Morton Stein

Vom Älterwerden

Harold Morton Stein wird älter. Das kann er nicht unkolumniert lassen, und das wird er nicht unkolumniert lassen. Da hätte das Alter eben besser aufpassen müssen, mit wem es sich anlegt.

Ich bin ja leider alt genug, mich an die Zeit zu erinnern, als eine außerparlamentarische Opposition bei uns herummarschierte. Das ist lange her. 47 Jahre. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als es 47 Jahre her war, daß die Welt mich erblickte und einen verblüfften Moment lang innehielt. Das ist auch schon lange her. Daß ich 47 war, meine ich. 15 Jahre. Ich bin nämlich 53 – Jahrgang 53. Wenn man 47 zu 53 addiert, ergibt das 2000, weniger 32, das ist 2 hoch 5, macht 1968. Damals war ich 15. Der Jahrgang 52 war schon 16, 2 hoch 4, und durfte in der Öffentlichkeit rauchen und ohne Begleitung Erwachsener Lokale aufsuchen. So war das damals. Ich gehörte noch nicht richtig dazu, hatte aber schon lange Haare. Die Jahrgänge 54 aufwärts trugen die Haare noch wie die Hitlerjugend.

Die großen Jungens waren damals auch alle schon Kommunisten. Wir wollten auch Kommunisten sein, und liefen ‘Dubček! Svoboda! Dubček! Svoboda!’ schreiend über den Schulhof. Ein großer Junge verwies uns das, weil wir doch gar nicht wüßten, was wir da eigentlich schrien. Wir sollten lieber ‘Haut se, haut se, immer in die Schnauze!’ schreien. Ich habe mir das gemerkt, und bin dann später extra Kommunist geworden.

Wenn ich heute die außerparlamentarische Opposition von rechts ‘Haut se, haut se, immer in die Schnauze!’ schreien höre, kommen mir alle die Parallelen zu früher in den Sinn, und die Augen werden mir zwar nicht feucht, aber ich muß ein bißchen zwinkern. Es sind auffällige Parallelen, wie mein Kolumnistenkollege vom Tagesspiegel schreibt, und er hat recht, denn sie verlaufen die Kreuz und die Quer, schneiden sich und bilden veritable Knäuel, aber das macht nichts. Dem leicht verschleiertem Blick dessen, der zwinkern muß, stellen sie sich als ausreichend parallel dar.

Da ist zum Beispiel der Altersdurchschnitt: die 68er waren im Schnitt ein paar Jahre älter als ich. Aus denen konnte im Lauf der Zeit noch alles werden. Ist es auch geworden: Politiker, Kolumnisten, Verbrecher. Die Pegidaleute sind im Schnitt ein paar Jahre jünger als ich. Ungefähr so alt wie der durchschnittliche Passatkäufer (Limousine). Da kommt ein Haufen Lebenserfahrung zusammen, bei 15.000 Passatkäufern. Aus den unterschiedlichsten Erfahrungswelten: Politik, Journalismus, Verbrechen. Da hat sich also im Prinzip nicht viel geändert, außer daß ich sozusagen die Seiten gewechselt habe. Aber haben wir das nicht alle? Wer von uns ist denn heute noch in der DKP? Und da haben wir schon die nächste Parallele: mein erster Parteivorsitzender hieß auch Bachmann, wie der Oberpegide. Vielleicht ist er heute noch in der DKP, ich bin es nicht.

Zum anderen ist da die Angst, die uns eint: wir alle hatten damals Angst vor Weihnachten, Angst vor der Familienfeier mit den Eltern, Angst vor der hundertsten Erzählung von Heiligabend im Bunker, von der russischen Familie, die auf dem Ofen schlief, und den gefrorenen Scheißhaufen neben dem Bahnhof, der immer höher wurde, und in dessen Mitte ein Stock stak, an dem man sich festhalten konnte. Die konservative Apo heute hat auch ihre Ängste: sie fürchtet sich davor, daß man ihr die Weihnachtsmärkte in Zukunft in Wintermärkte umtauft. Ich finde das verständlich, ich finde, sie sollen ruhig weiter Weihnachtsmärkte heißen. Wir nennen ein etwas schlichtes Gemüt ja auch nicht Wintermann, sondern Weihnachtsmann. Die sonderbare Idee kommt natürlich aus Amerika, und das ist das dritte, was uns eint: Amerika geht gar nicht. Amerika ging damals schon nicht und geht auch heute nicht. Damals war es Napalm, heute ist es Chlorhuhn.

Dann hatten wir Kommunisten den Krieg gegen Amerika gewonnen hatten, und hatten Zeit, uns bei unseren Landsleuten ein bißchen lieb Kind zu machen. Wir verkauften damals Winterbäume vom Treckeranhänger, also Tannenbäume. Weihnachtsbäume. Zu Dumpingpreisen, um dem Kapitalismus den entscheidenden Schlag zu versetzen. Spötter nannten die DKP daraufhin Weihnachtsmann-Partei. Das war nicht nett, aber auch nicht ganz falsch. Wir waren ja wirklich etwas blauäugig. Der Kapitalismus hat den Knuff nicht einmal wahrgenommen. Im vorangegangenen Herbst hatten wir Kartoffeln verkauft, auch vom Treckeranhänger herab und auch zu Dumpingpreisen. Auch den Knuff hat der Kapitalismus ohne Zucken weggesteckt. Und während wir Weihnachtsbäume verkauften, holte Ernst Albrecht Vietnamesen ins Land, die vor den Kommunisten in Vietnam wegliefen. Das war nett von ihm, aber nicht nett gemeint, denn er tat das nur, um uns zu ärgern. Jedenfalls glaubten wir das damals. Und darum haben wir uns nicht sehr höflich über die vietnamesischen Flüchtlinge geäußert: Auswanderer mit niederen Motiven, Ami-Nutten, Schieber- und Schmarotzer-Typen, solche Sachen. Während die aufrechten Genossen, die chilenischen Folterknästen entkommen waren, lange auf Albrechts Fußmatte um Asyl betteln mußten, ehe er sie hineinließ.

Sagen wir so: sowohl er, als auch wir, haben damals die Flüchtlinge mißbraucht, um ein politisch Süpplein auf deren Rücken zu kochen. Mit Esbit-Kochern. Dabei waren ja eigentlich die Amerikaner schuld, sowohl an Vietnam, als auch an Chile. Und ein bißchen auch der Kapitalismus.

Wenn ich die APO von rechts heute über Kriegsflüchtlinge, Asylsuchende und Menschen, die um ihr Leben fürchten, herziehen höre, wenn sie von Wirtschaftsflüchtlingen reden und über Asylindustrie klagen, dann schießt mir zwar nicht die Schamesröte ins Gesicht, das nicht, aber ich muß schlucken. Und dann ist es so, als ginge mir einer mit Schmirgelpapier über das Rückenmark, und ich kriege heiße Backen, und mein Puls wird etwas schneller. In den Schläfen pocht es, und mir ist, als ob ich vor mir selber weglaufen wollte. Aber wohin?

Ein bißchen Nostalgie ist wohl auch dabei. Es war doch auch schön, damals, in der Weihnachtsmann-Partei. Auf dem Kartoffelanhänger. Im roten Oktober. Trotz alledem. Und wenn es dann vorbei ist, dann wird mir milde zumut, und ich werde nachsichtig mit ihnen und denke: sie sind doch noch so jung! Der durchschnittliche Passatkäufer (Limousine, Neuwagen) ist erst 58. Es ist lange her, daß ich 58 war. Vier Jahre, das sind 2 hoch 2. Auch sie werden eines fernen Tages anders darüber denken.

Und so ein bißchen recht haben sie ja auch, gebt es zu. Daß die Amerikaner schuld an den Flüchtlingen sind, zum Beispiel, wegen der ganzen Kriege. Und jetzt auch noch der Krieg gegen die Weihnachstmärkte.

Aber sie werden den ‘War on Christmas’ nicht gewinnen, sage ich zu Ilse. Die Amerikaner haben eigentlich noch nie einen Krieg gewonnen. Der Koreakrieg zum Beispiel, in dem, sage ich zu Ilse, die Waffen seit just dem Monat schweigen, in dem die Welt mich zum ersten Mal erblickte, sei bis heute nicht nur nicht gewonnen, sondern formal nicht einmal zuende.

Und Ilse bekommt wieder diesen gehetzten Blick, und das Blut schießt ihr in die Wangen, und sie bewegt die Schultern, als sei ihr unbehaglich, als ginge ihr einer mit Schmirgelpapier über’s Mark, und ihre Lippen beben und sie flüstert: “Dir bleibt immer noch Paris, Ilse. Dir bleibt immer noch Paris.”

Unglaublich, wofür hierzulande Forschungsgelder verplempert werden!

Studie der TU Dresden findet heraus: Pegidaner sind Idioten

Die Technische Universität Dresden hat einen Haufen Steuerzahlergeld zum Fenster hinausgeworfen, nur um herauszufinden, was jeder weiß: daß nämlich die Teilnehmer an den montäglichen Abendspaziergängen, sowie deren Sympathisanten, von den Vereinsmitgliedern des Vereins Pegida erst gar nicht zu reden, Narren, Deliranten und Vollkretins sind.

Ein Wissenschaftlerteam um den Politikwissenschaftler Professor Hans Vorländer hat am Mittwoch erste Untersuchungen zum “Phänomen Pegida” (Presse) vorgestellt. Es hat 400 Pegida-Teilnehmer an drei Montagen um den Jahreswechsel herum befragt. Laut Vorländer war es nicht einfach, überhaupt 400 Gesprächspartner zu finden. Von sieben Befragten waren zwei nicht bereit, etwas zu sagen, einer nicht in der Lage, einer unartikuliert, einer des Deutschen weitestgehend unmächtig, einer sagte nur, wiederholt, so als habe er sofort wieder vergessen, daß er es doch schon gesagt hatte: “Alles Scheiße, Deine Elli!” und der verbleibende repräsentative Rest war

  • 48 Jahre alt,
  • männlich,
  • entstammt der Mittelschicht,
  • lebt in Dresden oder Umgebung,
  • gehört keiner Kirche an,
  • keiner Partei,
  • hat Arbeit,
  • ist gut ausgebildet und
  • ist ein Idiot.

Beweis? Wieso Beweis? – Habe ich das nicht gerade ausgeführt? Eben gerade!? Hier steht es doch noch! Ist denn alles für die Katz, was ich hier schreibe? Wozu mache ich mir eigentlich die Mühe? Bin denn ich hier der Tor, oder wer?

Außerdem nimmt der Pegidat an den Dresdner Montagabendspaziergängen teil. Auch das ist ein starkes Indiz dafür, daß er zumindest ein Trottel ist.

Die Wissenschaftler haben herausgefunden, daß der durchschnittliche Pegidamensch nicht imstande ist, einen Eimer Wasser umzukippen, nicht imstande, ein Loch in den Schnee zu pissen, und nicht imstande, aus dem Bus zu kucken. Wenn, so die Wissenschaftler – was nicht der Fall sei, Dummheit wirke im Gegenteil auf die meisten Menschen sedierend und schmerzbefreiend -, wenn also, gesetzt den Fall, daß es so wäre, Dummheit weh tun würde, dann würde Dresden vom Schmerzgeheul der Pegidanten nur so widerhallen. Allerdings ist in Dresden, um Dresden und um Dresden herum ein ständiges niederfrequentes Brummen zu vernehmen, das von den Pegidackeln, respektive deren Dummheit herrührt. Fast alle werden regelmäßig von Schweinen gebissen. 13 von 100 Befragten sind schon einmal – teilweise mehrfach – mit Bußgeld belegt worden, weil sie die von der Polizei erlaubten Dummheitswerte um etliche 100 Prozent überschritten hatten, elf waren zu dumm, ins Tütchen zu pusten, und der Rest hatte jene Sorte Glück, die mit die Doofen ist, und ist noch nie kontrolliert worden. Die Hälfte von ihnen bringt dem Hund die Zeitung, die andere Hälfte lehnt das ab, weil in der Zeitung angeblich nur Lügen stehen. Die wollen sie dem Hund ersparen.

Allesamt sind sie so dumm, daß die Wissenschaftler, die sie interviewen mußten, anschließend über Schmerzen klagten. Sie sind dumm wie Brot, dümmer als Brot. Bei zwei Vergleichstests – ein Gruppe von Wissenschaftlern hatte Brot interviewt, eine weitere Bohnenstroh, landete das Brot mit seinen vergleichsweise vernünftigen Ansichten auf Platz eins, das Bohnenstroh hatte nicht geantwortet und qualifizierte sich damit immerhin für den zweiten Platz. Weit dahinter, sehr weit, etwa da, wo die Skala anfängt, nach unten offen zu sein, folgen abgeschlagen die Pegidachse.

Ein mit Pegida sympathisierender Landwirt wurde unlängst von einer Rotte festkochender Kartoffeln – seine eigenen – erschlagen. Die Kartoffeln – allesamt vom Kaliber krankhaft vergrößerter Kürbisse – waren ins Rutschen geraten, als der Mann die Lagerscheune betreten hatte, und hatten ihren Herrn unter sich begraben.

Klosprüche und Kongeniales

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen. Andererseits bliebe ihnen aber auch dieser Unfug hier erspart. – Mmh! – Sagen wir remis?

Die Zugehörigkeit zum kulinarischen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als darin, die Raffinesse der Zubereitung eines Mahles zu würdigen, dessen Ingredienzen hauptsächlich Unflat und Kehricht sind.

Der Spatz liebt es, den Falken darauf hinzuweisen, daß die Gans größer ist als er. Und nicht so rasch gerupft.

Eine Frau, die sich morgens zurechtmacht, tut mehr für die Kultur ihres Landes als deren sämtliche Funktionäre. Und der Rentner, der sich morgens die Zähne einsetzt, mehr als die gesamte FOCUS-Redaktion.

Man erkennt die Plebs immer daran, für welche Zeitung sie zu schreiben bereit ist. Niemals am Zeilenhonorar.

Die meisten Ernst-Jünger-Gegner sind Typen, die sich beim Zahnarzt eine Spritze geben lassen. Etappenhengste. Die Jünger-Jünger hingegen sind notorisch Selbstverstümmler. Selbst in senkrecht stechender Sonne verzichten sie darauf, einen Hut zu tragen.

Die Leugnung der Willensfreiheit ist eine abstoßende Beleidigung all derer, die unter der Folter geschwiegen haben. Sie ist aber auch eine abstoßende Beleidigung aller Denunzianten. Ohne deren freien Willen hätte mancher gar keine Gelegenheit, unter der Folter zu schweigen.

Ich verachte den Feminismus nicht, weil er die Männer, sondern weil er die Grazien angreift. Anstatt ihnen unter den Rock zu greifen, wie es galant wäre, und wie es die Schlampen gern haben.

Sollten die Atheisten scheitern, werden Gläubige die von ihnen hinterlassenen Trümmer forträumen. Supervisiert werden werden sie dabei von Klügeren: nihilistischen Bekennern, die wissen, daß es reicht, wenn das Vieh glaubt. Schon der Mann an der Peitsche wird glauben dürfen, was er will.

Seit es die moderne Kunst gibt, hat die Laienkunst kein Betätigungsfeld mehr. Dem Laien bleibt nur noch die Aphterkunst des Aphorismus.

Auch bei den Homosexuellen gilt die allgemeine Tendenz: Es verschwinden die Wohlerzogenen, die ihre Sexualität diskret leben, und es mehrt sich der moderne Pöbel, der seine Kopulationsgepflogenheiten für ein Thema von gesellschaftlicher Relevanz hält. Das aber ist der Unterschied: hier fehlt nur die Kinderstube. Dort fehlt neben der Wohlerzogenheit auch die Dankbarkeit dafür, im Winkel geduldet und nicht totgeschlagen zu werden.

Es ist lächerlich, einer Institution, die seit 2000 Jahren die Erbsünde predigt, Vorwürfe zu machen, wenn einer ihrer Repräsentanten gesündigt hat. So wie es auch lächerlich ist, einer Institution, die seit 1000 Jahren Enthaltsamkeit predigt, Vorwürfe zu machen, wenn ihre Repräsentanten sich als geile Böcke aufführen. Man nehme statt dessen den Stock und prügle die Repräsentanten windelweich.

Ein mit der Internet-Pornographie Aufgewachsener vermag sich das Antlitz einer Frau kaum mehr anders vorstellen als mit Spermaspritzern darin. Ein Zerrbild, das. Wohingegen die Vorstellung, die sich der Aufgewachsene aufgrund derselben Internet-Pornographie von dem maskulinen Gegenpart der Frau machen wird – permaerekt und wild herumwichsend – nicht stark vom positiven Selbstbild unserer Maskulisten und Männleinliteraten abweichen dürfte.

Es ist mittlerweile nahezu unmöglich, sich öffentlich anders als in einer Klage darüber zu äußern, daß man es anders nicht mehr kann.

Was für ein obskurer Drang, von den Problemen seiner Zeitgenossen auch noch in der Literatur behelligt werden zu wollen. Wozu schließlich gibt es den Aphorismus?

Kein noch so degeneriertes Adelsgeschlecht hätte Kretins hervorbringen können, wie sie heute in jedem Parlament anzutreffen sind. Auch die zu Guttenbergs nicht. Mithalten kann überhaupt nur der FOCUS.

Heidegger hat über den Wald nachgedacht.
Der Forstadjunkt auch.
Adorno dachte über die Probleme der Ameisen nach.
Der kluge Forstadjunkt auch.

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Schwachsinn. Würdelos ist der Glaube aus Hoffnung auf das Paradies. Zwar würdig ist der Glaube, der nichts erhofft, er aber ist hoffnungslos.
Was bleibet, ist der Schwachsinn.

Richtigstellung

Die Bundesregierung legt Wert auf die Feststellung, daß sie nicht vorhat, sich in den griechischen Wahlkampf einzumischen. Verschiedentlich war behauptet worden, die Bundesregierung mische sich unerlaubterweise und naseweis in die Wahlentscheidung des griechischen Volkes ein, z.B. durch die unerbetene Feststellung, daß es auch ohne Griechenland gehen werde, wenn Griechenland es darauf anlege. Dem trat die Bundesregierung jetzt entgegen: das tue sie keineswegs. Sie mische sich nicht in die Wahlentscheidung des griechischen Vokes ein. Natürlich werde es auch ohne Griechenland gehen, wenn Griechenland es darauf anlegen wolle, aber ob Griechenland es darauf anlegen wolle oder nicht, sei die Sache des griechischen Volkes, nicht der Bundesregierung. Und die Wahlentscheidung sei die Sache der griechischen Wähler und auch nicht die Sache der Bundesregierung.

Die Bundesregierung werde sich erst in das griechische Wahlergebnis einmischen, sagte Regierungssprecher Seibert dem Käsdorfer Metropolitan (KM), und auch das nur dann, wenn das griechische Wahlergebnis nicht den Vorstellungen der Bundesregierung entsprechen sollte. Was ja nicht so sein müsse. Es könne ja ohne weiteres sein, daß sich das griechische Wahlergebnis mit den Vorstellungen der Bundesregierung decken werde. Nicht wahr? Nicht, daß es das müßte. Das griechische Volk sei ja souverän, im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten. “Bruahahahahahahah! – Verzeihung!” (Seibert). Aber es könne ja so sein, so Seibert. Warum nicht? Sowas komme doch vor?

So ein Wahlergebnis wisse schließlich auch, was gut für es sei.

Die
Af
fen
rasen
durch
den
Wald /
D
er
eine
macht
den
andern
kalt.

Die Affenbande brüllt

2. Die Affenmama sitzt am Fluß
Und angelt nach der Kokosnuß

3. Der Affenopa kriegt ’ne Wut
Die Wut ist groß, man sieht es gut

4. Der Affenonkel voll Verdruß
Sucht in dem Wald die Kokosnuß

5. Das Affenbaby voll Genuß
Hält in der Hand die Kokosnuß

"In barbaros"

Pegida hier, Pegidada

„Wo man sein Land ganz still am Abend schätzt
Nicht morgens schon vom Abendlande schwätzt -
Da bin ich zu Hause“
Franz Josef Degenhardt
„Wo das Gemeine geduldet wird, da gibt es den Ton an.“
August Julius Langbehn

Es ist mal wieder Zeit, über die Sachsen herzuziehen. – Wieso? – Nur so. Um sie zu ärgern oder um, wenn sie sich nicht ärgern wollen, sie wenigstens anzustänkern. Als Niedersachse hat man das vielleicht in die Wiege geschnitzt bekommen, daß man sie nicht mag, die Sachsen. So, wie man es als Niederdeutscher in den Genen hat, die Deutschen nicht zu mögen. Das glauben sie nicht? Daß die Niederdeutschen die Deutschen nicht mögen? Aber das ist so. Lesen Sie mal was von August Julius Langbehn, dem Rudolf Bahro der Wandervogelbewegung. Ich zitiere mal kurz:

In seinen kulturpessimistischen Betrachtungen begriff Langbehn Rationalität, Wissenschaftlichkeit, Materialismus, Liberalismus, Kosmopolitismus und geistig-kulturellen Uniformismus als Degenerationserscheinungen [Das müßte Ihnen eigentlich bekannt vorkommen - Anm. d. Red.], für die er Aufklärung und Urbanisierung verantwortlich machte [Und das erst! - Anm. d. Red.]. Als mystisch-romantischen Gegenpol zur verhassten Moderne setzte Langbehn den Typus des “Niederdeutschen” verkörpert durch den Maler Rembrandt. Aus seinem Geist solle eine völkische Wiedergeburt durch Kunst erfolgen.

Völkische Wiedergeburt, jawollja. Durch Kunst! Ist heute nicht mein Thema, ich will hier nur kurz andeuten, daß Langbehn – bei dem von Schüchternheit sowieso nicht groß die Rede sein konnte – bei der Definition von Großniederdeutschland nicht schüchtern gewesen ist: Niederdeutschland umfaßt bei ihm nicht nur den Norden Deutschlands, sondern darüberhinaus die Niederlande, Belgien, Skandinavien, Preußen, die baltischen Staaten, Island, Grönland, das ganze Inselgefissel nördlich von Schottland, England (da von Angeln und – leider auch von – Sachsen besiedelt) samt Anrainerstaaten, sowie Nordamerika (da von Engländern besiedelt). In Langbehns Worten:

[...] von der Wolga bis zur Bai von Alaska [...]. In der nordwestdeutschen Tiefebene liegt das Zentrum dieser großartigen Bestrebungen [In der nordwestdeutschen Tiefebene nämlich liegt Käsdorf - Anm. d. Red.]. Von hier aus verbreitet sich niederdeutsche Gesinnung und Gesittung, in einem Halbkreise ausstrahlend, über die gemäßigte Zone unserer Erde [Also nicht nach Sachsen, das man schwerlich als 'gemäßigte Zone' wird betrachten dürfen. Ich bitte: Elbflorenz! Florenz! Geht's noch welscher? - Anm. d. Red.].

Und als Eideshelfer dafür, daß wir Niederdeutschen die Deutschen nicht mögen, habe ich mitgebracht

  1. mich,
  2. Langbehn und
  3. das Bravo-Archiv von 1964. In diesem nämlich wird die Schlagersängerin Gitte der geneigten Leserschaft ihren neuen Freund vorzustellen genötigt, einen Niederdeutschen aus Norwegen, der recht sauertöpfisch in die Bravo-Kamera linst, was die Redaktion damit erklärte, daß jener die Deutschen nicht so sehr möge. Worunter er wahrscheinlich im wesentlichen Sachsen verstand. Das war den Deutschen vor 50 Jahren noch neu, daß es Gegenden gibt, in denen man die Deutschen nicht so sehr mochte. Sie glaubten damals, alle Welt wolle den Deutschen am liebsten um den Hals fallen, wegen ihres famosen Wirtschaftswunders; sah man’s denn nicht an den ganzen Gastarbeitern, die in jenem Jahr immer zahlreicher nach Deutschland zu strömen sich anschickten? Insofern hat sich seit damals in den Köpfen der Deutschen nichts getan.
    Die Dänen, berichtet Langbehn, wollten auch nicht so gerne was mit Deutschen zu tun haben, jedenfalls keine sein. Müßten sie ja auch nicht, seien ja Niederdeutsche; Dänemark heiße ja, wörtlich genommen: ‘die niedere Mark’.
    Und die Käsemark, Holland, fürchte stets “die Annexion durch Deutschland, weshalb es das beste wäre, wenn Deutschland sich von Holland annektieren ließe”. Die einzige vernünftige Idee, die diesem an Ideen reichen und deren keine zurückhaltenden Sturkopf je entquoll.

Langbehn schätzte unter den Deutschen, die er nicht schätzte, insbesondere jene Deutschen nicht oder gering, die – wie sagte man damals? – einen mosaischen Hintergrund hatten. Die konnten von ihm was zu hören kriegen, und kriegten das auch. Da konnte er sehr beredt werden. Und er war auch so schon beredt. Dabei spielte es für ihn keine Rolle, ob sie irgendeines Glaubens waren, die Ungläubigen – oder wie soll man sagen, es gibt ja auch Gläubige darunter? Die Ungetauften? -, die Ungetauften, sofern mosaischer Observanz, waren ihm genauso wenig recht. Und erst die Getauften! Die hatte er schon gerade gefressen. Als ob die Religion wie eine Hose an oder ausgezogen werden könnte! Auch der niederdeutsche Mensch kommt – streng genommen – zwar ohne Hose zur Welt, aber er ist doch, quasi, anders als die von Langbehn nicht gemochten Deutschen, durch Abstammung und qua Blut gewissermaßen bereits vorgetauft – pre washed, wenn man so will.

Es sei dies die Faselei eines Schwachsinnigen? Das ist nicht von der Hand zu weisen. Das haben schon andere gesagt. Aber das hält keinen, der sich zeitgenössischem Schwachsinn und zeitgenössischem Gefasel verpflichtet fühlt – wie zum Beispiel ein gewisses Jugendmagazin, das sich den Namen eines krautigen Gewächses aus der Ordnung der Spargelartigen gegeben hat, wie man es aus dem Gedicht “Zwischen Rosen und Narzissen / Hat ein kleiner Hund geschlafen” kennt, und das in – na wo denn wohl sonst? – Sachsen erscheint -, deren keinen hält es davon ab, Langbehn “aus dem Giftschrank” zu holen und “differenziert” zu beurteilen.

Ich wüßte wohl, was Langbehn zu solchem Gedifferenziere, Gedemokratisiere, Genivelliere und Geatomisiere gesagt haben würde, das nicht das Große Ganze schaut, sondern vor sich hinwissenschaftelt, aber ich werde meine kostbare Zeit nicht mit Sachsen vertun -

Alles zurück! Ich werde meine kostbare Zeit mit Sachsen vertun, darum war ich ja hergekommen.

Ja, wie gesagt: so wie der Niederdeutsche dem Deutschen, so wie das Ich dem Über-Ich, so kann der Niedersachse dem Sachsen nicht aufs Fell kucken. Wer aber vereint alle drei Underdog-Qualitäten in einer, und zwar in seiner Person: Niederdeutscher, Niedersachse und Ich?

Nur einer: ich. Und ich habe, wenn Deutschland sich schon nicht von Holland annektieren lassen will, und der Zusammenschluß Großniederdeutschlands vom Ural bis zu den Aleuten nach hundertfünfundzwanzig Jahren immer noch auf sich warten läßt, folgenden Vorschlag zu machen:

Sieht besser aus? Sieht sehr viel besser aus. – Aber was ist das da noch

für häßlicher Wildwuchs? Weg damit!

Thüringen ist groß genug. Nicht, daß sich da noch ein Sachse versteckt hält.

Brandenburg ist auch groß genug. Und damit es keine Verwerfungen im Bundesrat gibt – es geht mir ja nicht um Popelpolitik, sondern um Grandezza, um den großen Wurf – gibt Brandenburg ein Stück ab:

Das Stück nennen wir Sachsen, aber es sind keine Sachsen, die da vor sich hinregieren. In Wahrheit sind es brave Brandenburger, Proto-Preußen, Naturniederdeutsche im Langbehnschen Sinne. Chemnitz sind wir los.

Chemnitz? Wieso Chemnitz? – Nur so. Mir geht es nicht primär um Chemnitz. Es wäre ganz schön, das oben erwähnte Sumpftulpenblatt ausgebürgert zu wissen, aber das wäre Kollateralnutzen. Ich muß, nachdem ich jüngst in Leipzig gewesen bin, auch zugeben – widerwillig -, unter Umständen bereit zu sein, über die Zugehörigkeit Leipzigs zur gemäßigten Zone zu verhandeln. Zu verhandeln, wohlgemerkt, umsonst gibt es die nicht, da können sie noch so beneidenswert schöne Holzdecken aus dem 16. Jahrhundert in ihren Büros haben, die Leipziger. Dresden aber ist nicht verhandelbar. Dresden muß gehen, und mit ihm die Montagabendspaziergänger, diese Möchtegernkimbern, diese Pestbolzen.

Jawohlja, Pestbolzen. Es ist ja seit einiger Zeit so, daß sich die Wutbürger (WuBüs), Querfrontler (QueFros), Friedenswinterfeldzugsveteranen (FriWis) und Putinversteher (PuVer) die dööfsten Bezeichnungen geben, zum Beispiel PegIdA für Pestbolzen gegen die Islamisierung des Abendlandes, HogeSa für Hooligans gegen Salafisten, als es die noch gab, oder HoundS für die Nachfolgeorganisation Hooligans und Salafisten, nachdem die beiden erkannt haben, daß sie mehr eint als trennt, und sie daher gegen die Vernunft und gegen den Rest der Welt eine Art Hitler-Stalin-Pakt (HiStaPak) schließen sollten. Nun also die Bewegung Panabendländisch Empfindende Sachsen Trutzdeutschen Bekenntnisses, Okzidentaler Lebensführung (oder was sie dafür halten von Herzen – oder was sie an der Stelle haben -) Zugetan, Emiraten (und dergleichen auf sächsischer Scholle indes eher lieber) Nicht – PeStBoLzEn, ein stetig wachsender Haufe, der allmontagabendlich in Dresden seine angestammten Siedlungsgebiete verläßt, um unter den Völkerschaften am Wege Angst und Schrecken zu verbreiten. Warum er das tut, ist – wie bei Völkerwanderungen üblich – nicht bekannt. Danach gehen sie wieder nach Hause.

Ihr Anführer ist der Raufbold Teutobod Bachmann, ein Mann, über den alles mögliche kolportiert wird, möglicherweise Wahres – wie er selbst sagt -, möglicherweise Falsches – wie es die PeStBoLzEn sich einreden -, aber das Entscheidende wird stets unterschlagen: der Mann ist Sachse. “Ich bin austauschbar,” sagt er von sich selbst und hat recht: durch 4 Millionen andere Sachsen. Wenn es wahr wäre, daß derjenige, der aus der Geschichte nicht lernen will, verdonnert ist, sie zu wiederholen, dann würde er demnächst im Triumphzug durch Rom geführt und anschließend im Kerker erdrosselt. Aber wer nur ein bißchen aus der Geschichte gelernt hat, der weiß, daß es nicht wahr ist, daß derjenige, der aus der Geschichte nicht lernen will, dazu verdonnert wäre, sie zu wiederholen. Ebensogut ist es möglich, daß Teutobod irgendwann irgendwen im Triumphzug durch Dresden führt, aber wenn mein Vorschlag für die Flurbereinigung in Ostdeutschland erst umgesetzt worden sein wird, und friedliche Niederdeutsche im Südosten Brandenburgs Sachsen spielen, dann kann uns das egal sein. Was sie dann machen, die Pestbolzen, sich unseren Nachbarn – ihren Nachbarn, unseren ehemaligen Nachbarn -, den Böhmen aufhucken oder ein selbständiges Dasein führen als fledermausiges, flaschengeistförmiges Gebilde im Zwischenreich zwischen Freistaat und Staat,

das kann uns dann auch egal sein. Die Böhmen und die Mähren, die haben ja schon mehrfach mit randalierenden Teutonen zu tun gehabt. Die werden wohl wissen, wie man sowas den Hintern versohlt und außer Landes wirft. Wenn sie auch nur ein bißchen aus der Geschichte gelernt haben.

Was die PeStBoLzEn eigentlich wollen, sagen sie nicht, weil sie nicht mit der Systempresse reden. Kann uns aber auch egal sein. Wie man mit Sicherheit sagen kann, sind sie, wie alle Verschwörungstheoretiker, im klinischen Sinne geisteskrank. Wie alle Verschwörungstheoretiker nehmen sie für sich in Anspruch, als einzige die Verschwörung zu durchblicken, der alle anderen auf den Leim gehen, den die Verschwörer zu diesem Zweck ausgestrichen haben. Warum das bei ihnen anders sei, ist ihnen auch klar: weil sie Durchblicker sind, die anderen aber naiv oder gekauft. Daß sie selbst nicht käuflich sind, liegt auf der Hand, denn hat ihnen schon mal jemand Geld angeboten, das anzunehmen sich gelohnt haben würde? Nein. Ergo!

Wie alle Verschwörungstheoretiker vestehen sie unter dem Recht auf Meinungsfreiheit das Recht, ihrer Meinung zu sein. Der Mann, aus dessen Kofferraum sie ihre Meinung haben, der auch Welpen verkauft, aus dem gleichen Kofferraum, allesamt reinrassig, mit 1a Stammbäumen und Impfpässen und entwurmt, hat ihnen ganz klar versichert, daß diese Meinung die freie Meinung sei. Ergo. Andere Meinungen sind gekauft oder zugelaufen. Straßenköter!

Und daß ich mit meiner Meinung über Verschwörungstheoretiker, daß sie nämlich alle geisteskrank seien, richtig liege, liegt ebenfalls klar zutage. Beweis: ich. Bin ich vielleicht Verschwörungstheoretiker? Bin ich nicht. Also bin ich geistig gesund. Beweis? Voilà:

Mein Brägen! Vorgestern frisch gescant, während ich innen drin der hier zum Ausdruck gebrachten Meinung bin. Sieht man leider nichts von. Aber das ist ein gutes Zeichen, sagt der Radiologe, denn man sieht auch sonst nichts, und das heißt: alles dran! Beziehungsweise nichts dran. “Kopf kann draufbleiben,” wie der Radiologe sagte, als er mir einen freundlichen Klaps auf denselben gab, “ist nix drin.” Na bitte, das beweist es: diese Meinung, meine Meinung, ist eine gesunde Meinung. Wer anderer Meinung ist als ich, bei dem muß, so meine ich, ein Befund vorliegen.

Zum Beispiel bei den PeStBoLzEn, Verschwörungstheoretikern, strukturellen Antisemiten, autoritären Charakteren, Antieuropäern, Antiamerikanern, Populisten mit verkürzter Kapitalismuskritik, Chauvis, Machos, latenten Sexisten, homophoben Heimatfetischisten und sonstigen Freunden von Dr. Diether Dehm (FreuvoDDDs). Dr. Diether Dehm habe ich noch vergessen. Der ist leider kein Sachse, aber immerhin Hesse, das qualifiziert ihn für eine Ausbürgerung ehrenhalber.

Und natürlich die Sachsen. Nicht, daß ich die vergessen hätte, aber bei denen muß man mit allem rechnen. Auch mit einem Befund. Aber Schluß damit! Genug davon! Genug damit, daß in der Presse von nichts anderem mehr die Rede ist: PeStBoLzEn hier, PeStBoLzEn da. Und daß man ihre Sorgen ernst nehmen müsse. Und eia eia machen. Und, ogottogottogott, was wollen sie denn nur, wie kriegen wir’s nur raus, sie reden ja nicht mit uns!

Kann uns das nicht ganz egal sein? Wer fragt danach, was Leute, die ganz offensichtlich kein Zuhause haben, jedenfalls nicht am Montagabend, was die von uns wollen? Fragen die PeStBoLzEn etwa danach, was Leute, denen man ihr Zuhause genommen hat, bei uns wollen? Nein, das tun sie nicht. Was werden sie schon groß wollen? Was können sie groß wollen? Die PeStBoLzEn, meine ich. Von allem das Gegenteil, das wollen sie. Im Prinzip wollen sie, daß der Storch die Kinder wieder bringt, und zwar deutsche. Worunter sie im wesentlichen sächsische verstehen. Und wenn der Storch auf seinem Flug schon durch muselmanisches Gebiet muß, dann soll er sich dort wenigstens vorsehen.

Ich rufe dazu auf, sie auszubürgern. Ehe es zu spät ist. Nur immer fort mit ihnen! Schon jetzt ist Sachsen, wenn es stimmt, was man hört, zu einem Promille islamisiert. Da sollten wir kein Risiko eingehen. Nachher haben wir den Salat. Ein Kaufmann aus Görlitz – ist das in Sachsen? Gut, dann paßt das ja – ein Kaufmann aus Görlitz hat behauptet:

„Heute sind es schon zehn Prozent Türken in den Städten, warten Sie einmal 50 Jahre ab, dann haben sie bei uns die Mehrheit“.

Gut, wenn es so weit ist, in fünfzig Jahren, können wir sie ja wieder eingemeinden. Ist ja keine Sache, geht ja ruckzuck. Während dieser Jahre aber sollten wir uns gegen unerwünschte Einwanderung aus dem Sächsischen verwahren. Zu diesem Zweck schlage ich die Gründung einer Bürgerbewegung nach dem Vorbild der Pro-Bewegung vor, die sich mit dem Schüren von Animositäten gegenüber unerwünschten Ausländern bestens auskennt, aber momentan etwas aus dem Fokus der Aufmerksamkeit geraten ist, weil Namen mit -gI- (= ‘gegen Islamisierung’) innen drinne stärker nachgefragt sind. Das verschafft den ProKöln, ProNRW, ProDeutschland und ProWiesiealleheißen einen Wettbewerbsnachteil und senkt die Gestehungskosten. – Ich kaufe daher den Namen ProKopf und rufe dazu auf, denselben zu benutzen.

Was? Was fehlt da noch? Ein Positionspapier? – Nun, Geduld, Geduld! Gemach, gemach! – Die Pestbolzen sind auch monatelang ohne Positionspapier ausgekommen, und niemand hat es gemerkt. Geschweige denn vermißt. Und seit es eines gibt, wünscht man sich die gute alte Zeit zurück, als es noch keines gab. – Ich werde das Positionspapier schon rüberwachsen lassen, sobald ich weiß, was ich will.

Hier ist es ja schon:

Positionspapier von ProKopf



1. ProKopf ist dafür, Sachsen, die sich zu Besuch in Niederdeutschland aufhalten, freundlich zu behandeln. Das gehört sich so.

2. ProKopf ist gegen die Aufnahme von irgendwas in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Das Grundgesetz ist rund und schön. Es hat, was es braucht. Niemand braucht ihm ein Bäuchlein zu machen. Schon gar kein Sachse!

3. ProKopf ist für die Unterbringung von Kriegsflüchtlingen und Verfolgten in ordentlichen Unterkünften. Man will es doch ein bißchen schön haben. Wenn man abends nachhause kommt, will man doch etwas haben, auf das man sich freuen kann. Auch wenn man Sachse ist. Darum, wenn es Sachsen sind, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, soll man sie genauso behandeln, wie alle anderen Flüchtlinge auch. Man soll ihnen keine Extrawürste braten, man soll sie aber auch nicht benachteiligen.

4. ProKopf wird sich dafür einsetzen, daß auch die anderen europäischen Staaten Besuchern aus Sachsen gastfreundlich begegnen und ihnen Freizügigkeit gewähren. ProKopf ist sich klar darüber, daß das schwer sein wird für die Menschen in den anderen europäischen Staaten. ProKopf wird ihnen gegebenenfalls gut zureden und eia eia machen.

5. ProKopf ist dafür, daß die Sachsen das Bad so zurücklassen, wie ProKopf es vorzufinden wünscht. Auch das gehört sich so. Sie können es auch so zurücklassen, wie sie selbst es vorzufinden wünschen, sofern ihre Wünsche sich mit denen von ProKopf decken. Man nennt das Integration.

6. Wenn ein Sachse um Asyl bittet, soll man es ihm gewähren. Wer weiß, was der arme Kerl zuhause hat durchmachen müssen. ProKopf weiß es nicht.

7. ProKopf ist gegen die Einsetzung einer Sachsenpolizei. Frißt ein Sachse etwas aus, soll ihn ein ganz normaler Polizist hops nehmen.

8. ProKopf fordert, daß man Sachsen den Status eines sicheren Herkunftslandes gar nicht erst erteile. Außer für Sachsen.

9. ProKopf ist für eine strikte Null-Toleranz gegenüber sächsischen Staatsanwälten. Sollte ein sächsischer Staatsanwalt, den der Hafer sticht, auffällig werden, indem er etwa Ermittlungen gegen ausländische Staatsoberhäupter (z.B. wegen Sitzblockade) oder ausländische Blogger (wegen Schreibblockade) aufnimmt, so soll man den Mann sofort auf die Liste unsäglicher Sachsen setzen.

10. ProKopf verlangt, daß hier lebende Sachsen sich Frauen und Mädchen gegenüber ritterlich benehmen. Gehen ein Sachse und eine Dame gemeinsam auf der Straße, so soll der Sachse auf der dem Fahrdamm zugewandten Seite laufen. Hat ein Sachse Grund oder sieht ein Sachse Anlaß, seine Frau zu verhauen, so soll er in christlich-abendländischer Tradition und im stillen Kämmerlein tun, was zu tun ist, und keine Ideologie daraus machen.

11. Will die Politik den Sachsenfeinden unter den eigenen Wählern ein paar Stückchen Zucker hinwerfen, so kann man überlegen, ob man einen Unterschied machen will zwischen Flüchtlingen hie und Wirtschaftsflüchtlingen, die angeblich nur aus wirtschaftlichen Gründen zu uns kommen, da. Manchenorts haben sich solche Wirtschaftsflüchtlinge als Watschenmänner bewährt. Man kann das überlegen. ProKopf ist nicht dagegen, daß man überlegt, bevor man schreit. Auch bei Politikern nicht. Wenn man aber die Wirtschaftsflüchtlinge dem Pöbel zum Fraß vorwirft, soll man gleiches mit Wirtschaftspolitikern, Wirtschaftsweisen, Wirtschaftsprofessoren und insbesondere Wirtschaftsjournalisten machen. Die machen “es” schließlich auch bloß aus wirtschaftlichen Gründen.

12. ProKopf ist für Selbstbestimmung! Nicht nur in den Köpfen. Auch in den übrigen Organen soll Selbstbestimmung herrschen. Besonders in einem. Oder sagen wir in zweien. Wobei es da schon wieder Streit geben wird. Ein Kommision soll in regelmäßigen Abständen überprüfen, ob die Menschen ausreichend selbstbestimmt leben. Zuwiderhandelnde sollen sich einmal täglich auf der Wache melden.

13. ProKopf ist dafür, die konservative Kampfvokabel “Abendland” drei Tage lang zur Plünderung freizugeben. Während dieser Zeit soll jedermann alles, was er will, als abendländisch oder christlich-abendländisch bezeichnen dürfen, was es auch sei, ohne dafür belangt zu werden. Ein Beispiel: “christlich-abendländische Gedankenschwäche”, oder “christlich-abendländische Hämorrhoidalsalbe”. Vorbild dafür sei die christlich-abendländische Tradition des Plünderns eroberter Städte, seien es morgenländische, abendländische oder sächsische.

14. ProKopf ist nicht gegen die Einführung von Bürgerentscheidungen nach dem Vorbild der Schweiz. ProKopf ist aber auch nicht dafür. ProKopf gibt zu bedenken, daß die Schweiz ein vergleichsweise kleines Land ist, verglichen jedenfalls mit Großniederdeutschland. Außerdem hat die Schweiz hohe Berge. Wenn dort das Volk entscheidet, daß Minarette nicht höher sein dürfen als das Matterhorn, dann ist das etwas anderes, als wenn wir Niederdeutschen entscheiden, daß die Türme von Frauenkirchen nicht höher sein dürfen als der Giebichenstein im Stöckser Forst. Das wirkt schnell sachsenfeindlich, ist aber eigentlich bloß grundmoränisch.

15. ProKopf ist gegen Waffenlieferungen an verfassungsfeindliche, verbotene Organisationen. ProKopf ist auch gegen Waffenlieferungen an verfassungsfeindliche, erlaubte Organisationen. Oder an verbotene, verfassungsfreundliche Organisationen. ProKopf ist überhaupt gegen Waffenlieferungen. Wenn aber die Waffen schon bezahlt sind, muß auch geliefert werden, wir sind hier schließlich im Kapitalismus. Deswegen ist ProKopf vor allen Dingen gegen Zahlungen an Waffenlieferanten, in der Hoffnung, daß dann auch die Lieferungen ausbleiben. Ist eigentlich ganz einfach.

16. ProKopf ist gegen die Zulassung von Parallelgesellschaften in unserer Mitte. Parallelgesellschaften sind Gesellschaften, die in einer Ebene liegen und sich nicht schneiden. Das wollen wir nicht. Gesellschaften sollen sich schneiden, insbesondere die, die einander nicht ausstehen können. Alles andere führt doch nur zu Unfrieden. Außerdem gilt das Axiom, daß jede Gesellschaft zu sich selbst parallel ist. Darum ist ProKopf grundsätzlich gegen Gesellschaften, gegen alle Gesellschaften, auch gegen windschiefe.

17. ProKopf ist, wie Sie sich mittlerweile vielleicht denken können, nicht gegen Gender-Mainstreaming, das momentan in Sachsen très en vogue zu sein scheint, denn sogar die PeStBoLzEn haben davon gehört, so daß es in ihr Glaubensbekenntnis geraten ist, wie Pontius Pilatus ins Positionspapier der Christen. ProKopf lacht nämlich gerne. Beim Gender-Mainstreaming hat ProKopf gleich doppelt lachen, zum einen wegen der putzigen Redeweise der Gender-Mainstreamer, zum anderen wegen der putzigen PeStBoLzEn. Seht nur, wie sie sich nicht und nicht wieder einkriegen mögen!

18. ProKopf möchte noch darauf hinweisen, daß es nichts gegen Fremdlinge hat, auch nicht gegen Sachsen – doch, gegen Sachsen schon. Aber gegen integrierte Sachsen darf auch ProKopf nichts haben, denn Integration ist das A und O bei der Integration von Fremdlingen. Zur besseren Integration von Sachsen empfiehlt ProKopf daher allen Niederdeutschen, sächsisch zu lernen. Sächsisch ist einfach, man muß nur die Konsonanten ein bißchen weich klopfen, und die Vokale zyklisch vertauschen und um die Längsachse tordieren.

19. ProKopf empfiehlt, die Sprachübungen in schalldichten Kammern vorzunehmen.

20. “Schiller überschrieb sein erstes Werk: in tyrannos; wollte jemand heute ein allgemeines Wort an die Sachsen richten, so müßte er es überschreiben: in barbaros. Sie sind nicht Barbaren der Roheit, sondern Barbaren der Bildung.” Solches schrieb August Julius Langbehn, und darum empfiehlt ProKopf – wie, schon 20? Erst 20. 19? Die PeStBoLzEn haben auch bloß 19? 19 Thesen bloß? ProKopf hätte gedacht, es müßten wenigstens 91 sein, oder 95, und was es für ein Elend sei, sich weitere 76 Thesen aus dem Internet saugen zu müssen. Aber wenn 19 genügen …

Wobei es mir ja eine Freude war, das mit dem Saugen aus dem Internet. Seit 20 Jahren will ich was von Langbehn lesen, und komme nicht dazu. Da müssen erst die PeStBoLzEn kommen, die hiermit und dafür recht artig bedankt seien.

“Barbaren der Bildung” – zu nett!

Über die natürliche Rolle der Frau im Abwaschwesen und ihre Beeinflussung durch die Unternehmenskultur

Wie mir am Dienstag auffiel – heute ist Mittwoch, und die Situation in der Teeküche ist nicht besser geworden -, hatte sich das schmutzige Geschirr in der Teeküche der Abteilung so stark vermehrt, daß ich keinen Platz für meine Teekanne mehr fand. Ich mußte erst einige schmutzige Teller übereinanderstapeln, um Platz zu schaffen, und um die Teller gescheit stapeln zu können, mußte ich die darauf liegenden Messer irgendwo anders hintun – normalerweise lasse ich die vom Teller ins Spülbecken purzeln, damit ich sie nicht anfassen muß, die sind schließlich schmutzig, aber das Spülbecken stand voll mit Kaffeebechern, und auf dem Ablaufbrett, auf das ich die Tassen hätte packen wollen, um Platz im Becken zu schaffen, standen sechs Isolierkannen, und daneben, wo eventuell noch drei Tassen hingepaßt hätten, lagen ineinandergekrumpelt Schwamm und dreckstarrender Spüllappen, beide klatschnaß, so daß ich sie nicht anfassen mochte. Ich kippte also die Messer auf den Spüllappendrecksschwammklumpatsch und stapelte ein paar Teller, bis ich Platz hatte, um die Teekanne dort zu parken.

Mir fiel wieder ein, daß ich schon am Montag die Arbeitsplatte als ungewöhnlich dicht bepackt empfunden hatte, und zurückgegangen war, um einen der Zettel aus dem Rollboy zu holen, die ich dort in der mittleren Schublade unter den Dienstreiseanträgen aufhebe, und die so aussehen:

Verbindliche Anmeldung zu dem Kurs / den Kursen
Kurs 1: Wie stelle ich einen benutzten Teller in die Spülmaschine? Wie ist das korrekte Procedere? Was muß ich zuerst tun?
und / oder
Kurs 2: Was ist ein Spülbecken? Welchem Zweck dient es? Wie unterscheidet es sich von einem Aufbewahrungsort für gebrauchtes Geschirr?
Name Kurs Vorkenntnisse
ja/nein
Email Tel. (freiwillige Angabe)

Bei Bedarf hefte ich die in der Küche mit Tesa an die Fliesen.

Nicht, daß ich erwartet hätte, daß sich jemand darin eingetragen hätte; von meiner Seite ist die Liste als purer Sarkasmus gedacht. Ist nicht jedermanns Sache, Sarkasmus, das weiß ich wohl, aber der normaldoofe Bürohumor à la “‘Wir werden sehen’ sprach der Blinde” oder “‘Irren ist menschlich’ sprach der Igel und fiel von der Scheuerbürste” ist schließlich auch nicht jedermanns Sache, meine jedenfalls nicht. Und es stand auch niemand drin. Es trägt sich nie einer ein. Bis auf einmal, da müssen die Kolleginnen sich abgesprochen haben, denn sie hatten sich allesamt zum Kurs 1 angemeldet und erwarteten jetzt von mir, daß ich ihnen die Spülmaschine erklärte. Da stand ich schön da! Erklären Sie mal drei Ingenieurinnen, einer Abteilungssekretärin, einer Auszubildenden, einer Finanzbuchhalterin, einer Organisationsassistentin, zwei Projektmanagerinnen, drei Vertriebsmitarbeiterinnen, einer Vertragsrechtlerin, zwei Beraterinnen und einer Abteilungsleiterin, wie man eine Spülmaschine einräumt! Das wissen die doch viel besser als Sie.

Das kriegte ich jedoch noch hin. Aber dann bestanden sie darauf, daß ich das Ding auch anwarf, und damit hatten sie mich. Die Sekretärin hat es mir schließlich erklärt. Man muß die Einknopfbedienung so und so weit nach da drehen, dann drücken, dann wieder zurück, kurz innehalten – “Helm vor die Fresse, stilles Gebet bis 10″ (Bürohumor) – dann erst den rechteckigen Knopf drücken, die Einknopfbedienung wieder rausziehen und mit dem Knie vor die Blende drücken – irgendsowas in der Art, ich hab’s gleich wieder vergessen. Darum packe ich die Maschine auch gar nicht erst an. Gestern aber schaute ich – nachmittags war die Situation so unhaltbar geworden, daß ich die Teekanne im Kabuff neben der Teeküche auf dem Kopierer abstellen mußte – neugierdehalber mal hinein. Auf geht sie nämlich ganz einfach, auch wenn sie läuft. Ob sie läuft, weiß man nicht so genau, denn leuchten tut sie auch dann, wenn sie nicht läuft. Gestern leuchtete sie auch, lief aber nicht, sondern war voll mit sauberem Geschirr.

Aha. Deswegen paßte nichts mehr hinein. Es hätte also bloß mal eine der Kolleginnen die Maschine aus- und das saubere Geschirr in die Schränke räumen müssen, und gut wär’s gewesen. Warum das nicht geschehen war, stand nicht dran. Das Sekretariat war in dieser Woche nicht besetzt, wegen Fortbildung und Berufsschule. Das wußte ich, denn da hatte es eine Mail gegeben, die ich aber gleich gelöscht hatte, im Vertrauen darauf, daß mich das schon nichts angehen werde. Die Abteilungsleiterin hatte es seit letzter Woche mit dem Ischias, das wußte ich vom Hörensagen. Da mochte man ihr das Bücken vorerst nicht zumuten, außerdem war sie auch gar nicht im Haus. Die Vertrieblerinnen kommen bloß zu uns rüber, wenn es was umsonst gibt; die haben drüben ihre eigene Küche; und wenn ich das richtig gesehen habe, als ich dort war, weil bei uns der Kopierer mal wieder auf den Service wartet – was auch sein Gutes hat, kann man ihn doch als Abstellfläche mitbenutzen -, dann haben sie sogar einen Tisch in der Küche. Mit Tischdecke und Blumenvase. Wenn wir einen Tisch hätten, wäre der wahrscheinlich auch voll mit Geschirr gewesen. Aber was war mit den anderen?

Die beiden Muttersprachlerinnen waren auf Dienstreise in ihren jeweiligen Zukunftsmärkten, wie ich später herausfand. Die Ingenieurinnen und die Assistentin hatten irgendeinen Workshop und aßen vermutlich im Hotel, wo man ihnen den Bettel nachräumen würde und sie sich um nichts zu kümmern brauchten, während unsereiner sehen konnte, wo er blieb. Was war eigentlich mit der Finanzbuchhalterin? War die überhaupt mal drei Wochen am Stück im Haus, oder ließen das ihre zahlreichen Urlaubsverpflichtungen gar nicht zu?

Blieben die beiden Projektmanagerinnen. Wenn man sie nicht brauchte, standen sie einem auf den Zehen herum, weil sie wissen wollten, wann im Jahr 2017 man Urlaub zu machen gedachte, damit sie ihre Ressourcenplanung auf Vordermann halten und rechtzeitig Bescheid sagen können, wenn ihre Projekte understaffed zu sein drohen. Dabei hält keines unserer Projekte bis 2017. Bis jetzt waren noch alle mangels Anschlußfinanzierung eingestellt worden. Aber die Projektpläne waren vom Feinsten. Wenn die Projektmanagerinnen da gewesen wären, hätte man sie mal bitten können, darin nachzusehen, wann sie wiederkommen.

Aber so!?

Was tun? Ich konnte doch nicht einen unserer Oracle-Spezialisten in die Küche schicken, damit der da mal aufräumte. Solche Leute kosten ein Schweinegeld. Außerdem wäre der damit überfordert. Wenn so einer versucht, seine Pizzaschachtel zu entsorgen, ist der Mülleimer für den Rest der Woche blockiert. Ich glaube auch nicht, daß es in deren Datenbanken besser aussieht als in unserer Teeküche. Was man da manchmal an Daten drin findet, hat große Ähnlichkeit mit einem Spüllappen, der seit drei Tagen im eigenen Saft vor sich hingammelt. Am besten wäre es, wenn die Reinigungsfirma beauftragt würde, die Spülmaschine ein- und auszuräumen, aber das macht der Controller nicht mit. Die Geschäftsleitung hat beschlossen, daß Reinigungsfirmen nur noch so und soviel im Jahr kosten dürfen. Außer im Controlling. Dort haben sie noch festangestellte Angestellte. Die haben Festgehalt und feste Arbeitszeiten. Denen ist es fschistko jädno, die räumen auch die Spülmaschine aus. Aber bei uns?

Nun, wir würden sehen. “Wir werden ja sehen, sprach der Igel und kletterte zurück auf die Spülbürste.”

Noch war ja Platz auf dem Kopierer.

Nachtrag am Donnerstag:

Hat sich erledigt. Heute morgen kam die Kollegin Vertragsrechtlerin, die als Selbständige immer auf Anschlußverträge angewiesen ist, und wollte uns den vorweihnachtlichen Bestechungschriststollen bringen. Sie ist noch teurer als Oracle-Leute, muß dafür aber auch Klinken putzen. Das brauchen die nicht. Die würden den Stollen aber auch vergessen, oder unterwegs verlieren. Sie fand keinen Platz, auf dem sie den Stollen hätte abstellen können, parkte ihn auf dem Kopierer und machte sich an die Arbeit. 10 Minuten später war alles erledigt.

Es war eine Wohltat, in einer solchen Küche den Tee zu kochen! Ich schnitt mir ein ordentliches Stück vom Stollen, gönnte mir eine saubere Tasse und ging wieder an die Arbeit.

Scheiße

Nach Ansicht des früheren amerikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney ist der Bericht des US-Senats über von der US-Regierung gedeckte Folterpraktiken der CIA “voller Scheiße“.

Nun, das bleibt nicht aus, wenn man einen Bericht über Scheiße verfaßt, die vom Geheimdienst gebaut und von der Regierung billigend in Kauf genommen wurde. Dann ist ein solcher Bericht natürlich voller Scheiße. So wie die Vorlesung über Siedlungswasserwirtschaft voller Scheiße war, und die – nein, nicht die Scheiße, die Vorlesung – vom Professor für Siedlungswasserwirtschaft eingeleitet wurde mit den Worten: “Meine Damen und Herren, diese Vorlesung handelt von Scheiße. Und wenn ich Scheiße sage, dann meine ich Scheiße.”

Dick Cheney hat also ganz recht. Das ist auch nicht verwunderlich: denn wenn sich jemand mit Dingen, die voller Scheiße sind, bestens auskennt, dann ist es – nächst dem Professor für Siedlungswasserwirtschaft – Dick Cheney. Sind doch Dinge, die voller Scheiße sind, beider täglich Brot, und kommen sie tagein, tagaus damit in Berührung.

Der Professor in der Vorlesung, und Dick Cheney, wenn er sich den Kopf kratzt.

Franzosenkrankheit

Paris – Marine Le Pen – “la maladie mentale la plus connue” – hält Folter in manchen Fällen für gerechtfertigt, zum Beispiel, wenn nicht sie es ist, die gefoltert wird, sondern jemand anders. Auf die in einem Bericht des US-Senats beschriebenen brutalen Folterverhöre des US-Geheimdienstes CIA angesprochen, sagte die malade Dame: “Ich verurteile das nicht.

“Erlauben Sie mir es Ihnen zu sagen: Es kann Fälle geben, wenn eine Bombe – tick tack tick tack tick tack – in einer oder zwei Stunden explodieren soll und dabei 200 oder 300 zivile Opfer fordern würde”, so Madame Dyscalculie weiter: “Da ist es nützlich, die Person zum Sprechen zu bringen.” Dabei müßten “die Mittel” eingesetzt werden, “die möglich sind”, sagte sie.

“Zum Beispiel 180 Stunden lang den Schlaf entziehen.”

Wir haben einen Abgrund von Unvollkommenheit im Lande

In Thüringen ist die Zeit heute morgen zurückgedreht worden. Was bislang als undenkbar galt, daß nämlich diese unfaßbare Größe, die wir mangels eines besseren Ausdrucks ‘Zeit’ nennen, und von der nicht wüßten, wie wir sie denn sonst nennen sollten – vielleicht ‘Jasper von Altenbögge’? Was würde das schon groß ändern? -, dieser flüchtige Stoff, der uns immer unter den Händen zerrinnt wie ein alter Camenbert in der Pfanne, daß diese Zeit, von der wir annahmen, daß sie nie etwas anderes tun würde, als sturheil geradeaus und mit sturköpfig eingehaltener konstanter Geschwindigkeit, vor der ein Tempomat erröten müßte …

Ah! wir wollen uns nicht verdüstern! Nicht von Erröten sprechen an diesem Tag, an dem noch soviel Blut auf das Kopfsteinpflaster thüringischer Gassen fließen und durch die Spurrinnen rinnen wird, Herzblut natürlich, metaphorisches. Kein echtes. Obwohl: weiß man’s denn? Nun, da alle Naturgesetze auf den Kopf gestellt sind, die Zeit einen Satz nach hinten getan hat, und passiert ist, was nie hätte passieren dürfen, daß nämlich ein Sozialdemokrat Ministerpräsident von Thüringen werden konnte. Ein Sozialdemokrat, will das sagen, der glaubt, was er glaubt, nicht ein Sozialdemokrat wie die anderen Sozialdemokraten, die alles und nichts glauben und die nur darum ein Parteibuch haben, weil es dann besser flutscht.

Was soll nun werden, nun, da Thüringen sich spalten wird? Da der Drachentöter Biermann Auftrittsverbot erhalten wird? Der Ramelow-Putin-Pakt und die nächste polnische Teilung bevorstehen? Schon versammeln sich PGs, die die Zusammenlegung von SPD und Linke unter dem Namen ‘Sozialistische Einheitspartei Thüringens’ fordern, Plakate mit der Forderung ‘Schambach in die Produktion!’ werden über die Plätze getragen, eine landeseigene Ermittlungsbehörde für politische Straftaten wird gefordert, und im Intershop-Turm in Jena soll der erste Intershop entstehen.

Thüringen steht am Abgrund der Unvollkommenheit und blickt in den Abgrund der Unvollkommenheit. Der Abgrund blickt zurück und schweigt. Was soll er machen? Auch er wird sich fragen, was nun werden soll? Wird alles noch abgründiger, noch unvollkommener?

Soll er noch schnell umsatteln und Chefkommentator bei der FAZ werden?