Stattlicher Eid

Weil er schon seit geraumer Zeit (ein paar Tage) keine eidesstattliche Versicherung mehr abgegeben hat, hat der hier und da in der Kritik stehende Kölner Kardinal und eidesstattliche Versicherer Rainer Maria Woelki laut einem Bericht des Käsdorfer Metropolitan (KM) nunmehr eine neue und damit vierte eidesstattliche Versicherung abgegeben. Darin bekräftige er, keine Kenntnis davon zu haben geschweige denn gehabt zu haben, daß er jemals getauft worden sei.

Wörtlich schreibt Woelki: „Ich kann mich nicht daran erinnern, daß ich getauft worden bin, daß ich während des Rituals bei der Sache gewesen wäre, daß ich etwa mitgekriegt hätte, worum es bei der Sache überhaupt ging.“ Somit könne er sich auch nicht daran erinnern, dem Satan widersagt zu haben, mit Christus in den Tod begraben worden und mit diesem wiederauferstanden zu sein. Ob er vom Heiligen Geist etwas abbekommen habe, könne er nicht sagen. Wenn, dann habe er nichts davon mitgekriegt.

Hintergrund der mittlerweile recht stattlichen Versicherei ist ein presserechtlicher Streit Woelkis mit der Pißpottpresse. Woelki wehrt sich gegen die von dieser erhobene Behauptung, er, Woelki, sei getaufter Katholik. Im Rahmen des daraus resultierenden Verfahrens vor dem Kölner Landgericht, hatte eine ehemalige Mitarbeiterin des zuständigen Erzbistums (Kölle) als Zeugin ausgesagt, sie selbst habe seinerzeit den Täufling Woelki über den Taufkessel gehalten und mit eigenen Augen gesehen, wie der Zelebrant ihm dreifach den Kopf gewässert habe.

Das Bistum hatte diese Anschuldigung zurückgewiesen und die Prüfung von arbeitsrechtlichen Schritten angekündigt. Die Frau wisse selbst nicht, „ob der Alte Adam im Kardinal ersäuft worden ist oder nicht, behauptet dieses aber einfach ins Blaue hinein“. Nachdem eine interne Prüfung ergeben hatte, daß eine nahezu hundertjährige ehemalige Mitarbeiterin durch eine Abmahnung nur noch mäßig zu beeindrucken sein würde, verzichtete das Bistum aber auf Disziplinarmaßnahmen. Es beschränkte sich lediglich darauf, ihr die ewige Seligkeit zu entziehen.

Daß Woelki sich nicht gerne öffentlich einen getauften Katholiken nennen lassen will, ist einerseits nur zu verständlich, angesichts dessen, was getaufte Katholiken schon alles angestellt haben. Nicht nur, aber auch und gerade in Woelkis Hausbistum (Kölle). Als man ihm eines Tages eine Liste mit den Namen von Getauften und dem, was diese angestellt haben sollten, vorlegte, schloß er die Augen, um das Elend nicht sehen zu müssen. In der Öffentlichkeit, soweit sie humanistisch gebildet ist, hat das Erzbistum mit den Jahren den Ruf eines Augiasstalls bekommen. Für die nicht humanistisch gebildete Öffentlichkeit reicht ein Hinweis auf das Bistum, um zu erläutern, was unter einem Augiasstall zu verstehen sei. Verstehendes Nickköppen ist die Folge.

Zur Erinnerung: Herakles (Hercules) war einst angetreten, den Stall des Königs Augias auszumisten, aus dem der Dung von hundert Jahren bereits zum Fenster herausschaute. Als Herkales seiner ansichtig wurde, schloß er die Augen, um das Elend nicht sehen zu müssen. Dann bestellte er ein Gutachten. Als ihm das nicht gefiel, bestellte er noch ein Gutachten. Das erste Gutachten schloß er weg. Dann bestellte er Claqueure und eine wohlgesinnte Presse. Als er die nicht bekam, prozessierte er und erfand das Instument der eidesstattlichen Versicherung.

Ob Woelki, der nach eigenem Verständnis angetreten war, als erster in Deutschland den Herakles zu mimen und einen der sieben Kirchenställe so richtig durchzukärchern, sich mit seiner jüngsten eidesstattlichen Versicherung einen Gefallen tut, bleibt andererseits abzuwarten. Normalerweise geht alles, was er anfängt, in die Hose, oder führt jedenfalls zu ungewogener Presse. Denn wenn er als mglw. Ungetaufter, mithin nicht sichtbar in den Leib Christi eingegliedert und der beseligenden Gottesschau beraubt, zwar heutzutage in geweihter Erde bestattet werden kann, ohne daß diese Erde den Fremdkörper abzustoßen gehalten wäre, so hätte er sich doch wiederholt der Abendmahlserschleichung schuldig gemacht. Was aus Sicht des Papstes sicherlich ein schweres Vergehen ist, schwerer als vieles von dem, was getaufte Katholiken schon alles angestellt haben, nicht nur, aber auch und gerade im Bistum Kölle.

Bis Redaktionsschluß ist es uns leider nicht gelungen, zu ermitteln, ob es – das exkommunikationsbewehrte Verbot der Frauenordination in Rechnung gestellt – eigentlich zulässig sei, einen Kardinal mit zweitem Vornamen „Maria“ zu taufen. Äähh – zu nennen. Nicht taufen. Nennen.

Oder ob nicht auch das sofortige Exkommunikation nach sich ziehen sollte.

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