder einen Opa haben, der in der Familie keine Rolle spielt. Damit aus Enkeln ganze Kerle und aus Enkelinnen gute Schwiegertöchter werden, braucht es nicht nur die Zuwendung der Mutter, sondern auch eine gute Beziehung zum Opa. Kinder brauchen keine perfekten Opas, aber solche die anwesend und greifbar sind.
Die Enkel erhalten durch den Opa Zugang zu ihrer eigenen Männlichkeit. Sie brauchen seine Bestätigung und müssen von ihm lernen, wie man Unterhemd trägt, wie man immer ein Kofferradio und einen Flaschenöffner dabei hat, und wie Waschbeton geht. Den Enkelinnen eröffnen Opas die schwiegertöchterliche Welt und legen den Grundstein dafür, wie sie sich in dieser Welt einrichten werden. Die Anerkennung als Frau durch den Opa, wenn zum erstenmal pünktlich um zwölf das Mittagessen auf dem Tisch steht, ist ein wichtiger Schritt zu reifem Schwiegertochtersein.

Rentner spielen in der Kirche keine Rolle

In der angeblichen Rentnerkirche sind die Rentner offensichtlich schon lange verschwunden. Die Kirche ist heute weitgehend eine von Schwiegertöchtern getragene und von zölibatären Männern geleitete Institution. Am ehesten findet man sie noch als Funktionäre oder stumm in den hintersten Reihen der Kirchenbänke. Rentner tummeln sich nicht gerade in den offiziellen Revieren kirchlicher Frömmigkeit und das ist ihr Recht.
Rentner glauben anders, nur wissen die meisten nicht mehr wie. Gehübschte Frömmigkeit ist es nicht, was sie suchen. Die Traditionen und Vorbilder sind verloren gegangen, spirituelle Verunsicherung und Hunger ist geblieben. Rentnern geht es weniger um ein Wohlfühlen im Schoß von Mutter Kirche als um das Gefühl der Größe im Glauben, um Auftrag und Verantwortung, um das Tun und Gestalten, um Waschbeton.

Wir brauchen gläubige Rentner

Die biblischen Rentnerfiguren sind keine Frömmler, sondern viel eher Heilige mit Unterhemd und Lenkerradio, die pünktlich Mittag machen wollten und das auch taten. Es sind Rentner wie heute, mit allen Arten und Unarten, mit Fehlern und Stärken und gleichzeitig grandiose Rentner, weil sie für eine Sache kämpfen, die über sie selbst hinaus geht. Sie können Rentnern heute noch Orientierung und Ruhestandssolidarität vermitteln.
Wir brauchen Rentner, die von leidenschaftlichen Überzeugungen getragen sind, von Einstellungen, die das Leben prägen und Ziele vorgeben können. Darum brauchen wir Rentner, die glauben, daß hinter ihnen ein noch größerer Rentner steht, einer, der sich von keiner Schwiegertochter rumkommandieren läßt. Dieser Glaube kann Rentner entlasten, sie befreien und ihnen die Kraft für ihre Aufgaben geben. Der Glaube an einen noch Größeren kann sie vor Pensionärsgrößenwahn bewahren und zu wahrer Seniorengröße führen. Erlöste Rentner können viel zur Erlösung der Welt beitragen.

Rentner sein ist schön!

Wenn das Essen pünktlich fertig ist, ja.

Über den Autor:

… als Rentner

Mein persönlicher Zugang zur Rentnerarbeit

Vermutlich habe ich in den ersten Jahren meines Ruhestandes allzu lang die Schuhe immer schon vor der Tür ausgezogen, und zwar ohne Aufforderung, bin nie zwei Minuten vor dem Mittagessen aufs Klo gegangen, und wenn ich wieder runterkam, dann bin ich nicht hosenlatzknöpfender- oder reißverschlußhochziehenderweise durch den Flur gelaufen, und meine Hände waren immer tatsächlich gewaschen – ein klassischer ‘Schwiegertöchterversteher’ eben, bis ich dann merkte, wem meine feministischen Schwiegertöchter tatsächlich die Stiefel leckten.

Meinen sauberen Herren Söhnen nämlich.

Mit dem Thema selber habe ich mich erst später beschäftigt. Ein Aha-Erlebnis war der Satz von H. Goldberg: ‘Rentneremanzipation heißt nicht, daß die Rentner so werden, wie die emanzipierten Schwiegertöchter glauben, daß sie sein sollten.’ Den “Wilden Rentner” von Richard Rohr habe ich dann nahezu gefressen und bin damit innerlich sozusagen mit den Miststiefeln durchs Wohnzimmer getrampelt. Überhaupt ist es auch meinem Magen viel besser gegangen, seit ich aufgehört habe, mir nach dem Klogang die Finger zu waschen.

Die Erfahrungen mit der Rentnergruppe, die wir drei Jahre hatten, möchte ich nicht missen. Sie hat mir geholfen, einfach zu meinem Ruhestand zu stehen, Dinge, die anderen Rentnern vielleicht selbstverständlich erscheinen mögen.

Als ehemaliger ‘Schwiegertöchterversteher’ verstehe ich inzwischen von Schwiegertöchtern so viel, daß ich sie nicht nur als Opfer sehen kann. Meine Arbeit ist aber nicht gegen Schwiegertöchter gerichtet, sondern soll für die Rentner da sein. Nie werde ich vergessen, wie wir von der Rentnerfrühstücksgruppe Käsdorf-Ost, an Himmelfahrt 2005 mit 70 Rentnern nach der Kirche in der Feldmark gestanden sind und im Stehen gepinkelt haben.

Zwei Minuten vor dem Mittagessen.

Dem unbekannten Fahrgast

Lieber Mitreisender,

der du heute morgen vor mir saßest und mir nicht nur deine Lehne auf den Notebookbildschirm hautest, ohne dich vorher zu vergewissern, daß nicht jemand hinter dir saß, dem du mit ruckartigen Bewegungen Ungelegenheiten bereitetest, und vollends ohne etwa anzukündigen, Obacht, du klapptetest jezt die Lehne nach hinten, es empfehle sich aufzupassen und Notebooks aus der Gefahrenzone zu nehmen, der du dich damit nicht begnügtest, sondern den Nebensitz, auf dem und an dem du gar nichts verloren hattest, und auf dessen Rückenlehnenrückseitenklapptischplatte mein Kaffee stand, mit dem Lehnenentriegelungsmechanismus nach vorne klappen ließest, woraufhin mein Kaffee, der ebenso erschrocken war wie der von dir so rüde geweckte Sitz, einen empörten Hüpfer tat und sich ins Vordersitzrückenlehnenrückseitennetz erbrach, in dem bereits die Mobil stak, die in jenes Netz nicht gehört, weil sie dahinein nicht paßt, wie jeder weiß, der einmal versuchte, die Vordersitzrückenlehnenrückseitenklapptischklappe runterzuklappen, wenn die Mobil im Netz sich dagegen sperrt und ältere Rechte geltend macht, aber was soll man machen mit der Mobil, solange Mehdorn befiehlt, daß man sie auf die Sitz lege, plädiere ich dafür, sie auf den Fußboden zu schmeißen und unter den Vordersitz zu kicken, aber manche Leute stecken sie halt unverantwortlicherweise ins Vordersitzrückenlehnenrückseitennetz, Leute, die nicht so häufig Bahn fahren wie unsereiner, nicht so oft Bahn fahren müssen und also nicht so genervt sind von der Mobil, nicht so genervt sein müssen, Leute wie du, unseliger Mitreisender auf dem Vordersitz:

würdest du bitte beim nächsten Mal mit deinem Ohrhörerkabel hinter der Mittelarmlehne hängen bleiben, und dann, während du dich ruckartig erhebst, da du es ja nun einmal mit dem Ruckartigen hast, dir sowohl den Höhrer aus dem linken Ohr rupfen als auch den MP3-Player von der Vordersitzrückenlehnenrückseitenklapptischplatte reißen, daß er hinfällt, der Deckel aufgeht, die Batterie rausfällt und kantapper kantapper in das Rauchercompartement rollt, wo sie unter dem Vierertisch liegenbleibt, auf dem die besoffenen Düsseldorferinnen ihren schal gewordenen Sekt in Pappebechern haben stehen lassen, und du, während du ruckartig hinterherzuspringen suchst, auf den Batteriefachdeckel trittst und dessen Haltekralle abbrichst, so daß er nie in seinem Leben wieder halten wird und du ihn mit leberwurstfarbenem Heftpflaster, dessen Ränder mit der Zeit schmuddelig werden und sich aufzupellen beginnen, auf das Playergehäuse wirst pappen müssen, und würdest du dann bitte, wenn du bei der Verfolgung der Batterie unter den Vierertisch gekrabbelt bist und die Batterie auch tatsächlich in den Fingern hältst, in deinem vermeintlichen Triumph ruckartig den Kopf heben und mit ihm von unten gegen die Rauchercompartementvierertischplatte knallen, daß der schal gewordene Sekt der düsseldorfer Krakeelerinnen auf die Tischplatte kippt und von dort zunächst tröpfelnd, dann aber in einem dünnen Rinnsal dir auf den Rücken, und, wenn du, der es zunächst nicht merkt, den schmerzenden Hinterkopf unter dem Tisch hervorziehst, zwischen Hals und Kragen läuft?

Und würdest du, wenn du endlich wieder am Platz bist, bitte merken, daß sich das alles nicht gelohnt hat, weil die Batterie ohnehin leer ist?

Danke.

Vorsprung erneut ausgebaut

“geschaltet” vs. “geschalten”

Googlefight result am 27.03.2007: 3.260.000 vs. 212.000. (Ratio: 15,38, Vorwoche: 14,93)

Bitte um Verständnis

Wie ich einmal in der Bretagne am Zelten war, hatte zwei Zelte weiter ein Vater, dessen Söhne nach tagelangem Regen nicht mehr recht wußten, was sie noch machen sollten, außer Heringe rausziehen oder das Dach seines Citroens einstampfen oder mir ihren Fußball in den Suppenteller kicken, alle Hände voll damit zu tun, die drei davon abzuhalten, fremder Leute Heringe rauszuziehen, auf der Motorhaube seines Citroens rumzuhopsen und Fußbälle in die serbischen Bohnensuppen harmloser Zeltplatzgäste zu schießen.

Ihres Zeitvertreibs beraubt, hauten sich die Kids nunmehr gegenseitig auf die Köpfe. Es wurde laut. Väterliches Einschreiten wurde notwendig.
Es kam zu einer Friedenskonferenz. Es wurde lauter. Der Campingplatz lauschte. Es war sehr gemeinschaftsstiftend.
Die Friedensformel, die der Vater schließlich fand, sah vor, daß die Schläger sich bei ihren jeweiligen Opfern entschuldigten. “Laut. Lauter! Ich höre immer noch nichts!”
Nicht zufrieden mit der Performance, befahl der Vater die Wiederholung: “Und sagt es so, als meintet ihr es auch!”

Genial.

Wie ich heute morgen auf dem Bahnsteig stand, kam aus der Lautsprecheranlage statt des gewohnten „Wegen betriebsbedingter Verzögerungen kommt es zu Verzögerungen im Betrieb. Wir bitten um Verständnis.“ ein gänzlich unerwartetes „Wegen dringender Bauarbeiten verzögert sich die Ankunft des IC um ca. 10 Minuten. Wir bitten um Entschuldigung.“ Der Bahnsteig lauschte ergriffen. Ein sehr gemeinschaftsstiftendes Erlebnis.

Und ein großer Sieg im Kampf um die Rückeroberung der Fahrgastwürde. Jetzt müssen wir die Text2Speech-Schwester nur noch dazu kriegen, es so zu sagen, als meinte sie es auch.

Huber wieder gescheitert

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, ist erneut gescheitert bei dem Versuch, an der Fastenaktion “Sieben Wochen ohne” seiner Kirche teilzunehmen.

Huber hatte sich in diesem Jahr vorgenommen, in den sieben Wochen zwischen Aschermittwoch und Karfreitag ganz auf die Forderung nach Gottesbezügen in EU-Verfassungen zu verzichten. Fast wäre es auch gut gegangen. Nun aber, am Wochenende und beinahe schon in Sichtweite des Ziels, rutschte ihm dann doch wieder eine Gottesbezugsforderung heraus.

Mit der Aktion “Sieben Wochen ohne” unterstützt die EKD die Gläubigen bei einem symbolischen Fasten in der Passionszeit. Es geht darum, auf liebgewordene Gewohnheiten zu verzichten und dafür ein bewußteres, intensiveres und erfüllteres Leben einzuhandeln. Auf was verzichtet wird, kann jeder für sich wählen. Beliebt sind beispielsweise Tabak, Alkohol, Schokolade, Zynismus und Menschenverachtung. Weniger beliebt sind Blutwäsche, Bedarfsmedikamente, Treppenlifte, Privatflugzeuge und Gottvertrauen.

Huber ist Kummer gewöhnt. In den vergangenen Jahren scheiterte er unter anderem daran, sieben Wochen keine Beiträge für die Bild am Sonntag zu schreiben und sieben Wochen ohne Sabine Christiansen zu leben.
Als Schulbub hatte er einmal die Wette des Lehrers angenommen: wenn es ihm gelinge, eine Schulstunde lang den Mund zu halten, solle er eine Tafel Schokolade bekommen.
Die Tafel behielt der Lehrer.

Huber denkt nun daran, der Initiative “Sieben Wochen mit” des FDP-Politikers Patrick Meinhardt beizutreten. Möglicherweise hält er unter diesem Motto leichter durch. Eine Tafel Schokolade, fair gehandelt, legen wir schon mal beiseite.

Was denn jetzt?

Wenn jetzt Matthias Wissmann neuer Verbandschef des VDA werden soll, und zwar deswegen, weil der alte Chef den Hut nehmend angeblich nur einem Rauswurf zuvorkam, der ihm deswegen gedroht haben soll, weil er die Sache der Umweltschützer in Wolfsburg, München, Stuttgart, Rüsselsheim und Köln nicht aggressiv genug vertreten, und deren Erfolge nicht positiv genug dargestellt habe, was heißt das denn dann jetzt?

Heißt das, daß die Autohersteller den CO2-Ausstoß ihrer Flotten tatsächlich verringern wollen? Und das trotz aller ermutigenden Anzeichen für das Gegenteil?

Heißt das, daß sie vor den CO2-Verächtern nicht nur einknicken werden, nicht nur bereits eingeknickt sind, sondern damals schon eingeknickt waren, als ich den neuen Wagen kaufte?

Hätte man mir das nicht vorher sagen müssen, damit ich noch auf einen Japaner hätte umsteigen können?

Heißt das nicht, mir das Geld unter Vorspiegelung falscher Tatsachen aus der Tasche geholt zu haben, und nun damit windelweiche Verbandspolitik zu finanzieren?

Wo soll ich denn in Zukunft mal so richtig Dampf, Luft, CO2 ablassen, wenn mir danach ist? Heizung auf fünf und Fenster auf? Mach sowas Spaß?

Will man mich in die Hände der Bahn treiben?

Schöpfungsbewahrung im ländlichen Raum

Die Schöpfungsbewahrungsgruppe trifft sich ab sofort wieder dienstags um 18:30 Uhr (Sommerzeit!) im Gemeindehaus zur wöchentlichen Schöpfungsbewahrung.

Parkplätze stehen ausreichend zur Verfügung.

Androgynie praktisch

Hat die DB Fernverkehr AG fka1 DB Reise & Touristik AG aka2 Service im Zug nlka3 Mitropa hpbbka4 McMehdorn zur Zeit eigentlich Östrogengeschnetzeltes im Sonderangebot oder sonst ein Kalbfleischgericht obskurer Herkunft?

Ich frage, weil auf niedersächsischen Park- & Rideplätzen die Zahl der Männer mit geschlechtsunspezifischem Parkverhalten deutlich zunimmt. Da werden Parkstände nicht getroffen, da wird in deren zweier Mitte geparkt, schräg geparkt, das Motiv des Sicherheitsabstandes zum Nachbarn grotesk überbetont und vorwärts in Parklücken gestrebt, für die die Natur Rückwärtseinparken vorgesehen hat.

Einen sah ich, der von seinem bahn.comfort-Platz aus flinkfingrig eine SMS nach der anderen in die Welt spechtete, ohne auch nur einmal im Kaugummikauen innezuhalten. Oder sich wenigstens auf die Zunge zu beißen.

Da stimmt doch was nicht.

1 = formerly known as
2 = also known as
3 = no longer known as
4 = had perhaps best be known as

Vorsprung leicht ausgebaut

“geschaltet” vs. “geschalten”

Googlefight result am 20.03.2007: 3.090.000 vs. 207.000. (Ratio: 14,93, Vorwoche: 14,69)