Deutsche Freiheit

Wie ein deutscher Politiker, ein – nicht nur, aber auch – Verteidigungsminister einmal sagte, werde oder wurde die Deutsche Freiheit „nicht nur, aber auch“ am Hindukusch verteidigt. Damals, seinerzeit, als er es sagte, so sagte er damals, sei die Deutsche Freiheit dortselbst verteidigt worden. Nicht nur – schon auch mit Gerät -, aber zuvörderst mit Großmäuligkeit und Spruchbeuteleien. Er bekam dafür das Bundesverdienstkreuz (groß, mit Stern) und retournierte kurz darauf den Blechlöffel.

Bzw. das 4-teilige BW Feldbesteck.

Heute nicht mehr. Heute wird da nichts mehr verteidigt, außer vielleicht die Freiheit der Afghanen, sich ihre Vorbeter selbst auszusuchen. Heute haben die Landser und Muschkoten am Fuß des Hindukusch ihre Flintenschlösser vergraben, die gesamte Ausrüstung in einen Beutetoyota gepackt und eine Panzerfaust hineingejagt, die Abzeichen vom Feldrock entfernt, sich mit dünnen Staubmäntelchen zu tarnen versucht, und sich aus demselben gemacht. Was leichter klingt, als es vollbracht ist, gibt es doch reichlich Staub in Afghanistan, reichlich Staub. Sehr reichlich. Die Freiheit haben sie Freiheit sein lassen. Ab sofort kann die Deutsche Freiheit sehen, wo sie bleibt.

Und wir mit ihr. Auf was werden wir verzichten müssen, nun, da unsere Freiheit unter die Burka muß? Schon können wir nicht mehr frei zwischen Karstadt und Kaufhof wählen, dürfen nicht mehr Afrika sagen, wenn wir Afrika meinen, sondern müssen unsere Zunge an einem Kunstwort wundscheuern, wie damals, als wir statt Mannesmann plötzlich Vodafone sagen sollten. (Noch heute schaue ich gelegentlich mein Wegwerftelefon an, wenn es links oben in die Ecke des Sperrbildschirms den Namen des Netzbetreibers pinselt und denke „Igitt!“) Mauren dürfen nicht mehr mit „oh“ geschrieben werden und auch nicht als Patrone für Apotheken oder U-Bahnstationen herhalten. Der Bellizistenzirkel im deutschen Gazetticht ist seines eingebauten Durchblicks verlustig, oder er hat ihn verlegt, jedenfalls kann er ihn nicht finden. Eben war er noch da.

So wie mein USB-Stick. Nicht daß so besonders wertvoll wäre, was drauf gespeichert ist, das hab ich schon noch auf Festplatte auch. Aber es wäre doch peinlich, wenn er in unrechte Hände geriete. Ich hatte ihn immer in der Münztasche meiner Jeans; nun ist er weg. So wie der eingebaute Durchblick: man stelle sich vor, er fiele den Mahnern und Warnern, den Gutmenschen, Bessermenschen gar, den Moralprotestanten und Käßmännern in die klebrichten Pfoten, ohne daß man denen afghanische Mädchen, die zur Schule gehen dürfen, als Retourkutsche um die Ohren hauen könnte? Wo die doch sowieso seit jeher automatisch Recht zu haben glauben! Und saubere Pfoten obendrein?
Wäre das nicht schlimmer als wenn der Toyota den Taliban in die Hände gefallen wäre?

Gut möglich. Tatsache aber ist, daß die Freiheit, vom hohen Roß herab die kulturhegemoniale Konkurrenz zusammenzupredigen, ob des ihr zwischen den Schenkeln verreckenden Gauls fürs erste des eleganten Tänzelschritts wird entbehren müssen. Die Stimme der Vernunft, die auf allen Piratensendern 24/7 „Give War a Chance“ brüllte, schweigt, daß es nur so dröhnt.

Tja, was wird aus einer Freiheit, die nicht mehr verteidigt wird? Was wird aus der Unschuld, wenn die geschliffen wurde? – Wahrscheinlich dürfen wir, nun, da uns die Freiheit genommen, zu einer Puffmutter auch nicht mehr Puffmutter sagen, auch nicht, um das Doppel-u in Puffmutter dem Doppel-u in Unschuld zu spiegeln, also werde ich es nicht tun. Aber in Analogie zur damit angerissenen Antagonie möchte ich mal befürchten, daß aus der Deutschen Freiheit ein neurechtes Lifestyleblättchen werden könnte, die nennen sich ja gerne nach Dingen, die sie ebenso gerne mit Füßen getreten sähen: „Deutsche Freiheit. Für die Gebildeten unter ihren Verächtern“.

Nicht nur, aber auch.

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