Mütter gegen Autobahnen

Völlig willkürliches, an den Zähnen herbeigezogenes Ergebnis

Wie hatte ich mich nicht auf diesen Streik gefreut,

dachte ich mir doch: „Was können sie sich in diesem Streik weigern zu tun, was sie sich nicht ohnehin zu tun weigern?

Dem Fahrgast Informationen zu geben, mit denen er was anfangen kann, die ihm das Leben erleichtern oder auf die er vielleicht sogar angewiesen ist?

Die kriegt er sowieso nicht.

Also kann das Zugbegleitpersonal, wenn es die Arbeit niederlegt, nur eines tun:
sich weigern, die entwürdigende, den Zugchef zum Animiertölpel, Anreißer und Aal-Ole degradierende, vom Bahnvorstand zum Zerbrechen von Rückgraten, zur Beugung von Nacken unter das Joch und zum Niederhalten des Quarks erfundene und befohlene Aufforderung an den Fahrgast, die Bordspelunke aufzusuchen und dort etwas zu sich nehmen, was nach Mehdorns perfidem Willen obendrein „Frühstück ‚basic'“ heißen muß, diese Aufforderung, mit der Gast und Schaffner zugleich gedemütigt werden sollen, diese ‚Information‘, die der Gast nicht braucht, die er nicht will und die ihm das Leben vergällt, die werden sie sich weigern in die Bordmikrofone zu sprechen.

Ja, das werden sie. Und dann wird es nicht mehr lange dauern, bis wir und sie uns in den Armen liegen, gemeinsam die 1. Klasse schleifen, die dort neuerdings ausliegenden Handelsblätter in die 1. Klasse Klos stopfen, Klöster plündern, Feudalurkunden verbrennen und hämisch grinsend mit Fingern auf den fallenden Dax zeigen werden.
Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf werden unsere Anführer sein, und Ströme von Blut werden durch die gentrifizierten Bahnhöfe fließen.“

Ja Kuchen.
(Köstlicher Butterkuchen mit einem Heißgetränk Ihrer Wahl*
Ihr Preisvorteil: 4,50 EUR
* Pott Kaffee, Tee oder Trinkschokolade)

Liebe Nichtraucher,

dieser Zettel kam heute morgen – in einen Stein gewickelt – über die Firewall geflogen.

Wir nehmen an, er ist für Euch und Ihr wißt schon, was Ihr damit anfangen sollt:

Versucht nie, jemanden so zu machen wie ihr selbst seid – ihr wißt es, und Gott weiß es, daß einer von euch ausreichen würde.

Bei weitem ausreichen würde.

Aber hallo.
(Ralph Waldo Emerson)

Dorian Gray auf dem Lande

„Harry, du bist schrecklich! Ich weiß nicht, warum ich dich so gern habe.“

„Du wirst mich immer gern haben, Dorian,“ erwiderte er. „Wollt ihr Kaffee haben, Jungs? – Uli, bringst du nochmal drei Kaffee und drei Piccolo und Zigaretten?
Nach draußen?
Natürlich nach draußen!
Wir wollen schließlich rauchen. Was hast du gedacht, was wir mit den Zigaretten vorhaben, ankucken? Achso, und, Uli, vergiß die Zigaretten, ich hab selbst welche. Basil, ich kann nicht mit ansehen, daß du Zigarren rauchst. Du mußt eine Zigarette nehmen. Eine Zigarette ist der vollendete Typus eines vollendeten Genusses. Sie ist köstlich, und sie läßt einen unbefriedigt. Was kann man mehr verlangen? Außer einem Stuhl, einem Tisch, einem Dach über dem Kopf, dem traulichen Fauchen der Schwefelhölzchen, der heimeligen Dunkelheit der ausgesperrten Nacht vor den Gasthausfenstern und dem Wohlwollen der nichtrauchenden Mitmenschen? Es gibt nur eins, was schlimmer ist, als an einem windigen, regnerischen Tag bibbernd und mit klammen Fingern vor der Tür zu stehen und zu rauchen, und das ist, nicht vor der Tür zu stehen und zu rauchen.“

„Was redest du für Unsinn, Harry!“ rief der Jüngling und zündete vergeblich schon das siebte Streichholz aus dem Heftchen ‚500 Jahre Gasthof Niedersachsen, 500 Jahre Streichholzwerbung – ein starkes Team‘, das der Wirt mitgebracht hatte und das im Regen immer weicher wurde. „Laßt uns ins Theater gehn. Wenn Sibyl auf die Bühne kommt, bekommst du ein neues Lebensideal. Sie wird dir etwas darstellen, was du nie kennen gelernt hast.“

„Ich habe alles kennen gelernt,“ sagte Lord Henry mit einem müden Blick in den Augen, „aber ich bin immer bereit, mich neu erregen zu lassen. Ich fürchte jedoch, daß ich für mein Teil nichts dergleichen finden werde. Außer vielleicht das Rauchverbot in niedersächsischen Gaststätten. Indessen, vielleicht bringt dein wundervolles Mädchen mich zur Ergriffenheit. Ich liebe das Theater. Es ist so sehr viel wirklicher als das Leben. Laßt uns gehen. Dorian, du kannst mit mir fahren. Es tut mir leid, Basil, aber im Brougham ist nur Platz für zwei. – Uli, ruf Karl an, er soll mit dem Taxi kommen.«

Sie zogen ihre Regenjacken fester und schlürften den Kaffee im Stehen. Der Maler war schweigsam und gedrückt. Es lag etwas Düsteres über ihm. Er konnte dieses Rauchverbot nicht ertragen, aber doch schien es ihm besser als vieles andre, was hätte geschehn können. Nach ein paar Minuten kam das Taxi. Er fuhr allein, wie sie verabredet hatten, und sah auf die im Regen brechenden Rückleuchten des vorausfahrenden Broughams. Ein seltsames Gefühl des Unwiederbringlich Verlorenen überkam ihn. Er fühlte, der Gasthof Niedersachsen würde nie wieder das für ihn sein, was er früher gewesen war. Das Leben war zwischen sie getreten…. Seine Augen wurden dunkler, und die grellen überlaufenen Straßen verschwammen vor ihnen. Als Karl am Theater vorfuhr, war es ihm, als sei er viele Jahre älter geworden.

Kulturpessimist gibt erstmals Fortschritt zu

Zum ersten Mal in seinem dreitägigen Bestehen hat der Verein der Kulturpessimisten / Vereinigte Zukunftsgegner (VdK/VZ) angedeutet, daß auch die Gegenwartsmenschheit zu Fortschritten in der Lage zu sein scheint.

„Dieser Schierlingsbecher für unterwegs, in der handlichen 0,2-Liter Dose, den Aldi Nord seit Mittwoch im Angebot hat – sowas hat es bisher nicht gegeben. Anscheinend ist die Gegenwart von heute – Gegenwart 2.0, wie ich sie gern abschätzig nenne, aber davon nimmt sie sich nichts an, wie denn auch! – doch zu etwas gut.“

So der Erste Vorsitzende Quastel im Gespräch.

„Für alle, denen es eines Tages zu bunt und unübersichtlich wird. Können Sie immer dabei haben. Sie sehen irgendwo Prosecco in Dosen und wollen nicht mehr leben? Dose aus der Tasche nehmen, mit den Zähnen den Ring abreißen, bis drei zählen – hopp!
Und Ex.“

Junge Union: keine künstlichen Hüftgelenke für militante G-8-Gegner

Er war damals noch nicht einmal geboren: JU-Chef Mißfelder, 27, fühlt sich durch die Aktionen militanter G-8-Gegner dennoch an die Frühzeit des RAF-Terrorismus, die Schreckensherrschaft der Jakobiner, den Spartacusaufstandes und ähnliche Jugendverfehlungen heutiger Rentner erinnert. Wie diesen sollten auch den G-8-Gegnern keine künstlichen Hüftgelenke auf Kosten der Krankenkassen eingebaut werden.

Hamburg – Die militanten Attacken von G-8-Gegnern erinnerten ihn an die Untaten der Sansculotten, sagt der 1799 geborene Philipp Mißfelder (CDU). Auch damals habe sich die Gewalt zunächst gegen Sachen gerichtet, auch damals seien Fahrräder abgefackelt worden, sei die Bild-Zeitungsredaktion aus Hamburg vertrieben worden, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Wie damals fehle es den Linken auch heute an Distanzierung. Er spüre eine „klammheimliche Freude, die sich breit macht“. „Deswegen müssen sich alle Parteien klar von der Gewalt abgrenzen“, verlangte er.

In den vergangenen Tagen waren wiederholt Autos von Repräsentanten von Politik und Wirtschaft an Laternen gehängt oder unter dem hämischen Gespött von Globalisierungsverlierern auf Mistkarren dem Schafott zugeführt worden, darunter war auch ein Wagen von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann.

Laut Mißfelder sind alle die Revolutionäre von einst heute gebrechlich und nicht mehr gut zu Fuß. Um sie an weiteren Straftaten zu hindern, sollten ihnen auf keinen Fall künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft eingesetzt werden. Früher sei der dritte Stand auch auf Krücken gelaufen und habe gebettelt. Habe es ihm etwa geschadet?
Für die Zukunft müsse man sich darauf einstellen, daß nicht jeder medizinische Fortschritt automatisch und auf Kosten der Allgemeinheit in Anspruch genommen werden kann. Die beste private Vorsorge gegen Oberschenkelhalsbrüche aber sei, nicht auf Demonstrationen zu gehen und fein zuhause zu bleiben.

Der Leiter des Polizeieinsatzes beim G-8-Gipfel in zwei Wochen im mecklenburgischen Heiligendamm, Knut Abramowski, rechnet während des Treffens nicht mit solchen Verletzungen. Bislang gebe es keine Hinweise darauf, sagte er der „Passauer Neuen Presse“. Er erwartet aber keinen friedlichen Verlauf der angekündigten Blockaden von Globalisierungskritikern. „Wir können nicht von der Friedfertigkeit der Blockierer ausgehen, sondern müssen auch mit Hüftgelenksverletzungen rechnen.“ Abramowski bekräftigte frühere Ankündigungen, Blockaden nicht zu dulden, sagte aber, „im Ausnahmefall“ könne das geschehen. „Im Vordergrund steht die Deeskalation: Zuerst werden wir immer mit den Rentnern reden.“

Schröder über Gebrauchtwagenhändler

Ex-Kanzler Gerhard Schröder ist der festen Überzeugung, daß es sich bei ihm um einen lupenreinen, vertrauenswürdigen Gebrauchtwagenhändler handelt.

Er sei sicher, daß er, Schröder, den Kunden „zu ordentlichen, verkehrssicheren und preiswerten Fahrzeugen verhelfen will und verhelfen werde.“ Er sei sich auch sicher, daß die Leute seine Autos haben wollen. „Die kaufen mir noch ganz andere Sachen ab“, so Schröder.

Daß das nach 44 Jahren SPD-Mitglied-, Ministerpräsident- und Kanzlerschaft, Juso- und Aufsichtsratsvorsitz, sowie einer gründlichen Ausbildung in Eisenwarenhandel und Rechtshändeln nicht ohne eine gewisse Schlitzohrigkeit und die eine oder andere durchgereichte Schrottlaube abgehe, das wisse man doch.

„Präsident Nixons historische Leistung ist es, den Gebrauchtwagenhändler als Symbol für königliches Kaufmannstum und Ehrbar- sowie Ehrlichkeit in der Politik überhaupt erst erfunden und institutionalisiert zu haben“, erklärte der Ex-Kanzler.

Schröder über diese einmalige Gelegenheit

Ex-Kanzler Gerhard Schröder ist der festen Überzeugung, daß es sich bei diesem Fahrzeug um einen lupenreinen, unfallfreien, scheckheftgepflegten Garagenwagen mit geregeltem Katalysator und diversen Extras handelt, mit dem man „ohne weiteres“ noch bis zur Algarve und „möglicherweise“, nein, „wahrscheinlich, also bestimmt“ auch zurück kommt.

Die Diskussion über den Wagen von letzter Woche, der es nicht mal bis zur Ampel geschafft hatte, sei in Deutschland von „Missverständnissen“ und „unternehmerfeindlichen Reflexen“ geprägt, rügt Schröder. Es sei „nicht in Ordnung“, daß in den westlichen Medien sofort ihm, dem Händler, die Schuld für das rausgefallene Getriebe gegeben worden sei.

Schröder vermied im Verkaufsgespräch eine eindeutige Stellungnahme zum Vorhandensein einer Klimaanlage und verwies auf historisch gewachsene und kulturell bedingte Auffassungsunterschiede bezüglich der Bedeutung von „TÜV/ASU neu“. Gerade heute nachmittag gebe es ein „historisches Zeitfenster“, diese einmalige Gelegenheit zu ergreifen – bevor der Wagen nach Asien verkauft werde.

Statt das hässliche Wort „Nuckelpinne“ aufzugreifen, spricht Schröder nur von dem „voll aufgepumpten Reserverad, mit noch Profil“ und „so gut wie neuen Schonbezügen, kaum Flecke“, dem „innenbeleuchteten Aschenbecher“ und der „Handvoll Sicherungen als Draufgabe“ die er geben wolle, „oder vielleicht ist es auch die Glühbirne, aber jedenfalls war der mal innen beleuchtet. Glühbirne geb ich auch noch zu.“

Schröder über die Bundestagswahl 2005

Ex-Kanzler Gerhard Schröder ist der festen Überzeugung, daß es sich bei dem Ergebnis der Bundestagswahl 2005 um eine lupenreine Niederlage der Kanzlerkandidatin Merkel gehandelt habe.

Die Diskussion über den Wahlausgang sei in Deutschland von „Missverständnissen“ und „pressegesteuerter Schröderfeindlichkeit“ geprägt, rügt Schröder. Die achtziger und neunziger Jahre mit ihren CDU Wahlsiegen würden bei uns immer noch gepriesen, dabei hätte unter Kohl der Abstieg zu Rot-Grün stattgefunden.

Zu seinem, Schröders, Auftreten in der Berliner Runde fällt Schröder vor allem ein, dass es „nicht in Ordnung“ war, daß in den westlichen Medien sofort Putins Vodka verdächtigt wurde.

„Meine, Gerhard Schröders, historische Leistung ist es, durch meine Vertrauensfrage die Neuwahlen als Voraussetzung für Frau Merkels Niederlage überhaupt erst möglich gemacht zu haben“, erklärte der Ex-Kanzler.

Schröder über Baron Münchhausen

Ex-Kanzler Gerhard Schröder ist der festen Überzeugung, daß es sich bei dem Freiherrn von Münchhausen um die lupenreine Verkörperung von Wahrheitsliebe handelt.

Die Diskussion über Münchhausen sei in Deutschland von „Missverständnissen“ und „antifeudalen Reflexen“ geprägt, rügt Schröder. Er sei sicher, daß der Baron seinem Publikum die Wahrheit habe sagen wollen, die ganze Wahrheit, und nichts als die Wahrheit.

Das es bei der Niederschrift wirklicher Erlebnisse nicht ohne Zugeständnisse an die Handlungsökonomie, an suspense und thrill, und auch nicht ohne ein gewisses corriger la vérité abgehe, wisse man doch.

„Zar Putins historische Leistung ist es, den Türkenkrieg als Voraussetzung für eines von Münchhausens schönsten Erlebnissen – den Ritt auf der Kanonenkugel – geführt und damit Münchhausens Wahrheitsliebe überhaupt erst möglich gemacht zu haben“, erklärte der Ex-Kanzler.