Vorurteile von Wählern: Vornamen beeinflussen Wahlchancen

Sophie Schmidt und Alexander Steinbrück haben Glück: Ihre Wähler halten sie für leistungsstärker als Minister, die Chantal [Schavan] oder Justin [Jung] heißen. Eine Studie zeigt, daß Wähler Vorurteile gegen bestimmte Vornamen hegen – und manche Minister deswegen sogar als besonders „garstig“ und „zum Davonlaufen“ einstufen.

Sie sieht umwerfend aus, sie setzt sich für die Armen und Schwachen ein, sie ist reich, sie hat eine tolle Karriere gemacht. Über Angelina Jolie lässt sich viel Gutes sagen. Allerdings taugt sie nicht zum Vorbild, wenn man auf Namenssuche fürs eigene Kind ist. Wer seine Tochter Angelina nennt [wie es die Eltern von Verbraucherministerin Angelina Aigner getan haben], verbaut ihr unter Umständen eine reibungslose Politkarriere.

Denn Wähler trauen Angelinas einfach weniger zu als Hannahs, Sophies, Charlottes, wie eine Studie der Sommeruniversität Käsdorf zeigt. Einen noch schlechteren Ruf haben allerdings Chantals und Mandys.

Die Studie ist die Master-Arbeit von Politik-Studentin Friederike Lisette Ilse Marie Germanistenfuzzi, 24. Sie hat 2000 Wähler online zu ihren Namensvorlieben und den zugehörigen Assoziationen befragt. Darunter Fragen wie: Welche Vornamen würden Sie auf Ihrem Wahlzettel auf keinen Fall ankreuzen? Nennen Sie Namen von Ministern, die bei Ihnen Assoziationen à la „Nichts wie weg!“ hervorrufen! In einem zweiten Schritt ließ Germanistenfuzzi die Wähler dann vorgegebene Namen bewerten.

Ausgewertet hat sie schließlich die Antworten von insgesamt 500 Wählern und kommt zu dem Schluss: Die meisten haben Vorurteile und hinterfragen sie kaum. „94 Prozent aller Wähler gehen unreflektiert mit den eigenen Vorurteilen um“, sagt sie. Sie seien der Meinung, aus der Erfahrung heraus bewerten zu können, dass Politiker mit bestimmten Namen eher obskuren Parteien angehören, mit Trainingshose ins Parlament kommen und während der Plenarsitzungen telefonieren. Nur ein geringer Anteil nehme eine kritische Haltung den eigenen Vorurteilen gegenüber ein und warne vor Pauschalisierung.

Als eher freundlich und zuverlässig gelten den Wählern Minister mit den Namen Alexander, Maximilian [Scholz], Simon [Steinmeier], Lukas [Gabriel] und Jakob [Tiefensee]. Positiv bewertete Politikerinnennamen sind Charlotte [Zypries] und Hannah [Wieczorek-Zeul].

Auffällig schlecht bewerten die Wähler die Namen Chantal, Justin, Dennis, Marvin und Jaquelin. Doch die Höchststrafe für Politiker lautet nach Ansicht der Wähler Kevin. Er führt die Rangliste der unbeliebten Namen an, gilt als hyperaktiv und wenig sozialverträglich. Eine befragte Wählerin kommentierte: „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose. Da machen Sie automatisch einen Bogen um zu.“

Wirtschaftsminister Kevin Freiherr zu Guttenberg ließ das von seinem Sprecher Justin Dennis Marvin als „komplett an den schmierigen Haaren herbeigezogenen Unfug“ bezeichnen, der nur „jetzt in der Sauregurkenzeit in den Rang einer Nachricht gehypt“ werden konnte. Sekundiert wird zu Guttenberg von seiner Kollegin Jacquelin von der Leyen: „Das liegt am Wahlkampf. Die Leute haben einfach Langeweile in den Wochen bis zur Wahl. Weil nichts Wichtiges passiert. Und weil nichts Wichtiges passiert, hängen sie sich dann an den kleinsten Kleinigkeiten auf. Als ob hierzulande die Herkunft über Karrierechancen entscheiden würde!“

„Oder die Vornamen,“ ergänzt zu Guttenberg, der seinem Pressesprecher das Mikrophon aus der Hand genommen hat, „Blödsinn! Ausgerechnet Vornamen. Warum nicht gleich Adelstitel?“

Bundeskanzlerin Mandy Merkel wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Innenminister Maurice Schäuble schüttelte nur den Kopf. Später regte er an, groben Unfug, „wie diesen hier, in Zukunft auch mit durch das BKA“ überwachen zu lassen, „für alle Fälle. Auf Vorrat. Wenn man’s mal braucht.“

„Ich bin zwar aus dieser Ecke nicht verstimmungsfähig, aber das heißt ja nicht, daß ich die Absicht nicht bemerke, wenn in dieser ‚Studie‘ gewisse Namen mit einer gewissen Partei, und gewisse andere Namen mit einer gewissen anderen Partei in Verbindung gebracht werden.“

Apropos Parteien: völlig unerklärlich bleibt, warum ‚Guido‘, der Horror, die Mutter aller Junknamen, der Schrecken der Grundschulen, die Wort gewordene Verhaltensauffälligkeit, in der Liste der karriereverhindernden Namen den doch eher harmlosen ‚Kevin‘ nicht nur nicht von Platz 1 verdrängen konnte, sondern es nicht einmal unter die ersten zehn geschafft hat.

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