Neuer Googlewhack

Bulk Baptism ist ganz praktisch, wenn man merkt, daß man, sagen wir, 450 Fotos aus dem letzten Niedersachsenurlaub versehentlich als DomRep_2006_000.jpg bis DomRep_2006_499.jpg abgespeichert hat, und den Fehler gerne korrigiert hätte. Tools dafür gibt’s als Shareware, und wer eins braucht muß nicht lange suchen.

Bulk Baptism der anderen Art plant man dieser Tage im Kirchenkreis Stolzenau-Loccum. Man wird sich gesagt haben, 450 Einzeltaufen würden annähernd so lange dauern wie das Umbenennen der Urlaubsfotos von Hand, wenn nicht länger, und hat 450 bislang Ungetaufte angeschrieben, mit dem Angebot, sich an einem Samstag im Juni zusammen mit 449 anderen in einem Aufwasch taufen zu lassen.

Es wird ein wenig Gedrängel geben, Loccum wird rund tausend zusätzliche Windeln entsorgen, und etliche Gastwirte werden den zahlreichen James-Joyce-Lesezirkeln, die an diesem Tag gerne zum traditionellen Gorgonzolasandwichessen kommen würden, absagen müssen. Aber am Tag der deutschen Einheit werden wir’s hinter uns haben, und bis sich 450 weitere Taufkandidaten angesammelt haben, werden bei der derzeitigen Reproduktionsrate einige Jahre ins dünnbesiedelte Land gehen.

Profitieren werden von dem Großereignis neben den Gastwirten und der steuererhebungsberechtigten Ev. luth. Landeskirche Hannovers hauptsächliche die Täuflinge, die am 16. Juni Satan von der Schüppe hüppen werden.

Momentan nämlich hätten sie schlechte Karten, wenn es dem Allmächtigen etwa gefallen sollte, den Weltuntergang auf den 30. Mai zu legen. Sie würden sich vor verschlossenem Himmelstor finden, Satan würde nach ihnen greifen und sie beuteln. Würde einer von ihnen auf der immer noch nicht sanierten und bis zum Sommer vermutlich auch nicht mehr sanierbaren Rehburger Straße überfahren werden, so gälte folgendes:

Nach dem 16. Juni könnte er dem Überfahrenwerden gelassen entgegensehen. Er würde christlich bestattet und Gott würde ihn als eines seiner Kinder wiedererkennen.

Vor dem 16. Juni sollte er sich besser vorsehen. Daß man ihn nicht außerhalb der Klostermauern verscharren würde, liegt an den seuchenrechtlichen Bestimmungen einer säkularen Gesellschaft, die die bewußte Zerstörung unseres Wertefundaments und das gezielte Kappen kultureller Wurzeln unter dem Deckmantel weltanschaulicher Neutralität verkauft. Moralisch möge er sich bitte verscharrt fühlen.

Erst mit der Taufe nämlich wird den jetzt noch in Sünde verharrenden Stolzenau-Loccumern das Leben neu geschenkt. Was Gott ihnen mit der Geburt geschenkt hat oder hat schenken wollen, ist theologisch nicht erforscht und auch ohne Belang. Geboren wird auch die Katz’. Stand der Forschung scheint zu sein, daß auch ein omniszienter Gott nicht alles, was die Katz’ ins Haus trägt und auf dem Teppich liegen läßt, von den eigenen Kindern unterscheiden kann. Es bedarf der Zuarbeit durch die Kirche, es bedarf eines spirituellen Vaterschaftstests, es bedarf der Taufe.

Es wird damit gerechnet, daß sich die Zeremonien bis in den Abend hinziehen werden, da die Kinder alle Doppelnamen bekommen sollen. Und wenn am anderen Morgen die Glocken der Stiftskirche dem Himmel jubelnd die Rettung der jungen Seelen verkünden werden, wird der Kirchenkreis die Hände nicht in den Schoß legen, sondern schon das nächste Großereignis vorbereiten: eine Massenhochzeit im Waldstadion. 450 unverheiratete Damen und Herren im Kirchenkreis sind bereits angeschrieben worden, ob sie nicht Lust hätten, sich im Rahmen eines Kopulationsgottesdienstes trauen zu lassen.

Bislang liegen 55 Anmeldungen vor. Man hoffe darauf, heißt es, daß bis zum Sommer noch einige dazukommen werden, zumindest einer, weil sich eine gerade Zahl von Leuten einfach leichter miteinander verheiraten lasse.